DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Multiple Sklerose aufhalten – die Progression verstehen

Rauchen, Menopause, Herkunft: Der vierte Teil der Serie der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. zur Jahrestagung der Amerikanischen Akademie für Neurologie (AAN) informiert über aktuelle Forschungsansätze mit dem Ziel, den Ursachen für das Fortschreiten der Erkrankung auf die Spur zu kommen.

Die meisten MS-Erkrankten erleben das Voranschreiten der MS - unabhängig davon, mit welcher Form der Erkrankung sie anfänglich diagnostiziert worden sind. Ein besseres Verständnis der Faktoren, die eine Verschlimmerung befördern, hilft dabei, neue Ansätze für das Aufhalten der Multiple Sklerose zu finden und verlorengegangene Körperfunktionen wiederherzustellen.

Ein früher Ansatz für die progresssive MS

Dr. Lior Mayo (Brigham and Women’s Hospital) und sein Team untersuchten das Potential einer dem Impfen ähnlichen Therapie, die diejenigen Zellen stimuliert, die spezielle Immunaktivitäten, die das Kennzeichen bei progressiven Phasen einer MS sind, "abschalten” können. Der "Anti-CD3-Impfstoff" wurde Mäusen, die an einer der sekundär progredienten MS (SPMS) ähnlichen Erkrankung litten, über die Nase verabreicht. Dadurch wurden bei den Mäusen die Symptome nach dem Beginn der Progression vermindert. Es handelt sich um eine sehr frühe Studie – das Potential dieser Therapie muss weiter untersucht werden.

Progression bei Menschen lateinamerikanischer Herkunft

Dr. Lilyana Amezcua (University of Southern California) und ihre Kollegen verglichen den MS-Erkrankungsstatus von Lateinamerikanern, die in den USA geboren oder die bis zu einem Alter von 15 Jahren eingewandert waren, mit dem von MS-erkrankten Lateinamerikaners, die nach ihrem 15. Lebensjahr in die USA eingewandert waren. Ziel war es zu sehen, ob das Alter bei der Einwanderung den Grad der Behinderung durch ihre MS beeinflusst. In den USA geborene oder vor dem 15. Lebensjahr eingewanderte Lateinamerikaner waren bei Einsetzen der Symptome jünger und hatten geringere Behinderungen im Vergleich zu denjenigen, die nach dem 15. Lebensjahr eingewandert waren.

Progression und Menopause

Bei Frauen taucht immer wieder die Frage auf, ob und inwieweit die Menopause den Verlauf einer MS beeinflusst. Dr. Riley Bove sammelte Informationen über den Verlauf der MS in der Menopause bei 391 Frauen, die in eine Langzeitstudie am Brigham and Women’s Hospital in Boston eingeschlossen waren. Die Ergebnisse zeigen dass sich die Progression (gemessen mittels EDSS-Skala) zu Beginn der Menopause oder um diesen Zeitpunkt herum dahingehend veränderte, dass es zu einer schnelleren Anhäufung von Behinderungen kommt. Das Team verfolgt derzeit diese Ergebnisse weiter. Sollte hormonelle Veränderungen dafür verantwortlich sein, könnte das eine Möglichkeit sein, eine Lösung für Frauen in der Menopause zu finden.

Progression verlangsamen durch Nichtrauchen

Frühere Studien weisen darauf hin, dass das Rauchen von Zigaretten sowohl das Risiko erhöht, dass eine MS ausbricht als auch die Progression beeinflussen kann. Nun kommen gute Nachrichten von einer Studie, die von Dr. Cris Constantinescu (Nottingham University Hospital) und seinen Kollegen durchgeführt worden ist: die Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein Rauchstopp die Wahrscheinlichkeit einer Progression wesentlich senken kann. Für jedes Jahr, das nach dem Rauchstopp vergeht, berichteten die Forscher über eine Reduktion der Progression von 5%.

Neues bildgebendes Verfahren für progressive MS

Dr. Laura Airas (University of Turku, Finnland) und Kollegen in Oxford erläuterten eine neue Technik, um mittels PET (Positronen Emissions Tomographie) aktivierte Hirnzellen (Mikroglia) feststellen zu können, die an der Zerstörung von Nervengewebe in der sekundär progredienten Phase der MS beteiligt sind. Das Team konnte Mikroglia-Aktivität in MS-Läsionen und in myelinreichen Arealen des Gehirns, die keine offensichtlichen Läsionen hatten, ganz genau nachweisen. Diese Technik könnte schlussendlich dabei helfen, eine wichtige Lücke bei der Untersuchung von Schädigungen durch die Erkrankung und die Reaktion auf eine Behandlung zu füllen, was bisher durch Standard-MRT und klinische Untersuchungen nicht oder nur unzureichend möglich war.  

Bildgebung für das Rückenmark

Manchmal zeigen Hirnscans von Patienten keine besondere MS-Aktivität und dennoch wissen sie, dass sie eine aktive Erkrankung haben. Dann i9st es möglich, dass die Ursache Läsionen im Rückenmark sind. Jedoch die relative dünne Säule des Rückenmarks ist schwierig zu scannen und zu untersuchen, so dass dieses routinemäßig nicht gemacht wird. Eine Arbeitsgruppe um Dr. David Miller (Queen Square, London) berichtete, dass sie bei Patienten mit progressive Formen der MS mehr Zerstörungen im Rückenmark finden konnten als bei Patienten mit schubförmiger MS. Sie entwickelten auch eine Messmethode für das Ausmaß dieser Schädigungen. Dieses kann ein wichtiger Schritt sein, Progression und Reparatur in zukünftigen klinischen Studien festzustellen.

Sie haben die ersten drei Teile der AAN-Serie verpasst? Kein Problem. Hier können sie die Berichte lesen:

- 08.07.2014