DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Das alles ist Multiple Sklerose

Keiner sieht´s. Eine spürt´s: Isi hat Multiple Sklerose und sie hat einen Film gemacht - als Beitrag zum Wettbewerb der DMSG zum Welt-MS-Tag und als Mutmacher für alle Menschen, die mit den für Außenstehende oft nicht erkennbaren Auswirkungen der MS leben. Schnell fand die junge Regisseurin fünf Mitstreiter, die ihre Erfahrungen mit der noch unheilbaren Erkrankung teilen: Unsichtbar? Manchmal... Unberechenbar? Immer! Das alles ist Multiple Sklerose!

 

Taubheitsgefühle im Arm, dann im Bein und schließlich in der gesamten linken Körperhälfte: Vor fünf Jahren erhielt Isabelle die Diagnose Multiple Sklerose. Ein Schock. „Ich hatte das Bild von Menschen mit MS im Kopf, die im Rollstuhl sitzen. Ich dachte: Morgen geht’s dir genauso“, erinnert sie sich an die ersten schweren Wochen nach der Diagnose. Doch dann rappelte sie sich auf und informierte sich über die Krankheit. Die 36-Jährige schöpfte neuen Mut und lernte mit der Krankheit zu leben. Vor zwei Jahren drehte sie zum Welt-MS-Tag ihren ersten Kurzfilm für die DMSG-Community. Isabelle Gansser outete sich und wandte sich an andere Betroffene mit dem Appell, positiv zu denken, nach vorne zu schauen und nicht zu resignieren.Die Resonanz war riesig - nicht nur, weil das Video schon damals sehr professionell gedreht war. Es war die positive Ausstrahlung der filmbegeisterten jungen Frau, die vielen hundert Zuschauern auf Anhieb gefiel. Es könnte der Anfang einer aussichtsreichen Karriere als Filmerin werden.

Träume realisieren

Mittlerweile studiert Isi Film und ist bereits im zweiten Semester­. Im Studiengang Audiovisuelle Medien­ hat sie zusammen mit ihren Kommilitonen Paul Weitbrecht (Kamera), Malena­ Trachte (Kamera) und Jan Hansen (Assistenz) ein neues Video gedreht, das der DMSG-Bundesverband vorstellen möchte. Darin geben sechs MS-Erkrankte einen Einblick in ihr Leben mit MS. Neben Isi selbst zählt Beate Lorenz aus Passau zu den Protagonisten, die alle im Alter zwischen Mitte 20 und Mitte 30 sind. Nach der Diagnose gab Beate Lorenz ihren Job auf und begann noch einmal zu studieren. Sarah Bianco aus Fürth hat sich aus dem Rollstuhl gekämpft. Sie hat zwar noch oft Probleme beim Gehen, was die Mutter von zwei Kindern aber nicht davon abhält, in einem Café zu arbeiten. Julia Schildt aus Frankfurt hat nach der Diagnose mit dem Bodybuilding angefangen. Die Ärzte sagten ihr, dass sie mit ihren vielen Entzündungen im Kopf eigentlich ein „neurologischer Totalschaden“ sein müsste. Bilal Sengönül aus Schlaitdorf erfuhr von der Krankheit, als seine Frau das erste Mal schwanger war. Er ist heute dreifacher Familienvater. Und Julia Maye aus Tübingen ist dabei eine Familie zu gründen – sie ist im sechsten Monat schwanger. „Ich kannte meine Mitstreiter bis zu den Drehs nicht persönlich, und wir waren sehr beeindruckt, was für starke und mutige­ junge Menschen das sind“, freut sich die Regisseurin Isi. „Mit ihrer wahnsinnig positiven Einstellung sind sie für mich echte Vorbilder.“ Sie ignorieren die MS nicht, lassen aber auch nicht zu, dass die Krankheit über ihr Leben bestimmt.

Keiner sieht´s. Eine(r) spürt´s: Vieles ist unsichtbar

Dieses Ziel verfolgt die DMSG mit ihrem Wettbewerb zum diesjährigen Motto zum Welt-MS-Tag, für den das Studenten-Filmteam sein Video eingereicht hat. Zu gewinnen wäre schön, meint Isi. Noch viel wichtiger sei ihr aber, dass folgende Botschaft rüberkommt: "Betroffene sollen offen und ohne Angst über ihre Krankheit reden können. Dazu zählt auch, dass die Umgebung Verständnis für Begleiterscheinungen im Alltag aufbringt. Viele schämen sich dafür. MS ist immer noch ein Tabu-Thema“, sagt sie. Konzentrationsschwächen, chronische Müdigkeit und Schmerzen sind häufige Begleiterscheinungen dieser unberechenbaren Krankheit. „Wenn man dann als Drückeberger hingestellt wird oder Sprüche kommen wie: Lass dich nicht so hängen, dann zieht einen das schon runter“, wirbt Isi für Verständnis.

Die 36-Jährige arbeitet neben dem Studium weiter bei der Wurzel Mediengruppe. „Ich möchte 3D-Produktionen machen, Animation am Computer“, blickt sie zuversichtlich in ihre berufliche Zukunft. Trotz mancher Schwierigkeiten durch die Krankheit hat sie eines gelernt: „Man kann vieles unbeschwert machen und landet nicht zwingend im Rollstuhl.“

Schon bald könnte es ein Wiedersehen geben mit der Filmstudentin und den Protagonisten aus ihrem Film. Im Sommer wollen die sechs noch Videos drehen, in denen sie sich und ihre Motivation bei dem Wettbewerb mitzumachen näher vorstellen.

Quelle: Wolfgang Berger, Stuttgarter Zeitung, DMSG-Bundesverband - 17.06.2019

17.06.2019