Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V (DMSG)


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DMSG - Forschungsprojekte


Aktuelles aus der Wissenschaft

Ergebnisse und Zwischenberichte der geförderten Forschungsprojekte des Bundesverband der DMSG

Eine wichtige Aufgabe des Bundesverbandes der DMSG ist die Unterstützung und Förderung der Ursachen- und Therapieforschung der Multiplen Sklerose. In diesem und im vergangenen Jahr konnten auf diese Weise wichtige Forschungsvorhaben initiiert werden und etwas Licht in ungeklärte Fragen zur Erkrankung gebracht werden, wie beispielsweise der Einfluss von autonomen Funktionsstörungen, genetischer Faktoren und Chlamydia-Infektionen auf die Krankheitsentstehung.

Autonome Funktionsstörungen als Indiz für MS

Mit der so genannten ADIMS-Studie fördert der Bundesverband eine wissenschaftliche Untersuchung zu Autonomen Funktionsstörungen und Immunregulation bei Patienten mit klinisch isolierten Syndromen, die auf eine MS verdächtig sind. Ziel dieses Forschungsvorhabens an der Neurologischen Universitätsklinik Würzburg unter Leitung von Prof. Dr. med. Peter Rieckmann und Dr. med. Peter Flachenecker ist es, Parameter für die frühzeitige Prognose des Krankheitsverlaufs zu gewinnen. Diese Vorhersage gewinnt angesichts neuer Therapiemöglichkeiten immer mehr an Bedeutung. Dafür wird das Auftreten eines klinisch isolierten demyelinisierden Syndroms, das auf ein frühes Stadium einer MS-Erkrankung hinweisen kann, bezüglich autonomer Funktionsstörungen evaluiert und auf die prognostizierte Aussagekraft hin überprüft. Dabei werden auch multifaktorielle klinische Bewertungsmaßstäbe, bildgebende Verfahren sowie immunregulatorische und immungenetische Parameter berücksichtigt. Auf diese Weise soll mit den erhaltenen Werten das Auftreten einer klinisch gesicherten MS oder der weitere Krankheitsverlauf abgeschätzt werden können.

Transgene Modelle für Erkrankungen des Nervensystems

Eine einjährige Studie unterstützt die DMSG - Bundesverband unter der Leitung von Prof. Dr. med. Ralf Gold an der Universität Würzburg. Ziel seiner Forschungsarbeit wird es sein, mit einer systematischen genetischen Manipulation die Wachstumsfaktorgene der Oligodendrozyten bei Mäusen auszuschalten, um eine experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis, das Tiermodell für eine MS-Erkrankung, herbeizuführen. Damit sollen die Auswirkungen dieser Veränderungen im Erbgut auf den klinischen Verlauf der Erkrankung, auf krankhafte Veränderungen im Nervengewebe der Mäuse sowie auf begleitende immunologische Reaktionen charakterisiert werden.

Die Ergebnisse sollen Aufschlüsse darüber liefern, wie sich bei MS-Patienten möglicherweise bereits bestehende genetische Faktoren auf den Verlauf einer entzündlichen Reaktion im Nervengewebe auswirken. Grundlage für diese Studie sind histologische Befunde, die den Schluss zu lassen, dass bei bestimmten Verlaufsformen der Erkrankung bereits eine primäre Störung der Oligodendrozyten vorliegt, die sekundär durch immunologische Reaktionen modifiziert werden könnte.

Zum Zusammenhang zwischen MS und Chlamydia pneumoniae-Infektionen – Abschlussbericht des Heidelberger Forschungsprojektes der DMSG - Bundesverband

Die Ursache der Multiplen Sklerose (MS) ist trotz großer wissenschaftlicher Anstrengungen in den letzten Jahrzehnten bislang unbekannt geblieben. Es spricht vieles dafür, dass Autoimmunprozesse, bei denen sich Abwehrzellen gegen körpereigenes Gewebe richten, eine wichtige Rolle spielen. Es ist jedoch unklar, was diese Autoimmunprozesse verursacht und über viele Jahre und Jahrzehnte aufrecht erhält. Epidemiologische Untersuchungen, d.h. Studien an einer sehr großen Zahl von Patienten, klinische Beobachtungen und auch Tierexperimente geben Hinweise darauf, dass Infektionen bei der Multiplen Sklerose eine Rolle spielen können. Bisher konnte jedoch kein für die Erkrankung bedeutsamer Erreger bei der MS nachgewiesen werden. In den letzten Jahren wurden mehrere Studien publiziert, die zeigten, dass ein bestimmtes Bakterium, Chlamydia pneumoniae, vermehrt bei Patienten mit Multipler Sklerose nachgewiesen werden konnte. Andere Forscher widersprachen diesen Befunden, da sie nicht in der Lage waren, diesen Erreger aufzuspüren. Chlamydia pneumoniae ist insofern ein besonderes Bakterium, als es ähnlich wie Viren auf den Stoffwechsel der Wirtszellen, z.B. der menschlichen Zellen, angewiesen ist und in einer inaktiven Form sehr lange im Körper bestehen kann.

Die verschiedenen Arbeitsgruppen, die zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich Chlamydia pneumoniae und Multipler Sklerose gekommen sind, haben deutlich voneinander abweichende Methoden verwendet. Im Rahmen des vom Bundesverband der DMSG geförderten Projekts an der Neurologischen Klinik und dem Institut für Virologie der Universität Heidelberg, wurde in einer ersten Studie ausführlich untersucht, wie die Erbsubstanz (DNA) von Chlamydien aus dem Liquor (Nervenwasser) zu isolieren und zu vervielfältigen ist, um noch möglichst geringe Mengen des Erregers nachweisen zu können. Die Arbeitsgruppe von PD Dr. med. Armin Grau und PD Dr. med. Paul Schnitzler fand dabei, dass eine traditionelle, jedoch aufwendige Methode zur Isolierung der Erbsubstanz die besten Ergebnisse liefert. Mit dieser Methode konnten Liquorproben von 84 Patienten mit gesicherter Multipler Sklerose untersucht werden. Die Patienten hatten ein Durchschnittsalter von 39 Jahren (Bereich 17-84 Jahre), 64 Prozent der Patienten waren Frauen; 55 der Patienten hatten einen schubförmigen Verlauf der Erkrankung, bei elf verlief sie sekundär chronisch-progredient und bei 18 primär chronisch-progredient. Als Vergleichsgruppe wurden 89 Patienten mit anderen neurologischen Erkrankungen untersucht. Hier lag das Durchschnittsalter bei 41 Jahren (Bereich 18-62 Jahre), 52 Prozent dieser Patienten waren Frauen; 27 der 89 Patienten hatten auffällige Liquorbefunde.

Mit Hilfe einer Polymerasekettenreaktion, einer Methode, die den Nachweis auch kleiner Mengen von Erbsubstanzen ermöglicht, konnten die Arbeitsgruppe den Erreger Chlamydia pneumoniae bei 42 der 84 Patienten mit Multipler Sklerose (50 Prozent), gleichzeitig aber auch bei 25 der 89 Kontrollpatienten (28 Prozent) nachweisen. Der Nachweis des Erregers gelang damit statistisch bedeutsam häufiger bei den MS-Patienten. Bei den Kontrollpatienten mit auffälligem Liquor ergab sich eine Nachweisrate von 37 Prozent, sodass hier kein signifikanter Unterschied zu den MS-Patienten nachweisbar war. Ein besonders häufiger Erregernachweis fand sich bei den MS-Patienten mit schubförmiger Verlaufsform der MS (60 Prozent). Hier bestand ein bedeutsamer Unterschied zu den Kontrollpatienten insgesamt und zu den Kontrollpatienten mit auffälligem Liquor.

Es ist möglich, dass nicht die Anwesenheit des Erregers Chlamydia pneumoniae selbst mit der Multiplen Sklerose in Verbindung zu bringen ist, sondern dass es entscheidend ist, wie viele Erreger dauerhaft im Zentralnervensystem vorhanden sind. Die Heidelberger stellten sich deshalb die Aufgabe, die Zahl der Erreger im Liquor quantitativ festzustellen und dazu eine so genannte quantitative Polymerasekettenreaktion zu etablieren. Diese Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen, und bisher wurden lediglich 16 MS-Patienten und neun Kontrollpersonen, bei denen Chlamydia pneumoniae nachgewiesen werden konnte, untersucht. Im Mittel fanden sich bei den Patienten (Median 2500, Bereich 350-96500 Kopien/ml Liquor) rund zehnmal so viele Erreger wie bei den Kontrollpatienten (Median 220, Bereich 30-950 Kopien/ml Liquor). Hier ergab sich ein statistisch signifikanter Unterschied zwischen beiden Gruppen. Dieser Unterschied bestand auch, wenn die unterschiedliche Zahl an weißen Blutzellen im Liquor mitberücksichtigt wurde.

Die Ergebnisse zeigen, dass unter Anwendung einer sehr empfindlichen Methode der Erreger Chlamydia pneumoniae im Liquor nachgewiesen werden kann. Ein Nachweis gelang häufiger bei Patienten mit Multipler Sklerose, insbesondere bei Patienten mit schubförmigem Verlauf. Der Nachweis gelang jedoch auch bei einer nicht unerheblichen Zahl von Kontrollpatienten, so dass das Vorhandensein des Erregers im Liquor nicht spezifisch für die Multiple Sklerose ist. In einer noch laufenden Untersuchung zeigt sich, dass bei den Chlamydien-positiven MS-Patienten die Erregerlast im Liquor besonders hoch ist. Aus den derzeitigen Ergebnissen kann nun aber nicht geschlossen werden, dass der Erreger Chlamydia pneumoniae eine wichtige Ursache bei einzelnen Patienten mit Multipler Sklerose darstellt. Es könnte sich ebenso um ein Begleitphänomen handeln, wie es bereits für andere Erreger bei der MS gefunden wurde. Weitere Untersuchungen, die einen kausalen zusammenhang klären könnten, sind daher nötig.

Autoren
PD Dr. Armin Grau, Tuan Dong-Si,
PD Dr. Paul Schnitzler, Universität Heidelberg

Quellenangabe:
Aktuelles aus der Wissenschaft. Ergebnisse und Zwischenberichte der geförderten Forschungsprojekte des Bundesverbandes der DMSG. In: AKTIV (Fachzeitschrift der DMSG) 03/2002, Nr. 196, S. 16 - 18.

Letzte Änderung: 26.11.2002

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