Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V (DMSG)


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Grundlagenforschung


Durch Multiple Sklerose geschädigte Hirnbereiche müssen mehr leisten

Ein internationales Forscherteam unter Leitung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ist dem Rätsel auf der Spur, welchen Einfluss Multiple Sklerose auf die Kommunikationsprozesse im Gehirn hat.

Gehirn
Fotolia Was bewirkt die MS im Gehirn?
Bislang deutete die Wissenschaft starke Verbindungen zwischen unterschiedlichen Hirnarealen als Zeichen für eine bessere Verarbeitung der Informationen. Verschiedene Nervenfasern leiten hier die Impulse über das Rückenmark zum Körper und werden dort empfangen. Die Nervenfasern sind ähnlich wie elektrische Kabel von einer Isolierschicht umgeben. Bei Multipler Sklerose attackiert das körpereigene Immunsystem diese isolierende Umhüllung – das Myelin.
Die Folge: Botschaften können nicht mehr wirkungsvoll übertragen werden. Was häufig mit einem Kribbeln in den Beinen oder Sehbeeinträchtigungen beginnt, kann im weiteren Verlauf zu schweren Bewegungsstörungen oder auch kognitiven Verlusten bei Aufmerksamkeits - oder Gedächtnisleistungen führen.

Mit dem Ausmaß der Schäden an den Nervenfasern steigt die Kommunikation zwischen den Hirnarealen

Die Hamburger Forscher beschrieben nun, dass auch das Gegenteil zutreffen kann. Die in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlichten Ergebnisse ihrer Untersuchungen von MS-Patienten durch funktionelle Magnetresonanztomographie zeigten:

Je stärker die Nervenfasern im Gehirn geschädigt und unterschiedliche kognitive Leistungen beeinträchtigt waren, desto mehr kommunizierten bestimmte Hirnareale miteinander. Damit gelang es den Wissenschaftlern, einen völlig neuen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß kognitiver Störungen und Veränderungen von Kommunikationsprozessen im Gehirn herzustellen.

Warum bestimmte Hirnregionen bei MS trotz zunehmender Schädigung stärker miteinander kommunizieren als bei Gesunden, bleibt noch Spekulation. Momentan gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Verlust vieler Verbindungen dazu führt, dass die Netzwerke weniger variabel agieren und daher verstärkt untereinander kommunizieren.

Methode könnte helfen, den Verlauf der Krankheit besser zu bestimmen

Die Forscher hoffen, aus den Ergebnissen neue diagnostische und therapeutische Ansätze bei MS entwickeln zu können. Zum Beispiel, um das Ausmaß der Erkrankung, besonders im frühen Stadium, besser einschätzen zu können. Darüber hinaus könnten die Ergebnisse helfen, Veränderungen der Hirnarchitektur zukünftig auch bei anderen Krankheiten besser deuten zu können.

Literatur: Hawellek, D. J., Proceedings of the National Academy of Sciences 2011, Online-Vorabpublikation, DOI:10.1073/pnas.1110024108.



Quelle: Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 21. November 2011

Letzte Änderung: 24.01.2012

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