- 25.06.2010
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Millionen träumen von Heilung durch Stammzell-Therapie – das Geschäft mit der Hoffnung
Wunderwaffe Stammzell-Therapie? Mediziner wollen Krankheiten wie Multiple Sklerose mit Stammzellen heilen. Doch bevor die Wirkung nachgewiesen ist, locken dubiose Unternehmen Schwerkranke mit unseriösen Heilsversprechen. Vor dieser Gefährdung von Menschenleben warnen Stammzellforscher inzwischen weltweit.
Viele Patienten hoffen, dass die Therapie mit Stammzellen eines Tages den Durchbruch bei der Behandlung von MS, aber auch Krebs und Parkinson, bringt. Wie ein solches Verfahren ablaufen muss, damit Stammzellen ihr heilsames Potenzial entfalten können, das erforschen Wissenschaftler noch in streng überwachten Studien: Sie wollen herausfinden, bei welchen Krankheiten Stammzellen heilen – und wie sich Risiken vermeiden lassen.
Warnung vor unseriösen Anbietern
Aus den Hoffnungen auf die innovativen Therapien versuchen dubiose Unternehmen in aller Welt schon heute Kapital zu schlagen. Damit gefährden sie nicht nur Menschenleben. "Sie ruinieren den Ruf einer der wichtigsten Innovationen der Medizin", sagte Stammzellforscher Wolfgang-Michael Franz aus München im Interview mit der WirtschaftsWoche.
Auch der Vorstand des Ärztlichen Beirats der DMSG, Bundesverband e.V., rät in einer Stellungnahme dringend von der Durchführung einer intrathekalen Stammzelltherapie bei Multipler Sklerose außerhalb einer klar definierten Therapiestudie ab.
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) warnt ebenfalls vor dieser 7545 bis 26.000 Euro teuren Prozedur, die Krankenkassen nicht übernehmen. Führende Stammzellforscher sind sich einig: Bisher gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass aus unbehandelten Knochenmarksstammzellen Nervenzellen werden.
Im Februar 2010 hatte sich das nordrhein-westfälische Stammzell-Netzwerk mit einer Stellungnahme gegen fragwürdige Therapieangebote an die Öffentlichkeit gewandt, berichtet die FAZ.
In Zusammenarbeit mit lokalen, regionalen und bundesweiten Aufsichtsbehörden sei zu klären, inwiefern Patienten vor derartigen Therapien geschützt werden müssen.
Schutz vor dubiosen Angeboten – Handbuch bietet praktische Orientierungshilfe
Dem weltweiten Wildwuchs mit unseriösen Angeboten von Stammzellfirmen wollen Fachgesellschaften und Forscher nun entgegentreten. Es sei viel zu früh, die Heilung von bisher unheilbaren Krankheiten wie Multipler Sklerose in Aussicht zu stellen. Die "International Society for Stem Cell Research" (ISSCR), die eine Arbeitsgruppe mit der Überprüfung Dutzender meist über das Internet verbreiteter Angebote beschäftigt, hat ein Handbuch für Patienten und ihre Angehörigen herausgegeben, das dabei helfen kann, unseriöse Angebote besser zu erkennen.
Eine vom Kompetenznetzwerk Stammzellforschung NRW ins Deutsche übersetzte Version des Handbuchs mit vierzig Empfehlungen an Patienten, Ärzte und Behörden finden Sie hier.
Zulassung: Übergangsfrist bis 2012
Die Zulassung von Stammzell-Therapien ist erst seit Kurzem rechtlich geregelt. In Zukunft müssen neue Therapien zentral von der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) genehmigt werden. Bisher waren solche Therapien auch ohne spezielle Zulassung legal. Der Gesetzgeber hat den Unternehmen eine Übergangsfrist bis 2012 eingeräumt.
Wirkung in wenigen Bereichen belegt, der Rest gilt als "experimentell"
Bislang wurden neben der seit Jahrzehnten gängigen Knochenmarktransplantation erst wenige stammzellbasierte Therapien und Produkte zugelassen oder kamen in angemeldeten Studien zur Anwendung. Hauptsächlich bei schweren Blutkrankheiten sowie zur Herstellung von Haut- oder Hornhauttransplantaten. Alle anderen Stammzellbehandlungen werden zum heutigen Zeitpunkt als rein experimentell eingestuft. Auch bei Multipler Sklerose werden Stammzellen im Rahmen von Studien untersucht. Der Langzeit-Nutzen ist allerdings noch unklar. Wir berichteten.
Experten sind sich einig: Selbst wenn die Wunderwaffe Stammzelltherapie zündet, werden noch Jahre vergehen, bis eine solche Technik zur sicheren Behandlung von MS verfügbar ist.
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Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) - 10 Juni, Wirtschaftswoche - 19. April, Handbuch der ISSCR Redaktion: DMSG, Bundesverband e.V. - 25. Juni 2010 |
Letzte Änderung: 26.06.2010
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