DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Fingolimod

Fragen zu Fingolimod (Gilenya)

Nachfolgend finden Sie Fragen und Antworten zum Thema "Fingolimod (Gilenya)" der beteiligten Mitglieder des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft aus den Arzt-Sprechstunden auf MS Connect.

Aus Gründen des Datenschutzes wurden Kürzungen vorgenommen.

 

Frage: Wenn ich Corona bekommen sollte, muss ich Gilenya dann absetzen? Wenn ja, wie lange darf ich Gilenya nicht nehmen? Ist das Schubrisiko erhöht, wenn ich an dem Corona-Virus erkranke?

Antwort: Ich würde nur die Fingolimod-Dosis um 50 Prozent reduzieren, eine Kapsel jeden zweiten Tag. Prof. Gavin Giovannoni, PhD, von der Barts and The London School of Medicine berichtet aus London, dass die Corona-Infektion unter Fingolimod weniger stark verläuft, weil weniger Zellinfiltration und Ödeme auftreten! Jede schwere Infektion lässt die Autoimmunität mitreagieren - nach der Pneumonie besteht also noch eine MS-Schubgefahr. Auch aus diesem Grund würde ich die Dosis von Fingolimod reduzieren.


Frage: Wäre es denkbar, Gilenya zu Zeiten von Corona abzusetzen oder die Dosis nur jeden zweiten Tag zu nehmen, um die Immunabwehr zu erhöhen? Wenn man unter Gilenya schubfrei war, wäre es dann nicht sinnvoller, die Gefahr einer schwerwiegenden Corona-Erkrankung durch ein Absetzen oder Verringern der Dosis zu senken? Ich frage mich, was höher zu bewerten wäre, die Gefahr eines tödlichen Corona-Verlaufs oder einen Schub zu riskieren?

Antwort: Ich würde die Gefahr einer Fingolimod-induzierten schweren Corona-Erkrankung als gering sehen. In England gibt man sogar schon Medikamente aus der S1P-Gruppe, um die Entzündung und Ödem-Bildung bei der Corona-Pneumonie zu mildern!! Mein Rat: Jeden zweiten Tag eine Dosis von 0.5 mg während der Corona-Epidemie. Kein Absetzen. Es besteht die Gefahr schwerer Rebound-Syndrome.


Frage: Seit vielen Jahren nehme ich Fingolimod/Gilenya. Meine Lymphozytenzahl liegt meist knapp unter 500. Begleitend habe ich noch eine leichte art. Hypertonie. Ich bin als angestellte Hautärztin im niedergelassenen Bereich tätig. Derzeit noch krankgeschrieben. Ab dem 20.4. ist geplant, dass ich wieder arbeite. Als Schutz stehen FFP2-Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel zur Verfügung. Halten Sie das für ausreichend? Wie schätzen Sie mein Risiko ein?

Antwort: Ich schätze das Risiko als nicht wesentlich erhöht ein, gerade mit Maske und Handschuhen sowie Desinfektion. Ich würde Fingolimod während Corona-Zeiten um 50 Prozent reduzieren – jeden 2. Tag eine 0.5 mg Kapsel. Die Halbwertszeit (HWZ) des Medikamentes ist lang genug.


Frage: Guten Tag, sollte ich Gilenya weiter einnehmen? Wie gut ist das Immunsystem unter Gilenya? Meine Leukozytenzahl beträgt aktuell 2700. Ist das als Schutz ausreichend?

Antwort: Unter Gilenya ist aus den Studien ein erhöhtes Risisko für Atemwegsinfekte bekannt. Ob dies auch für das Corona-Virus gilt, ist nicht geklärt. Es gibt bisher auch keine Hinweise für ungünstigere Verläufe unter Gilenya. Es gibt keinen Grund, jetzt Gilenya wegen der Corona Epidemie abzusetzen, da dann das Risiko eines starken Aufflammens der MS gegeben ist. 


Frage: Eine Frage zur Gilenya-Anwendung bzgl. Immunsuppression. Ich habe mich auch etwas eingelesen, jedoch noch keine zufriedenstellende Antwort gefunden (arbeite als Pharmaingenieurin). Wie stark ist die Suppression einzuschätzen bzw. wird das komplette Immunsystem heruntergefahren (bei Lymphozytenwerten von 400-500ul) - bzw. haben wir nur eine spezifische Hemmung? Wie ist die Immunantwort einzuschätzen bei einem unbekannten Virus? Ich selbst nehme Gilenya seit 4 Jahren (alle 2 Tage) ohne große Nebenwirkungen und ohne erhöhte Infektanfälligkeit (ca 1-2 im Jahr leichte Erkältung). Bis wann, denken Sie, kann man mit Empfehlungen rechnen, wie mit den bestehenden Medikamenten langfristig zu verfahren ist (Weiternehmen, Wechseln, pausieren, ...)?

Antwort: Es ist bekannt, dass Gilenya mit einem erhöhten Risiko für Atemwegsinfekte einhergeht. Ob dies auch für das COVID-Virus zutrifft, ist nicht geklärt. Aktuell werden europaweit Daten zur Corona-Infektion bei MS gesammelt und auch im MS-Register der DMSG. Gilenya wegen der Coronavirus-Pandemie zu beenden, ist nicht zu begründen. Es besteht dann auch ein hohes Risiko für ein heftiges Aufflammen der MS


Frage: Ich nehme seit 4 Jahren Gilenya, jeden zweiten Tag, Lymphozyten stabil zw. 400-500/µl. Keine starken Infekte. Ich arbeite seit 3 Wochen schon ausschließlich im Homeoffice und werde das auch weiterhin tun. Mein Job (Pharma/APIs) lässt das gut zu, was hilfreich ist. Meine Fragen: Wie ist denn allgemein die (Abwehr-)Lage unter Gilenya einzuschätzen? Wenn die Ausgangsbeschränkungen in frühestens 3 Wochen gelockert werden, wird es Empfehlungen geben können wie dann weiter zu verfahren ist? Beispiele: Rückkehr ins Büro, Besuch der Krankengymnastik? Da mein Lebensgefährte bei der Polizei arbeitet, sehen wir uns momentan auch leider nicht.... (was ja auch auf lange Sicht nicht so bleiben kann...).

Antwort: Bei 400 bis 500 Lymphozyten besteht schon eine leichte Abwehrschwäche unter Gilenya, auch für Lungenentzündungen. Home Office ist sicher der richtige Weg, ebenso Kontakte meiden. Wie nach Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen zu verfahren sein wird, ist jetzt noch nicht abschätzbar. Das hängt davon ab, wie viele Erkrankte wir in Deutschland haben und wie die Verläufe sind. Home Office ist wahrscheinlich auch in 3 Wochen der sicherere Weg. Ihren Lebensgefährten müssen sie irgendwann natürlich wieder sehen können. Es hängt ja auch davon ab, wie gefährdet er in seiner Tätigkeit ist. 


Frage: Gilenya Schutz bei Risiko-Gruppe, Regeln Ausgang bzw. Kontakt. Darf mich (ich) jemand besuchen (Ausgangsregeln)? Wenn ja, was muss da berücksichtigt werden? Kann ich auch mehrere Personen gleichzeitig treffen oder darf ich nicht (Ausgangsregeln)? 

Antwort: Es gelten die für alle zutreffenden Regeln, also nur zu zweit und mindestens 1,5 m Abstand. 


Frage: Sind auch Therapien zu Hause denkbar? 

Antwort: Wenn ihr/e Therapeut/in nach Hause kommt und Mundschutz trägt, ist das sicherer. Er/Sie kann aber trotzdem infiziert sein und den Virus weitergeben. Das Einzige, was hilft, ist den Kontaktabstand einzuhalten und das lässt sich bei Therapien meist nicht umsetzen. 


Frage: Da ich bisher nicht gegen Pneumokokken geimpft bin, überlege ich zurzeit, ob eine kurzfristige Impfung sinnvoll ist oder eher nicht. Nehme seit 2015 Gilenya ein. Vielen Dank für einen Rat.

Antwort: Es gibt aktuell keine belastbaren Daten zur Wirksamkeit der Pneumokokken-Impfung unter Gilenya. Von anderen Impfungen weiß man aber, dass sich durchaus ein Impfschutz entwickelt. Da bei der Corona-Infektion auch ein Risiko für sogenannte bakterielle Superinfektionen besteht, bietet eine Impfung gegen Pneumokokken zumindest hierfür einen Schutz. 


Frage: Ich nehme Gilenya ein und bin als Dachdecker berufstätig in einem kleinen Betrieb mit 5 Kollegen und wechselnden Kunden. Was sollte ich in der aktuellen Zeit beachten? Wäre es möglich mich von meinem Hausarzt oder Neurologen krankschreiben zu lassen auch wenn ich zur Zeit beschwerdefrei bin? 

Antwort: Bei Ihren Kundenkontakten sollten Sie ganz besonders auf die aktuellen Hygienevorschriften achten und auch im Umgang mit Ihren Kollegen. Im Moment gibt es keine Hinweise darauf, dass unter Gilenya schwerere Verläufe aufgetreten wären. Eine Arbeitsunfähigkeit lässt sich nur schwer begründen. 


Frage: Ich nehme Gilenya (0,5 mg, tgl.) schon seit über 6 Jahren und bin als Gynäkologin in einem Krankenhaus tätig. Unter welchen Bedingungen darf ich weiter arbeiten? Darf ich an Diensten teilnehmen? 

Antwort: In den Zulassungsstudien wurde bei Gilenya-Patienten eine höheres Auftreten von Atemwegserkrankungen gefunden. Das ist Fakt. Auf der anderen Seite hören wir von Kollegen in anderen - bereits stärker betroffenen Ländern - das auch Patienten mit Gilenya mit einer SARS-CoV2 Infektion gut zurechtkommen. Ich meine daher, wenn die entsprechenden Schutzmaßnahmen eingehalten werden, bestehen bei der Berufsausübung keine Einschränkungen. 


Frage: Ich habe schubförmige MS und nehme seit einem Jahr täglich Gilenya. 6 Jahre lang bekam ich Tysabri. Mein Lymphozyten-Wert liegt bei 0,6. Zudem bin ich in der ambulanten Pflege tätig und habe letzten Montag für zwei Wochen eine Krankmeldung erhalten zum Schutz. Halten Sie es für notwendig, dass ich weiterhin zu Hause bleibe? 

Antwort: Gilenya ist mit einem etwas höheren Risiko für Atemwegsinfektion assoziiert. Trotzdem ist man diesen nicht schutzlos ausgeliefert, dass Immunsystem funktionier auch unter Gilenya in der Regel gut. Daher halte ich es nicht für nötig, sich krankschreiben zu lassen, ich würde mich aber peinlich genau an die vorgegebenen Schutzmaßnahmen halten. Es wäre schon gut, wenn Sie nicht zu Patienten müssten, die Symptome haben, die auf eine Corona-Infektion hinweisen können (z.B. Husten, Fieber oder gar eine Lungenentzündung). 


Frage: Welche Risiken bestehen nach Aufhebung der aktuellen Kontaktbeschränkungen bei Therapie mit Gilenya? Ist danach die Gefahr unter dieser Therapie nicht sehr stark erhöht? Falls es einen Impfstoff geben würde, wäre eine Impfung während der Therapie überhaupt möglich? Geht auch von Geimpften eine Ansteckungsgefahr aus? 

Antwort: Das weiß leider keiner genau. Sicher ist Gilenya ein gewisses Risiko und sie sollten aktuell versuchen, konsequent Kontakte zu beschränken. Wenn allgemein Entwarnung gegeben wird, meine ich nicht, dass sie noch Zuhause bleiben müssen. Leider sind wir da noch nicht sicher. Genauso wie wir nicht morgen eine Impfung haben werden. 


Frage: Beim Spazierengehen begegnet man ja ab und zu mal jemandem und gerade auf weniger breiten Spazierwegen hat man nicht unbedingt 2 Meter Abstand, wenn man aneinander vorbeigeht. Ist das an der frischen Luft trotzdem riskant? Sollte man auch draußen penibel darauf achten, anderen Menschen nicht zu nahe zu kommen? (Ich nehme Gilenya). 

Antwort: Virologen sagen, dass man eigentlich eine Kontaktzeit von ca. 10 - 15 min benötigt, um sich zu infizieren. Also sehr unwahrscheinlich, dass in der oben beschriebenen Situation etwas passiert, zumal es auch noch an der frischen Luft ist, also mit einem extremen "Verdünnungseffekt". Also, keine Sorge... 


Frage: Hallo, überall finde ich unterschiedliche Meinungen zu Gilenya in der derzeitigen Situation. Der eine Neurologe sagt mir, ich könne weiter machen wie gehabt, der andere sagt, es ist äußerste Vorsicht geboten. Ich benötige, vor allem wegen meinem Arbeitgeber, eine zuverlässige Aussage, ob ich nun ein Risikopatient bin oder nicht. 

Antwort: Die Unsicherheit kommt daher, weil wir es wirklich nicht wissen. In den Zulassungsstudien wurde bei Gilenya-Patienten eine höheres Auftreten von Atemwegserkrankungen gefunden. Wenn sie sonst gesund sind und nicht über 65, macht sie die Einnahme von Fingolimod nicht zum "Risikopatienten" in dem Sinn, wie wir es eigentlich verstehen. Absetzen von Fingolimod ist auch keine Lösung, denn das kann durchaus ins Auge gehen und Schübe provozieren. Daher mein persönlicher Rat, weiter mit Fingolimod, allgemeine Vorsichtsmaßnahmen beachten und weiter arbeiten gehen. 


Frage: Hallo, ich bin seit 2013 auf Gilenya eingestellt. In der Corona-Zeit darf man scheinbar trotzdem zu den Therapien hin. Bei Physio verwenden Therapeuten und alle Patienten Mundschutz, bei Ergo ausschließlich der Therapeut und auch nur bei Risiko-Gruppen. Gibt es da nicht einheitliche Anordnungen in Bund bzw. Ländern? Wenn ja, wo nachzulesen? Ich meine nicht Empfehlungen vom RKI sondern speziell für Praxen. Auf dem Weg zur Therapie ist z.B. der Abstand 1,5 m zu anderen Personen nicht immer gewährleistet. Ich habe zwar Mundschutz, aber die andere Person nicht, schützt er trotzdem? Im PKW ist der Abstand auch nicht möglich, wie sollte man es in dieser Situation handhaben? Darf mich (ich) jemand besuchen (Ausgangsregeln), wenn ja, was muss da berücksichtigt werden? Kann ich auch mehrere Personen gleichzeitig treffen oder darf ich nicht (Ausgangsregeln)? 

Antwort: Unter einer Therapie mit Gilenya besteht ein höheres Risiko für die Infektion bzw. für einen schwereren Verlauf. Wichtig ist auch, wie stark ihre Lymphozyten erniedrigt sind. Grundsätzlich sollten Sie mit den Therapien zurückhaltend sein , da die Therapeuten als med. Personal eine erhöhtes Risiko haben, sich zu infizieren und andere anzustecken. Sie sollten ebenso wie der Therapeut einen Mundschutz tragen und einen Abstand einhalten. Wie viel die Therapie dann bringt, ist fraglich. Sprechen Sie mit den Therapeuten erst einmal, ob sie nicht aussetzen. Es gibt hierzu keine offiziellen Vorgaben, die Regelungen unterscheiden sich auch nach Ländern. Die meisten Praxen schließen aber derzeit.

Letzte Aktualisierung: 18.06.2020 11:34