Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V (DMSG)


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Multiple Sklerose: Aktuelles aus Pathogenese und Therapieforschung stand im Mittelpunkt des 9. MS-Symposiums der DMSG – Abstracts online

Von Genetik der MS bis zur oralen Medikation: 19 renommierte MS-Experten haben beim 9. MS-Symposium des DMSG-Bundesverbandes und seines Ärztlichen Beirates (AEB) im Klinikum der LMU München, Campus Großhadern, vor großem Publikum jüngste Ergebnisse und aussichtsreiche Ansätze aus der Pathogenese- und Therapieforschung vorgestellt. Innovative Erkenntnisse aus der tierexperimentellen und humanen Forschung, der Entwicklung von Biomarkern und neue Möglichkeiten zur Diagnose stießen ebenso auf reges Interesse wie die Diskussionsrunde zum Thema "MS-Therapie: Neue Chancen neue Risiken", die den Meinungsaustausch der Klinikärzte, Forscher und niedergelassenen Mediziner auf hohem Niveau abrundete.

Symposium_Toyka_Pi_Milde_Hohlfeld_Text"Vor einem halben Jahrhundert wären die heutigen Erkenntnisse über Pathogenese, Diagnostik und Therapie undenkbar gewesen. Aber selbst, wenn man nur zehn Jahre zurückblickt, so sind die Fortschritte auf diesen Gebieten mehr als beachtlich. Das 9. MS-Symposium der DMSG spiegelte dies in hervorragender Weise wider", bilanzierten die wissenschaftlichen Leiter des Treffens, Prof. Reinhard Hohlfeld, stellvertretender Vorsitzender des DMSG-Bundesverbandes (rechts) und Prof. Klaus V. Toyka, Vorsitzender des AEB (links) im Gespräch mit der DMSG-Bundesgeschäftsführerin, Dorothea Pitschnau-Michel und dem Vorsitzenden des DMSG-Bundesverbandes, Staatsminister a.D. Gottfried Milde.

Symposium_Publikum_text_SpiegelDas Interesse der zumeist fachkundigen Teilnehmer war so groß, dass im Hörsaal kein Platz mehr frei geblieben ist. Die positive Resonanz bestätigte einmal mehr die Bedeutung des regelmäßigen Erfahrungsaustausches und das gemeinsame Ziel von DMSG, Bundesverband e.V., und Ärztlichem Beirat: kontinuierlich über neue Fakten aus Forschung, Diagnoseverfahren und Therapie zu informieren, um die Lebensqualität MS-Erkrankter weiter zu verbessern.

Auf dem Gebiet der MS-Forschung scheint einiges in Bewegung zu sein, wie die Vielfalt der Vorträge belegte.

Aktuelle Aspekte zur Pathogenese thematisierten sechs Referenten

Symposium_Kerschensteiner"In-vivo-Mikroskopie der axonalen Schädigung": Den Anfang machte Prof. Martin Kerschensteiner, Universität München, der sich mit neuen Einsichten in die Pathogenese der entzündlichen Axonschädigung bei MS befasste. Diese Schädigung sei die Grundlage der neurologischen Behinderung. Unklar ist jedoch bisher, wie Immunzellen bei MS die Axone schädigen. Mithilfe der In-vivo-Mikroskopie sei es seiner Forschergruppe gelungen, die Interaktionen von fluoreszenzmarkierten Immunzellen und Axonen in einem Tiermodell der MS zu verfolgen. Mehr


Symposium_Flügel_Text"Live Imaging von Immunzellen im ZNS":
T-Zellen spielen nach gegenwärtigem Kenntnisstand eine wesentliche Rolle bei der Initiierung der Multiplen Sklerose. Dieses Szenario wurde im Modell der experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis (EAE) entwickelt, wie Prof. Alexander Flügel, Universität Göttingen, berichtete. Bislang seien Strategien, um den chronischen Entzündungsprozess einzudämmen, entweder unzureichend oder würden über das Ziel hinaus schießen und blockierten Immunreaktionen nahezu vollständig. In aktuellen Studien sei es jetzt gelungen, ein unerwartetes Bewegungsmuster von T-Zellen an der Blut-Hirn-Schranke aufzudecken. Dies könnte neue Wege für die Therapie der ZNS-Autoimmunität eröffnen. Mehr


Symposium_Korn_Text"T-Zelldifferenzierung und Funktion":

PD Dr. Thomas Korn, TU München, berichtete, wie es mithilfe von genetischen Mausmodellen gelungen ist, unerwartete Zielzellen zu identifizieren, deren Aktivierung zum Zusammenbruch der Immuntoleranz führt und chronische Entzündungen in der EAE (einem Tiermodell für Multiple Sklerose) auslöst.
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Symposium_BererSpontane EAE Modelle: Mit der Entwicklung spontaner EAE Modelle beschäftigte sich PhD Kerstin Berer, Max-Planck-Institut Martinsried. Das Konzept der MS-Pathogenese werde stark geprägt von Erkenntnissen aus dem Tiermodell, der EAE. Entsprechende Modelle standen den Forschern bis vor kurzem nicht zur Verfügung. Die Gruppe von Kerstin Berer hat zwei spontane EAE-Modelle aus Mäusen entwickelt, die die Möglichkeit zur Erprobung von neuen Therapieansätzen bieten. Mehr


Symposium_Linker"Neuroprotektive Autoimmunität im Tiermodell":
In letzter Zeit sei zunehmend die Bedeutung der axonalen Schädigung für den Krankheitsverlauf erkannt worden. So berichtete Dr. med. Ralf Linker, Universität Bochum, von der Schlüsselrolle von Neurotrophin "brain derived neurotrophic factor" (BDNF). Daten entsprechender Untersuchungen sprächen für eine funktionell bedeutsame, die Axone schützenden Rolle von BDNF bei autoimmuner Entmarkung. Ein Faktor, der auch für therapeutische Ansätze bei der MS von Bedeutung sein könnte. Mehr


Symposium_Meuth"Ionenkanäle und Neurodegeneration":

Über die Bedeutung von Ionenkanälen und Neurodegeneration referierte Dr. med. Sven Meuth, Universität Würzburg.
Demnach könne die Modulation entsprechender Ionenkanäle und Transporter zu einer direkten Neuroprotektion beitragen. In tierexperimentellen Studien hätten einzelne Substanzen bereits ihre Wirksamkeit belegt.
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Unter der Überschrift "MRT und Neuropathologie" standen neue Potentiale der Magnetresonanztomographie im Fokus


Symposium_LinkerNeue Perspektiven der MRT: Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein ein wichtiger Parameter bei der Diagnose der MS. Prof. Martin Bendszus, Universität Heidelberg, stellte aktuelle Entwicklungen auf diesem Gebiet vor, wie die MR –Spektroskopie, Diffusions-Tensor-Bildgebung sowie das Ultra-Hochfeld-MRT und berichtete über deren mögliche Relevanz.
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Symposium_Stoll"Neue Kontrastmittel im Tierexperiment":

Über neue Forschungsansätze in der konventionellen MRT und den Einsatz von Kontrastmitteln zur Diagnose und Dokumentation des Verlaufs der Multiplen Sklerose, informierte Prof. Guido Stoll, Universität Würzburg, in seinem Vortrag "Neue Kontrastmittel im Tierexperiment". Mehr




Symposium_BrückAuf die "Heterogenität der MS Läsion" ging Prof. Wolfgang Brück, Universität Göttingen, ein.
Multiple Sklerose ist eine sehr heterogene Krankheit – wie sich im klinischen Verlauf, bei der Bildgebung, in der Genetik und dem Ansprechen auf immunmodulatorische und immunsuppressive Therapien zeigt.
Alle diese Befunde lassen vermuten, dass die MS eine noch komplexere Erkrankung ist als bisher angenommen. Mehr





Symposium_Stadelmann-Nessler_TextUnter dem Titel "Pro und Kontra EBV Hypothese" erklärte Prof. Christine Stadelmann-Nessler, Universität Göttingen, dass neben genetischen Einflüssen auch Umweltfaktoren eine Rolle bei der Entstehung der MS spielen. Zudem verdeutlichte sie die Rolle des Epstein-Barr-Virus (EBV).
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Im Themenkreis "Genetische und immunologische Marker" ging es um den aktuellen Stand der Genetik- und Biomarkerforschung


Symposium_Hemmer_Text"Biologische und genetische Marker": Wichtige Fortschritte sind in den letzten Jahren insbesondere im Bereich der Genetik und der Erforschung von Autoantikörpern bei der Multiplen Sklerose erzielt worden. Prof. Bernhard Hemmer, TU München, fasste in seinem Vortrag den aktuellen Stand der Genetik- und Biomarkerforschung zusammen und stellte neue Ergebnisse der Münchner Arbeitsgruppe zu biologischen und genetischen Markern vor.
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Symposium_Meinl_SpiegelMit "neuen" Autoantikörpern bei MS beschäftigte sich Prof. Edgar Meinl, Max-Planck-Institut, Martinsried. Antikörper gegen MOG (Myelin Oligodendrozyten Protein) lösten in vielen Spezies eine Entmarkung aus. Aktuelle Befunde zeigten, dass relevante Antikörper gegen konformationsmäßig intaktes MOG bei etwa 30% der Kinder mit MS vorkommen. Dies unterstreiche die Notwendigkeit, neue Zielantigene zu identifizieren, um den Krankheitsprozess nachzuvollziehen und die Therapie zu optimieren. Mehr


Symposium_Kümpfel_Text"MS und TRAPS": Das TNFRSF1A Gen wurde kürzlich als neuer Risikofaktor identifiziert, an einer MS zu erkranken. "Wir konnten zeigen, dass MS-Patienten mit zusätzlichen unklaren rheumatischen Beschwerden häufig eine R92Q Mutation im TNFRSF1A Gen aufweisen", erklärte Dr. med. Tania Kümpfel, Universität München in ihrem Vortrag. Dieses "Tumor Nekrose Faktor Rezeptor 1-assoziierte periodische Syndrom" (TRAPS) manifestiere sich unter anderem durch Symptome wie Fieber, Bauch-, Muskel- und Gelenkschmerzen. Reagieren MS-Patienten mit unklaren rheumatischen Beschwerden und ausgeprägten Nebenwirkungen unter einer Interferon-Therapie sollte eine molekulargenetische Untersuchung erwogen werden. Mehr



Am Nachmittag wurden Chancen und Risiken von MS-Therapien kritisch beleuchtet.

Symposium_HenzeProf. Thomas Henze, Reha-Zentrum Nittenau, richtete den Blick auf neue Möglichkeiten der symptomatischen Therapie – etwa bei Spastik, und eingeschränkter Mobilität. Er wies auf die Probleme der off-label-Therapie hin, den vermehrt eingeschränkten Zugang zu funktionellen Therapien und die Notwendigkeit, Eskalationsstrategien auch für symptomatische Therapien allgemein zugänglich zu machen. Die Rehabilitation gewinne zur Behandlung motorischer Symptome zunehmend an Bedeutung,
wie kontrollierte Studien zu nicht-medikamentösen Interventionen zeigten. Mehr


Symposium_Kieseier_Text"Aktuelle Aspekte der immunmodulatorischen Therapie":
Es bestehe allgemeiner Konsens unter MS-Experten, dass die meisten der Patienten mit Multipler Sklerose von einer Frühtherapie profitieren, berichtete Prof. Bernd Kieseier, Neurologische Klinik der Universität Düsseldorf, und nannte aktuelle Aspekte der immunmodulatorischen Therapie. Viele Fragen seien noch zu klären. Allen voran diejenige nach einer klaren Definition einer "Frühen MS".
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Symposium_Gold_Text"Risikomanagement der Therapie-assoziierten PML": Natalizumab und aktuelle Aspekte der Therapie-assoziierten PML: Von mehr als 50 Fällen progressiver multifokaler Leukenzephalopathie (PML) bei einer Therapie mit Tysabri endeten 20 % tödlich, die meisten davon in Nordamerika. Prof. Ralf Gold, Universität Bochum und Mitglied im AEB, berichtete vom zeitabhängigen Expositionsrisiko des Wirkstoffes und von zwei wesentlichen Fortschritten, um diejenigen Patienten zu identifizieren, deren Immunsystem durch 
Natalizumab ungewollt unterdrückt wird. Mehr


Symposium_Hartung_Text"Therapeutische Antikörper in der Pipeline": Prof. Hans-Peter Hartung, Neurologische Klinik der Universität Düsseldorf, gewährte in seinem Vortrag einen Überblick über aktuelle Studien zur Behandlung der Multiplen Sklerose mit monoklonalen Antikörpern wie Alemtuzumab, Daclizumab, Rituximab, Ocrelizumab und Ustekinumab.
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Symp_Wiendl_Text2"Orale Therapien - alte und neue":
Hoffnungsträger "Pille gegen MS" - aktuell befinden sich fünf Kandidaten zur oralen Medikation in den Startlöchern. Zwei davon, Fingolimod und Cladribin, stehen vermutlich kurz vor der Zulassung. Prof. Heinz Wiendl, Universität Münster und Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat der DMSG, berichtete von den aussichtsreichen Wirkmechanismen, warnte jedoch bei allen Chancen vor neuen Unsicherheiten im Sicherheitsprofil.
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Symp_Zipp_Text2"Entzündliche Neurodegeneration - gibt es Therapien?"
Die MS ist nicht nur eine entzündliche entmarkende Krankheit des Zentralnervensystems, es kommt auch zur Schädigung neuronaler Strukturen und Verlust von Nervenzellen. Erste Anzeichen finden sich bereits früh im Verlauf, erklärte Prof. Frauke Zipp, Universität Mainz. Mehr


Diskussion: "MS-Therapie: Neue Chancen – neue Risiken"

Zum Schluss bot eine Diskussionsrunde, moderiert von den Mitgliedern des AEB, Prof. Peter Rieckmann (Neurologische Klinik, Sozialstiftung Bamberg) und Prof. Ralf Gold (Ruhr-Universität Bochum), Gelegenheit für Fragen aus dem Publikum und lieferte Raum zum Erfahrungsaustausch mit den Experten. Die rege Beteiligung verdeutlichte, wie wirksam es ist, Ressourcen zu bündeln und im regelmäßigen Austausch daran zu arbeiten, die Versorgungssituation und Betreuung MS-Erkrankter zu befördern.


Symposium_Empfang_VorschauMünchen war als Tagungsort gewählt worden, weil der DMSG-Landesverband Bayern dieses Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert. Der DMSG-Bundesverband gratuliert herzlich und dankt für die gute Zusammenarbeit.

 

 

Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 16. Juli 2010

Letzte Änderung: 19.07.2010

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