Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V (DMSG)


Suche

Artikel MS FAQ MS Lexikon

Hauptnavigation 3.Ebene


Inhaltsbereich

Eskalationstherapie

"Maßgeschneiderte" Multiple Sklerose-Therapie mit Mitoxantron?

Potenzielle schwere Nebenwirkungen neuer Immuntherapien gegen Multiple Sklerose (MS) vor Augen konzentriert sich die Forschung darauf, den Einsatz bewährter Medikamente mit bekanntem Nebenwirkungsprofil zu optimieren.

Bochumer Neurologen aus der Arbeitsgruppe von PD Dr. med. Andrew Chan, Neurologische Klinik der Ruhr-Universität Bochum am St. Josef Hospital und Mitglied des Ärztlichen Beirats der DMSG, Bundesverband e. V., verfolgen dabei einen pharmakogenetischen Ansatz: So konnten sie nachweisen, dass der genetische Bauplan bestimmter Transportproteine Rückschlüsse auf die individuelle Wirksamkeit und das Nebenwirkungsrisiko der hochwirksamen Substanz Mitoxantron zulässt. Sie hoffen, künftig anhand genetischer Informationen das optimale Therapieschema mit Mitoxantron für jeden einzelnen Patienten bestimmen zu können. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind in der Fachzeitschrift BRAIN publiziert.

Mitoxantron in der Eskalationstherapie der Multiplen Sklerose

Bis zu 10 % der deutschen MS-Erkrankten wurden laut Daten des nationalen MS-Registers der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft in den letzten Jahren mit Mitoxantron behandelt. Mitoxantron, das in mehreren Studien sehr effizient die Erkrankungsaktivität unterdrückte, wird dabei als so genannte Eskalationstherapie bei Versagen anderer Therapeutika bzw. bei besonders schweren Verläufen eingesetzt. Gegen die hohe therapeutische Effizienz der Substanz, die ursprünglich aus der Onkologie stammt, sind potenzielle, teils dosisabhängige Nebenwirkungen am Herzen, in den Fortpflanzungsorganen, aber auch auf das Knochenmark abzuwägen. "Aus diesen Gründen ist die lebenslange Gesamtdosis des Mitoxantrons auf 140mg je m2 Körperoberfläche begrenzt", berichtet Prof. Dr. med. Ralf Gold, Direktor der Neurologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum am St. Josef Hospital und Vorstandsmitglied des Ärztlichen Beirats des DMSG-Bundesverbandes.

Hinweise für die Beteiligung von Medikamententransportern in der Effektivität

Bereits in früheren Untersuchungen aus der Arbeitsgruppe von Dr. Chan und Prof. Gold war aufgefallen, dass verschiedene Immunzellen unterschiedlich auf Mitoxantron reagieren. Hieraus ergab sich die Hypothese, dass bestimmte Medikamententransporter – Proteine, die das Mitoxantron aus der Zelle hinaus schleusen – in unterschiedlichen Zellen, aber auch bei unterschiedlichen Patienten die Wirkeffekte individuell beeinflussen. Diese Transportproteine, so genannte ATP-Binding-Cassette- = ABC-Transporter, rückten also in den Mittelpunkt des Interesses. Die Forscher nahmen an, dass weniger leistungsstarke Transporter mit einer höheren Mitoxantronkonzentration in den Zellen und somit einer stärkeren Wirksamkeit einhergehen, und umgekehrt hochfunktionelle Transporter mit einer abgeschwächten Wirksamkeit verbunden sind.

Genetischer Bauplan der Transporter beeinflusst die Wirksamkeit

Diese Hypothese prüften sie jetzt an einer Gruppe von MS-Erkrankten aus ganz Europa (Kooperationen mit Kliniken in Dresden, Berg, Göttingen, Barcelona). Es zeigte sich, dass unterschiedliche genetische Baupläne von ABC-Transportern tatsächlich mit dem therapeutischen Ansprechen auf Mitoxantron zusammenhängen. In der Patientengruppe mit der genetischen Veranlagung einer niedrigen Transporteraktivität war die Wahrscheinlichkeit, positiv auf das Mitoxantron anzusprechen 3,5-mal höher als bei der Gruppe mit genetisch bedingter hoher Transporteraktivität. Die funktionellen Auswirkungen dieser Genotypen wurden zusätzlich in Zellkulturexperimenten und im Tiermodell der MS bestätigt. "Erste Daten deuten darüber hinaus auch auf einen Zusammenhang des genetischen Bauplans der Transportproteine mit Mitoxantron-Nebenwirkungen hin", sagt Dr. Chan, "zum Beispiel in vereinzelten Fällen mit Herznebenwirkungen."

Große Studie im Kompetenznetzwerk MS soll Ergebnisse bestätigen

"Diese Ergebnisse wecken die Hoffnung auf individualisierte Mitoxantron-Behandlungsschemata, beispielsweise mit abgestimmten Einzeldosierungen", kommentiert Dr. Chan. "Das könnte auch dazu führen, dass längere Gesamttherapiezeiten möglich werden, was besonders wichtig ist, weil entsprechende Anschlusstherapien zurzeit noch nicht eindeutig etabliert sind." Vorher aber müssen die Ergebnisse der retrospektiven Studie in prospektiver Form an einer größeren Gruppe von Patienten bestätigt werden. In der entsprechenden Studie im Rahmen des deutschlandweiten Kompetenznetzwerkes MS, das vom Bundesforschungsministerium (BMBF) gefördert wird, werden zudem noch weitere potenzielle pharmakogenetische Marker im Zusammenhang mit der Mitoxantrontherapie untersucht. "Insgesamt wünschen wir uns in der Behandlung der MS möglichst maßgeschneiderte, auf die individuellen Besonderheiten des einzelnen Patienten abzielende Therapieschemata" so Prof. Gold und Dr. Chan. "Diese Untersuchungen eröffnen die Möglichkeit, individuelle genetische Muster in Therapieentscheidungen mit einzubinden".

Originalarbeit:
Cotte S, von Ahsen N, Kruse N, Huber B, Winkelmann A, Zettl UK, Starck M, König N, Tellez N, Dörr J, Paul F, Zipp F, Lühder F, Koepsell H, Pannek H, Montalban X, Gold R, Chan A: ABC-transporter gene-polymorphisms are potential pharmacogenetic markers for mitoxantrone response in multiple sclerosis. In: Brain, epub ahead of print, Jul 15, doi:10.1093/brain/awp164

 

 

Quelle: Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum - 31. August 2009
Redaktion: DMSG, Bundesverband e.V. - 2. September 2009


Letzte Änderung: 02.09.2009

Artikel bewerten:

Artikel Top 20

Weitere Artikel zum Thema


Navigation Inhaltsboxen

MS - HELPLINE der DMSG

Haben Sie weitere Fragen zum Thema MS?

Oder haben Sie ein Problem, das sich im persönlichen Gespräch besser klären läßt?

Rufen Sie uns an!

Unter 01805 / 777 007 werden Sie mit kompetenten und unabhängigen DMSG -Mitarbeitern verbunden (0,14 € / Min. aus dem deutschen Festnetz und max. 0,42 € / Min. aus dem Mobilfunknetz).

Oder wählen Sie direkt Ihren Landesverband an!

Unabhängige, kompetente Mitarbeiter stehen Ihnen zur Seite.

MS- Wir lassen Sie nicht allein!

Logo MS-Helpline Logo HON-Code Logo DZI-Spendensiegel Logo DQS-Zertifikat
afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2012/Monat: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über DMSG Bundesverband e.V. und sein/ihr Internet-Angebot: www.dmsg.de

www.dmsg.de erfüllt die afgis-Transparenz-kriterien für hochwertige Gesundheitsinformationen im Internet.

Eine W3 WERK Produktion © DMSG 2014. Alle Rechte vorbehalten Impressum