DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Impfungen gegen Corona

Impfungen und Multiple Sklerose

Über Jahrzehnte haben Ärzte MS Erkrankte vor Impfungen gewarnt. Militante Impfgegner schüren auch die Vorbehalte gegen die Covid-19 Impfung und verunsichern durch Falschinformationen. Bitte achten Sie daher auf verlässliche Quellen, aus denen Sie ihre Informationen beziehen.

Zu Impfungen mit Tot-Impfstoffen bei MS-Erkrankten wurden in den letzten Jahren viele Daten veröffentlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Impfung mit Tot-Impfstoff einen Schub auslösen könnte, ist demnach extrem gering (Zettl, Beiträge in der DMSG-Verbandszeitschrift aktiv!, Ausgaben 03 und 04/2020). Auch das Auftreten einer MS oder einer anderen Autoimmunerkrankung nach einer Impfung konnte durch eine umfangreiche Untersuchung nicht bestätigt werden. Impfungen mit Lebendvirus-Impfstoffen werden etwas kritischer beurteilt, da sie eine stärkere Immunreaktion hervorrufen. Dennoch besteht auch hier keine absolute Gegenanzeige. Im Einzelfall muss immer abgeschätzt werden, welches Risiko die Krankheit in sich birgt, vor der die Impfung schützen soll und welches Risiko die Impfung mit sich bringt.

Wir wissen, dass nach Infekten, das Schubrisiko erhöht ist. Im Vergleich dazu ist das Schubrisiko nach einer Impfung, wenn es dieses überhaupt gibt, sehr gering. Jede Impfung ist eine Abwägung zwischen der Angst vor der Impfung und der Angst vor der Infektionskrankheit und ihren Folgen, die damit aber mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert wird.

Da die Covid-19-Infektion in knapp über zehn Prozent der Fälle in Abhängigkeit vom Alter und anderen Risikofaktoren einen schweren Verlauf für Ungeimpfte nimmt und der Fall-Verstorbenen-Anteil in Deutschland zwischen zwei und drei Prozent liegt (vgl. Robert-Koch-Institut), empfehlen wir MS-Erkrankten nach heutigem Stand, sich und andere durch die Impfung zu schützen. Zudem können auch nach einer mild verlaufenden Infektion langanhaltende Symptome (Long Covid) auftreten, wie Geschmacksstörungen und, für MS-Erkrankte besonders beeinträchtigend, chronische Müdigkeit, Fatigue und Depressionen (vgl. Robert-Koch-Institut).

Wie entsteht Immunität bei einer Virusinfektion?

Wenn ein Krankheitserreger - in diesem Fall das SARS-Cov2-Virus - in den Körper eindringt, sucht er sich eine Wirtszelle, in der er sich vermehren kann. Hierzu benutzen alle Viren ihr Erbgut (bestehend aus RNA oder DNA), das heißt bei jedem Virusinfekt ist fremde RNA/DNA in der Zelle. Nur so kann sich das Virus vermehren. Der Körper versucht dann, das Virus durch sein Immunsystem zu eliminieren und benutzt dazu Abwehrzellen und die Bildung von Antikörpern. Nach einer abgelaufenen Infektion lassen sich in der Regel diese virusspezifischen Antikörper (B-Zell Aktivität) nachweisen und bieten zusammen mit der Immunität auf zellulärer Ebene (T-Zell Aktivität) einen Schutz vor einer erneuten Infektion. Bezüglich Covid-19 gibt es Hinweise, dass der von einer Infektion Genesene weiterhin Viren ausscheidet könnte und daher über die Erkrankungsphase hinaus eine Infektionsquelle sein kann.

Daher gelten auch für Covid-19-Genesene zunächst weiterhin die Hygienemaßnahmen, wenngleich eine noch nachweisbare geringe Viruslast wahrscheinlich kein Infektionsrisiko für andere darstellt. Demnächst wird es hierzu neue bundesweite Regelungen geben (siehe „Multiple Sklerose und Corona-Schutzimpfung“). Nach einer durchgemachten Covid-19-Erkrankung sollte man sich im Abstand von ca. sechs Monaten (siehe: RKI-Empfehlung) einmal zur Auffrischung impfen lassen, um durch diesen Boost anhaltend höhere Abwehrtiter gegen Corona zu erzielen.

Wie entsteht Immunität durch eine Impfung?

Eine Impfung soll den Körper vor Erkrankungen schützen, obwohl dieser noch nie mit dem Erreger der Erkrankung konfrontiert wurde. Sie ist somit eine klassische Präventionsmaßnahme. Dabei wird mechanistisch das körpereigene, adaptive Immunsystem mit einem nicht mehr krankmachenden Erreger oder eines seiner Bestandteile stimuliert. Als Folge wird ein sogenanntes Immungedächtnis aufgebaut, so dass bei einer Konfrontation mit dem eigentlichen, echten Erreger, der Körper bereits über die Werkzeuge für eine spezifische und schnelle Immunabwehr verfügt. Eine Erkrankung wird damit verhindert oder deutlich in ihrer Schwere abgeschwächt. Für SARS-CoV2 gibt es Hinweise, dass geimpfte Personen in geringerem Maße zur Verbreitung des Virus beitragen im Vergleich zu nicht geimpften Personen. Man nimmt an, dass die Virusübertragung (Transmission) aufgrund geringerer Virusmengen und/oder weniger langer Besiedelung des Nasen-Rachen-Raums reduziert ist.

Multiple Sklerose und Impfen allgemein

Eine MS stellt grundsätzlich keine Kontraindikation (Gegenanzeige) für Impfungen dar. Impfungen lösen keine MS aus und eine Auswirkung auf die Krankheitsaktivität ist unwahrscheinlich. Durch Impfungen vermeidbare Infektionen können einerseits schwerwiegende Erkrankungen verursachen, andererseits bei MS-Erkrankten darüber hinaus Schübe auslösen und zur Krankheitsverschlechterung beitragen. Dieses Risiko ist grundsätzlich höher einzuschätzen als potenzielle Risiken durch Impfungen. MS-Erkrankte sollten daher entsprechend den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des RKI empfohlenen Impfungen im Erwachsenenalter geimpft werden. Grundsätzlich sollte man sich nur impfen lassen, wenn man sich selbst wohl fühlt, keine Anzeichen eines Schubes verspürt und auch nicht erste Symptome einer Erkältung bemerkt.

Für Impfungen unter MS-Therapien sind allerdings einige Hinweise zu berücksichtigen. Bei einigen Immuntherapien gibt es Hinweise auf ein vermindertes Ansprechen (siehe „MS-Medikamente und Corona-Schutzimpfung“). Die Datenlage hierzu ist begrenzt. Grundsätzlich sind Impfungen mit Tot-Impfstoffen auch unter Therapien, die Immunzellen aus dem Körper entfernen („Zell-depletierende Therapien“) oder auf andere Art immunsuppressiv wirken möglich, das Ansprechen auf die Impfung kann unter solchen Therapien allerdings vermindert sein. Bei Lebend-Impfstoffen (wie Gelbfieber, Masern, Mumps, Röteln, Varizellen) können selten verstärkte Impfreaktionen auftreten. Die Indikation sollte bei MS-Erkrankten und insbesondere unter MS-Therapien streng gestellt werden. Lebend-Impfungen unter Ocrelizumab, Alemtuzumab, Cladribin, Fingolimod, Siponimod, Ozanimod, Natalizumab oder Mitoxantron sind kontraindiziert. Die meisten der von der STIKO im Erwachsenenalter und für Ältere empfohlenen Impfungen sind Tot-Impfstoffe und können auch für MS-Erkrankte uneingeschränkt empfohlen werden.

Vor Beginn einer MS-Therapie sollte immer der Impfstatus kontrolliert und ggf. fehlende Impfungen mit Lebend-Impfstoffen nachgeholt werden, wenn die MS-Therapie entsprechend verschiebbar ist.

Welche Arten von Impfstoff-Konzepten gibt es und wie wirken sie?

Etablierte Konzepte (sog. Tot-Impfstoffe und Lebend-Impfstoffe):

  • Tot-Impfstoffe bestehen aus nicht mehr reproduktionsfähigen Krankheitserregern bzw. deren Bestandteilen: Sie lösen eine schwächere Immunantwort als Impfstoffe mit reproduktionsfähigen Krankheitserregen aus und enthalten verschiedene Zusatzstoffe (Adjuvanzien) als Hilfsstoffe (Beispiel Tetanus). Um die spezifische Immunreaktion auf den Impfstoffen zu steigern, werden in der Regel nach einem bestimmten Schema Auffrischungsimpfungen mehrmals verabreicht. Die erreichte Immunität hält meist nur über einen beschränkten Zeitraum an. (Vero von Sinopharm, CoronaVac von Sinovac). Als Totimpfstoff gilt auch der vor der Zulassung stehende Impfstoff von Novavax der ein rekombinantes Protein enthält, das von der Eiweißstruktur den Spikes gleicht.
  • Lebendimpfstoffe bestehen aus einer geringen Menge abgeschwächter (attenuierter), aber lebendiger, d.h. vermehrungsfähiger Krankheitserreger (Beispiel Masern) lösen eine stärkere Immunantwort aus und die erreichte Immunität hält meist lebenslang an. Selten können vorübergehend ähnliche Beschwerden wie bei der Krankheit selbst auftreten.

Neue Konzepte:

  • Vektorbasierte Impfstoffe (Nukleinsäure basiert): Mit einer sog. Fähre (in der Regel ein nicht vermehrungsfähiges und für Menschen harmloses Virus) werden definierte Erbinformationen von Virusbestandteilen in den Körper gebracht. Diese Impfstoffe sind gegenwärtig noch aufwendig zu produzieren. (Vaxzevria von AstraZeneca von AstraZeneca basiert auf einem Schimpansen-Adenovirus; Sputnik V des Gamaleya Research Institute basiert auf zwei humanen Adenoviren, Serotyp5 und 26; Ad5-nCoV von CanSino Biologics, COVID-19 Vaccine Janssen von Johnson & Johnson basiert auf dem humanen Adenovirus-Serotyp 26)
  • Ad26.COV2.S von Johnson & Johnson basiert auf dem humanen Adenovirus-Serotyp 26). Vektorimpfstoffe wurden schon für Ebola und Dengue Fieber entwickelt.
  • Impfstoffe auf der Basis nachgebauter Erregerbestandteile: Einfach herzustellen, hohe Sicherheit, benötigen aber oft mehrere Zusatzstoffe.
  • DNA-Impfstoffe (Nukleinsäure basiert, entspricht keinem Lebendimpfstoff): Injizierte Gene simulieren die entsprechende Infektion. Diese Impfstoffe sind relativ einfach und günstig herzustellen. Das Nebenwirkungsspektrum ist aktuell noch nicht zu bewerten.
  • RNA-Impfstoffe (Nukleinsäure basiert, entspricht keinem Lebendimpfstoff): Teile der Bauanleitung (RNA) des Erregers werden beispielweise in Micro-Fetttröpfchen verpackt und in den Körper injiziert. Die RNA gibt die Information an die Zelle und wird dann schnell abgebaut. Die Zelle produziert dann Teile des Erregers, die die für eine Immunität notwendigen Abwehrreaktionen auslösen. Es erfolgt keine Veränderung des Erbguts beim Geimpften! (Comirnaty von BioNTech, COVID19 Vaccine von Moderna, CVnCoV von CureVac)
  • Impfungen mit virusähnlichen Partikeln: Proteine der Erregerhülle werden biotechnologisch hergestellt und lösen bei der geimpften Person eine Immunantwort aus. Der Impfstoff enthält keine genetische Information und hat eine hohe Sicherheit. (NVX-CoV2373 von Novavax CZ AS)

Zugang zur Corona-Schutzimpfung

Nach § 2 der Corona-Impfverordnung vom 30.08.2021, gültig ab 01.09.2021 bis 31.12.2021, besteht auch ein Anspruch auf Folge- und Auffrischimpfungen. Sind Abweichungen vom Impfschema der STIKO-Empfehlung aus wichtigem Grund erfolgt, soll das Impfschema der SITKO danach weiter fortgesetzt werden.

Sprechen Sie Ihren Hausarzt wegen eines Impftermins, auch für die Booster-Impfung aktiv an. Wenn Sie arbeiten, erkundigen Sie sich, ob Ihr Unternehmen auch Corona-Schutzimpfungen über einen Betriebsarzt anbietet. Einzelne Bundesländer haben angekündigt, kurzfristig auch zentrale Impfzentren erneut zu eröffnen.

Impfzentren: Unter der Telefonnummer 116 117 können Sie für viele Bundesländer Impftermine erfragen. Auf der Website www.116117.de/de/corona-impfung.php finden Sie Angaben zu jedem Bundesland.

Impfungen gegen Corona allgemein

Aktuell sind mehrere Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 in der Entwicklung. Sie erhalten verlässliche Kurzinformationen zu ausgewählten Impfstoffen, zu denen in Europa ein Zulassungsantrag gestellt ist und ausreichende Daten veröffentlicht sind, auf der Website des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Die Kurzinformationen beschreiben Wirkungen und Nebenwirkungen der Impfstoffe und offene Fragen. Sie werden kontinuierlich aktualisiert, sobald neue Daten vorliegen. Zusätzlich sind jeweils die aktuellen Faktenblätter zu Covid-19-Impfungen vom RKI zu empfehlen. 

Zusätzlich erhalten Sie die offiziellen Dokumente der Behörden beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und der Europäischen Arzneimittel Agentur (EMA). Hier sind auch die in Form von sogenannten Roten Handbriefen seltenen, nach Zulassung beobachteten Nebenwirkungen der verschiedenen Impfstoffe nachzulesen. Das PEI dokumentiert in seinen Sicherheitsberichten auch alle gemeldeten Nebenwirkungen und Impfkomplikationen der Impfung, jedoch keine MS-spezifische Auswertung. Wir verweisen hierzu auf unsere Impfbeobachtungsstudie, an der Sie nach wie vor teilnehmen können.

 

Multiple Sklerose und Corona-Schutzimpfung

Eine Impfung gegen das neuartige Coronavirus (SARS-CoV 2) ist weiterhin dringend zu empfehlen. Es ist derzeit darauf hinzuweisen, dass zu einem möglichen Einsatz der Covid-19-Impfstoffe bei Personen mit Autoimmunerkrankungen und/oder immunmodulierenden/-supprimierenden Therapien keine Daten/Erkenntnisse aus den Zulassungsstudien vorliegen und die genannten Einschätzungen auf vereinzelte, internationale Berichte zu Covid-19 Impfstoffen bei MS-Erkrankten, dem Wissen über die Wirkmechanismen der MS-Therapien sowie die Wirksamkeit von Covid-19 unabhängigen Impfstoffen bei MS beruhen.

Weitere konkrete Daten zur Abschätzung des Risiko-Nutzen-Verhältnisses der einzelnen Corona-Impfstoffe liegen uns aktuell noch nicht vor, da die Impfungen erst im Dezember 2020 mit den ersten verfügbaren Impfstoffen begonnen haben.

Wir erachten allerdings das Risiko, derzeit schwerer an Covid-19 zu erkranken und in der Folge auch eine mögliche Verschlechterung der MS zu erfahren, als sehr viel höher ein als durch eine Corona-Schutzimpfung. Es gilt, dass für eine Impfung eine MS-Therapie nicht unterbrochen werden sollte, da die Auswirkungen der Unterbrechung auf die MS höher einzuschätzen sind als eine geminderte Immunantwort durch die MS-Therapie (siehe auch „MS-Medikamente und Corona-Schutzimpfung“).

Aktuelle Erfahrungen aus Israel mit mehr als 500 MS-Patienten, die den mRNA Impfstoff von BioNtech erhalten haben, zum Teil auch schon die zweite Impfung, haben bisher keine unerwarteten Nebenwirkungen oder Aktivierung der MS gezeigt (Achiron A., Sheba Medical Center, persönliche Mitteilung). Erste Erfahrungen aus England von über 300 MS-Erkrankten, geimpft mit Impfstoff von AstraZeneca, zeigen keine besonderen Auffälligkeiten in Bezug auf die Verträglichkeit (Schmierer K., Queen Mary University of London, persönliche Mitteilung).

Wir empfehlen die Corona-Schutzimpfung für MS-Erkrankte mit allen in der EU zugelassenen Covid-19-Impfstoffen unter Einhaltung der nationalen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Stehen verschiedene Impfstoffe am Impftermin zur Verfügung, raten wir derzeit, die mRNA-basierten Impfstoffe bei allen MS-Erkrankten zu favorisieren. In Übereinstimmung mit der aktualisierten Empfehlung der STIKO vom 18. November sollten unter 30-Jährige nur noch mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty (BionTech/Pfizer) geimpft werden.

Im Folgenden führen wir Informationen, bzw. Aspekte auf, die bei der individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung der Corona-Schutzimpfung berücksichtigt werden sollten.

Eine Impfantwort bei einer MS-Erkrankung wird bei:

  • den mRNA basierten Corona-Impfstoffen (BioNTech und Moderna) als ausreichend eingeschätzt,
  • den vektorbasierten Impfstoffen (AstraZeneca) als etwas reduziert, aber ausreichend, eingeschätzt. Für das Covid-19 Vaccine Janssen wird eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff empfohlen.

Weiterführende Infos sind unter „MS-Medikamente und Corona-Schutzimpfung“ zu finden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Corona-Schutzimpfung einen Schub auslöst oder sich auf die Progression auswirkt, wird nach Erfahrungen mit anderen Impfstoffen als extrem gering eingeschätzt (siehe auch unsere allgemeine Einschätzung weiter oben).

Ein mögliches Schubrisiko oder eine Auswirkung auf die MS-Krankheitsaktivität wird unter:

  • den mRNA basierten Corona-Impfstoffen (BioNTech und Moderna) als gering eingeschätzt.
  • den vektorbasierten Impfstoffen von (AstraZeneca und Janssen) als gering eingeschätzt. 
    In sehr seltenen Fällen sind in den Zulassungsstudien des AstraZeneca-Impfstoffes bestätigte und Verdachtsfälle von Transverser Myelitis (autoimmune, akut-entzündliche Erkrankung des Rückenmarks, gegen Myelinscheiden gerichtet) aufgetreten (zwei nach der Corona-Impfung und einer in der Kontrollgruppe mit Meningokokken-Impfstoff, insg. ca. 24.000 Studienteilnehmer). Hier kann auf Basis der fehlenden Datenlage bei MS eine mögliche ungünstige Auswirkung auf die entzündliche Aktivität des Immunsystems autoimmunerkrankter Personen durch den zugrundeliegenden, nicht im Menschen vermehrungsfähigen Adenovirus nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden, wird derzeit aber als äußerst unwahrscheinlich eingeschätzt. Hier sind weitere Daten auch von Patienten mit anderen Autoimmunerkrankungen notwendig.

Um den MS-Erkrankten in Deutschland zeitnah Daten zur Verträglichkeit und u.a. Fragen zur Auswirkung der Corona-Schutzimpfung bei MS zur Verfügung zu stellen, führt die DMSG eine Impfstudie zur Nachverfolgung bereits geimpfter MS-Erkrankter in Abstimmung mit den Bundesoberbehörden (u.a. Paul-Ehrlich-Institut) durch. Wir bitten Sie sich aktiv an unserer Befragung zu beteiligen. Die Befragung ist online verfügbar. Mehr erfahren Sie unter diesem Link.

Schub im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung

Wenn Sie im zeitlichen Zusammenhang (innerhalb von sechs Wochen) mit der Impfung gegen Covid-19 einen Schub erlitten haben, kann das Zufall sein. In der israelischen Studie (Achiron et al) wurde ein Schubrisisko von ca. zwei Prozent nach der Impfung mit dem Impfstoff Comirnaty (BioNTech) beobachtet, was aber der erwarteten Schubhäufigkeit in diesem Zeitraum entsprach. Im Einzelfall sollten Sie mit Ihrem Neurologen besprechen, wie er den Schub in Zusammenhang mit der Impfung in Bezug auf Ihren bisherigen Verlauf einschätzt.

Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes ist das Risiko einer Virusübertragung von vollständig geimpften Personen stark vermindert. Auf die Corona-Pandemie bezogen erscheint durch die Impfung das Risiko einer Virusübertragung in dem Maß reduziert, dass vollständig Geimpfte bei der Epidemiologie der Erkrankung keine wesentliche Rolle mehr spielen. Dies kann aber möglicherweise zum Beispiel bei MS-Erkrankten, die aufgrund einer immunsuppressiven Behandlung keinen ausreichenden Impfschutz entwickelt haben, nicht zutreffen.

Es gibt von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Regelungen für Erleichterungen und Ausnahmen von Schutzmaßnahmen zur Verhinderung der Verbreitung von COVID-19 für Immunisierte (Geimpfte, Genesene), aber auch negativ getestete Personen (3G-Regel). Einige Bundesländer haben bereits Regelungen mit weitergehenden Freiheiten nur für Genesene und Geimpfte (2G-Regel) erlassen. Bitte informieren Sie sich bei Ihrem DMSG-Landesverband oder über die entsprechenden Informationsseiten der zuständigen Behörden.

Die DMSG empfiehlt, weiter unbedingt die allgemeinen Schutzmaßnahmen (AHA+L) einzuhalten, insbesondere auch bei den Gruppentreffen.

Hinweis:

MS-Medikamente und Corona-Schutzimpfung

Vor der Immuntherapie:

Vor Beginn einer MS-Therapie sollte immer der Impfstatus kontrolliert und ggf. fehlende Impfungen nachgeholt werden. Zeitlich sollten die Impfungen. ca. zwei bis vier Wochen vor Beginn einer langfristigen Immuntherapie abgeschlossen sein, wenn die MS-Therapie entsprechend verschiebbar ist. Je nach Krankheitsaktivität kann individuell eine frühere Einleitung der MS-Therapie erwogen werden. Ein Herauszögern des Beginns einer MS-Therapie aufgrund einer (anstehenden) Covid-19-Impfung ist je nach Wirkstoff der MS-Therapie, der Schwere der MS-Erkrankung bzw. der MS-Krankheitsaktivität und der individuellen Risikoabschätzung einer Infektion mit SARS-CoV2 abzuwägen.

Während der Immuntherapie:

Es liegen aktuell vereinzelt erste Daten zu Impfantworten auf die Corona-Impfung unter den verschiedenen Immuntherapien vor (s.u.). Allerdings lässt die Datenbasis derzeit nur eine erste Abschätzung weniger hochaktiver Therapien zu. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann dennoch der Impferfolg, aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit anderen Impfstoffen (z.B. der Grippeimpfstoffe), auf die Corona-Impfstoffe übertragen werden. Sollte die Impfantwort als möglicherweise vermindert eingeschätzt werden, kann eine Antikörperbestimmung nach der vollständig durchgeführten Impfung erfolgen. Deren Aussagekraft ist allerdings vorsichtig zu interpretieren, da auch milde Covid-19-Verläufe bei Personen ohne entsprechende Antikörpertiter berichtet wurden. Mit der aktuellen Corona-Testverordnung vom 24.09.2021 hat die STIKO eine Empfehlung abgegeben, bei welcher Personengruppe Antikörpertests durchgeführt werden sollen. Dies können Sie der Übersicht entnehmen.

Schubaktivität vor geplanter Impfung:

Ein Schub sollte mit und ohne hochdosierte Schubtherapie mindestens sechs Wochen zurückliegen bevor eine Impfung gegen Covid-19 erfolgt. Dies gilt auch wenn in einer MRT-Kontrolle auch ohne neue Symptome Kontrastmittel aufnehmende Herde nachgewiesen wurden.

Die Tabelle auf der rechten Seite ist in Anlehnung an die aktuelle STIKO-Empfehlung zur Corona-Schutzimpfung vom 24.09.2021 erstellt und ergänzt worden (Tabelle anklicken zur Vergrößerung).

Nachfolgend sind alle den Verlauf beeinflussenden MS-Therapien mit den bereits vorliegenden Erfahrungen und Erkenntnissen in Bezug auf Impfungen aufgeführt:

  • Alemtuzumab (Lemtrada): In den ersten sechs Monaten nach einem Therapiezyklus der Therapie erfolgen noch abgeschwächte Impfantworten, von daher sollte der Abstand mindestens sechs Monate betragen.
  • Azathioprin (Imurek): Abgeschwächte Immunantworten in Abhängigkeit von der Dosierung (siehe auch vorangehende Übersicht).
  • B-Zell depletierende Therapien (Ocrelizumab/Ocrevus, Ofatumumab/Kesimpta, Rituximab/Mabthera usw.: Erste Antikörperbestimmungen nach erfolgter Corona-Schutzimpfung bei MS-Erkrankten, die mit B-Zell-depletierende Therapien behandelt wurden, zeigen, dass nach Impfungen mit dem BioNTech-Impfstoff, geimpft vier bis sechs Monate nach der letzten Infusion, nur ein 20-prozentiges Ansprechen bezüglich des Impftiters erfolgt (Achiron A.)). Wieweit der weitere Schutzmechanismus einer Impfung, die T-Lymphozyten vermittelte, ausreichend zelluläre Immunität besteht, wird aus ersten Berichten verschiedener Forschungslabore als überraschend gut eingeschätzt.

    Inzwischen liegen aus zwei Studien Daten zur Impfantwort unter Ocrelizumab vor, die zeigen, dass ein Teil der Behandelten keine ausreichenden Antikörper gegen das Spike-Protein bilden, aber die zelluläre Abwehr der unbehandelten Vergleichsgruppe weitgehend entspricht (Apostolidis et al/Brill et al). Empfohlen werden kann eine Impfung am besten vier Monate nach der letzten Infusion. Sollten keine ausreichenden Titer festgestellt werden, wird eine dritte Impfung empfohlen.
  • Cladribin (Mavenclad): Bisherige Daten zeigen ein Impfansprechen auf den Corona-Impfstoff von BioNTech, ca. drei bis vier Monate nach der letzten Tabletteneinnahme (Achiron A.). Die Impfung erfolgt am günstigsten dann, wenn sich die Lymphozytenzahl weitgehend normalisiert hat, in der Regel drei Monate nach der letzten Tablettengabe. Ein erster Bericht an einem kleinen Patientenkollektiv hat Impferfolge bereits ein bis zwei Wochen nach letzter Tabletteneinnahme gezeigt – dies bedarf allerdings noch der Bestätigung durch andere Gruppen.
  • Cortison-Therapie: Die übliche Schubtherapie beeinflusst Impfantworten. Impfungen sollten frühestens zwei Wochen, besser vier Wochen nach einer Hochdosistherapie erfolgen.
  • Dimethylfumarat (Tecfidera): Keine Hinweise auf verminderten Impfschutz.
  • Glatirameracetat: (Copaxone 20 und 40, Clift): Impfreaktion gegen Grippe etwas geringer, aber ausreichend; gegen Corona ähnlich erwartet.
  • Immunglobuline: Immunglobuline sind körpereigene Immunfaktoren und enthalten viele Antikörper. Sie bieten daher einen gewissen Schutz gegen verschiedene Virusinfekte. Es ist aktuell nicht anzunehmen, dass die in Deutschland verwendeten Immunglobuline schon relevante Antikörper gegen SARS-CoV2 enthalten. Im Allgemeinen dürften diese Antikörper jedoch niedrigtitrig sein und den Impferfolg nicht manipulieren.
  • Interferon-beta (Avonex, Betaferon, Extavia, Plegridy, Rebif 22 und 44): Impfungen gegen Grippeviren zeigten eine gegenüber nicht Interferon-beta Behandelten vergleichbare Impfantwort. Bezüglich der Covid-19-Impfungen gibt es vereinzelt Hinweise, dass eine Therapie mit Interferon-Präparaten keinen Einfluss auf die Impfantwort hat. Ein Therapiebeginn mit Interferonen-Präparaten sollte nicht aufgrund einer noch ausstehenden Covid-19-Impfung verschoben werden. Während der Therapie ist, wenn möglich, die Impfung zeitlich jeweils an einem anderen Tag als die Interferon-Applikation zu legen.
  • Mitoxantron (Novantron, Ralenova): Aufgrund des Wirkungsmechanismus ist während der Therapiezyklen eine verminderte Impfantwort zu erwarten, die auch nach Beendigung des letzten Zyklus, der langfristige Blutbildveränderungen mit sich bringt. Es sollte mindestens ein Abstand von sechs Monaten nach der letzten Gabe zur Durchführung eine Corona-Schutzimpfung eingehalten werden.
  • Natalizumab (Tysabri): Impfantworten gegen Grippeviren waren etwas vermindert, aber ausreichend. Bzgl. der Covid-19-Impfungen gibt es vereinzelt Hinweise, dass eine Therapie mit Natalizumab keinen Einfluss auf die Impfantwort hat, sodass die regelmäßigen Infusionen mit der Corona-Schutzimpfung auch zeitnah einhergehen können.
  • Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor Modulatoren (Fingolimod/Gilenya, Ozanimod/Zeposia und Siponimod/Mayzent): Unter der Therapie mit Fingolimod ist ein reduzierter Impferfolg zu berücksichtigen. Erste Antikörperbestimmungen nach erfolgter Corona-Schutzimpfung bei MS-Erkrankten, die mit Fingolimod behandelt werden, zeigen, dass nach Impfungen mit dem BioNTech-Impfstoff nur selten Antikörperentwicklung nachweisbar war (Achiron A.). Dies berechtigt zu der Annahme, dass diese Aussagen möglicherweise auch für die anderen Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor Modulatoren (Siponimod, Ozanimod, Ponesimod) übertragbar sind. Man sollte sich hier vergegenwärtigen, dass die Patienten hiermit maximal 17 Monate behandelt sind und keine Langzeit-Beeinflussung des Immunsystems vorliegt. Eine Unterbrechung einer Therapie mit Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulatoren zur Durchführung der Corona-Schutzimpfung ist aufgrund der bekannten, ungünstigen „Rebound-Effekte“ aus unserer Sicht nicht zu empfehlen.
  • Autologe Knochenmarkstransplantation (sog. Stammzelltherapie): Es sind mindestens sechs Monate Abstand zwischen Stammzelltransplantation und Impfung zu empfehlen.
  • Teriflunomide (Aubagio): Unter Aubagio kann der Impferfolg bei üblichen Impfungen reduziert sein, wird aber im Allgemeinen als ausreichend angesehen. Die Impfantworten können auch noch nach Absetzen der Therapie für einige Monate vermindert sein. Für die Covid-19-Schutzimpfung liegen hierzu noch keine Daten vor.

Nachweis von Antikörpern

Die Anzahl der Antikörper, die nach einer Impfung festgestellt werden, kann Auskunft über den Impfschutz geben (Antikörpertiterbestimmung). Die Höhe hängt von der individuellen Immunreaktion ab und kann stark variieren. Sie ist zudem altersabhängig und kann unter einer immunsuppressiven Behandlung ganz ausbleiben. Das Ausmaß der akuten Impfreaktion, d. h. ob Nebenwirkungen nach der Impfung aufgetreten sind oder nicht, sagt nichts über den tatsächlichen Impfschutz aus.

Während es für die seit vielen Jahren gebräuchlichen Impfungen ausreichende Daten gibt, ob die Höhe der nachgewiesenen Antikörper für einen ausreichenden Schutz zum Beispiel gegen Masern, Polio oder Windpocken sprechen, ist dies für das Sars-CoV2-Virus noch nicht ausreichend bekannt. Darüber hinaus hängt die Menge der Antikörper davon ab, zu welchem Zeitpunkt sie gemessen werden, da sie zunächst bis ca. sechs Wochen nach der Impfung ansteigen und dann wieder abfallen.

Selbst bei einer niedrigen Antikörperkonzentration kann der Schutz ausreichen, da über Gedächtniszellen nach erneutem Kontakt mit dem Erreger die Antikörper wieder verstärkt gebildet werden.

Die Antikörpertests werden von verschiedenen Herstellern angeboten und die Ergebnisse sind nicht vergleichbar. Es wird das Verhältnis der vorliegenden Probe zu einer den Grenzwert darstellenden Referenzprobe angegeben.

Die zelluläre Abwehrkraft mittels T-Zell-Tests zu untersuchen, wird auch schon kommerziell angeboten, aber auch hier kann man heute noch nicht von dem Ausmaß der Reaktion der T-Zellen auf den Schutz des Einzelnen vor einer Covid-19-Infektion Rückschlüsse ziehen. Auch in diesem Fall muss eine Kostenübernahme im Vorfeld mit der Krankenkasse geklärt werden.

Autoren


Literatur

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PM des KKNMS zu Impfungen bei Multipler Sklerose, Dezember 2020

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Fragen und Antworten aus den Arzt-Sprechstunden zum Thema Corona-Impfung und MS

Wissenswertes für Multiple Sklerose-Erkrankte zur Impfung gegen Covid-19:

Quelle: DMSG-Bundesverband - 30.04.2021 (aktualisiert am 19.11.2021)

Letzte Aktualisierung: 23.11.2021 11:56