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Neue Medikamente / Neue Ansätze

Firewall für Nervenzellen: Fumarsäure-Ester gegen schubförmige Multiple Sklerose

Bochumer Forscher haben entdeckt, dass ein gegen Schuppenflechte bewährter Wirkstoff auf Basis der Fumarsäure die Symptome der Multiplen Sklerose stark bessert: Nun gelang der Nachweis wie Abkömmlinge der im menschlichen Körper vorkommenden Fumarsäure, sogenannte Fumarsäure-Ester, Nervenzellen schützen können. Die Wissenschaftler berichteten in der aktuellen Ausgabe von RUBIN, dem Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität Bochum.

Professor Gold mit Patient
Ruhr-Universität Bochum

Prof. Dr. Ralf Gold bei der Behandlung eines MS-Patienten

Multiple Sklerose ist bis heute nicht heilbar. Mit modernen Medikamenten lässt sich ihr Verlauf zwar verlangsamen, jedoch sind die Wirkstoffe entweder in ihrer Wirksamkeit eingeschränkt oder mit gravierenden Nebenwirkungen verbunden. Seit den 1990er-Jahren gibt es verschiedene injizierbare Medikamente, die das Immunsystem modulieren und die Schubhäufigkeit um etwa ein Drittel reduzieren können.


Hoffnung aus der Dermatologie: Fruchtsäure sogar in der Lebensmittelindustrie zugelassen

Bochumer Forscher haben jetzt entdeckt, dass ein aus der Dermatologie seit langem bekannter Wirkstoff ungefährlich und hochwirksam gegen MS-Schübe ist: Fumarsäure-Ester. Die Fumarsäure ist eine Fruchtsäure, die in vielen Pflanzen und auch im menschlichen Körper vorkommt und in der Lebensmittelindustrie zugelassen ist. Der Wirkstoff wird in der Dermatologie erfolgreich gegen Schuppenflechte eingesetzt, die ebenfalls eine Autoimmunkrankheit ist.

50 Prozent weniger Schübe, 90 Prozent weniger Entzündungsherde

Kleinhirn einer mit dem Fumarsäureester DMF behandelten Maus, die an der Modellerkrankung EAE leidet. Nervenzellen erscheinen grün, in rot ist der Transkriptionsfaktor Nrf2  zu erkennen, ein regulierendes Protein in Nervenzellen, das als Folge der Fumarsäureester-Therapie in den Zellkern gewandert ist.
Ruhr-Universität Bochum

Kleinhirn einer Maus, die an der Modellerkrankung EAE leidet und mit dem Fumarsäureester DMF behandelt wurde. Nervenzellen erscheinen grün, rot ist der Transkriptionsfaktor Nrf2, ein regulierendes Protein in Nervenzellen, das als Folge der Fumarsäureester-Therapie in den Zellkern gewandert ist

Die Entdeckung war Zufall:
Bei MS-Patienten, die zugleich auch an Schuppenflechte litten, besserte sich die Symptomatik der MS auffällig unter der Einnahme von Fumarsäureester. Mehrere Studien folgten. Neurologen um Prof. Dr. Ralf Gold, Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat des DMSG-Bundesverbandes, konnten jetzt nachweisen, wie Fumarsäure-Ester wirkt:
Er stößt schützende Stoffwechselwege in Zellen an. "Die Nervenzellen werden wie durch eine Firewall vor entzündlichen Botenstoffen geschützt, insbesondere freien Radikalen und Stickoxid", berichtet Prof. Gold. In einer großen Studie mit über 2400 Patienten zeigte sich: Die Fumarsäure-Ester reduzierten die MS-Schubraten um bis zu 50 Prozent und führten zu bis zu 90 Prozent weniger entzündlich aktiven Herden, die mit der Kernspintomografie sichtbar waren.
Verdauungsbeschwerden, eine häufige Nebenwirkung von Fumarsäure-Ester, ließen sich durch eine abgewandelte Formulierung des Medikaments stark reduzieren auf drei bis fünf Prozent.

Literatur: Ralf Gold et al.: Placebo-Controlled Phase 3 Study of Oral BG-12 for Relapsing Multiple Sclerosis. In: N Engl J Med 2012; 367:1098-1107, September 20, 2012, DOI: 10.1056/NEJMoa1114287

Weitere Informationen

  • Weniger Schübe und gute Verträglichkeit? Mehr lesen Sie im Bericht des DMSG-Bundesverbandes über zwei große Studien mit dem Wirkstoff Fumarat (Fumarsäure). Mehr


Quelle: Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum - 07. November 2012
Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. - 07. November 2012



Letzte Änderung: 07.11.2012

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