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Schmerzen

Schmerzen bei MS

Entgegen der landläufigen Meinung, dass Schmerzen bei der MS nicht vorkommen würden, können diese in erheblichem Maße die Lebensqualität beeinträchtigen. Schmerzen können auftreten als:
• direkte Folge der MS (akute Sehnerv-Entzündung – Optikusneuritis), anfallsartige Schmerzen wie bei der Trigeminusneuralgie, tonischen Hirnstammanfällen oder dem Lhermitte-Zeichen, schmerzhafte Missempfindungen oder sogenannte pseudoradikuläre Schmerzen)
• indirekte Folge durch MS-Symptome, zum Beispiel schmerzhafte Spastik, Fehlhaltung, Verkürzung von Muskeln, Sehnen und Bändern, Druckläsionen und Wundliegen.
Daneben kann beispielsweise die Interferon-Therapie Gliederschmerzen verursachen.
Selbstverständlich können Schmerzen auch unabhängig von der MS auftreten.

Therapieziel

Weitgehende Linderung der Schmerzen, um die Beeinträchtigungen der Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit zu verringern.

Therapie

Je nach Ursache der Schmerzen kommen unterschiedliche medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen zum Einsatz. Deshalb ist die genaue Kenntnis der Schmerzursache wichtig.

  • Paroxysmale (anfallsartige) Schmerzen sprechen in der Regel gut auf Antiepileptika wie Carbamazepin (unter anderem Finlepsin®, Sirtal®, Tegretal®, Timonil®), Gabapentin (Gabax®, Neurontin®) oder Pregabalin (Lyrica®) an.
  •  Chronische schmerzhafte Missempfindungen werden dagegen mit Amitriptylin (Saroten®) oder auch Antiepileptika behandelt.
  • Bei Gelenk-, Muskel- und Wirbelsäulenschmerzen sollten bevorzugt physiotherapeutische Maßnahmen eingesetzt werden, unterstützt von entzündungshemmenden Medikamenten (nicht-steroidale Antiphlogistika, zum Beispiel Diclofenac, Handelsnamen unter anderem Voltaren®, Diclac®).
  • Die Nebenwirkungen der Interferon-Therapie können oftmals gut durch Ibuprofen behoben werden.

Verabreichungsform

Alle Medikamente gibt es als Tablette; die Dosierung ist individuell. Diclofenac ist auch als Salbe/Gel zum Einreiben der Gelenke sowie als Zäpfchen erhältlich. Ibuprofen wird auch als Salbe/Gel, Zäpfchen und als Granulat zum Auflösen in Wasser angeboten.

Gegenanzeigen

Diclofenac darf nicht verwendet werden bei Asthma, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, während der Schwangerschaft.
Carbamazepin sollte in der Schwangerschaft nicht genommen werden.
Pregabalin sollte in der Schwangerschaft nicht angewendet werden.
Amitriptylin darf nicht genommen werden, wenn die vollständige Entleerung der Harnblase nicht möglich ist. In der Schwangerschaft und Stillzeit sollte darauf verzichtet werden.

Wirkweise

Diclofenac und Ibuprofen unterbinden beziehungsweise hemmen die Entstehung bestimmter Gewebshormone, die für Schmerz verantwortlich sind.
Carbamazepin: Der Wirkmechanismus ist noch nicht geklärt; angenommen wird, dass Carbamazepin auf die Leitfähigkeit der Axone von Nervenzellen einwirkt.
Gabapentin: Der Wirkmechanismus ist noch nicht geklärt; angenommen wird, dass Gabapentin die Erregungsleitung von Nervenzellen hemmt.
Pregabalin normalisiert im Zentralen Nervensystem die Freisetzung von sogenannten Neurotransmittern (biochemische Stoffe, die die Reizweiterleitung von Nervenzelle zu Nervenzelle beeinflussen).
Amitriptylin ist ein Antidepressivum, dessen Wirkweise nicht genau geklärt ist; angenommen wird, dass es für ein Gleichgewicht verschiedener Botenstoffe im Gehirn sorgt.

Nebenwirkungen

Diclofenac: Magen- und Darmbeschwerden, Störungen bei der Blutbildung, Schwindel, Müdigkeit, Erhöhung der Leberwerte.
Ibuprofen: Magen-Darmbeschwerden.
Carbamazepin: Benommenheit, Schwindel, Doppelbilder. Die Wirkung der Antibabypille wird aufgehoben.
Gabapentin: Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gewichtszunahme, Nervosität, Schlaflosigkeit.
Pregabalin: Benommenheit, Schläfrigkeit, Gewichtszunahme, Schwindel.
Amitriptylin: Mundtrockenheit, Benommenheit, Müdigkeit, Schwindel, niedriger Blutdruck, erhöhte Pulsfrequenz, Sprachstörungen, Zittern, Verstopfung, Gewichtszunahme.

pseudoradikuläre Schmerzen = unspezifische, örtlich begrenzte Schmerzen im Rücken, die periodisch einseitig in Arm oder Bein ausstrahlen. Der Spinalnerv selbst ist in seiner Funktion nicht beeinträchtigt.

Lhermitte-Zeichen = Nackenbeugezeichen, das bei der MS häufiger vorkommt und beim Vorwärtsneigen des Kopfes zu elektrisierenden, kribbelnden vom Nacken in Arme oder Beine ausstrahlende Mißempfindungen führt.

Trigeminusneuralgie = neuralgiformer Gesichtsschmerz vom Nervus trigeminus ausgehend.

idiopathisch: anfallsartige heftigste, blitzartig einschiebende, quälende, sich wiederholende Schmerzen, meist im Gebiet der Wange und der Oberlippe oder des Kinns, der Unterlippe und des Unterkiefers, selten im Gebiet der Stirn und des Auges, meist im Alter, qualvoller Zustand. Keine andere Grunderkrankung, in manchen Fällen liegt eine Gefäßschlinge dem Nerv an und irritiert diesen.

symptomatisch: als Symptom eines meist fassbaren Krankheitsprozesses, länger anhaltend, oft auch brennend, zumeist mit Sensibilitätsstörungen z. B. als Folge eines MS-Herdes

Letzte Änderung: 02.11.2010

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