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Entstehung / Pathogenese der MS


Multiple Sklerose: Warum leiden Frauen häufiger an Autoimmunerkrankungen als Männer?

Forscher am National Jewish Health Institute in Denver, Colorado, haben einen Zelltyp entdeckt, der bei Autoimmunerkrankungen eine Rolle spielt: Möglicherweise tragen diese Ergebnisse zur Klärung der Frage bei, warum Frauen häufiger an Erkrankungen wie Lupus erythematodes, Multipler Sklerose oder rheumatoider Arthritis leiden.

Die entdeckten Zellen, eine Untergruppe der B-Zellen des Immunsystems, bilden Autoantikörper, die körpereigenes Gewebe angreifen. In der Zeitschrift ‚Blood‘ berichten die Wissenschaftler darüber, dass sie diese Zellen in größerer Zahl sowohl bei älteren weiblichen Mäusen, jungen und älteren Mäusen mit Neigung zu Autoimmunerkrankungen als auch bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen gefunden haben. Die Forscher glauben, dass diese Zellen bei der Diagnose und der Behandlung von Autoimmunerkrankungen hilfreich sein können. Sie könnten auch dabei helfen, die grundlegenden Mechanismen der Autoimmunität besser zu verstehen.

Frauen leiden bis zu zehnmal häufiger an Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen entstehen, wenn das Immunsystem körpereigenes Gewebe angreift. Verschiedene Autoimmunerkrankungen wie Lupus erythematodes, Multiple Sklerose oder rheumatoide Arthritis betreffen Frauen zwischen zwei- bis zehnmal so oft wie Männer. Obwohl man bereits weiß, dass Geschlechtshormone eine Rolle bei Autoimmunerkrankungen spielen, sind scheinbar auch andere Faktoren an diesen geschlechtsspezifischen Unterschieden beteiligt.

Das Forscherteam fand die neuen Zellen bei Untersuchungen unterschiedlicher Verhaltensweisen von Genen auf dem X-Chromosom bei männlichen und weiblichen Mäusen. Sie entdeckten einen bisher unbekannten Typ von B-Zellen, der ein spezielles Protein der Zelloberfläche produzierte (CD11c). Dieses Protein gehört zur Gruppe der Integrine, die unter anderem für die Anheftung von Zellen aneinander zuständig sind.

Die Zahl dieser neu entdeckten Zellen nimmt bei gesunden weiblichen Mäusen mit dem Alter zu, bleibt bei gesunden männlichen Mäusen dagegen auf einem konstant niedrigen Level. Aus diesem Grund nannten die Forscher die Zellen ‚Alters-assoziierte‘ B-Zellen, kurz ABC`s. Höhere Zahlen an ABC`s wurden auch bei älteren sowie jüngeren Mäusen gefunden, die eine Veranlagung für Autoimmunerkrankungen hatten. Die erhöhten Zellzahlen konnten bereits festgestellt werden, bevor erste Krankheitszeichen auftraten und auch schon vor Auftreten entsprechender Autoantikörper. Diese Tatsache könnte eine wichtige Rolle dieser Zellen für die Früherkennung entsprechender Erkrankungen begründen.

Neue Therapieoption?

Von besonderer Bedeutung ist, dass die Forscher beim Menschen einen fast identischen Zelltyp im Blut vieler Autoimmunpatienten gefunden haben. Bei Frauen mit rheumatoider Arthritis stiegen diese Zellzahlen ebenfalls mit dem Alter.
ABC`s bei Mäusen bilden Antikörper gegen Chromatin – das ist die Substanz, aus der die Chromosomen bestehen, und die sich aus Protein und DNA zusammensetzt. Wurde die Zahl der ABC`s bei den Mäusen vermindert, fiel auch der Autoantiköper-Spiegel im Blut ab. Daraus ergibt sich möglicherweise eine neue Therapieoption für Autoimmunerkrankungen, so die Forscher.

Höhere Aktivität bestimmter Gene auf dem X-Chromosom festgestellt

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchungen war, dass die Aktivierung der ABC`s die Stimulierung eines speziellen Rezeptors der Zelloberfläche (TLR7) voraussetzt. Dieser ist an der angeborenen Immunantwort beteiligt und das entsprechende Gen für diesen Rezeptor liegt auf dem X-Chromosom. Frauen besitzen bekanntlich zwei X-Chromosomen, Männer ein X- und ein Y-Chromosom. Normalerweise ist eines der X-Chromosomen bei Frauen in "Ruhestellung" – aber diese ist nicht immer vollständig, so dass bei Frauen häufig eine höhere Aktivität von Genen, die auf dem X-Chromosom liegen, zu verzeichnen ist.

Dr. Anatoly V. Rubtsov, der federführende Autor der Studie erklärt dazu:
"Es kommen nicht nur diese Zellen häufiger bei Frauen vor – ihre Aktivität hängt auch noch von einem Chromosom ab, von dem Frauen zwei haben und Männer nur eines. Dieses könnte uns helfen zu verstehen, warum Frauen an vielen Autoimmunerkrankungen häufiger leiden als Männer."

Originalartikel: TLR7-driven accumulation of a novel CD11c+ B-cell population is important for the development of autoimmunity. Rubtsov AV, Rubtsova K, Fischer A, Meehan RT, Gillis JZ, Kappler JW, Marrack P. Zeitschrift "Blood”, 4. Mai 2011.

Quelle: www.msrc.co.uk
Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 7. Juli 2011

Letzte Änderung: 07.07.2011

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