DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Der neue Geschäftsführer des DMSG-Bundesverbandes stellt sich vor

Anfang des Jahres wechselte der langjährige Geschäftsführer des DMSG-Landesverbandes Saar e.V. zum Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) nach Hannover. Die Bundesgeschäftsführung ist eine Aufgabe, bei der ihm seine umfangreichen interdisziplinären Erfahrungen auf Verbandsebene, in der Verwaltung und aus der Praxis zugutekommen werden. Im Interview verrät der neue Mann an der Spitze der DMSG mehr über seine Pläne und Ziele:

"Ich werde in diesem Jahr 50 Jahre alt. Geboren wurde ich in einer kleinen Gemeinde im Saarland. Meine berufliche Laufbahn habe ich als recht junger Mensch in einer Landkreisverwaltung begonnen. Meinen sich daran anschließenden Zivildienst habe ich bei der DMSG Saar abgeleistet. Ich bin also im Alter von 20 Jahren in Kontakt mit MS-Erkrankten, ihren Angehörigen und Familien und der Arbeit der DMSG gekommen und habe viele Lebensgeschichten erfahren und mitverfolgen dürfen. Ich begann dann ein Studium der Neueren Geschichte und Germanistik, das ich mit einem Magister abgeschlossen habe. Im Jahr 2000 wurde ich Geschäftsführer der saarländischen DMSG. Während meiner Tätigkeit für den Landesverband habe ich ein Masterstudium in Gesundheitsökonomie absolviert."

Was hat Sie überzeugt, nach 18 Jahren als Geschäftsführer der DMSG Saarland die Bundesgeschäftsführung zu übernehmen? Wie können Sie Ihre Erfahrungen als Landesgeschäftsführer einbringen?

"Das Saarland ist ein sehr schönes Land. Viele stellen es sich vielleicht noch als Land der Kohle- und Stahlindustrie vor. Aber das ist, was die Kohle angeht, bereits Geschichte. Es gibt im Saarland unglaublich viele grüne Flecken und schöne Landschaften. Die DMSG im Saarland hat bereits vor 25 Jahren begonnen, im Bereich Pflege und individuelle Betreuung von schwerbehinderten MS-Erkrankten Dienstleistungen anzubieten, was sie noch heute tut. Diese Erfahrungen kann ich in den gesamten Verband einbringen."

Welche Synergien erwachsen aus Ihren langjährigen Kenntnissen der Verbandsstrukturen?

"Für die DMSG besteht die Chance, sich in den Bereichen der persönlichen Betreuung, Assistenz oder ähnlicher Dienstleistungen neue Aufgabenfelder zu erschließen. Die DMSG hat einen ungeheuren Erfahrungsschatz in der persönlichen Beratung ihrer Mitglieder, der auch für die genannten Aufgaben gehoben werden kann. Aus meiner Arbeit im Landesverband kenne ich die Bedürfnisse und Wünsche unserer Mitglieder gut. Ich denke, dass dies eine gute Basis ist, Angebote zu machen, Projekte zu planen und auch die Interessen der Erkrankten nach außen zu vertreten."

Wo steht die DMSG aktuell? Wie lauten Ihre Ziele und Pläne für die Zukunft der DMSG?

"Die aktuellen Zahlen MS-Erkrankter zeigen, dass wir noch stärker unser Profil für potentielle Mitglieder schärfen müssen. Unsere Stärke sind die unabhängige und individuelle Beratung der MS-Erkrankten. Sie nimmt viel Zeit in Anspruch, weil die Probleme und Anliegen häufig sehr komplex sind, und wird selten genügend Wert geschätzt und ist leider auch nicht gesichert finanziert. Die Beratung führt ganz konkret zu höherer Lebensqualität der MS-Erkrankten, indem wir für eine zielgerichtete und bessere Versorgung der Menschen sorgen.

Ein weiterer Nutzen der Selbsthilfearbeit steckt jedoch gesamtgesellschaftlich gesehen in der Aufrechterhaltung von sinnhaften Lebensbezügen der Menschen. Dass noch immer viel zu viele MS-Erkrankte frühzeitig berentet werden und damit auf eine meist geringe Erwerbsminderungsrente angewiesen sind, stellt ein Problem dar, dem sich die DMSG auch mit neuen Angeboten stellen sollte.

Trotz aller modernen Möglichkeiten bin ich der Ansicht, dass die persönliche Beratung in der eminent krisenhaften Situation nach einer Erstdiagnose oder nach einem massiven Schub oder anderen, die eigene Lebensplanung umwerfenden Ereignissen im Leben von MS-Erkrankten ein Pfund ist, mit dem wir weiter wuchern müssen. Nach vielen Jahren, in denen die Selbsthilfe um ihren Ruf kämpfen musste, ist die Anerkennung der Selbsthilfearbeit wieder auf der politischen Ebene angekommen. Die DMSG sollte in ihrer Gesamtheit schauen, ob es nicht an der Zeit ist, sich der intensiven Betreuung einzelner MS-Erkrankter, die ihr Leben nicht mehr alleine meistern können, mit eigenen zusätzlichen Angeboten zu widmen. Mit dem Bundesteilhabegesetz sind auch für viele DMSG-Mitglieder die Möglichkeiten größer geworden. Darüber müssen wir umfassend informieren."

Welche Herausforderungen sehen Sie? Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen?

"Wir sind in den letzten Jahren gut vorangekommen in der übergreifenden Zusammenarbeit aller DMSG-Verbände. Dies zeigt sich in den Projekten, die von fast allen Landesverbänden gemeinsam getragen worden sind. Die gute und gelungene Zusammenarbeit sollte weiterverfolgt und intensiviert werden.

Als Projekte liegen mir vor allem die Angebote am Herzen, die mit Bewegung oder Sport zu tun haben. Auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gewinnen an Lebensqualität, wenn sie sich sportlich betätigen oder mehr bewegen. Dies sollte gut angeleitet und regelmäßig weiter geschult oder trainiert werden. In diesem Bereich ist in den letzten Jahren vieles auf die Beine gestellt worden und wir können damit auch ganz unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werden.

Da ich im Bereich von Pflege und individueller Betreuung lange Jahre zu Hause war, werden auch diese weiter eine große Rolle für mich spielen. Neben vielen guten Angeboten für junge Menschen (wie z.B. Jobcoaching oder Plan Baby bei MS.) ist gerade unsere Arbeit mit und für Schwererkrankte eine Aufgabe, der ich mich gerne noch weiter intensiv widmen möchte."

Die Zahl der Menschen mit MS steigt. Warum ist es so wichtig, dass MS-Erkrankten in der DMSG eine unabhängige Informationsquelle und Interessenvertretung zur Seite steht?

"Die Therapien der MS haben sich in den letzten Jahren zu einem hochkomplexen Arbeitsgebiet für Ärzte entwickelt. Hier sind Spezialisten gefragt, die sich permanent auf dem Laufenden halten, um die hohen Ansprüche an die Therapie umzusetzen. Die DMSG hat eine Wächterfunktion, die darin besteht, dass die Patientenbelange in der Therapie und Versorgung der MS-Erkrankten berücksichtigt werden. Unsere wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit ist ein sehr hohes Gut."

Was motiviert sie ganz persönlich, sich für die Anliegen von MS-Erkrankten und deren Angehörigen einzusetzen?

"Ich habe seit fast dreißig Jahren immer wieder Menschen kennengelernt, die trotz der Erkrankung ein gutes Leben führen konnten oder es noch führen. Ich habe aber auch viele kennengelernt, bei denen die Erkrankung viele Träume platzen ließ. Viele mussten sich sehr früh aus dem Berufsleben verabschieden und einige konnten auch privat nicht das erreichen, was sie für sich erhofft haben.

Die Multiple Sklerose ist eine so komplexe Erkrankung, dass – wie ich es einmal Fachschülern erklärt habe, - an ihr und ihren Auswirkungen auf das Leben eines Menschen unser gesamtes gesellschaftliches Gefüge illustriert und erklärt werden kann, was gut und was weniger gut funktioniert. Dabei aber darf man nicht vergessen, dass jeder einzelne Erkrankte seine individuelle Geschichte und seinen individuellen Verlauf hat und damit auch das Recht, als Einzelner wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. In der DMSG spiegelt sich diese Vielfalt wieder und macht sie daher zu einem sehr spannenden Verband mit vielen interessanten Aufgaben."

Quelle: DMSG-Bundesverband -31.01.2019

01.02.2019