DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Allgemeine Fragen

Allgemeine Fragen

Nachfolgend finden Sie allgemeine Fragen und Antworten der beteiligten Mitglieder des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft aus den Arzt-Sprechstunden auf MS Connect.

Aus Gründen des Datenschutzes wurden Kürzungen vorgenommen.

 

Frage: Wie viele Studien liegen schon vor was die Corona-Impfung und Multiple Sklerose betrifft? Scheinbar schützt ja die Impfung bis jetzt weder vor der Ansteckung noch davor, andere anzustecken. Man ist sowieso schon krank, dann soll man sich noch kranker machen? Ich verstehe nicht, wie Sie sowas empfehlen können.

Antwort: Sehr geehrte Frau S. Die Impfung gegen Covid19 schützt wie alle Impfungen nicht 100% vor einer Erkrankung, aber in einem hohen bis Prozentsatz bis zu 95%, gegen die neue Variante eher weniger. Dennoch ist der Verlauf auch der neuartigen Variante im Falle einer Infektion trotz Impfung milder und stationäre Behandlungen sind die Ausnahme. Inwieweit Geimpfte ansteckend sind, hängt davon ab, wieviel Viruslast sie im Nasenrachenraum haben. Diese ist bei Geimpften aber deutlich geringer als bei nicht Geimpften. Deshalb ist es nach wie vor sinnvoll, sich und andere mit einer FFP2-Maske zu schützen, wenn kein ausreichender Abstand eingehalten werden kann. Unsere Impfempfehlung für MS Erkrankte stützt sich auch auf die Erfahrungen in USA, Großbritannien und Israel, die schon mehrere Monate vor uns mit Impfen begonnen haben und bisher keine Signale beobachtet haben, dass MS Erkrankte auf die Impfung mit Krankheitsaktivität reagieren.

 

Lohnt sich eine Impfung überhaupt?

Frage: Hallo, im Spektrum habe ich folgenden Beitrag gefunden: www.spektrum.de/news/corona-impfung-wirkt-auch-bei-krebs/1890727 Darin heißt es: "Das Immunsystem von Patienten, die das Medikament Rituximab bekommen hatten, bildete laut den Ergebnissen gar keine Antikörper gegen das Spike-Protein mehr." Da Rituximab der Vorgänger von Ocrevus ist, kann man das auch auf Ocrevus anwenden? Und wie sieht es evtl. bei Ofatumumab aus? Lässt sich es auf diesen Wirkstoff auch anwenden?

Antwort: Hallo, da die o.g. monoklonalen Antikörper (Rituximab, Ocrelizumab und Ofatumumab) zu einer starken Reduktion einer Form der weißen Blutkörperchen (B-Zellen) führen, ist die Bildung der humoralen Impfreaktion (Antikörper gegen das Spike-Protein) zumindest eingeschränkt. Andererseits gibt es auch eine zelluläre Impfreaktion (überwiegend durch T-Zellen), die von diesen AK nicht beeinflusst wird. Eine ausreichende humorale Impfreaktion ist anzunehmen, wenn die Impfung z.B. mit dem Biontech-Vakzin 3 und 4 Monate nach der letzten Ocrevus-Infusion und damit 2 Monate vor der nächsten Infusion durchgeführt werden. Da es jetzt mit den Impfterminen kein Problem mehr gibt, ist dies sicher gut zu organisieren. Beim Ofatumumab sind die Injektionstermine etwas zu strecken. Am besten ist natürlich auch eine komplette Impfung gegen Corona vor Beginn der Antikörper-Therapie, was aber nur selten möglich ist.

Dritte Impfung

Frage: Ich werde dann zeitnah die zelluläre Immunreaktion testen lassen. Das sollte vermutlich auch erst nach sechs Wochen nach der zweite Impfung geschehen? Sollte dieser Test negativ ausfallen, wäre dann nicht anzunehmen, dass eine dritte mRNA Impfung ebenso fruchtlos wäre, und auf einen Vektorimpfstoff gesetzt werden sollte? Auch bei unter 60-Jährigen wird ja künftig die Kreuzimpfung empfohlen (wenn auch mit umgekehrter Reihenfolge der Impfstoffe): www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/PM_2021-07-01.html

Antwort: Hallo, ich kann mich aktuell nur an die Empfehlungen der STIKO halten: Für die Personen, die keine Antikörper gegen das Spike-Protein von SARS-CoV-2 nachweisbar haben, wird eine Booster-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff nicht früher als sechs Wochen nach Abschluss der Grundimmunisierung empfohlen. Eine Booster-Impfung mit Vektor-Impfstoffen wird aufgrund der unzureichenden Daten zu diesem Vorgehen derzeit nicht empfohlen. Es gibt auch eine aktuelle französische Arbeit, bei der die Spike-AK nach der 3. Impfung um das 100-fache erhöht gefunden wurden (Nassim Kamar, Toulouse Hospital (NEJM 23.06.2021).

Frage: Ich leide seit 2013 an MS und werde seit 2019 mit Gilenya (Fingolimod) therapiert. Ich bin bereits 2x mit BionTech geimpft worden. Ein fünf Wochen nach der Zweitimpfung durchgeführter Impfantikörpertest ergab, dass ich keine Antikörper gebildet habe. Im aktuellen NDR Podcast "Corona-Virus-Update" (Folge 95) hat Frau Dr. Ciesek auf zwei kürzlich veröffentliche Studien verwiesen, bei denen bei immunsupprimierten Patienten eine dritte Impfung durchgeführt worden ist. Eine Studie stammt aus Frankreich und wurde veröffentlicht im New England Journal of Medicine. Dort ging es um Patienten mit Organtransplantationen und die Impfung erfolgte drei Mal mit BionTech. Nach der dritten Impfung haben von den 60 % Patienten, die nach der zweiten Impfung noch keine Antikörper hatten, immerhin 28 % doch noch Antikörper gebildet. Bei der anderen Studie wurde nach 2x BionTech/Moderna das dritte Mal mit J&J geimpft. Diese Studie hatte allerdings nur wenige Teilnehmer und hier lag die Erfolgsquote nach der dritten Impfung nur bei rund 1/4. Gibt es eine Stellungnahme/Empfehlung der DMSG, was bei MS-Patienten zu empfehlen ist, die nach der zweiten Impfung keine Antikörper gebildet haben (3x BionTech oder 2x BionTech und dann 1x Astra/J&J)? Könnte man ggf. auch noch ein viertes Mal (mit Astra) impfen, wenn 3x BionTech keinen Erfolg liefert? Wie verhält es sich mit der sog. "T-Zellen Immunität"?

Antwort: Eine Empfehlung der DMSG in Zusammenarbeit mit dem Kompetenznetz MS wird gerade (05.08.2021) zur Frage der mehr als zwei Mal zu wiederholenden Impfung erarbeitet. Daten zur zellulären Abwehr liegen auch noch nicht ausreichend bei den Patienten vor, die kein ausreichende Antikörperantwort erreicht haben. Allerdings weiß man inzwischen , dass die Antikörperantworten auch bei nicht MS Erkrankten sehr vom Lebensalter beeinflusst werden, da jenseits des 50. Lebensjahren die Immunabwehr nachlässt.

Infektionsrisiko nach Therapieform

Frage: Guten Tag, in der neuesten Veröffentlichung der DMSG zum Thema Arztbescheinigung gibt es u.a. den folgenden Inhalt: "Eine Zuordnung zur Priorisierungsgruppe 2 auf Basis der Multiplen Sklerose hat als Einzelfallentscheidung zu erfolgen. Besondere Umstände können nach der Covid-19- Impfempfehlung der STIKO Personen mit seltenen, schweren Vorerkrankungen oder auch schweren Behinderungen sein, für die bisher zwar keine ausreichende wissenschaftliche Datenlage bzgl. des Verlaufes einer Covid-19-Erkrankung vorliegt, für die aber ein deutlich erhöhtes Risiko angenommen werden muss. Dies trifft auch für Personen zu, die zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr, oder nicht mehr gleich wirksam geimpft werden können (z.B. bei unmittelbar bevorstehender Immuntherapie mit Wirkstoffen, bei der von einer deutlich reduzierten Impfantwort über einen längeren Zeitraum ausgegangen wird). Gilt diese Eingruppierung in 2 auch für die Behandlung mit Rituximab/Ocrevus, da man ja nach der Infusion vier Monate warten muss bevor eine Impfung wieder sinnvoll ist? Vier Monate sind für mich in der derzeitigen Situation schon ein langer Zeitraum.

Wir sind mit unserer Erkrankung in 3 eingestuft, haben aber mit der Medikation echte Probleme, die Impfung genau in dem Zeitraum zu bekommen, in dem es sinnvoll und möglich ist. Gibt es eine Möglichkeit dies bescheinigen zu lassen und wird es anerkannt? Meine neurologische Praxis kannte diese Passage oben so noch nicht und hat mich an den Hausarzt verwiesen, da dieser impft. Die impfen aber nur AstraZeneca und da bin ich zu jung für. Ich bekomme Ende Mai die Infusion, Gruppe 3 ist in Niedersachsen noch nicht dran und ich muss dann bis Oktober warten bis ich wieder geimpft werden kann. Weiterhin muss der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung dann auch nur 3 Wochen betragen, damit der Terminplan insgesamt passt (wie soll man das dem Impfzentrum beibringen?). Grüße und Danke!

Antwort: Besten Dank für Ihre sehr interessante Frage. Bei den Behandlungen mit B-Zell-wirksamen Antikörpern besteht schon ein erhöhtes Infektionsrisiko. Die Fa. Roche und die DMSG empfehlen schon das Biontech-Vakzin und dieses drei Monate nach der letzten Infusion von Ocrevus (Impfung 1) und spätestens sechs Wochen vor der nächsten Infusion die zweite Impfung. Dies gibt einen engen Zeitrahmen vor. Die DMSG hat Attestformulare, die Patienten mit B-Zell-AK-Behandlung in die Dringlichkeitsgruppe 2 kategorisieren. Der Neurologe soll sich darum kümmern. Der Impfeffekt ist damit nicht 100%, er soll aber ausreichend sein. Sie müssen dann in ein Impfzentrum zum Impfen gehen.

 

Frage: Sehr geehrter Herr Dr. med. Reinhardt Dachsel, welche Wege gibt es, den Impferfolg zu prüfen? Gibt es verschiedene Arten, die Antikörper zu messen (falls ja, welche)? Und das Wichtigste: Gibt es eine Möglichkeit die zelluläre Antwort zu überprüfen? Es geht um die Prüfung des Impferfolges unter einem MS-Immunsuppressivum (Fingolimod). Vielen Dank im Voraus und alles Gute!

Antwort: Eine Antiköperbestimmung zur Kontrolle des Impferfolges ist noch keine Routine. Ein großes Blutbild mit Best. der Lymphozyten ist sicher ausreichend um den Impferfolg abzuschätzen, wenn die Lymphos > 0,2Gpt/l sind. MfG, Dr. Reinhardt Dachsel.

 

Frage: Sehr geehrte Frau Professorin Dr. med. Haas, ich bin 53 und habe sekundär progr. MS. Den letzten Schub hatte ich 2013 unter Avonex. Seit 2013 symptomatische Therapie mit Baclofen, Sirdalud. Ich bin verunsichert wegen AstraZeneca durch die Sinusvenenthrombosen. Ich hatte unter meiner 1. Cortisonstoß-Behandlung eine Beinthrombose entwickelt und in der Familie gibt es unter Frauen Fälle von Thrombosen, eine Cousine ist dadurch verstorben. Wie würden Sie an meiner Stelle handeln oder welcher Arzt kann mir Auskunft geben?

Antwort: Bei Ihren Risikofaktoren kommt eine AstraZeneca-Impfung nicht in Betracht. Die neuen Meldungen zu den Hirnvenenthrombosen werden sicher in Kürze von der Ständigen Impfkommission und der EMA kommentiert werden. In Berlin werden ab heute nur noch über 60-Jährige mit AstraZeneca geimpft. Regional wurde es an verschiedenen Orten ganz ausgesetzt. Wichtig wäre die Frage, ob Sie eine familiäre nachgewiesene Gerinnungsstörung haben, was man mit einem einfachen Bluttest nachweisen kann.

 

Frage: Sehr geehrte Frau Professorin Dr. med. Haas, ich würde mich gerne gegen Corona impfen lassen und versuche deshalb, mich so gut wie möglich zu informieren. In einem Hinweis-Schreiben der DMSG, in dem Sie neben Herrn Prof. Dr. Gold als Autorin genannt werden, wurde während der Impfstoffstudien mit dem Vektor-Impfstoff COVID-19 Vaccine von AstraZeneca von bestätigten und Verdachts-Fällen von Transverser Myelitis und von evtl. möglichen ungünstigen Auswirkungen auf den Verlauf der MS – abhängig und unabhängig von einer Transversen Myelitis berichtet.

Auch auf der Homepage der DMSG wurde in einem Bericht veröffentlicht, dass beim Impfstoff von AstraZeneca bestätigte und Verdachtsfälle von Transverser Myelitis aufgetreten sind und bei MS eine mögliche ungünstige Auswirkung auf die entzündliche Aktivität des Immunsystems autoimmunerkrankter Personen nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Da ich neben der Multiplen Sklerose auch an Transverser Myelitis mit mehrfacher Querschnittslähmung (!) erkrankt bin, habe ich große Angst, dass der Impfstoff von AstraZeneca sich negativ auf mein Immunsystem auswirken und beide Autoimmunerkrankungen verstärken könnte. Eine weitere Querschnittslähmung möchte ich wirklich niemals erleben! Da die Transverse Myelitis sehr selten ist (nur ca. ein bis vier Fälle pro 1 Mio. Pers.), kann mir aber keiner eine adäquate Auskunft geben.

Frage 1: Wäre es in meinem Fall nicht besser, mit einem mRNA-basierten Corona-Impfstoff (BioNTech o. Moderna) geimpft zu werden?

Frage 2: An wen muss ich mich wenden? Wie kann ich dieses „Ziel“ erreichen? Lt. Aussage des Bürgertelefons Bremen kann ich mir (in Bremerhaven) keinen Impfstoff aussuchen.

Antwort zu 1: Ich würde in Ihrem Fall unbedingt zu einer RNA- Impfung raten.

Zu 2: Dazu müsste Ihr Neurologe Stellung nehmen. Darüber hinaus wird der AstraZeneca-Impfstoff aktuell nur noch an wenige Gruppen verimpft.

 

Frage: In letzter Zeit häufen sich Meldungen, die besagen, dass das Coronavirus Covid19 (sehr wahrscheinlich) auch ins Nervensystem/ZNS eindringen kann. Welche Bedeutung hat dies für MS-Patienten, deren Nervensystem bereits vorgeschädigt ist? Berichtet wurde z.B., dass Covid19 - wie auch andere Coronaviren - (sehr wahrscheinlich) in die Hirnstammregion gelangen kann. Auch wenn es vielleicht noch nicht genügend Erfahrung mit diesem Thema geben sollte, was würde man aus medizinischer Sicht annehmen? Heißt dies für MS-Patienten, deren Hirnstamm bereits durch MS geschädigt ist, dass diese ein größeres Risiko für einen solchen Befall und dadurch ausgelöste schwere Verläufe haben könnten? Könnten ebenso wie die vorgeschädigte Lunge ein erhöhtes Risiko darstellt, auch vorgeschädigte Nerven ein erhöhtes Risiko bedeuten?

Antwort: Die Kenntnisse zum Befall des Nervensystems begannen mit der Beobachtung , dass die COVID 19 Infektion mit gestörten Riech- und Geschmacksstörungen einhergehen kann. Darüberhinaus sind inzwischen verschiedene anderer neurologische Komplikationen beobachtet worden. Zum einen eine direkte Virusinfektion des Nervensystems, wie man sie von anderen Virusinfektionen kennt, aber auch als Folge von Virus bedingten Veränderungen der Blutgerinnung Durchblutungsstörungen mit dem Bild von Schlaganfällen. Da die COVID-19-Infektion bisher nicht behandelbar ist, kann man diese neurologischen Komplikationen aktuell nicht verhindern oder gezielt behandeln. Ob ein vorgeschädigtes Nervensystem ein erhöhtes Risiko für solche Komplikationen darstellt ist bisher nicht bekannt. Die Daten zu COVID 19 Verläufen bei MS-Erkrankten werden aktuell international erst gesammelt (siehe Website DMSG).


Frage: Vor Kurzem habe ich nach vielen Jahren des Alleinseins einen Mann kennen gelernt. Er hat große Angst, mich möglicherweise als Überträger, mit COVID 19 anzustecken. Derzeit ist er nicht infiziert. Da er aber beruflich mit vielen Menschen zu tun hat, befürchtet er irgendwann möglicherweise Überträger des Virus zu sein. Ich habe die MS seit 29 Jahren. Seit 4 Jahren nehme ich Tecfidera. Ich bin körperlich nur leicht eingeschränkt. Was können Sie uns für unsere gerade erst beginnende Partnerschaft empfehlen/raten?

Antwort: Eine Patentlösung gibt es da sicher nicht. Ihr Partner kann nur alles tun, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Das wären die bekannten Empfehlungen wie Abstand halten, Hände waschen bzw. desinfizieren und, was ja heute zunehmend akzeptiert wird, darauf achten, dass neben ihm selbst auch die Gesprächspartner, mit denen er zu tun hat, einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Sollte tatsächlich einer seiner Kontakte erkranken und er würde schnell als Kontaktperson identifiziert werden, wäre ja eine 14-tägige Quarantäne inkl. Virustests notwendig, während der Sie dann keinen unmittelbaren Kontakt haben sollten. Für Sie wäre die Kenntnis Ihrer Lymphozytenwerte interessant, da diese möglicherweise einen Einfluss auf Ihr eigenes Risiko haben könnten. Ich drücke mich bewusst im Konjunktiv aus, da die Datenlage diesbezüglich noch sehr dürftig ist. Dennoch ist natürlich Vorsicht geboten. Zu beachten ist zudem auch Ihr – mir nicht bekanntes – Alter.


Frage: Vater hat MS und ist zur Zeit als Lehrkraft zuhause im "home-office", steht unter Therapie mit Tecfidera. Tochter ist zuhause wegen der KITA-Schließungen. Darf die Tochter, die ja möglicherweise Corona-Viren aus der KITA mitbringen könnte, wieder zur KITA, wenn diese geöffnet wird, oder sollte sie bis zum Vorliegen eines Impfstoffes zuhause bleiben, um den Vater nicht zu gefährden?

Antwort: Ganz allgemein gefährdet ein Kind aus der Kita heraus die Familie. Dieses Risiko wird aber aktuell noch genauer untersucht, insbesondere indem man Kita-Kinder in einer Studie bezüglich ihres Übertragungsrisiko für andere genauer untersucht. Wenn Sie unter Tecfidera normale Lymphocytenzahlen haben, gelten Sie nicht als stärker Infekt-gefährdet. Falls Sie weiterhin als Lehrkraft wegen Ihrer MS im Home-office arbeiten dürfen, könnten Sie ihr persönliches Risiko ganz allgemein natürlich mindern, je geringer die Zahl der Außenkontakte Ihrer Familie ist.


Frage: Ich hatte am 24.1.2020 eine "Shingrix"-Impfung gegen Gürtelrose deren Auffrischung Ende April ansteht, zu der mir mein Neurologe geraten hat. Ich gehöre vom Alter und den Vorerkrankungen her zur Risikogruppe bei Corona, hatte nach der ersten Impfung eine erhebliche Verschlechterung meiner MS-Symptome und würde gerne wissen, ob eine Auffrischung jetzt sinnvoll ist oder, ob ich die Auffrischung verfallen lassen soll.

Antwort: Auffrischimpfungen sind möglich, wenn keine Kontraindikationen wie ein MS-Schub oder ein systemischer Infekt vorliegen. Eine erhöhte Wachsamkeit und Einhaltung der üblichen Hygienestandards sind natürlich eine Voraussetzung!


Frage: Danke für die Möglichkeit, hier Fragen zu stellen. Das tut mir sehr gut! Ich habe seit 13 Jahren MS, bin nun 29 Jahre alt und hatte seit 11 Jahren keinen Schub sowie keine neuen Läsionen im MRT (RRMS). Leichte Behinderungsprogression, aber im Grunde voll erwerbstätig. Derzeit lerne ich allerdings für den Abschluss meiner Weiterbildung zur Psychotherapeutin und behandle nur übers Internet. Dies kann ich bis September aufrechterhalten, dann habe ich mein Staatsexamen und möchte meinem Mann nachziehen. Dort wollte ich eigentlich nach einer Reha (geplant für Oktober/November) eine Festanstellung in einer psychosomatischen Klinik anstreben. Da ich aber seit Jahren unter einer Infektanfälligkeit leide (v.a. obere Atemwege, aber auch Pilzinfektionen), isoliere ich mich derzeit, soweit es irgendwie geht. Ich spritze seit 2,5 Jahren GLAT, anfangs Rebif (erhöhte Leberwerte) und dann ca. 8 Jahre Betaferon. Wegen der Infektanfälligkeit empfahl mein Arzt, zu GLAT zu wechseln, aber es wurde nicht besser. Im März 2019 ergab ein Differenzialblutbild eine Gesamtzahl von Lymphozyten von 963/Mykroliter. Die T-Lymphozyten und T-Suppressorzellen sind ebenfalls unterdurchschnittlich (606 bzw. 140/Mykroliter). Das Labor schrieb, ich litte unter einer "T-zell-assoziierten Immundefizienz".

Frage 1: Soll ich mich gegen Meningokokken impfen lassen? Die Pneumokokken-Impfung habe ich gerade bekommen.

Antwort: Meningokokken-Impfung wird bei Immundefizienz empfohlen.

Frage 2: Sollte bei mir grundsätzlich nach einer Impfung ein Titer bestimmt werden, um die Stärke der Impfreaktion abzuschätzen?

Antwort: In Ihrem Fall grundsätzlich ja.

Frage 3: Kommt die Immundefizienz von der MS selbst oder durch die Medikamente?

Antwort: Die Immundefizienz hat mit der MS nicht direkt zu tun; ist entweder durch die Medikamente oder auch spontan durch andere Erkrankungen bedingt.

Frage 4: Auch wenn niemand in die Zukunft sehen kann - würden Sie mir empfehlen, im Herbst eine Reha zu machen? In Gemeinschaftseinrichtungen kann man ja schlechter Abstand halten als zuhause...

Antwort: Reha ja.

Frage 5: Ich denke, dass ich vorerst (bis es eine Impfung gib) auch selbst nicht in einer Klinik arbeiten kann, oder?

Antwort: Sehe ich auch so. Kommt auf die Arbeitsplatzsituation an, die wahrscheinlich eine gute räumliche Abschirmung wie unter Selbstquarantäne-Bedingungen nicht bieten kann.

Frage 6: Vermutlich sollte ich weiterhin nicht einkaufen gehen etc., selbst nicht mit Maske, oder?

Antwort: Einkaufen ist unproblematisch unter Einhaltung der empfohlenen Standardmaßnahmen (Abstand und Maskenschutz).


Frage: Mein Vater hat mir zwei FFP-2-Masken geschickt. Ich habe ihn geschimpft, dass die ja den Krankenhäusern etc. vorbehalten bleiben sollen. Aber er hat sie ja schon gekauft... Sie haben eine DIN-Norm und ein CE-Zeichen drauf, aber ich traue dem Ganzen irgendwie nicht... Sie haben kein Atemventil. Meinen Sie, ich soll diese lieber tragen als selbstgenähten Mundschutz, der mehrlagig, kochbar ist und wo man einen Kaffeefilter zwischen die beiden Baumwolllagen stecken kann?

Antwort: Selbstgenähte Mundschutz-Masken sind für den Alltag außerhalb von Gesundheitseinrichtungen völlig ausreichend.


Frage: Wäre eine Pneumokokken-Impfung ratsam und Krankengymnastik nur mit Mundschutz auf beiden Seiten? Wie ist das mit dem Einkaufen: Geht das alles mit allgemeinem Mundschutz? Bis jetzt geht nur mein Mann. Es stehen im Haus auch Arbeiten mit Handwerkern an. Abstand halten und Mundschutz, reicht das aus?

Antwort: Pneumokokken-Impfung ist ratsam, wenn Sie zu den Risikogruppen gehören, für die diese Impfung empfohlen wird, und wenn keine Kontraindikation seitens der MS oder ein Infekt vorliegen. Krankengymnastik nur mit Mundschutz auf beiden Seiten: OK. Einkaufen und Hausarbeiten mit Handwerkern: Ja, unter Beachtung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen, um sich selbst und andere zu schützen.


Frage: Im öffentlichen Bereich gilt eine dringende Maskenempfehlung. Welche Masken sollten Risikogruppen benutzen? Vielen Dank für die Info.

Antwort: Außerhalb der Risikobereiche mit direktem Umgang mit Covid-Patienten besteht keine Indikation für das Tragen von filtrierenden Halbmasken (FFP2-Masken). Wenn man diese Masken trägt, ist eine Schulung dringend notwendig. In der Öffentlichkeit werden diese Masken in der Regel nicht korrekt getragen. Zudem sind FFP2-Masken nach wie vor knapp und werden dringend in den Hochrisikobereichen benötigt.


Frage: Auf dem Weg zur Therapie ist z.B. der Abstand 1,5 m zu anderen Personen nicht immer gewährleistet. Ich habe zwar Mundschutz, aber die andere Person nicht, schützt er trotzdem? Im PKW ist der Abstand auch nicht möglich, wie da handhaben? Darf ich jemanden besuchen oder darf ich Besuch empfangen (Ausgangsregeln)? Wenn ja, was muss da berücksichtigt werden? Kann ich auch mehrere Personen gleichzeitig treffen oder darf ich nicht (Ausgangsregeln)?

Antwort: Die epidemiologischen Daten v.a. aus Hainsberg/Virologie Bonn sprechen klar für ein erhöhtes Risiko durch Körperkontakt in jedweder Form. Mit Mundschutz würde ich durchaus 1-2 Besuche zulassen, aber eher mit Personen, die man sonst auch trifft. Die Ausgangslimitationen der Regierung gelten leider auch für MS-Patienten/innen.


Frage: Bis Ostern habe ich mit der Physiotherapie- und Ergotherapie, die meistens bei mir zu Hause stattfinden, ausgesetzt und Übungen allein gemacht. Ich bin beruflich jetzt teilweise zu Hause tätig ansonsten im Einzelbüro. Ich bin mit Rollator mobil und nehme im Moment keine Immunmodulatoren, nur Fampridin (Handelsname Fampyra®) und Baclofen. Kann die Physiotherapie wieder fortgeführt werden? Die Physio- und Ergotherapeuten hätten Handschuhe, Desinfektionsmittel und eine selbstgenähte Maske zur Verfügung. Vielen Dank!

Antwort: Eindeutig: Ja, weitermachen mit der Physiotherapie. Unsere Physiotherapeuten in der Klinik behandeln mit vergleichbaren Schutzmaßnahmen auch stationäre Patienten.


Frage: Ich wüsste gerne, wie der Verlauf einer Corona-Infektion für MS-Erkrankte eingeschätzt wird. Corona löst ja starke Entzündungen aus, was für uns ja im Allgemeinen schon nicht gut ist. Ist mit einem schwereren Verlauf zu rechnen? (Auch ohne Rollstuhl) Gehöre ich zur Risikogruppe? (Frage bezieht sich nicht auf eine schnellere Ansteckung, sondern auf den Verlauf einer Infektion.) Meine Basistherapie: Tecfidera / Dimethylfumarat

Antwort: Wir kennen, offen gesagt, in den deutschen Netzwerken nur wenig Corona infizierte MS-Patienten/innen und keine schweren Verläufe. In den italienischen Katastrophenregionen gibt es leider einige verstorbene MS-Patienten, die schon älter und progredient waren. Unter Dimethylfumarat (DMF) besteht keine Immunsuppression. Und ganz allgemein: Seit über 30 Jahren in der Neurologie habe ich bei MS-Patienten/innen immer weniger Infektionen durch Viren im Nase-Rachenbereich beobachtet. Typisch Influenza - aber Corona vergleichbar. Also: Übliche Schutzmaßnahmen beachten, aber keine Riesenangst bitte.


Frage: Falls sich jemand mit MS, der nicht stärker gefährdet ist als gesunde Menschen, mit dem neuen Virus infiziert, gibt es da schon Erfahrungen, ob der Verlauf der Corona-Erkrankung schwerer verläuft, als bei ansonsten gesunden Menschen? 

Antwort: Diese Daten gibt es noch nicht, man wird aber sicherlich durch die weltweiten Registerinitiativen eine Antwort auf diese Frage geben können. Ich persönlich glaube nicht, dass die MS per se das Risiko für die Infektion oder einen schweren Verlauf der Erkrankung erhöht. Auch bei MS-Erkrankten werden mehr der allgemeine Gesundheitszustand und die Vorerkrankungen und vor allem die Art der Immuntherapie eine Rolle spielen. 


Frage: Meine PPMS hat einen milden Verlauf, ich nehme keine MS-bezogenen Medikamente. Für mich ist die regelmäßige Krankengymnastik ZNS und KGG sehr wichtig, die findet auch weiterhin statt. Kann ich dafür außer Haus gehen und den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) benutzen, wenn ich im Alter von 75 Jahren zur Risikogruppe gehöre?

Antwort: ÖPNV ist ein nicht zu unterschätzendes Risiko, da man davon ausgehen muss, dass es eine hohe Dunkelziffer an asymptomatischen Corona-Infizierten gibt. Darüber hinaus sind auch die Physiotherapeuten einem höherem Infektionsrisiko ausgesetzt. Am besten Sie klären mit Ihrer Physiotherapeutin, welche Schutzmaßnahmen die Praxis aktuell anbieten kann. Ich würde das Tragen eines Mundschutzes und von Handschuhen empfehlen, wenn auch der Nutzen und die Wirkung nicht bewiesen sind.


Frage: Kann ich als langjährige MS-Patientin ohne Basis-Therapie normal zur Arbeit gehen? Ich fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln und arbeite in einem Großraum-Büro. Sollte ich hier etwas beachten?

Antwort: Es gibt keine Hinweise, dass für unbehandelte MS-Patienten ein höheres Infektionsrisiko im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung besteht. 


Frage: Ich, 62 Jahre, habe PPMS, nehme außer Schmerzmitteln keine Medikamente. Bin ich stärker gefährdet als ein gesunder Mensch? Sollte ich etwas aufbauendes einnehmen? Vielen Dank!

Antwort: Sie sind nicht stärker gefährdet als andere Personen Ihrer Altersgruppe. Leider gibt es keine Substanzen , die vor einer Corona-Infektion schützen. Bewegen Sie sich aber möglichst viel in frischer Luft. 


Frage: Gibt es schon Erkenntnisse zu einem erhöhten Schubrisiko bei Erkrankung an Covid-19?

Antwort: Es gibt noch keine gesicherten Erkenntnisse. Man weiß aber, dass Infektionserkrankungen, insbesondere wenn die MS instabil und unzureichend behandelt ist, Schübe triggern können.

 

Frage: Ich habe seit 1978 MS und bin 64 Jahre alt. Ich arbeite nach wie vor in meinem Beruf als Architekt. Seit den beiden Corona-Impfungen (Biontech) ist eine Verschlechterung beim Gehen eingetreten. Ist Ihnen hier in ursächlicher Zusammenhang bekannt?

Antwort: Nach einer Krankheitsdauer von mehr als 40 Jahren ist die Wahrscheinlichkeit eines langsamen Fortschreitens der Erkrankung sehr hoch. Ein Zusammenhang mit der Stimulation des Immunsystems durch den Corona-Impfstoff wurde bisher auch aus anderen Ländern noch nicht gemeldet. Wir untersuchen diese Frage im Rahmen einer Online-Befragung auf unserer Website und über die Berichte aus den MS Zentren, die am MS Register teilnehmen. Die Impfung ist aber für älteren Menschen sehr wichtig, insbesondere auch jetzt in Zusammenhang mit den steigenden Infektionszahlen durch die neue Coronavariante.

 

Frage: Im Mai war ich an COVID 19 erkrankt. Sollte ich darum nur eine Impfdosis erhalten?

Antwort: Schwierige Frage, die Sie besser mit der STIKO (Ständige Impfkommission) klären müssten. Soweit ich weiß, ist die Digitalisierung dazu dürftig. Bisher wurde empfohlen, die Impfung um einige Monate aufzuschieben, da nach einer Corona-Infektion zumindest für eine gewisse Zeit eine Immunität erwartet wird. Danach würde dann die übliche Impfung vorgenommen werden.

 

Frage: Ich möchte mich impfen lassen, sobald meine Prio-Gruppe an der Reihe ist. Der vektorbasierte Impfstoff AstraZeneca soll eine ungünstige Auswirkung auf die entzündliche Aktivität des Immunsystems autoimmunerkrankter Menschen haben. Welche Erfahrungen liegen bereits vor?
Zweite Frage: Würde eine Impfung mit dem Impfstoff AstraZeneca erfolgen, ist später (nächstes Jahr z.B.) eine mRNA Impfung noch möglich?
Dritte Frage: Ist die Immunantwort unter Tecfidera ausreichend? Wo mache ich die Titer Bestimmung? MS Ambulanz oder Uniklinik?

Antwort: Belastbare Daten zu den Vektor-Impfstoffen liegen für MS-Betroffene noch nicht vor (s. auch weitere Antworten). Ob später nach einer Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff ein Wechsel auf den mRNA-Impfstoff möglich ist, ist Gegenstand der Diskussion und m.E. nicht endgültig geklärt. Ich halte das aber auch theoretischer Sicht nicht für ausgeschlossen. Unter Tecfidera gibt es nach den Erfahrungen mit anderen Impfungen keinen Hinweis auf einen verminderten Impfschutz - zumindest, wenn die Lyphozytenzahl nicht massiv reduziert ist.
Zu den Sinn der Titerbestimmungen s. andere Antworten. Sollte über verschiedenen größere Labore möglich sein, wird aber nicht unbedingt empfohlen (mangels Aussagekraft) und gehört somit (noch) nicht zur Routine.

Letzte Aktualisierung: 04.08.2021 16:41