DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Ocrelizumab

Ocrelizumab (Ocrevus)

Nachfolgend finden Sie Fragen und Antworten zum Thema "Ocrelizumab (Ocrevus)" der beteiligten Mitglieder des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft aus den Arzt-Sprechstunden auf MS Connect.

Aus Gründen des Datenschutzes wurden Kürzungen vorgenommen.

 

Frage: Nach meiner Umstellung auf Ocrevus im November 2019 soll ich Mitte Mai die zweite Infusion erhalten. Da die Risikoentwicklung weder bzgl. COVID-19 noch bzgl. der MS klar ist, haben wir uns für eine termingerechte Infusion ohne vorherige FACS-Analyse der B-Zell-Depletion entschieden. Nun stellt sich für mich die Frage, ob direkt nach der Infusion besondere Sicherheitsmaßnahme erforderlich sind. Ich pendle mit dem ÖPNV zur Arbeit (dort können Hygieneregeln gut eingehalten werden, es besteht Gesichtsmaskenpflicht), könnte aber ggf. auch beantragen, von daheim zu arbeiten. Mein Mann ist Lehrer und hat dementsprechend Kontakt zu vielen Menschen. Auch er könnte sich von der Präsenzpflicht entbinden lassen (bis zu den Pfingsferien zB). In welchem Rahmen halten Sie es für sinnvoll oder sogar notwendig, mich nach der Infusion stärker zu isolieren?

Antwort: Unmittelbar nach der Infusion sollten Sie für vier Wochen ganz besonders auf eine geringst mögliche Zahl von Außenkontakten achten. Ich würde Ihnen und Ihrem Mann die Möglichkeit empfehlen, Home-office für diese Zeit in Anspruch zu nehmen. Fragen Sie Ihren Arzt, ob zur Sicherheit unmittelbar vor der Infusion nicht ein Abstrich auf das neue Coronavirus gemacht werden kann unter dem Gesichtspunkt, dass Sie ja vor den Infusion noch viele Außenkontakte hatten und wahrscheinlich ja keine Virus-sichere Maske getragen haben.


Frage: Ich habe vor 4 Wochen meine Dosis Ocrevus bekommen. Aufgrund der Corona-Pandemie befinde ich mich jetzt in Selbstquarantäne. - Wie beurteilen Sie die Teilnahme an der Arbeitswelt? - Würden Sie eine Aufnahme der Arbeit empfehlen? Hintergrund: Durch meine (Schicht-) Arbeit habe ich viel mit unterschiedlichen Menschen zu tun. Home-Office ist nicht möglich.

Antwort: Hier ist eine individuelle Entscheidung gefragt in welche Ihre Einschätzung und die Ihres Arbeitsumfeldes/Arbeitgebers hinsichtlich des Infektionsrisikos mit einfließen sollte. Falls die Entscheidung für Arbeit ausfällt, sind maximale Vorsichts- und Schutzmaßnahmen dringend ratsam.


Frage: In 2 Wochen soll ich die erste Infusion mit Ocrevus bekommen. Bislang nehme ich Tecfidera mit stets unauffälligen Lymphozyten-Werten. Leider wirkte Tecfidera nicht ausreichend, deshalb nun der Wechsel. Ist der Therapiebeginn mit Ocrevus trotz Corona jetzt anzuraten? Was muss ich beachten?

Antwort: Wenn die hohe Aktivität Ihrer MS jetzt einen Wechsel erfordert, dann ist das vorrangig. Allerdings sollten Sie sich auch schon 14 Tage vor Beginn der Ocrevustherapie maximal vor sozialen Kontakten mit einem möglichen Corona-Infektionsrisiko schützen und auch selbstverständlich nach der ersten Infusion. Wenn Sie einen Beruf haben, der als Infektionsrisiko gilt, sollten Sie sich vorübergehend krankschreiben lassen. 


Frage: Unter Ocrevus wird ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit Covid-19 vermutet (gm. Artikel der DMSG). Wie lange besteht dieses erhöhte Risiko bzw. bin ich die ganze Zeit Risikopatient, bis die CD19-/CD20-positive B-Zellen wieder im Normbereich sind? Vielen Dank für Ihre Antwort.

Antwort: Das allgemeine Infektionsrisiko unter Ocrevus ist erhöht. Das Risiko ist unmittelbar nach der Infusion am höchsten und nimmt dann langsam wieder ab. Ob dies auch für eine Corona-Infektion gilt, ist bisher nicht bekannt. Die Wirksamkeit von Ocrevus bei der MS beruht ja auf einer langanhaltenden B-Zellen-Verminderung, die ja erwünscht ist und einen entscheidenden Einfluss auf den Verlauf der MS hat. Zum jetzigen Zeitpunkt kann man in Abhängigkeit von der bisherigen Dauer der Therapie und der Aktivität der Erkrankung durchaus überlegen, die Intervallgabe um 4 bis 8 Wochen zu verschieben. Wichtig ist auch zu klären, ob kein Immundefekt im Bereich der Immunglobuline eingetreten ist, die dann ja ergänzend gegeben werden können. Bitte beachten Sie als Ocrevus-Patient und auch Ihre Angehörigen ganz besonders die Richtlinien zur Infektionsvermeidung. 


Frage: Ich sollte Anfang März meine dritte Ocrevus-Infusion kriegen. Seit 2 Wochen bin ich erkältet und krankgeschrieben. Ich mache eine Ausbildung als Kauffrau im Einzelhandel, arbeite in einer Drogerie und ich bin ständig im Kontakt mit Kunden. Soll ich lieber abwarten? Noch ein Monat? Vielleicht beruhigt sich das mit Corona? 

Antwort: Bei einer akuten Erkältung würde ich sowieso erst abwarten, bis man wieder gesund ist. Wir therapieren eigentlich nie in einen akuten Infekt. Ocrevus kann man auch ein wenig verschieben - ein Monat ist da kein Problem, das macht wahrscheinlich nicht so viel aus. Aber irgendwann sollte man dann auch handeln. Die MS ist ja auch eine ernstzunehmende Erkrankung, die adäquat behandelt werden sollte. 


Frage: Ich habe diese Woche meine Therapie mit Ocrevus erhalten. Man liest, dass das Infektionsrisiko unmittelbar nach der Infusion am größten ist. Sicher ist es schwierig, eine Präzisere Aussage dazu zu treffen. Da ich aber in einem Bereich arbeite, bei dem ich sicher nicht umhin komme, Kontakt mit Erkrankten zu haben, wollte ich fragen, welchen Zeitraum dieses "unmittelbar" umfasst. Also in welchem Zeitraum muss ich damit rechnen Infekt anfälliger zu sein? Eine weitere Frage ist ebenfalls, ob bei Fehlen der B-Lymphozyten - nach durchgemachter Infektion - eine Immunität aufgebaut werden kann, oder ob es wahrscheinlich ist, nach einer Infektion erneut mit dem Virus zu erkranken. Und eine letzte Frage. Sicher werden derzeit überall Daten zu den Erkrankten unter Ocrevus gesammelt, soweit das möglich ist. Gibt es eine Möglichkeit an solche Daten zu gelangen, um sich selbst ein Bild der Situation zu verschaffen, beziehungsweise auf dem Laufenden zu bleiben?

Antwort: Guten Morgen, schwer zu sagen aber ich würde von 8 Wochen ausgehen. Die Frage mit der Immunität ist momentan nicht verantwortbar, da wir noch zu wenig wissen, wie die Immunität gegen das Coronavirus üblicherweise aussieht, wie lange sie üblicherweise (auch ohne Ocrevus) anhalten wird. Bisher hören wir eher Beruhigendes über die Verläufe von COVID-19-Patienten unter MS-Therapien. Allerdings haben wir es mit kleinen Fallzahlen zu tun, so dass wir diesbezüglich nichts sicher wissen. Es ist auch für MS-Experten momentan noch schwierig, sich ein Bild zu machen. Es laufen aber Studien an, die sich der Frage des Verlaufs von MS-Patienten mit der Infektion widmen und von Ergebnissen aus solchen systematischeren Untersuchungen werden wir sicherlich hören. 


Frage: Macht eine Ocrelizumab-Infusion aktuell überhaupt Sinn? Ich wäre nach der Infusion doch noch gefährdeter als heute schon, oder? Und wenn ja, ab wievielen Wochen nach einer Infusion erreiche ich wieder meine "maximale" Abwehrleistung? Um wieviele Wochen wäre eine Infusion verschiebbar.

Antwort: Die Infusion sollte 4-6 Wochen verschoben werden. Dann hängt es davon ab, wie die Risikosituation insgesamt ist. Sie sollten nach 5 Infusionen im Anschluss an die nächste Infusion möglichst Kontakte meiden. Umgekehrt ist aber eben auch bei zu langem Aufschieben der Therapie, das Risiko erhöht, dass die MS wieder aktiv wird. 


Frage: Ich sollte vor 3 Wochen meine 3. Infusion mit Ocrelizumab erhalten. Diese wurde verschoben, da ich zeitgleich die Pneumokokken Impfung bekommen habe. Der neue Termin ist in 4 Wochen, also bin ich dann schon 7 Wochen über der halbjährlichen Zeitspanne. Falls sich die Lage bis dahin nicht entspannt, wie lange könnte die Infusion aus medizinischer Sicht noch weiter verschoben werden, ich aber noch vor Schüben geschützt bin? Wie lange braucht mein Immunsystem etwa, damit ich nach der Infusion wieder relativ stabil bin?

Antwort: Es ist leider nicht wirklich bekannt, wie lange der Effekt anhält. Aufgrund der Daten zur Wirkdauer wurden die halbjährlichen Abstände in den Studien gewählt. 4 Wochen und wahrscheinlich auch 8 Wochen längere Abstände sind vermutlich unproblematisch. Das hängt aber auch von der Aktivität der MS vor Therapiebeginn ab. In 4 -6 Wochen würde ich dann eher behandeln und nicht länger warten. 


Frage: Ich habe meine ersten beiden halben Dosen Ocrevus im Februar 2020 bekommen. Gibt es schon Informationen über Covid-19-Verläufe bei B-Zelltherapien? Wird ja immer als Risikotherapie betitelt. Bin in einer Behinderten-Pflegeeinrichtung tätig und kann somit nicht ins Home Office, soll ich mich krankschreiben lassen?

Antwort: Wir bekommen tatsächlich schon erste Berichte, wie COVID-19 bei Patienten mit Ocrevus verläuft. Bisher ist das alles ziemlich beruhigend. Natürlich sollte man aber systematische Beobachtungsstudien abwarten, bevor man generelle Aussagen macht, trotzdem würde ich bei Symptomfreiheit derzeit nichts ändern und auch zur Arbeit gehen. Natürlich sollte man insbesondere in Ihrer Situation alle generellen Schutzmaßnahmen beachten. 


Frage: Mir wird morgen zur Kontrolle meiner Ocrevus-Therapie Blut abgenommen. Gibt es hier eine Möglichkeit bzw. einen Anhaltspunkt wie gut ich derzeit mit einem Infekt (z.B. Covid-19) zurechtkommen würde?

Antwort: Nein, das kann man leider nicht. 


Frage: Was mir viel relevanter erscheint, ist, wie eine Immuntherapie - egal ob modulierend oder depletierend - einen Krankheitsverlauf mit COVID-19 beeinflusst. Kommt der Körper dadurch schlechter mit den Symptomen zurecht und sorgt das entsprechend für einen schweren Verlauf? Mir ist bewusst, dass das Virus recht neu ist, aber ich denke mal, dass eine grobe Abschätzung aus bekannten Corona- bzw. Grippeviren vorhanden sein müsste.

Antwort: Durch die B-Zelldepletion nach Ocrevus kommt es zu einem Antikörpermangel. Bisher gibt es keine Daten, dass dies zu einem schwereren Verlauf der Coronavirus-Infektionen führt, aber die Daten dazu sind noch sehr begrenzt. Für die anderen Therapien gibt es sehr unterschiedliche Effekte, aber alle depletierenden Therapien, also neben Ocrevus auch Lemtrada, aber auch insbesondere Gilenya und auch Mavenclad, sind kritischer zu sehen. 


Frage: Am 26.02. habe ich meine letzte Ocrevus-Therapie bekommen, zwei Wochen später erkrankte ich an einer Influenza und bin seither krankgeschrieben. Nächste Woche wollte ich wieder arbeiten gehen (Krankenhaus der Akutversorgung). Nach wie vor bin ich mir nicht sicher, in welchem Umfang/ ob überhaupt usw., ich das machen sollte. Mein Neurologe selbst befindet sich gerade in der Corona-Quarantäne. Im Internet selbst findet man wenig Handfestes für diesen individuellen Fall (ärztliches Personal mit MS unter immunmodulierender Medikation), sodass ich die Chance nicht vergehen lassen wollte, Sie um Rat zu bitten.

Antwort: Unter Ocrevus sollten sie m.E. versuchen, nicht im Patientenkontakt zu arbeiten, zumindest nicht aktuell in der unübersichtlichen Lage. Ich würde sie noch 2 Wochen krankschreiben. 


Frage: Ich bin weiblich, 25 Jahre alt und habe Ende Februar 2020 die ersten beiden halben Ocrevus Infusionen bekommen. Jetzt zu meiner Frage: Ich arbeite in einem Pflegeheim (Heilerziehungspflegerin) für Menschen mit Mehrfachbehinderung somit ist kein Home Office möglich. Am Wochenende wurde ein Bewohner positiv auf Corona getestet (milder Verlauf bisher) und es besteht durch die räumliche Nähe zu anderen Mitbewohnern in der Gruppe die Gefahr das sich mehrere angesteckt haben. Durch die Mehrfachbehinderung besteht auch keine Einsicht, sich an Hygienemaßnahmen (Abstand halten, Maske tragen etc.) zu halten. Außerdem ist durch die volle Übernahme der Körperhygiene mehrmals täglich ein sehr enger Kontakt zum infizierten unvermeidlich. Soll ich unter Ocrevus weiter dieser Tätigkeit nachgehen oder soll mir mein Neurologe eine AU ausstellen (wie lange?), da man lt. verschiedenen Plattform unter Ocrevus gefährdeter ist für einen schweren Verlauf. Habe wahnsinnige Angst, mich anzustecken, was sich in meiner Situation nur schwer vermeiden lässt.

Antwort: Das ist eine nicht unproblematische Situation. Durch die Behandlung mit Ocrevus besteht eine Abwehrschwäche, die in den ersten Wochen nach der Infusion am stärksten ausgeprägt ist. Da ein Bewohner mit Corona infiziert war und verschiedene andere offenbar Kontaktpersonen waren, ist das Risiko durch den Virus angesteckt zu werden erhöht. Ich würde in dieser Situation zu einer Krankschreibung raten und nicht zum Arbeitsplatz gehen. Falls möglich, sollten Sie selbst einen Virussicheren Mundschutz tragen, bei Auftreten von Symptomen muss eine Testung erfolgen. Es gibt bisher allerdings keine eindeutigen Daten, dass nach der Ocrevusgabe die Infektion stärker ausgeprägt abläuft. Sie gehören aber zu einer Risikogruppe. 

Letzte Aktualisierung: 18.06.2020 11:34