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Kognitive Störungen

Was sind kognitive Störungen?

Unter dem Sammelbegriff der kognitiven Funktionen sind unterschiedliche Leistungen des Gehirns zusammengefasst. Dazu gehören: Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Rechenfähigkeit, Planen, Probleme lösen, Strukturierung und schlussfolgerndes, Urteil bildendes Denken.

Unter kognitiven Einschränkungen leiden nach jüngsten Erhebungen (deutsches MS-Register) rund 40 Prozent der MS-Erkrankten.  Beschwerden können frühzeitig im Krankheitsverlauf und auch bei Patienten ohne schwerwiegende körperliche Beeinträchtigung auftreten.

Therapieziele

Steigerung der Lebensqualität durch: Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten, Erleichterung des Alltags und gegebenenfalls des Berufslebens, Abbau von Unsicherheit und Ängsten, Stärkung des Selbstbewusstseins.

Nicht-medikamentöse Therapie

Kognitive Beeinträchtigungen können wirksam mit einem zielgerichteten neuropsychologischen Funktionstraining behandelt werden. Dies wurde in mehreren Studien nachgewiesen.
Voraussetzung für eine erfolgversprechende Therapie ist die genaue Kenntnis der gestörten Komponente und die Abgrenzung gegenüber Depression und Fatigue. Deshalb ist eine individuelle, ausführliche und sorgfältige neuropsychologische Diagnose erforderlich.
Zu den neuropsychologischen Trainings zählen:

  • Restitutive Übungen mit dem Ziel, geschwächte Funktionen weitgehend wiederherzustellen. Dies geschieht zum Beispiel mit Aufmerksamkeitstrainings und Wahrnehmungstherapien.
  • Kompensationsstrategien, um ein Ziel auf einem anderen Weg zu erreichen – zum Beispiel durch den Einsatz gut erhaltener Fähigkeiten. Trainiert wird dies durch Verhaltensanpassung, Zeit- und Selbstmanagement, Gedächtnistherapien.
  • Anpassung der Umwelt an die Behinderung, wenn sich eine gestörte Funktion nicht wiederherstellen lässt, zum Beispiel über den Einsatz von Hilfsmitteln.
  • Eine integrative Therapie mit dem Ziel, das höchstmögliche Maß an Lebensqualität unter Berücksichtigung der persönlichen Wünsche zu erreichen, integriert alle Therapie-Ansätze und kombiniert sie mit Methoden des Coachings sowie unterstützenden Entspannungstherapien.

Medikamentöse Therapie

Zur medikamentösen Therapie kognitiver Störungen gibt es nur vereinzelte Studien. Sofern noch Schübe vorhanden sind, kann die immunmodulatorische Therapie zur Stabilisierung der kognitiven Einschränkungen beitragen, wie einige randomisierte placebokontrollierte Studien mit Interferon-beta 1a und 1b nahelegen.
Eine symptomatische medikamentöse Therapie ist so gut wie nicht untersucht. Im Einzelfall kann zur Unterstützung der neuropsychologischen Therapie ein Versuch mit Donepezil (Arizept®) unternommen werden. 

Verabreichungsform

Immunmodulatorische Therapie mit Interferon-beta: siehe dort
Donepezil (Arizept®): Tabletten, tägliche Dosis 10 mg 

Gegenanzeigen

Immunmodulatorische Therapie mit Interferon-beta: siehe dort
Donepezil (Arizept®): Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, Asthma, schwere Leberfunktionsstörungen.

Wirkweise

Immunmodulatorische Therapie mit Interferon-beta: siehe dort
Donepezil (Arizept®) zählt zur Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer. Cholinesterase baut den Botenstoff Acetylcholin ab, der bei Denkprozessen eine wichtige Rolle spielt. Donepezil erhöht das Acetylcholin-Vorkommen im Gehirn und ist zur Behandlung der Alzheimer-Demenz zugelassen.

Nebenwirkungen

Immunmodulatorische Therapie mit Interferon-beta: siehe dort
Donepezil (Arizept®): Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Albträume, verstärkte Spastik, Sensibilitätsstörungen.

Wichtig

Die durch MS bedingten Gedächtnisschwächen sind grundsätzlich andere als diejenigen, die Demenzerkrankungen (insbesondere vom Typ Alzheimer) kennzeichnen.
Um das Verständnis für diese „unsichtbaren Symptome“ zu fördern und Unsicherheiten abzubauen, ist die Beratung nicht nur der Betroffenen, sondern oft auch der Angehörigen/Bezugspersonen wichtig.

restitutieren = wiederherstellen

Letzte Änderung: 02.11.2010

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