DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Schubtherapie

Fragen zur Schubtherapie, bzw. Cortison-Stoßtherapie

Nachfolgend finden Sie Fragen und Antworten zum Thema "Schubtherapie bzw. Cortison-Stoßtherapie" der beteiligten Mitglieder des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft aus den Arzt-Sprechstunden auf MS Connect. 

Aus Gründen des Datenschutzes wurden Kürzungen vorgenommen. 

Frage: Meine Frage betrifft Schübe. Ich habe gelesen, dass ich einen eventuellen Schub nicht mit Cortison 'bekämpfen' soll, da dadurch mein Risiko, an Corona zu erkranken, erhöht würde. Ich kann doch einen Schub nicht einfach 'aussitzen' und weitere Nervenschädigungen riskieren? In normalen Zeiten hätte ich einfach, nach Einnahmeplan, über drei Wochen die entsprechende Menge Cortisontabletten eingenommen (wie bei mir immer). Diese aktuelle Situation stresst mich schon sehr. Vor allem da ich momentan zwischen zwei Neurologen bin, daher etwas verunsichert. Danke im Voraus für Ihre Antwort.

Antwort: Einen schweren Schub mit Funktionsstörungen sollte man nach wie vor mit hochdosierten Cortison-Infusionen über 5 Tage behandeln. Bei sehr leichten Schüben, zum Beispiel bei nur neu aufgetretenen Missempfindungen könnte man eher darauf verzichten. Das Infektionsrisiko bei Tabletteneinnahme über 3 Wochen könnte eher ungünstiger sein. Wichtig ist, dass Sie sich im Falle einer Cortison-Therapie ganz besonders vor sozialen Kontakten schützen und die Schutzmaßnahmen - wie vom Robert Koch Institut beschrieben - einhalten. 


Frage: Guten Tag. Ich habe vor 3 Wochen eine Kortison-Stoßtherapie, jeweils 1g an drei aufeinanderfolgenden Tagen per Infusion bekommen. Wie lange besteht bei mir deshalb noch, in etwa, eine erhöhte Infektionsgefahr, bzw. wann etwa hat sich mein Immunsystem wieder einigermaßen regeneriert? Ich bin 55 Jahre alt, nehme ansonsten keine immunmodulierenden Medikamente. Ich ernähre mich weitestgehend gesund und gehe täglich mit meinen beiden Hunden spazieren. Ich frage, weil mein Ehemann die Woche über als LKW-Fahrer unterwegs ist und nur an den Wochenenden nach Hause kommt. Bislang hat keiner von uns beiden Symptome, aber was, wenn es meinen Mann unterwegs doch erwischt? Wenn mein Immunsystem noch geschwächt ist, nehme ich an, dass ich auch den Kontakt zu ihm meiden müsste, was natürlich in einer häuslichen Gemeinschaft schwierig wird. Deshalb wäre es ganz hilfreich zu wissen, ab wann zumindest kein erhöhtes Risiko mehr zu erwarten ist. Vielen Dank im Voraus.

Antwort: Wie lange das Immunsystem nach Cortison-Stoßtherapien geschwächt ist, ist nicht gut bekannt, und vermutlich auch individuell sehr unterschiedlich. Die meisten Ärzte gehen von etwa 2 Wochen aus, aber das ist nur ein Anhaltspunkt. Da ihr Mann ja nicht zu Hause bleiben kann, hat er ein erhöhtes Risiko, Kontakt zu Infizierten zu haben. Sie sollten vielleicht noch eine Woche möglichst viel Abstand halten, danach ist es wahrscheinlich unproblematisch. Nebenbei ist es sogar denkbar, dass das Cortison einen leichten Verlauf der Infektion begünstigt, aber das ist noch offen.

Letzte Aktualisierung: 18.06.2020 11:34