- 31.03.2005
- Seite empfehlen
- Drucken |
Ein viel versprechendes Familienmitglied in der Pole-Position
Nervenwachstumsfaktor Neurturin könnte sich als Schlüssel zu Erfolg erweisen
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer speziellen Gruppe von Nervenwachstumsfaktoren, der so genannten GDNF-Familie, hat gezeigt, dass ein bestimmtes Familienmitglied, das Neurturin, von verschiedenen Immunzellen produziert werden kann und, dass Immunzellen molekulare Antennen für Nervenwachstumsfaktoren aus der GDNF Familie besitzen. Diese beiden Befunde sind die Quintessenz eines von der DMSG finanziell unterstützten Forschungsprojektes. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen im Hinblick auf Multiple Sklerose stellten Professor Meinl und Professor Hohlfeld aus München im Abschlussbericht ihrer Forschungen zum Thema „Interaktionen zwischen Nervensystem und Immunsystem durch Neurotrophine: GDNF-Rezeptor-Expression auf Immunzellen“ vor.
Mit insgesamt 37.000 Euro hat die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. dieses hochinteressante Projekt, das den Grundstein für weitere, darauf aufbauende Forschungen legt, gefördert. Ausgangspunkt waren Erkenntnisse, die bereits in früheren wissenschaftlichen Untersuchungen manifestiert werden konnten.
So sind entzündliche Herde an verschiedenen Stellen des zentralen Nervensystems (ZNS) kennzeichnend für die Multiple Sklerose. Ganz wesentlich wird die Entwicklung dieser Entzündungsherde durch das Zusammenspiel von Nervensystem und Immunsystem beeinflusst. Diese Wechselwirkungen (Interaktionen) werden unter anderem durch so genannte neurotrophe Faktoren (Nervenwachstumsfaktoren) bestimmt. Sie wiederum werden auch im ZNS selbst produziert und regulieren dort das Überleben von Nervenzellen. Neuere Befunde weisen zudem darauf hin, dass überraschenderweise auch Immunzellen (weiße Blutkörperchen) manche dieser Faktoren produzieren können.
Die Arbeitsgruppe um die Professoren Meinl und Hohlfeld hat auf der Basis dieser Erkenntnisse eine spezielle Gruppe dieser Wachstumsfaktoren unter die Lupe genommen und dabei Erstaunliches beobachtet. Sie fanden nämlich heraus, dass ein Mitglied innerhalb des Familienclans der Glial cell line-derived neurotropic factor (GDNF), namens Neurturin, von verschiedenen Immunzellen (B-Zellen, T-Zellen, Monozyten) produziert werden kann. Die zweite überraschende Entdeckung war, dass Immunzellen Rezeptoren, d.h. molekulare Antennen, für Nervenwachstumsfaktoren aus der GDNF Familie haben.
Daraus, so die beiden Forscher, ergibt sich zweierlei: Zum einen könnte der von Immunzellen produzierte Nervenwachstumsfaktor Neurturin eine schützende Wirkung auf die Nervenzellen im Zentralnervensystem ausüben, zum anderen ist es denkbar, dass Immunzellen, die bei MS-Patienten in das Zentralnervensystem eingedrungen sind, in ihrer Aktivität auch durch örtlich produzierte Faktoren wie Neurturin reguliert werden.
Auf der Grundlage dieser Ergebnisse soll nun in weiteren Forschungsarbeiten untersucht werden, auf welche Weise Immunzellen durch Nervenwachstumsfaktoren beeinflusst werden.
Wiederum ist man Dank der Unterstützung durch die DMSG und dem engagierten Forscherwillen von Wissenschaftlern den Geheimnissen der bislang unheilbaren Krankheit MS ein Stückchen näher gekommen.
Redaktion: DMSG, Bundesverband e.V.
11. März 2005
Letzte Änderung: 31.03.2005
Weitere Artikel zum Thema
- Aktuelles aus der Wissenschaft
- Pathogene Mechanismen bei Multipler Sklerose: die Rolle koinhibitorischer Signale der B7/CD28-Familie in der ZNS-Immunregulation
- Wie wirkt sich MS auf kognitive Leistungsfähigkeit und Lebensqualität aus? Teilnehmer/innen für die Anwendungsbeobachtung BEKOMS gesucht
- Kognitive Leistungsfähigkeit und Lebensqualität in frühen Krankheitsstadien der Multiple Sklerose
- MS-Zentren für DMSG-Anwendungsbeobachtung "BEKOMS" gesucht
Informationen zum Ablauf von Medikamentenstudien
Phase I, II, oder III - was bedeutet das eigentlich? Hier finden Sie Informationen zum Ablauf von Studien:
Forschungsmittel
Infos zur Bewilligung von Forschungsmitteln des DMSG Bundesverbands e.V. lesen Sie bitte hier:
Leitbild der DMSG, Bundesverband e.V.
Das Leitbild der DMSG, Bundesverband e.V. bildet die Grundlage unserer gesamten Arbeit.
Leitlinien der DMSG
Informationen zur Zusammenarbeit mit kommerziellen Anbietern sowie Ehrenamtlichen lesen Sie bitte hier:





