Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V (DMSG)


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Therapien

Leitlinien bieten mehr Sicherheit bei Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose

Damit niedergelassene Neurologen, aber auch Hausärzte immer auf dem aktuellsten Wissensstand sind, gibt die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in regelmäßigen Abständen Leitlinien zur Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose heraus: Auf der Jahrestagung der DGN in Wiesbaden ist jetzt eine überarbeitete Fassung dieser Leitlinien vorgestellt worden–ergänzend geben zwei Qualitätshandbücher zu den Wirkstoffen Natalizumab und Fingolimod Handlungsempfehlungen für den Praxisalltag.

Die erste MS-Pille, neue Antikörpertests und Diagnosekriterien: Auf dem Gebiet der Multiple-Sklerose-Forschung hat sich viel verändert. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie und das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS) haben in Abstimmung mit dem Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes neue Multiple-Sklerose-Leitlinien und Qualitätshandbücher für den Praxisalltag erarbeitet. Darüber hinaus greifen die neuen Leitlinien die revidierten Diagnosekriterien nach McDonald auf und erläutern die vereinfachten MRT-Kriterien nach Swanton.

Handlungsempfehlungen zu Fingolimod und Natalizumab

"Insbesondere freut uns, dass wir nur sechs Monate nach EU-Zulassung von Fingolimod, dem ersten oralen MS-Medikament, unseren niedergelassenen Kollegen bereits detaillierte Hinweise zum Anwendungsbereich sowie möglichen Risiken und Nebenwirkungen an die Hand geben können", erklärt der stellvertretende Vorstandssprecher des KKNMS und Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V., Prof. Dr. Bernhard Hemmer, der die neuen Leitlinien auf der DGN-Tagung vorgestellt hat. Dabei seien die Experten zum Teil über die Empfehlungen der Europäischen Zulassungsbehörde EMA hinausgegangen, um bestmögliche Sicherheit im Umgang mit dem neuen Präparat zu gewährleisten. Grundsätzlich wird empfohlen, alle Patienten, die auf die neue Therapie eingestellt werden, im Rahmen von verfügbaren Registerprogrammen zu dokumentieren, so z.B. PANGAEA bei Fingolimod.

Auch bei Natalizumab, einem weiteren MS-Therapeutikum, gibt es wichtige Neuerungen: Seit Mai 2011 gilt der Nachweis von JC-Virus Antikörpern im Blut als möglicher Biomarker für das Risiko unter Behandlung eine schwere Hirnhautentzündung (progressive multifokale Leukenzephalopathie, kurz PML) zu entwickeln. In den Leitlinien werden die Studien dazu kritisch reflektiert und es wird erörtert, bei welchen Patientengruppen der Bluttest sinnvoll ist.


Qualitätssicherung bei Diagnose und Behandlung

Leitlinien geben Ärzten detaillierte Hinweise zur Diagnose einer Krankheit und klären über verschiedene Therapiemöglichkeiten und deren Risiken auf. Basis einer jeden Leitlinie sind wissenschaftliche Publikationen und Studien, die hinsichtlich ihrer Qualität eingeordnet und kritisch bewertet werden. "Diese sogenannte evidenzbasierte Medizin zielt darauf ab, Patienten immer anhand der besten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu behandeln", erklärt Prof. Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. "In unserer jüngsten Überarbeitung der MS-Leitlinien stellen wir Ärzten erstmals auch Evidenztabellen zur Verfügung, sodass unsere Handlungsempfehlungen einfacher und besser nachvollzogen werden können", ergänzt Prof. Ralf Gold, Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes und Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Bochum, der die Arbeitsgruppe Leitlinien für die DGN und das KKNMS koordiniert.

Qualitätshandbücher für den Praxisalltag

Die Leitlinienkapitel zu den Medikamenten Natalizumab und Fingolimod, die in der Eskalationstherapie der MS eingesetzt werden, erscheinen zusätzlich in je einem gesonderten Qualitätshandbuch, das durch Patientenaufklärungsbogen, Checkliste und Workflowtabelle abgerundet wird. "Gerade bei Medikamenten, die so stark ins Immunsystem der Patienten eingreifen, ist es wichtig, Standards in der Anwendung sicherzustellen. Deshalb haben wir uns für die Handbücher als von der Pharmaindustrie unabhängiges Instrument entschieden, das niedergelassenen Neurologen die Arbeitsabläufe im Praxisalltag erleichtern soll", erläutert Hemmer.

Leitlinien und Qualitätshandbücher entstanden in enger Abstimmung mit dem Ärztlichen Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. und der Task Force "Versorgungsstrukturen" des KKNMS.

Der DMSG-Bundesverband hatte bereits im Rahmen seiner Nachrichten aus dem Ärztlichen Beirat über die Bedeutung von Leitlinien berichtet:



Quelle: PM KKNMS - 30. September 2011
Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 30. September 2011

Letzte Änderung: 24.11.2011

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