DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Mitoxantron

Mitoxantron (Novatron)

Nachfolgend finden Sie Fragen und Antworten zum Thema "Mitoxantron" der beteiligten Mitglieder des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft aus den Arzt-Sprechstunden auf MS Connect.

Aus Gründen des Datenschutzes wurden Kürzungen vorgenommen.

 

Frage: Ich habe seit 1997 die Diagnose MS (schubförmig). 2001 habe ich für ein Jahr Mitoxantroninfusionen erhalten. Im Corona-Update wird darauf hingewiesen, dass es auch bei länger zurückliegenden immunsuppressiven Therapien möglich ist, dass entstandene Immundefekte einen schweren Coronaverlauf ermöglichen. Wie ist das Risiko auch nach einer so lang zurückliegenden Mitoxantrontherapie einzuordnen? Ich spritze seit 2002 Copaxone, habe seitdem einen relativ stabilen Verlauf mit eher leichten Schüben und bin mobil. Davor habe ich eine Odyssee an Interferontherapien hinter mir.
Übrigens erfasst die Datenerfassung zu MS und Corona nicht, dass man auch mehrere Medikamente genommen haben kann. In der Datenbank bin ich nur mit Copaxone erfasst. Mitoxantron ist, da zurückliegend, nicht als Risikofaktor berücksichtigt.

Antwort: Ihre Mitox-Infusionen liegen ja 19 Jahre zurück, wahrscheinlich haben Sie innerhalb eines Jahres auch nicht die ganze Lebenszeitdosis erhalten. Wenn Sie bei sich keine Häufung von Infekten beobachtet haben und auch eine normale Zahl weißer Blutzellen und Lymphozyten, hat sich Ihr Immunsystem sehr gut erholt. Genauer kann man dies mit einem sogenannten Immunstatus erfassen, wo die Untertypen der weißen Blutzellen genauer erfasst werden. Da dies aber keine therapeutischen Konsequenzen für Sie hat, ist es mehr von wissenschaftlichem Interesse und wird routinemässig nicht durchgeführt.
Bezüglich Ihrer Anmerkung hinsichtlich der fehlenden Möglichkeit Mehrfachtherapien im Fragebogen anzugeben, schauen wir und den Fragebogen diesbezüglich noch mal an. Vielen Dank für den Hinweis.


Frage: Seit 2005 bekomme ich (67 Jahre alt und seit 24 Jahren MS- Patientin) alle 3 Monate eine Infusion mit Mitox. Am 05.05. wäre mein nächster Termin. Wie ist das im Zusammenhang mit dem Coronavirus zu betrachten? Ich vertrage Mitoxantron gut und dürfte bis zu meiner errechneten Lebenszeithöchstmenge noch ungefähr 6 Anwendungen bekommen. Meinen behandelnden Neurologen kann ich momentan fast nicht erreichen, da er gleichzeitig Ärztlicher Leiter eines Krankenhauses ist. Vielleicht haben Sie einen Rat? Ggf. würde ich die Voruntersuchung beim Kardiologen absagen, um niemandem den Termin weg zu nehmen bzw. auch unnötigen Kontakt zu vermeiden.

Antwort: Wenn Sie seit 2005 Mitox bekommen, werden es wahrscheinlich alle 3 Monate nur sehr kleine Dosierungen gewesen sein. Unabhängig davon führt die Mitox-Gabe vorübergehend nach der Infusion zu einem starken Abfall der weißen Blutzellen. Zum jetzigen Zeitpunkt und in Anbetracht Ihres Alters, womit Sie ja zu einer Hochrisikogruppe gehören, sollte man die Wiederholung der Mitox-Infusion hinauszögern. Bitte schützen Sie sich auch ganz besonders gut vor sozialen Kontakten, da Mitox einen lang andauernden Effekt auf das Immunsystem hat.

Letzte Aktualisierung: 18.06.2020 11:34