Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V (DMSG)


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Basisdatensatz und erste Ergebnisse des MS-Registers

Basisdatensatz und erste Ergebnisse der Pilotphase eines flächendeckenden epidemiologischen MS-Registers unter Federführung der Deutschen-Multiple-Sklerose-Gesellschaft (DMSG)

P. Flachenecker, U. Götze, U. K. Zettl, für die MS-Register-Gruppe (MSRG):
W. Elias (Hamburg), M. Eulitz (Dresden), P. Flachenecker (Würzburg), A. Foit (Bad Wildbad), G. Gillwald (Rostock), U. Götze (Hannover), J. Haas (Berlin), M. Pette (Dresden), D. Pitschnau-Michel (Hannover), P. Rieckmann (Würzburg), S. Schimrigk (Bochum), G. Schröder (Berlin), M. Schröder (Berlin), M. Steinmayr (Berlin), U.K. Zettl (Rostock)

EINLEITUNG

Die genaue Zahl der an multipler Sklerose (MS) Erkrankten, deren Verlaufsformen und die Versorgungssituation in Deutschland sind weitgehend unbekannt. Hochrechnungen aufgrund regionaler epidemiologischer Erhebungen variieren zwischen 67.000 und 138.000 Patienten1; bezüglich der medizinischen Behandlung dürften MS-Patienten eher unter- als überversorgt sein. Zur Klärung dieser Fragen wurde 2001 unter Federführung des DMSG-Bundesverbandes die Einrichtung eines flächendeckendes MS-register initiiert2.


METHODIK

1. Definition des Basisdatensatzes

  • Persönliche Daten
  • Diagnosestellung und diagnostische Sicherheit
  • Verlaufsformen und Erstsymptomatik
  • Krankheitsaktivität
  • Behinderungsgrad und funkt. Einschränkungen
  • Soziale Situation
  • Immun- und symptomatische Therapie

2. Konsensusbildung

  • Diskussion im Rahmen der Multiple Sklerose Datenbank-Konsensusgruppe (MSDKG)
  • Akzeptanz im Umlaufverfahren Dezember 2001

3. Beteiligte Zentren

In der Pilotphase (2 Jahre) beteiligen sich sechs Zentren mit unterschiedlichen Versorgungsstufen: 

    Bad Wildbad     Rehabilitationsklinik
    Berlin     Allgemeinkrankenhaus
    Bochum     Universitätsklinik
    Hamburg     Schwerpunktpraxis
    Roststock     Universitätsklinik

    Würzburg

    Universitätsklinik

Damit wird eine repräsentative Auswahl auch unterschiedlicher regionaler Gegebenheiten gewährleistet (Ballungsraum, mittlere Großstadt und Großstadt mit ländlichem Einzugsgebiet).

Die Datenerhebung erfolgte vom 7.1. - 31.7.2002.


ERGEBNISSE

DGN2002 -  Abbildung 1

Dauer: Krankheitsdauer in Jahren, Diagnose: Zeitdauer vom Erst-
symptom bis zur Diagnosestellung in Jahren
(Mittelwert ± Standardabweichung).

Im Mittel erkrankten die Patienten im Alter von 29,3 Jahren. Bei der aktuellen Untersuchung betrug das mittlere Alter 40,6 Jahre entsprechend der mittleren Krankheitsdauer von 11 Jahren.

DGN2002 -  Abbildung 2

Die häufigste Verlaufsform war die schubförmige MS (RR) mit 63%. Die progredienten Verlaufsformen (sekundär: SP, und primär: PP) kamen bei 27% bzw. 5% aller Patienten vor. Ein isoliertes neurologisches Defizit (CIS) war bei 1% anzutreffen.

DGN2002 -  Abbildung 3

Die EDSS-Verteilung zeigte den bekannten zweigipfligen Verlauf mit Maxima bei EDSS 1,5 und 6,5:

DGN2002 -  Abbildung 4

Voll berufstätig waren nur noch 39% der Patienten. 32% bezogen aufgrund der MS Rente wegen Erwerbsunfähigkeit.

DGN2002 -  Abbildung 5


ZUSAMMENFASSUNG

Die vorliegende Erhebung zeigt, dass die Entwicklung eines epidemiologischen Registers zur Multiplen Sklerose grundsätzlich möglich ist und innerhalb eines kurzen Zeitraumes eine grosse Anzahl von Datensätzen gewonnen werden kann. Die erste Auswertung stimmt mit den aus der Literatur bekannten Daten zum natürlichen Krankheitsverlauf überein3,4. Damit lassen sich bereits in dieser Stichprobe repräsentative Aussagen zur Epidemilogie, Versorgungssituation und therapeutischen Massnahmen treffen, die Gegenstand derzeitiger Auswertungen sind.


LITERATUR

1 Flachenecker P, Zettl UK (2002) Epidemiologie. In: Schmidt RM, Hofmann F (Hrsg) Multiple Sklerose. Urban & Fischer Verlag München, pp 4- 11

2 Flachenecker P, Zettl UK, für die MS-Register-Gruppe (2001) Aufbau und Entwicklung eines epidemiologischen MS-Registers mit Hilfe einer Internet-Datenbank unter Federführung der DMSG. Akt Neurol 28:S118-119

3 Weinshenker BG, Bass B, Rice GP, Noseworthy JH, Carriere W, Baskerville J, Ebers GC (1989) The natural history of multiple sclerosis: a geographically based study. 1. Clinical course and disability. Brain 112:133-146

4 Rodriguez M, Siva A, Ward J, Stolp Smith K, O'Brien P, Kurland L (1994) Impairment, disability, and handicap in multiple sclerosis: a population-based study in Olmsted County, Minnesota. Neurology 44:28-33

 

Redaktion: DMSG, Bundesverband e.V. -

 

 

Letzte Änderung: 29.08.2008


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