Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V (DMSG)


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Neue Medikamente / Neue Ansätze

Neue orale Medikation bei Multipler Sklerose: Teriflunomid senkt Schubrate

Der Immunmodulator Teriflunomid gehört zu den vielsprechenden neuen oralen Wirkstoffen zur Behandlung der Multiplen Sklerose: Laut New England Journal of Medicine hat der Wirkstoff in einer Phase-III-Studie die Schubrate bei der schubförmig remittierenden Verlaufsform der Erkrankung signifikant gesenkt-bei guter Verträglichkeit.

Neben Fingolimod, das kürzlich zugelassen wurde (wir berichteten), und Cladribin, das den Anforderungen der Zulassungsbehörden nicht genügte, befindet sich eine Reihe weiterer oral verfügbarer Medikamente zur Behandlung der Multiplen Sklerose in der klinischen Entwicklung. Alle greifen, wenn auch an unterschiedlicher Stelle, in die Immunreaktion ein, die bei der MS zur Zerstörung der Myelinscheiden im Gehirn und Rückenmark führt. Ihre Eignung hängt nicht nur davon ab, dass sie die Entwicklung neuer Schübe verhindern. Die Wirkstoffe müssen sich auch langfristig als verträglich erweisen. Wie schmal hier der Grat ist, hat das Beispiel Natalizumab gezeigt. Der Wirkstoff kann die Zerstörung der Myelinscheiden effektiv verhindern, er steigert langfristig aber das Risiko auf eine tödliche Infektion mit dem opportunistischen JC-Virus. Der Vorstand des Ärztlichen Beirats des DMSG-Bundesverbandes hat sich zu dieser Gefahr in einer Stellungnahme geäußert (Siehe Link unten).

Studie mit Teriflunomid liefert aussichtsreiche Ergebnisse bei schubförmiger MS

Zu den vielversprechenden Neuentwicklungen gehört Teriflunomid. Es handelt sich um ein Stoffwechselprodukt von Leflunomid, das seit längerem als Basistherapeutikum in der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen eingesetzt wird.

Teriflunomid führt zu einer akuten Versorgungskrise, die vor allem die sich rasch teilenden Zellen des Immunsystems betrifft. Ob es sich deshalb zur Behandlung der MS eignet, kann natürlich nur in Placebo-kontrollierten randomisierten Studien untersucht werden. Eine von fünf Studien dieser Art ist die "Teriflunomide Multiple Sclerosis Oral" oder TEMSO-Studie, die der Hersteller an 127 Behandlungszentren in 21 Ländern durchführen ließ.

An der Studie nahmen 1.088 Patienten im Alter von 18 bis 55 Jahren teil. Sie hatten einen MS-Schweregrad von 0 bis 5,5 Punkte auf der Kurtzke-Skala (EDSS) und im vorausgehenden Jahr wenigstens einen Krankheitsschub oder wenigstens zwei in den vorausgegangenen zwei Jahren. Die Patienten wurden auf drei Therapiearme randomisiert, in denen sie über 108 Wochen einmal täglich eine Tablette einnahmen, die entweder 7mg oder 14 mg Teriflunomid oder keinen Wirkstoff enthielt.

Die Therapie mit Teriflunomid senkte die Zahl der Schübe, den primären Endpunkt der Studie, von 0,54 auf 0,37 pro Jahr. Hier gab es laut der Publikation von Paul O'Connor vom St. Michael's Hospital in Toronto, und Mitarbeitern keine Unterschiede zwischen den beiden Dosierungen. Bei der Vermeidung einer Krankheitsprogression war die höhere Dosierung allerdings leicht im Vorteil: Unter der Therapie mit 14mg Teriflunomid pro Tag kam es nur bei 20,1 Prozent der Patienten zu einer Zunahme der Behinderung (gemessen mittels EDSS) - gegenüber 21,7 Prozent unter der niedrigeren Dosierung und 27,3 Prozent unter Placebo.

Wirkstoff kann das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen

Auch in den kernspintomographischen Befunden war die höhere Dosis im Vorteil. Die Ergebnisse zeigen, dass Teriflunomid das Fortschreiten der Erkrankung nicht stoppen, sondern nur verlangsamen kann. Auch die Autoren bewerten die Wirkung als mäßig, sie liege aber durchaus im Bereich der derzeit verwendeten injizierbaren Medikamente (Interferone und Glatirameracetat), dürfte aber gegenüber Natalizumab zurückfallen.

Nebenwirkungen bislang überschaubar

Die Verträglichkeit von Teriflunomid scheint gut zu sein. Die Zahl der Therapie-Abbrecher war nicht höher als in den anderen Gruppen. Die wichtigsten Nebenwirkungen waren Durchfall, Übelkeit und eine Ausdünnung der Haare. Ernste Sicherheitsprobleme traten nicht auf, auch wenn ein leichter Anstieg der Leberwerte sicherlich weiter beobachtet werden muss.

Auch schwere Infektionen traten unter Teriflunomid nicht häufiger auf als unter Placebo. Hier ist allerdings die weitere Entwicklung abzuwarten, da z.B. JC-Virus-Infektionen (oder deren Reaktivierung) ggf. erst nach Jahren zu einer progressiven multifokalen Leukenzephalopathie führt.
Diese Komplikation tritt nicht nur bei MS-Medikamenten, sondern auch unter Immunsuppressiva auf (wo das Risiko lange nicht erkannt wurde). Die Tatsache, dass mit der "Muttersubstanz" Leflunomid, das 1998 in die Rheumatherapie eingeführt wurde, nach bisher 1,9 Millionen Patienten-Jahren gute Erfahrungen gemacht wurden, bietet deshalb keine Gewähr.

Der Hersteller hat im August 2011 die Zulassung für Teriflunomid  bei der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) beantragt. Ein Antrag bei der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) soll im ersten Quartal 2012 folgen.


Weiterführende Links zu Stellungnahmen des Ärztlichen Beirates des DMSG-Bundesverbandes:


 

Quelle: New England Journal of Medicine (2011; 365: 1293-1303), Ärzteblatt
Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 10. Oktober 2011



 

Letzte Änderung: 10.10.2011

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