DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Natalizumab (Tysabri)

Natalizumab (Tysabri)

Nachfolgend finden Sie Fragen und Antworten zum Thema "Natalizumab (Tysabri)" der beteiligten Mitglieder des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft aus den Arzt-Sprechstunden auf MS Connect.

Aus Gründen des Datenschutzes wurden Kürzungen vorgenommen.

 

Frage: In Absprache mit meinem Neurologen werde ich von Copaxone auf Tysabri umstellen. Die Infusionen würde ich bei meinem Arzt bekommen, nicht im Krankenhaus. Ist man Infekt anfälliger in einer Zeit der Neueinstellung? Mein Neurologe ist damit einverstanden ggf. auch noch zwei Monate zu warten, wenn ich mich in der momentan Coronasituation zu unsicher fühle. Mir fällt es schwer, das zu entscheiden. Was meinen Sie? Ich würde mich über eine Rückmeldung freuen.

Antwort: Wie Sie ja den anderen Kommentaren entnommen haben, ist Tysabri als Therapie unproblematisch und steigert das Risiko nicht. Das gilt ebenso für Copaxone. Ob man noch 2 Monate wartet, hängt auch davon ab, wie aktiv ihre Erkrankung ist und ob man schnell einen Effekt erzielen möchte, dann kann man therapieren. Bei niedriger Krankheitsaktivität ist ein Abwarten aber auch vertretbar. 


Frage: Ich bin 66 Jahre alt, habe seit 1996 MS und bekomme seit vielen Jahren Tysabri. Meine Frage: Ist das Immunsystem eine Woche nach der Infusion anders als 4 Wochen nach der Infusion? Muss ich kurz nach der Infusion mehr aufpassen? 

Antwort: Tysabri wirkt so spezifisch an der Blut-Hirn-Schranke, dass ich persönlich bei diesem Medikament überhaupt keine Probleme in der derzeitigen Situation sehe. 


Frage: Ich bin männlich, 54 Jahre alt, und bekomme seit September 2017 Tysabri / Natalizumab. HINWEIS: keine anderen Vorerkrankungen. Bin ich als Tysabri-Patient durch Corona mehr gefährdet als 1. eine Vergleichsperson OHNE MS? 2. eine Vergleichsperson MIT MS, die aber gar kein Medikament bekommt (insbesondere kein Tysabri)? Danke für eine Antwort auf meine hoffentlich allgemeine Frage zum Thema Corona+Tysabri! Sollte / muß die Behandlung mit Tysabri im Falle einer Corona-Infektion unterbrochen werden - wenn ja, für wie lange?

Antwort: Hallo, Tysabri ist nach derzeitigem Kenntnisstand unproblematisch und hat hochwahrscheinlich keinen Einfluss auf das Risiko, sich mit Corona-Virus zu infizieren. Es wirkt sehr spezifisch auf bestimmte Oberflächenmoleküle an der Grenze zwischen Blut und Gehirn, die den Virus nicht interessieren. Ihr Risiko ist also nicht anders als bei einer Vergleichsperson ohne MS. Es ist auch nichts bekannt, darüber, dass unbehandelte Personen mit MS wegen der MS ein erhöhtes Risiko für die Infektion haben. Eine Therapie mit Tysabri sollte auch bei einer Infektion mit dem Corona-Virus weitergeführt werden.


Frage: Ich bin MTA für Radiologie und unsere Praxis hat eine Kooperation mit dem Krankenhaus. Durch die Coronapandemie kommen nun auch immer mehr Covid-19 positive Patienten vom Krankenhaus zum CT. Nun meine Frage: Ich bekomme Tysabri und vor 6 Wochen hatte ich erst die Influenza. So ganz 100% fühle ich mich immer noch nicht fit. Eigentlich gehe ich jeden Tag mit Angst zur Arbeit. Was ist, wenn ich mich damit anstecken sollte?

Antwort: Die Therapie mit Tysabri spielt für die Immunabwehr gegen Corona wahrscheinlich keine Rolle. Wenn Sie sich anstecken, ist es denkbar, dass der Verlauf durch die Schwächung des Körpers durch die vorherige Influenza etwas schwerer ist. Wenn es erforderlich ist, dass Sie an diesem Arbeitsplatz arbeiten, informieren Sie sich vor Ort über die persönlichen Schutzmaßnahmen bei Kontakt mit COVID-Patienten und Verdachtsfällen und halten Sie diese unbedingt ein.

Letzte Aktualisierung: 18.06.2020 11:34