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Grundlagenforschung


Mehr MS-Gene bei Frauen als bei Männern

Multiple Sklerose tritt bei Frauen mehr als doppelt so häufig auf wie bei Männern. Eine genetische Grundlage dafür wird schon länger vermutet.

Die Forschung in den vergangenen Jahren hat auch gezeigt, dass die Zahl der mit MS diagnostizierten Menschen steigt – und das bei Frauen schneller als bei Männern. Sind die Gene daran schuld? Eine Arbeitsgruppe um Dr. Michael Chao und George Elbers von der Universität Oxford (Großbritannien) veröffentlichten in der Online-Ausgabe der Zeitschrift ‚Neurology‘ vom 05. Januar 2011 interessante Ergebnisse zu diesem Thema.

Die Ursache der Multiplen Sklerose ist bisher nicht bekannt. Es gibt aber zunehmend Hinweise darauf, dass die Erkrankung bei Menschen auftritt, die eine genetische Vorbelastung haben – und dass dann Umwelteinflüsse den Ausbruch auslösen können. Ein Gen, das schon lange mit der MS in Verbindung gebracht wird, ist das HLA-DRB1-Gen. Dieses Gen gehört zu einer Gruppe von Genen (‚MHC-Komplex‘), die mit der Immunantwort im Zusammenhang stehen.

Verwandtschaftsverhältnisse und Vererbung von MS-Genen

Die kürzlich veröffentlichte Studie untersuchte die HLA-Gene von 1.055 Familien, in denen mehr als eine Person an MS erkrankt ist. Insgesamt wurden die Gene von 7.093 Personen getestet, 2.127 von ihnen hatten MS. Die Forscher schauten darauf, welche HLA-Gene jeweils bei Menschen mit und ohne MS aktiv waren, ob MS-Erkrankte dieses Gen von Mutter oder Vater geerbt hatten und wie die Verwandtschaftsverhältnisse in MS-betroffenen Familien waren.

Die Wissenschaftler fanden bei ihren Analysen heraus, dass es bei MS-erkrankten Frauen 1,4 Mal wahrscheinlicher war, die mit MS in Verbindung stehende HLA-Genvariante zu haben als bei Männer mit MS. 919 Frauen und 302 Männer hatten die entsprechende Genvariante – 626 Frauen und 280 Männer hatten sie nicht. Dieses passt zu anderen Ergebnissen der Gruppe die zeigen, dass die Umwelt mit dieser Genregion in Wechselwirkung steht und dabei Unterschiede in dem mit diesen Genen verbundenen Risiko entstehen.

Verwandte zweiten Grades stärker gefährdet

Frauen mit der entsprechenden Genvariante vererbten die MS auch häufiger auf andere Frauen in ihren Familien als auf Männer. Darüber hinaus ergab die Studie, dass Verwandte zweiten Grades, also Tanten und ihre Nichten oder Neffen mit größerer Wahrscheinlichkeit die Genvariante erben als Verwandte ersten Grades, wie Geschwister, oder Eltern und Kinder.

"Es scheint so, dass je geringer die genetischen Gemeinsamkeiten zwischen Individuen sind, umso höher ist die Wechselbeziehung zwischen dem weiblichen Geschlecht und der Vererbung der HLA-Genvariante", erklärte Dr. Orhun Kantarci von der Mayo Klinik in Rochester, Minnesota, der ein Vorwort zur Veröffentlichung der Studie schrieb. "Diese Ergebnisse bahnen den Weg für weitere Untersuchungen dieser Gene und geben der Hoffnung Nahrung, unser Verständnis der Vererbung einer solch komplexen Erkrankung wie der Multiplen Sklerose zu erweitern."

Hier lesen Sie mehr DMSG-Berichte zum Thema


Quelle: www.msrc.co.uk - Januar 2011
Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 12. Januar 2011

Letzte Änderung: 12.01.2011

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