DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Cladribin

Fragen zu Cladribin (Mavenclad)

Nachfolgend finden Sie Fragen und Antworten zum Thema "Cladribin (Mavenclad)" der beteiligten Mitglieder des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft aus den Arzt-Sprechstunden auf MS Connect.

Aus Gründen des Datenschutzes wurden Kürzungen vorgenommen.


Frage: Guten Tag, ich hatte Anfang diesen Jahres eine Umstellung auf Cladribin. Die letzte Gabe erfolgte von 10.02. bis 14.02.20. Danach hatte ich ca. vom 22.02. bis 29.02.20 einen Infekt. Anschließend bekam ich einen leichten Schub an den Fußsohlen. Da wir eine 3-monatige Reise geplant hatten, wurden mir 4000 mg Cortison verabreicht. Wir haben dann nach Abklärung mit Hausarzt und Neurologen die Reise am 10.03.20 angetreten und sind nach Thailand und Kambodscha gereist. Kurz darauf wurde die weltweite Reisewarnung ausgesprochen und wir hingen in Kambodscha fest. Nun konnten wir mit viel Glück und einigen Flugstreichungen die Heimreise antreten und kamen gestern in Deutschland an. Wir haben versucht, auch in Kambodscha die deutschen Abstands- und Hygieneregelungen einzuhalten, das war aber kaum möglich. Wir mussten für die Heimreise diverse Gesundheitszertifikate organisieren und uns in Menschenmengen vor Krankenhäusern anstellen. Es ist nicht klar, ob hier auch Infizierte anstanden. Der Mindestabstand war hier nicht einzuhalten. Genausowenig wie am Flughafen oder im Flugzeug. Wir haben uns versucht so gut es geht, mit Masken und Händedesinfektion zu schützen. Nun weiß ich aber nicht, wie ich mich in Deutschland verhalten muss. Wir haben keine Quarantäneanweisung am Flughafen bekommen, da Kambodscha nicht als Risikogebiet gilt. Es hat uns bisher niemand untersucht. Sollten wir einen COVID-Test machen lassen und wenn ja wie? Momentan bestehen bei mir keine Symptome. Mein Mann hatte aber vor gut einer Woche ein Tag Fieber und schon länger einen leichten Husten. Danke für Ihre Hilfe!

Antwort: Hallo, Sie kommen nicht aus einem internationalen Risikogebiet. Sie selbst brauchen ohne Symptome keinen Test. Ihr Mann sollte mit dem Hausarzt telefonisch Kontakt aufnehmen. Sie sollten sich konsequent an die generellen Empfehlungen zur Vereinzelung halten. 


Frage: Ich bin Medizinstudent und befinde mich derzeit im Praktischen Jahr, mein nächstes Tertial beginnt im April in der Inneren Medizin eines städtischen Krankenhauses (Hamburg). Bei mir wurde im März 2019 eine MS diagnostiziert (EDSS 1.5). Ich bin 28 Jahre alt und habe ansonsten keinerlei Vorerkrankungen. Ich nehme Cladribin, die letzte Einnahme war im Juni 2019. Meine Lymphozyten sind derzeit bei ca. 1500 Zellen/ul (1100-4600). Wie weit kann/sollte ich den im kommenden Mai anstehenden Cladribin-Zyklus verschieben? (Monate? Lieber erst nächstes Jahr?) Ist mir in der jetzigen Situation von einer Fortführung des PJs, insbesondere in der Inneren abzuraten? Vielen Dank schon mal für die Antwort!

Antwort: Also aktuell - insbesondere mit der guten Erholung der Lymphozyten auf 1500/µl - sehe ich keine Probleme, auch nicht für die Arbeit im Krankenhaus. Klar, irgendwann im Juni/Juli sollte ja dann die 2. Gabe stattfinden, zu der ich auch grundsätzlich raten würde, denn die MS soll ja gut behandelt sein. Vielleicht sehen wir zu diesem Zeitpunkt schon etwas klarer, daher würde ich aktuell keine Entscheidungen vorwegnehmen. Wenn der Coronavirus allerdings zu diesem Zeitpunkt noch ein Thema wäre, würde ich Sie wahrscheinlich für ca. einen Monat nach der Einnahme aus dem Geschäft nehmen. 


Frage: Hallo. Vor drei Wochen, kurz bzw. genau in der Zeit als sich die Ereignisse und Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise überschlagen haben, habe ich die erste Woche des ersten Jahres Cladribin genommen. Jetzt steht für nächste Woche die Blutuntersuchung mit gleichzeitiger Rezeptabholung für die zweite Woche direkt nach Ostern an. Mich würde interessieren, wie Sie in dieser Situation verfahren würden? Die zweite Woche, wie geplant, nach Ostern durchführen oder ggf. die Einnahme herauszögern (wenn dies überhaupt möglich ist). Ich werde das mit meiner Ärztin nächste Woche besprechen, nur wäre Ihre Einschätzung als Zweitmeinung für mich sehr unterstützend. Vielen Dank im Voraus.

Antwort: In dieser Situation würde ich die Therapie der zweiten Woche durchführen. Es ist sonst völlig unklar, welche Wirkung sie überhaupt durch die Behandlung erwarten können. Ich würde allerdings danach zumindest 2 Wochen zu Hause bleiben, oder Kontakte weitestgehend meiden. Vielleicht macht es in dieser Situation auch Sinn, einmal die Blutwerte zu überprüfen, um zu erkennen, ob sie noch ein erhöhtes Infektionsrisiko haben. Dies erfolgt ja sonst eigentlich nicht bei Cladribin. 


Frage: Guten Tag, im Oktober 2019 hatte ich meine letzte (vierte) Cladribin-Behandlungswoche. Worauf sollte Ich unbedingt achten? Ich bin, trotz Schwerbehinderung 80% und Kennzeichen "G", voll berufstätig noch und habe Kontakt (mit entsprechendem Abstand) zu meinen Kollegen in einem Großraumbüro. Nach den RKI-Informationen wäre auch eine Freistellung angezeigt. Welche Empfehlungen können Sie mir hinsichtlich meiner beruflichen Situation geben? Im privaten Rahmen habe ich bereits meine persönliche Kontakte schon sehr eingeschränkt.

Antwort: Das ist nicht ganz einfach. Mit Cladribin haben sie etwas mehr Risiko, keine Frage. Großraumbüro ist ein relevanter Risikoraum. Ich würde die Freistellung anstreben. Geht nicht Homeoffice? 


Zusatz-Frage: Gibt es generell einen längeren erhöhten Infektionszeitraum bei einer Cladribin-Therapie? Wenn ja, für wie lange besteht dieser dann in etwa? Ich hatte meine 4. Cladribin-Therapie in 10/2019 und bin voll berufstätig (trotz Schwerbehinderung 80 % und Merkzeichen ‚G‘) in einem Großraumbüro. Für welchen Zeitraum würden Sie nach jetzigen Stand, eine Freistellung oder Homeoffice unter meinen benannten beruflichen Rahmenbedingungen empfehlen?

Antwort: Guten Morgen. Unter den momentanen Bedingungen ist Homeoffice sehr sinnvoll, solange die aktuellen Empfehlungen zur Vereinzelung gelten. Selbstverständlich sollten Sie diese Empfehlungen in Ihrem gesamten Alltag konsequent umsetzen. Wenn das am Arbeitsplatz möglich ist, spricht auch gegen Arbeiten nichts. Bei Cladribin ist etwa 3 Monate nach der Gabe der maximale Effekt auf das Blutbild und damit auch das Immunsystem zu erwarten. Es ist individuell aber unterschiedlich, wie ausgeprägt die Effekte sind. Die Blutbildwerte (Lymphozyten) helfen, das einzuschätzen. 


Frage: Also wenn ich Sie richtig verstanden habe, werde ich solange, wie es in den RKI-Empfehlungen bei den Risikogruppen-Empfehlungen aktuell steht, die Möglichkeiten des Homeoffice beim Arbeitgeber einfordern? In meinem privaten Umfeld habe ich bereits meine Außenkontakte extrem eingeschränkt.

Antwort: Genau so!

Letzte Aktualisierung: 18.06.2020 11:34