- 27.03.2012
- Seite empfehlen
- Drucken |
Forscher überwinden Blut-Hirn-Schranke mit "GPS-Pille"
Wissenschaftler des Bonner Life Science Inkubators (LSI) haben eine "Medikamenten-Fähre" entwickelt, die wie ein Navigationssystem Wirkstoffe von der Blutbahn gezielt ins Gehirn befördert und in der Zukunft auch die Therapie bei Multipler Sklerose erleichtern könnte.
Gängige Therapiemethoden für Hirnerkrankungen sind bisher nur begrenzt wirksam, da sich das Gehirn nicht ohne weiteres mit Medikamenten behandeln lässt. Grund dafür ist ein natürlicher Filtermechanismus in der Wand der Blutgefäße, die das Gehirn versorgen: Diese "Blut-Hirn-Schranke" schützt das Hirngewebe vor Krankheitserregern und hindert auch viele Arzneistoffe daran, von der Blutbahn ins Gehirn zu gelangen. Wissenschaftler des LSI haben nun eine "Medikamenten-Fähre" entwickelt, die diese Barriere überwindet. Untersuchungen mit Mäusen konnten dies jetzt erstmals bestätigen. Den Tieren war mittels des neuen Verfahrens ein Markierungsstoff in die Blutbahn verabreicht worden, der sich später im Gehirn wiederfand. Damit bietet sich eine neuartige Möglichkeit, Erkrankungen des zentralen Nervensystems zu behandeln.
Wirkstoff-Transport von der Blutbahn ins Gehirn
"Manche Substanzen können die Blut-Hirn-Schranke durchaus passieren. Auch unsere Fähre wird vom Gehirn als etwas wahrgenommen, das es unbedingt benötigt. Sie kann so durch die Blut-Hirn-Schranke schlüpfen", sagt Projektleiter Dr. Heiko Manninga. "Damit sind wir in der Lage, eine Vielzahl von Wirkstoffen von der Blutbahn ins Gehirn zu transportieren. Dass das Verfahren so gezielt wirkt, hat uns selbst überrascht." Die Untersuchungen zeigen zudem, dass die Fracht nicht nur in den Zellen ankommt, sondern dort auch noch funktionsfähig ist. "Das Paket wird unbeschadet abgeliefert, das ist Voraussetzung für eine mögliche Therapie", so Manninga.
Arzneicontainer im Nanoformat
Das Verfahren beruht auf künstlich hergestellten Proteinkapseln, bekannt als "Virus-Like-Particles" (VLPs). Hieraus entwickelte die Forschergruppe kugelförmige, nur Millionstel Millimeter große Hüllen, sogenannte "Engineered Protein Capsules" (EPC), die sich gezielt mit Wirkstoffen beladen lassen.
Die Proteine der Kapsel wirken wie ein Navigationssystem, das die winzigen Transporter dazu leitet, ihre Medikamentenfracht in Hirnzellen abzuliefern. "Unser Verfahren bringt Wirkstoffe genau dorthin, wo sie ihre Reaktion entfalten sollen. Das gleicht einer Pille mit eingebautem GPS-System", meint der Projektleiter. VLPs werden bereits seit einigen Jahren in der Immunforschung, aber auch zur praktischen Impfung verwendet. "Diese Proteinkapseln für den Transport von Wirkstoffen einzusetzen, ist jedoch ein neuer Ansatz. Das gilt speziell hinsichtlich der Behandlung von Hirnerkrankungen", so Manninga weiter.
|
Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. 21.03.2012 Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 27. März 2012 |
Letzte Änderung: 27.03.2012
Weitere Artikel zum Thema
- Funktionen wiederherstellen bei Multipler Sklerose: neue Therapien und andere Neuigkeiten aus der MS-Forschung, Teil 3
- Multiple Sklerose aufhalten: Neue Therapien, Risikofaktoren und andere Neuigkeiten aus der MS-Forschung, Teil 2
- Multiple Sklerose – internationaler Aktionsplan zur chronisch progredienten MS
- Neue Therapien, Risikofaktoren und andere Neuigkeiten aus der Multiple Sklerose-Forschung
- Multiple Sklerose im Kindesalter: Bericht zu klinischen Therapie-Studien
Informationen zum Ablauf von Medikamentenstudien
Phase I, II, oder III - was bedeutet das eigentlich? Hier finden Sie Informationen zum Ablauf von Studien:
Forschungsmittel
Infos zur Bewilligung von Forschungsmitteln des DMSG Bundesverbands e.V. lesen Sie bitte hier:
Leitbild der DMSG, Bundesverband e.V.
Das Leitbild der DMSG, Bundesverband e.V. bildet die Grundlage unserer gesamten Arbeit.
Leitlinien der DMSG
Informationen zur Zusammenarbeit mit kommerziellen Anbietern sowie Ehrenamtlichen lesen Sie bitte hier:





