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ECTRIMS/ACTRIMS 2011, Teil 3: Der Traum von der "Personalisierten Medizin”

Die Art und Weise, wie Menschen ihre MS erleben, den Verlauf der Erkrankung und das Ansprechen auf eine Therapie, ist sehr unterschiedlich: Personalisierte Medizin ist ein Konzept, vorab auf der Basis anspruchsvoller Analysen die wahrscheinliche Prognose und den besten individuellen Behandlungsplan für jeden individuellen Patienten zu erstellen–ein spannendes Thema beim Kongress von ECTRIMS (European Committee for Treatment and Research in MS) und ACTRIMS (Americas Committee for Treatment and Research in MS).

ECTRIMS-Logo 2009 Text - 25. KongressDer DMSG-Bundesverband stellt die wichtigsten Themen des gemeinsamen Kongresses von ECTRIMS und ACTRIMS in einer Serie vor. Teil 3 beschäftigt sich mit dem Ideal einer auf jeden Patienten individuell abgestimmten "personalisierten Medizin". Zurzeit ist das noch ein Traum für die Erkrankung MS – aber weltweit laufen Forschungen um nicht-invasive Biomarker wie zum Beispiel Hinweise in Blut oder anderen Körperflüssigkeiten zu finden, oder Anzeichen im MRT, die letztlich Voraussagen zur Wirksamkeit einer Therapie und zum weiteren Krankheitsverlauf machen können.

• Eine Hi-Tech Blutanalyse bei MS-Erkrankten, die in die CLIMB-Studie (Comprehensive Longitudinal Investigation of MS at Brigham & Women’s Hospital) in Harvard eingeschlossen waren, identifizierte zwei Untergruppen der Erkrankten basierend auf Profilen von Immunzell-Gen-Signalen. Eingeschlossen in die Studie waren 141 unbehandelte Patienten, 94, die mit Glatirameracetat und 128 die mit Interferon beta behandelt wurden In allen Gruppen konnte das Untersuchungsteam eine Untergruppe von Patienten finden, die eine aktivere Erkrankung hatten, egal ob unbehandelt oder behandelt. Die zweite Untergruppe hatte eine weniger aktive Erkrankung und ein besseres Ansprechen auf die Therapien. Wenn sich diese Ergebnisse bestätigen lassen könnte das dazu führen, diejenigen Patienten herauszufinden, die weniger gut auf eine ‚first-line‘ Therapie ansprechen – früher als es heute möglich ist.

• Dr. Sergio Baranzini von der Universität von Californien, San Francisco, beschrieb Fortschritte, neue Erkenntnisse aus der Genetik in die klinische Praxis umzusetzen. Sein Team beobachtete die Genaktivität bei Patienten, die ein hohes Risiko hatten, eine definierte MS zu entwickeln und verfolgten Signale der Gene für spezifische Immunzellen bei den Patienten, bei denen die Erkrankung fortschritt. Sie fanden erste Hinweise auf ein Gen, Tob1 genannt, das mit der Wahrscheinlichkeit einer MS-Progression und stärkerer Immunaktivität in Verbindung stehen könnte. Auch im Blut könnte es Anzeichen dafür geben, dass eine Therapie mit Interferon beta bei bestimmten Patienten weniger wirksam ist. "Mit der Einführung neuer Technologien für genetische Untersuchungen wird die Suche nach Biomarkern explodieren", so Dr. Baranzini.

• Es ist bekannt, dass das Schubrisiko in der Schwangerschaft generell niedriger ist, nach der Entbindung aber wieder ansteigt. Wenn eine Möglichkeit gefunden werden könnte vorherzusagen, bei welchen Patientinnen das Schubrisiko nach der Entbindung höher ist, könnte man auch hier Behandlungsoptionen ableiten. Dr. E. Portaccio und Mitglieder der MS Study Group der Italienischen Neurologischen Gesellschaft suchten bei 349 an MS erkrankten Schwangeren nach möglichen Vorhersagefaktoren für postpartale Schübe und Krankheitsprogression nach der Entbindung. Das Schubrisiko war höher bei denjenigen Frauen, die zum Zeitpunkt der Empfängnis einen höheren Behinderungsgrad (EDSS) sowie während der Schwangerschaft und im Jahr davor mehr Schübe hatten. Das Fortschreiten der Erkrankung war mit dem Auftreten von Schüben nach der Entbindung verbunden – und bei denjenigen Patientinnen, die innerhalb von drei Monaten nach der Entbindung wieder mit eine krankheitsmodifizierenden Therapie begonnen hatten, waren die postpartalen Schübe seltener.

• Eine Präsentation, die einen Preis für junge Forscher erhielt, wurde von Dr. Leonard Verhey von der Universität Toronto, Canada vorgestellt. Beschrieben wurde eine umfangreiche Untersuchung von MRT-Bildern von Kindern, die ein noch nicht diagnostiziertes neurologisches Problem hatten. Beim nochmaligen Blick auf die MRT Bilder nach einer späteren MS-Diagnose fand das Team vom "Canadian Pediatric Demyelinating Disease Network”, dass spezifische Charakteristika dieser Aufnahmen (periventrikuläre Läsionen, ‘schwarze Löcher’ und Kontrastmittelanreicherung auf den ersten Bildern) für ein Risiko sprechen, dass die Kinder später mit MS diagnostiziert werden; insbesondere wenn zwei oder mehr dieser Charakteristika zutrafen.

• Die noch in der Studienphase befindliche Therapie mit Alemtuzumab (siehe oben) kann auch Autoimmunität verursachen, die gewöhnlich gegen die Schilddrüse gerichtet ist – auch noch Monate oder Jahre nach der Therapie. Ein preisgekröntes Poster der Doktoren Joanne Jones, Alisdair Coles und ihrer Kollegen von der Cambridge Universität stellte die Idee dar, dass diese Autoimmunität durch eine genetisch festgelegte Reaktion verursacht wird, die bereits vor Beginn der Therapie im Blutserum gemessen werden kann: anhand der Konzentration eines Immunbotenstoffes (IL-21). Die Forscher analysierten die Botenstoffe in Proben von 130 Versuchspersonen und fanden höhere Konzentrationen von IL-21 bei denjenigen, die während oder nach einer Therapie mit Alemtuzumab Autoimmunität entwickelt hatten. Sie fanden auch einen anderen Botenstoff, IL-7, der gegen diese Autoimmunität zu schützen scheint. Dieser Ansatz könnte dazu genutzt werden, ‚gute‘ Kandidaten für eine Alemtuzumab-Behandlung herauszufinden, wenn der Wirkstoff einmal zugelassen werden würde.

• Eine Therapie mit Natalizumab kann zur Entwicklung einer PML (Progressive multifokale Leukenzephalopathie) führen. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass Patienten, in deren Blut keine Antikörper gegen das JC-Virus nachweisbar sind, ein geringeres Risiko für eine PML unter Natalizumab haben. Dr. T. Olsson (Karolinska Hospital, Stockholm Schweden) und international Kollegen testeten das Vorhandensein von Anti-JC-Virus-Antikörpern in sechs Ländern. Ähnlich wie in früheren Berichten fanden sie, dass 50-60% der Bevölkerung diese Antikörper im Blut hatten. Frauen tendieren dazu, weniger davon zu haben als Männer – und das Vorhandensein der Antikörper steigt mit dem Alter. Diese Information kann dazu beitragen, das PML-Risiko zu reduzieren und eine Therapieentscheidung für oder gegen Natalizumab zu erleichtern.

Mehr lesen Sie im vierten und letzten Teil der ECTRIMS-/ACTRIMS- Serie auf www.dmsg.de, zum Thema Wiederherstellung von verlorengegangener Funktionen und Risikofaktoren.


 

Quelle: Research News NMSS
Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 22. Dezember 2011

Letzte Änderung: 22.12.2011

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