DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

"Helfen ist so einfach, man muss es einfach nur tun!": Die Rockstars von Billy Talent motivieren zum Spenden für die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft

Das rockt und hilft: Beim Benefizkonzert der kanadischen Rockband Billy Talent gab es im vollbesetzten Schlachthof in Wiesbaden kein Halten mehr. Besonderes Highlight: Unter dem tosenden Applaus des Publikums setzte sich Aaron, der sich in den letzten Jahren wegen seiner Multiple Sklerose eine Auszeit vom aktiven Einsatz auf der Bühne nehmen musste, wieder an seine Drums und trommelte für das Engagement für Menschen mit MS. Seine Botschaft: "Nehmt den Spirit dieser Nacht mit und gebt niemals auf!" Höhepunkt für die Gewinner der DMSG-Verlosung war das Meet & Greet mit Aaron und der Band vor dem Konzert.

Wut in Hoffnung verwandelt

Wut in Hoffnung zu verwandeln, lautet das Ziel von Aarons Charity-Aktionen. Beim Benefizkonzert zugunsten der DMSG war es nicht nur Hoffnung, sondern pure Begeisterung und ein großes Gemeinschaftsgefühl, das die Besucher des Konzerts und noch viel mehr die Gewinner des vom DMSG-Bundesverband verlosten Meet & Greet mit den Rockstars von Billy Talent ergriffen hat.  

Diesen Gig widmeten die Kanadier einem ganz besonderen Anliegen. Mit dem Benefiz-Konzert im Schlachthof will die Band die Deutsche MS Gesellschaft unterstützen. Die gesamten Konzerteinnahmen und die Spenden der Gäste gingen vollständig an die DMSG. Das Benefizkonzert, das in Zusammenarbeit mit dem Konzertveranstalter FKM Scorpio Konzertproduktionen und der deutschen F.U.MS-Gruppe unter der Leitung von Daniel Bunk aus Dortmund auf die Beine gestellt wurde, war binnen weniger Stunden ausverkauft. 

Von der Bühne regnete es F.U.MS-Luftballons. Auch einige äußerst rare Bandposter von Danzig, AC/DC, Sonic Youth, Metallica, Iron Maiden, Suicidal Tendencies, The Ramones, Iggy Pop, Faith No More, The Cramps, Bad Religion wurden für den guten Zweck  versteigert. Besonderes Highlight: Billy Talent haben einen besonderen Award für die Auktion gespendet, der ihnen 2013 für 1 Millionen verkaufte Albem von Warner Music Germany verliehen worden war.

Vor dem Konzert hat sich Aaron viel Zeit genommen für die Gewinner des Meet & Greet und das Interview mit dem DMSG-Bundesverband. Plötzlich standen auch die anderen Bandmitglieder im Backstageraum und begrüßten die Gewinner. Von Berührungsängsten keine Spur.

Das Video wird in Kürze auf www.dmsg.de veröffentlicht.

Fast eine Stunde lang beantwortete Aaron im Video-Interview mit dem DMSG-Bundesverband alle Fragen. Der 43-Jährige Musiker berichtete über Familie, Freundschaft, Therapie und Sport und sein ganz großes Anliegen: Menschen mit MS zu helfen und Ihnen in Zusammenarbeit mit den MS-Gesellschaften in Kanada und Deutschland Möglichkeiten aufzuzeigen, um immer wieder neuen Mut zu schöpfen. Er wird weiter kämpfen und bald wieder nach Deutschland kommen für den gemeinsamen Kampf gegen MS!

Mutmacher trommelt für den gemeinsamen Kampf gegen Multiple Sklerose

"Die letzten Jahre waren hart”, erklärt Aaron. "Im Jahr 2015 musste ich bei Billy Talent auf das Schlagzeug verzichten. Ich hatte schon damit gerechnet, dass all das eines Tages passieren würde."

Das war‘s mit der Karriere als Musiker, sagten die Ärzte. Doch Aaron kämpft weiter für seinen Traum 

"Als ich 1998 mit schubförmiger Multipler Sklerose diagnostiziert wurde, prognostizierte mir der Arzt, ich könne schon bald nicht mehr Schlagzeug spielen", berichtet Aaron. Doch danach nahm er noch vier Studioalben auf und tourte über ein Jahrzehnt lang durch die ganze Welt. Allerdings wurde Schlagzeug spielen in den letzten Jahren immer härter und härter für ihn. Billy Talent Konzerte dauern in der Regel viele Stunden und die Band rockt auf fast allen großen Festivals als Headliner. "Als wir in diesem Sommer auf Tour gingen, machte ich mir jeden Tag Sorgen, ob ich das Set beenden könnte", erklärt er seine Entscheidung, sich eine Auszeit zu nehmen. Mittlerweile hat er gelernt, HIlfe anzunehmen. Auch wenn es schwer ist, neue Lösungen zu suchen. 

Dazu wurde die Band kurzerhand vergrößert. Jordan Hastings von Alexisonfire sprang Anfang 2016 für Aaron ein. Er lernte alle neuen Songs und ging für zwei Jahre mit Billy Talent auf Tour, während Aaron zu Hause blieb und sich auf seine Gesundheit und seine Familie konzentrierte. Statt Aaron vollständig durch Jordan Hastings zu ersetzen, haben die Kanadier das Quartett einfach in ein Quintett verwandelt, erzählt Sänger Benjamin Kowalewicz wenig später. 

Diese Lösung ist vor allem auch ein Beweis, wie viel eine tiefe Freundschaft bewirken kann. Seit 25 Jahren kennen sich die Musiker von Billy Talent. Sie halten zusammen in guten und in schlechten Zeiten. „Wir sind wie eine Familie“, sagt Ben. Aaron ist dankbar, dass die Band ihm die Freiheit lässt, zu entscheiden, wann und wie viel er an den Drums sitzt. "Die Jungs haben mich fallen und oft wieder aufstehen sehen und mir erlaubt, meine Optionen für die Zukunft zu erforschen - zusammen mit meiner Frau und meinen beiden Kindern.

Doch seinen Traum vom Schlagzeug spielen verfolgt er weiterhin: In diesem Sommer ging er wieder mit auf Tour und teilt sich den Job an den Drums mit Jordan.

Back on stage

Auch an diesem Abend sieht Aaron erst hinter der Bühne zu – und ist sichtlich gerührt als Sänger Ben ihn ankündigt und der Saal in Jubel ausbricht. Bei diesem ganz besonderen Benefizkonzert kommt Aaron gleich dreimal auf die Bühne und trommelt für den guten Zweck. Zwischen seinen Auftritten wartet er backstage auf der Treppe zur Bühne und verfolgt, was seine Bandkollegen über ihn sagen begleitet vom tosenden Beifall des Publikums. Am Ende des Konzertes kommt Aaron nochmals auf die Bühne und bedankt sich bei den vielen tausend Fans: "Nehmt den Spirit dieses Abends mit und nutzt die Kraft eines Rockkonzerts, um Menschen mit MS zu helfen. Helfen ist einfach, man muss es nur tun." Der Netto-Erlös des Konzertes soll unter anderem für ein MS Summer Camp für Kinder mit MS in Deutschland eingesetzt werden. Auf Anfrage des DMSG-Bundesverbandes versprach Aaron, dann auf jeden Fall mit dabei zu sein zu wollen. 

Ein unvergesslicher Abend für die Gewinner der DMSG

"Am meisten beeindruckt hat mich die Echtheit der Band. Sie waren weder arrogant, noch aufgesetzt, der Zusammenhalt war ganz toll zu sehen und ich fand das sehr erleichternd zu beobachten, wie die Band mit Aaron und der MS umgeht... auch während des Konzerts. Unser Gespräch darüber, dass man durch die MS seine Einstellung zum Leben ändert, das Leben mehr lebt hat mich in meinem nämlich genau diesen Weg nochmal bestärkt. Es hat sehr gut getan, zu sehen, dass wir einfach alles Menschen sind, die von jetzt auf gleich mit einer schweren Erkrankung konfrontiert wurden, wo man heute nicht weiß was morgen ist", sagt Caroline V. (36, Bild oben: Dritte von links), Mutter einer dreijährigen Tochter. "Ich arbeite an der Uniklinik in Mainz als in der Klinischen Forschung als Studiennassistentin und betreue dort Studien zu schwerem Asthma. Meine Arbeit mit schwer kranken Menschen und mein Wille niemals aufzugeben und das Leben nicht ganz so ernst zu nehmen, helfen mir mit der Erkrankung, die ziemlich genau vor zwei Jahren endgültig diagnostiziert wurde, umzugehen. Erste Symptome, eine Sehnerventzündung hatte ich bereits vor fünf Jahren. Ich habe bereits vor der Erkrankung festgestellt, dass es den Menschen die ich betreue, besser geht, die dafür sorgen, dass sie glücklich sind, die über sich selbst und mit anderen lachen können, die rausgehen, die weitermachen und sei es mit Tagen der Verschnaufpause dazwischen, wo man mal kurz von der Welt nichts wissen möchte. Ich versuche, auch wenn es manchmal schwer fällt, aus miesen Sachen Positives zu ziehen (zum Beispiel hätte ich ohne MS niemals das Gewinnspiel gewonnen) und mich auch an Kleinigkeiten zu freuen und diese Freude für schlechte Tage (die es definitiv gibt) einzupacken." 

Johannes (42, dritter von links) lebt seit 22 Jahren mit MS und spielt seit ca. 20 Jahren selbst Bassgitarre in verschiedenen Bands. Aus der Musik schöpft der Bürokaufmann, der sein Studium krankheitsbedingt aufgeben musste, viel Motivation: „Ich bin froh, noch mein Instrument spielen zu können. Seit vielen Jahren sitze ich dazu auf einem Barhocker. Das Motto "never give up" ist für mich bei allen ups and downs nie verlorengegangen. Von anfänglich wenig Symptomen bin ich mittlerweile bei einem Stock als Gehilfe und einem Rolli für weitere Strecken als 300 Meter gelandet. Trotzdem ist es mir wichtig, regelmäßig auszugehen und auch Konzerte zu besuchen. Johannes fragte Aaaron, wann sein "outing" mit der MS kam, ob es ihm leicht fiel, sich selbst und dann anderen einzugestehen nicht mehr gleich leistungsfähig zu sein und ob er Angst hatte, sein Hobby und dann seinen Beruf nicht mehr ausführen zu können und wie er damit umging. Auch sein Leben auf Tour wurde thematisiert und die Frage, ob er als "Punk-Rocker" irgendwann auf Alkohol verzichtet hat.Die Antworten erfahren Sie in Kürze im Video auf www.dmsg.de

Mario meint: "Beeindruckt hat mich, wie die anderen Mitglieder der Band mit der ganzen Sache umgegangen sind. Da ist jemand schwer krank und kann aus gesundheitlichen Gründen für eine Zeit X nicht spielen und die anderen sagen, ja wir warten dann, bis er wieder fit ist. Die müssen ja auch schließlich alle Geld verdienen und dem muss man dann eine Menge Respekt zollen. Ich denke, dass so etwas, gerade in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich ist."

 "Am meisten beeindruckt hat mich Aarons offene Art und ehrliche Beantwortung all unserer Fragen. Außerdem seine positive Einstellung zum Leben und der bedingungslose Rückhalt seiner Bandkollegen", sagt Christina. "Insgesamt waren Billy Talent unheimlich freundlich und hatten - so schien es - sogar Spaß an dem kurzen Austausch mit uns. Während des Konzerts war es ebenfalls großartig zu sehen, wie sehr Aaron zur Band gehört und alles zusammen halten. Schön war, dass auch Benjamin immer wieder Aussagen zur MS getroffen hat, die zum Nachdenken anregen...es war ein rundum gelungener Abend!"

Was Aaron dazu bewegt hat, seine MS-Erkrankung öffentlich zu machen, ob er dies bereut hat oder so alles leichter wurde", wollte Carolin (35) wissen. Bei ihr wurde im Frühjahr 2017 die MS diagnostiziert. "Zum Glück waren die dann folgenden Stoßtherapien erfolgreich und mein Leben mit der MS daher bisher in Ordnung. Meine Motivation im Umgang mit der Diagnose, den  unsichtbaren Symptomen und auch generell im Leben, resultiert aus einem großartigen Familien- und Freundeskreis. Mir war auch vor der Diagnose bewusst, dass ich tolle Freunde und eine super Familie habe, aber insbesondere im letzten Jahr wurde mir dies immer wieder bestätigt. Es sind oft kleine Dinge, die meine Motivation zusätzlich stärken. Dazu gehört auch, einfach mal auszubrechen, am Meer den Gedanken freien Lauf zu lassen und absolute Ruhe zu genießen..."

Dies positive Einstellung teilt auch Aaron. 

Andrea und Martin Kalkowski: "Wir haben die Begegnung und das Konzert sehr genossen. Es war ein richtig tolles Erlebnis. Uns hat sehr beeindruckt, wie wichtig es der Band ist, wohltätig aktiv zu sein, besonders natürlich im Bezug auf MS-Erkrankte, aber sie sind ja auch anderweitig sehr rührig und machen viele Benefizveranstaltungen. Sie sind alle sehr sympatisch und man merkt, wie stark der Zusammenhalt untereinander ist und wie sehr sie alle von der Erkrankung ihres Freundes und Drummers Aaron betroffen sind. Die Stärke trotzdem immer wieder das zu tun, was man sich für sein Leben vorgestellt hatte, ist schon beeindruckend und ich finde auch Vorbild und Anreiz für andere Erkrankte. Den offenen Umgang mit der Erkrankung ist auch für mich sehr wichtig und ich finde es ganz toll, dass die Band damit an die Öffentlichkeit gegangen ist. Auch während dem Konzert kam ganz klar rüber, wie wichtig ihnen ist, was zu tun und etwas zurückzugeben. 

Es war natürlich interessant, wie seine Freunde und Bandmitglieder mit seiner Erkrankung umgehen. Schön zu sehen, wie wichtig er seiner Band ist und sie ihn niemals hängen lassen und die Band eben kurzerhand auf 5 Personen erweitert haben, damit er sich regenerieren und erholen konnte, als es notwendig war und er immer ein wichtiger Teil der Band blieb.

Wir fanden es super organisiert mit Fototermin und viel Zeit, um der Band Fragen zu stellen. Auch dass Sitzgelegenheiten da waren und wir mit Getränken versorgt wurden fanden wir klasse. Ich fand es natürlich besonders toll, dass Aaron gleich bei mehreren Songs wieder an den Drums war. Wir hätten echt was versäumt, wenn wir die Karten nicht gewonnen hätten. Die Band hat phantastisch gespielt und war, ebenso wie ihre Fans, super drauf. Die Location war sehr gut gewählt, wir haben uns wohlgefühlt. Ich möchte mich nochmal ganz herzlich, auch im Namen von meinem Mann, für den wunderschönen Abend, den uns die DMSG ermöglicht hat, bedanken. Es ist schon ein Erlebnis, seine Lieblingsband persönlich kennen zu lernen."

Wer mehr über Aaron und sein Leben mit MS erfahren will, sollte bald wieder auf www.dmsg.de und in der DMSG-Community vorbeischauen. Im Video-Interview mit dem DMSG-Bundesverband hat er viel aus seinem Leben mit MS und seine Projekte berichtet.

Quelle: DMSG-Bundesverband - 31.08.2018

- 31.08.2018