DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Warum ist eine Grippeschutzimpfung gerade bei Multipler Sklerose sinnvoll?

Alle Menschen mit Multipler Sklerose (MS) sollten sich jährlich gegen Grippe impfen lassen, auch und gerade diejenigen mit Immuntherapien: Warum, erklärt PD Dr.med.Mathias Buttmann aus Würzburg, Mitglied im Ärztlichen Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V.im Interview.

Jährlich sterben in Deutschland etwa 10.000 meist ältere Menschen an einer sogenannten echten Grippe durch Infektion mit dem Influenzavirus. Keine Infektionskrankheit kostet hierzulande mehr Menschenleben als die Influenza, wie die echte Grippe auch genannt wird. Die Gefährlichkeit der Influenza wird durch die Medikamente, die für eine Akutbehandlung zur Verfügung stehen, wahrscheinlich kaum vermindert. Umso wichtiger ist die Vorbeugung. Eine einmalige Impfung gegen Grippe bietet guten Schutz für die komplette Grippesaison und bewahrt in Deutschland jährlich Tausende von Menschenleben. Allerdings muss für einen dauerhaften Schutz wegen jährlich wechselnder Virusstämme jeden Herbst neu geimpft werden mit dem dann jeweils aktuellen Impfstoff. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch Institut in Berlin gibt in gesetzlichem Auftrag offizielle Impfempfehlungen für Deutschland heraus. Die STIKO empfiehlt eine jährliche Grippeimpfung für alle Menschen ab dem 60. Lebensjahr, darüber hinaus für bestimmte Risikogruppen. Ausdrücklich empfiehlt die STIKO auch eine jährliche Grippeschutzimpfung aller Menschen mit MS.

Warum ist eine Grippeschutzimpfung gerade bei Multipler Sklerose sinnvoll?

PD Dr. med. Mathias Buttmann: "Die Influenza ist eine gefährliche Infektionskrankheit. Und bei Menschen mit Multipler Sklerose verläuft sie bedrohlicher als im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Die Wahrscheinlichkeit, dass im Falle einer Influenza ein Krankenhausaufenthalt notwendig wird, ist bei Multipler Sklerose gegenüber der Gesamtbevölkerung etwa verdoppelt. Doch nicht nur verläuft die Influenza-Infektion bei MS im Durchschnitt schwerer. Durch eine Influenza werden bei bestehender Multipler Sklerose auch häufig Krankheitsschübe der Immunerkrankung ausgelöst. Die Grippeimpfung mit dem üblichen Totimpfstoff löst hingegen keine Krankheitsschübe aus, wie in mehreren großen Studien überzeugend gezeigt wurde. Keine Sorge also vor der Impfung! Insgesamt überwiegt bei MS der Nutzen einer Grippeimpfung bei Weitem mögliche negative Auswirkungen. An Nebenwirkungen können nach der Impfung vorübergehend Kopf-, Glieder- und Gelenkschmerzen, Fieber, Unwohlsein und Müdigkeit auftreten, außerdem Hautveränderungen an der Injektionsstelle. Wenn solche Symptome auftreten, klingen sie meist rasch wieder ab. Es gibt keine Hinweise, dass eine Grippeimpfung bei MS gefährliche Nebenwirkungen verursachen kann."

Warum sollte man sich gerade auch bei einer Immuntherapie impfen lassen?

PD Dr. med. Mathias Buttmann: "Immuntherapien der Multiplen Sklerose können zum Teil die Abwehr schwächen, so dass der Körper den Influenzaviren im Falle einer Infektion weniger entgegenzusetzen hat. Umso wichtiger ist es für Immuntherapierte, dass das Immunsystem schon vor einer möglichen Begegnung mit Influenzaviren durch eine Impfung für die erfolgreiche Abwehr fit gemacht wurde. Die Sicherheit der Influenzaimpfung wird sehr wahrscheinlich durch keine der zugelassenen Immuntherapien beeinträchtigt. Allerdings dämpfen manche Medikamente die Impfantwort, so dass die Impfung nicht ganz so gut anspricht. Das trifft speziell für immunsuppressiv wirkende Medikamente zu. Gut belegt ist andererseits, dass Interferon-beta-Präparate das Ansprechen auf die Grippeimpfung nicht beeinträchtigen. Unter ausnahmslos allen zugelassenen Immuntherapien der Multiplen Sklerose ist nach derzeitigem Wissensstand eine jährliche Grippeschutzimpfung zu empfehlen. Bei immundämpfenden Medikamenten besteht die Möglichkeit, 4-6 Wochen nach der Impfung durch eine Blutuntersuchung den Impferfolg zu kontrollieren.

Ich selbst lasse mich jedes Jahr gegen Grippe impfen, weil ich als Arzt ebenfalls einer Risikogruppe angehöre, der die STIKO die jährliche Impfung empfiehlt. Damit schütze ich mich und meine Patienten. Nach der letzten Grippeimpfung habe ich mich einige Stunden etwas unwohl gefühlt und war die Injektionsstelle für drei Tage druckempfindlich. Insgesamt sehr harmlos. Dieses Jahr werde ich mich wieder impfen lassen. Falls Sie eine Multiple Sklerose haben: Lassen Sie sich auch impfen! Die Impfung ist auch bei Multipler Sklerose sicher und schützt Sie vor einer bedrohlichen Infektion."

Auch eine Stellungnahme aus dem Ärztlichen Beirat beschäftigte sich schon mit dem Thema Grippe und Grippeschutzimpfung bei Multiple Sklerose: Mehr

- 06.10.2015