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Entstehung / Pathogenese der MS


Ist ein gestörter Blutfluss im Gehirn aufgrund venöser Insuffizienz (CCSVI) die Ursache von MS?

In den letzten Monaten kamen diese bereits vor Jahrzehnten aufgestellten Spekulationen wieder auf die Tagesordnung. Die Beweise sind zurzeit jedoch noch unzureichend.

Einige neuere Berichte haben die Jahrzehnte alten Spekulationen über eine mögliche Fehlfunktion in der Durchblutung des Gehirns und/oder beim Rückfluss des Blutes zum Herzen bei MS-Erkrankten wieder aufleben lassen. Eine Studie von Paulo Zamboni, Universität Ferrara, Italien (veröffentlicht in J Neurol Neurosurg Psychiatry 2009; 80:392-399) löst derzeit Diskussionen aus.

Der Gedanke, dass Probleme bei der Blutzirkulation mit der MS in Zusammenhang stehen, stammt bereits aus den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Er wurde allerdings vermutlich aus dem Grund nicht weiter verfolgt, da die Forschung zunehmend Beweise dafür fand, dass Angriffe des Immunsystems und Entzündungsvorgänge die Schlüsselrolle bei der Zerstörung des Nervengewebes spielen.

In der Zamboni-Studie wurden 65 Patienten mit unterschiedlichen MS-Verläufen im Vergleich zu 235 Menschen, die gesund waren bzw. andere neurologische Erkrankungen hatten, untersucht. Dabei wurden sonografische Methoden verwendet, um mögliche Störungen im Blutabfluss aus dem Gehirn durch eine Blockierung der Venen herauszufinden. Die Forscher fanden einen starken Zusammenhang zwischen MS und Anzeichen einer venösen Insuffizienz bei den untersuchten MS-Patienten. Die Kontrollen zeigten diesen Zusammenhang nicht. Darüber hinaus gab es bei den MS-Patienten Hinweise darauf, dass das Blut einen Umweg über kleinere Gefäße sucht, um die Verengungen zu umgehen. Dabei wurde auch ein Rückfluss des Blutes in das Gehirn gefunden.

Die Forscher nannten diese Blockierung der Venen "chronische cerebrospinale venöse Insuffizienz" oder CCSVI. Sie spekulieren, dass der Rückfluss von Blut in das Gehirn die für die MS typischen Entzündungen und die immunbasierte Zerstörung von Nervengewebe auslösen könnte.

Weitere Forschungen sind zurzeit im Gange, unter anderem in Zusammenarbeit von Forschern aus Italien, Buffalo und Birmingham – ob diese die Ergebnisse bestätigen können bleibt abzuwarten.

Vergleichbar überraschende Ergebnisse aus Ultraschalluntersuchungen führten auch bei vaskulären Gehirnerkrankungen wie Sinusvenenthrombosen zu internationalen Forschungsprojekten, die aber die Originalarbeiten nicht bestätigen konnten.

Fazit

Auf der Basis der derzeit vorliegenden Ergebnisse können noch keine Schlussfolgerungen hinsichtlich der Ursache von MS gezogen werden – und auch nicht dazu, wann diese Blockierungen im Verlauf der Erkrankung entstanden sein könnten. Es gibt derzeit noch keine erprobte Therapie, um möglicherweise beobachtete Störungen zu beheben und es ist noch nicht klar, ob eine Auflösung der venösen Blockierung von Nutzen sein könnte.

 

Quelle: Research News National Multiple Sclerosis Society, New York -  6. Oktober 2009
Redaktion: DMSG, Bundesverband e.V. - 16. Oktober 2009



Letzte Änderung: 16.10.2009

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