Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V (DMSG)


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Stammzellen

Multiple Sklerose: "Sieg für die Patientensicherheit" – umstrittene Stammzellenklinik schließt nach Untersagungsverfügung

Seit 2009 florierte das Geschäft mit der Hoffnung. Das XCell-Center lockte mit wissenschaftlich nicht belegbaren Heilsversprechen schwerkranke Menschen auch mit Multipler Sklerose in seine Düsseldorfer Klinik, um sie einer teuren, nutzlosen und risikoreichen Behandlung mit Stammzellen zu unterziehen-jetzt musste die niederländische Firma ihr fragwürdiges Geschäft einstellen, teilte die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) mit.

Eine Untersagungsverfügung der Kölner Bezirksregierung in Absprache mit dem nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium verbietet der Klinik seit dem 26. April 2011 die Abgabe sämtlicher stammzellhaltiger Knochenmarkpräparate und entzieht der Firma damit ihre Geschäftsgrundlage.

Das nun erreichte Behandlungsende begrüßen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Parkinson Gesellschaft (DPG) sehr:
"Dies bedeutet einen Sieg für die Patientensicherheit", sagt Professor Wolfgang Oertel, Vorsitzender der DGN und Vorstandsmitglied der DPG. "Die Schließung schützt auch den guten Ruf der Neurologie in Deutschland, die weltweit unter dem Gebaren des XCell-Centers gelitten hat." Beide Organisationen hatten seit Juni 2009 die Öffentlichkeit auf die Gefahren derartiger ungeprüfter Behandlungsmaßnahmen hingewiesen, waren mit den Behörden in Kontakt getreten und hatten das XCell-Center zu fachlichen Stellungnahmen aufgefordert. Die Warnung wurde auch in Englisch publiziert, damit die massiv im Ausland – wo der angebotene Eingriff nicht erlaubt ist – eingeworbenen Patienten des XCell-Centers ebenfalls informiert waren.

Firma arbeitete unter dem Deckmantel der erlaubten "Therapieversuche"

Die niederländische Firma XCell bot in einer Klinik in Düsseldorf ihre vermeintlich innovative Stammzelltherapie unter dem Deckmantel der erlaubten Therapieversuche an und behandelte dort nach eigenen Angaben mehr als 3500 Patienten. Durch Injektionen körpereigener, zuvor aus dem Knochenmark gewonnener Stammzellen ins Gehirn, Rückenmark oder ins Herz sollten die Patienten von sonst unheilbaren Leiden wie Parkinson, Alzheimer oder Querschnittslähmung geheilt werden, wohlweislich ohne Garantie. Diese Behandlungen kosteten bis zu 26 000 Euro – und manchmal sogar das Leben. Im Sommer 2010 erlag ein eineinhalbjähriger Junge nach einer Zellinjektion ins Gehirn einer Hirnblutung.

Neurologen warnten frühzeitig vor den Gefahren der XCell-Praktiken

Bald nachdem XCell in Deutschland seine Behandlungen angeboten hatte, wurden dessen Patienten in neurologischen Praxen vorstellig. Verzweifelte Patienten, denen es nach der teuren XCell-Behandlung nicht besser oder sogar noch schlechter ging. In einer gemeinsamen Presseerklärung warnten die DPG und DGN im Juni 2009 vor den Gefahren einer Parkinson-Therapie mit adulten Stammzellen. "Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit, keinen wissenschaftlichen Nachweis der Sicherheit und Verträglichkeit, und es gibt keine wissenschaftlich begründete Abwägung von Nutzen und Risiken", erklärte Professor Wolfgang Oertel bereits im September 2009. Nach dem ersten Todesfall am XCell-Center hatten die Gesellschaften sich in einer gemeinsamen Erklärung für die Möglichkeit eines schnellen Moratoriums bei gefährlichen, ungeprüften Therapieverfahren ausgesprochen. Auf diese Weise stehe die Sicherheit der Patienten an vorderster Stelle, und nicht juristische Prozesse, die sich über Monate und Jahre hinziehen können.

Wunderwaffe Stammzell-Therapie? Der DMSG-Bundesverband berichtete über das Geschäft mit der Hoffnung.

Auch der Ärztliche Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. warnte in mehreren Stellungnahmen:

  

Quelle: Pressemitteilung der DGN, Informationsdienst Wissenschaft - 24. Mai 2011
Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 23. Juni 2011



Letzte Änderung: 23.06.2011

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