- 24.03.2003
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Mehr Verständnis für MS-Erkrankte: "Fühlstraße" vermittelt Eindruck von körperlicher Störung und Behinderung
Kartoffeln schälen mit dicken Handschuhen an den Fingern; ein Glas Wasser trinken, während ein anderer am Arm rüttelt; mit einem kleinen Sandsack auf dem Kopf über eine Luftmatratze stapfen, nachdem man vorher auf einem Drehstuhl herumgewirbelt worden ist: das kann nicht wirklich klappen. Soll es aber auch gar nicht.
Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) hat eine pädagogische „Fühlstraße“ konzipiert, durch die Teilnehmer verschiedener Altersgruppen, insbesondere aber Kinder und Jugendliche bis zur Sekundarstufe II, sich quasi in die möglichen körperlichen Störungen und Behinderungen eines an Multiple Sklerose Erkrankten einfühlen können. Dazu gehören z.B. Missempfindungen in Händen und Füßen, Hörprobleme, Schluckstörungen, Tremor (Zittern) oder Lähmungen.
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Dorothea Pitschnau-Michel, Bundesgeschäftsführerin der DMSG: „Diejenigen, die keinen unmittelbaren Kontakt mit behinderten Menschen haben, können sich oftmals schwer vorstellen, was ein eingeschränktes Leben bedeutet. Sie wenigstens ansatzweise nachfühlen zu lassen, wie Menschen den Alltag erleben, die an Multipler Sklerose erkrankt sind, wirkt Gleichgültigkeit und Isolation entgegen.“ Förderlich sei es darüber hinaus, MS-Erkrankte an „Fühlstraßen“-Aktionen zu beteiligen, damit sie über ihre Erfahrungen berichten können, die sie in der Welt der „Gesunden“ machen.
Die „Fühlstraße“ ist bereits mehrfach erprobt worden. Nach den bisherigen Erfahrungen sind die Teilnehmer, insbesondere Schulklassen, aufgeschlossen und interessiert. Pitschnau-Michel: „Für Kinder und Jugendliche ist es gut zu wissen, wie es jemandem geht, der nicht mehr laufen oder alltägliche Dinge verrichten kann. Sicher werden sie sich an die einmal gemachten Erfahrungen erinnern, wenn sie später auf Kranke und behinderte Menschen treffen.“
Bevor es in die „Fühlstraße“ geht, werden altersgerecht theoretische Kenntnisse über die Multiple Sklerose, den Verlauf der Krankheit und die möglichen Erscheinungen vermittelt. Anschließend können die Teilnehmer dann selbst nach einer kleinen Einführung die „Fühlstraße“ durchlaufen. Das Konzept der „Fühlstraße“ wurde inhaltlich von der Diplom-Pädagogin Martina Hoffmann entwicklelt, die beim DMSG Landesverband Sachsen-Anhalt ehrenamtlich mitarbeitet. Die Umsetzung des Konzeptes - d.h. die Ausstattung aller DMSG-Landesverbände mit einem Fühlkoffer - hat eine großzügige Spende von Schering möglich gemacht.
März 2003
Letzte Änderung: 24.03.2003
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