DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Sonstige Therapien

Nachfolgend finden Sie Fragen und Antworten zum Thema "Sonstige Therapien" der beteiligten Mitglieder des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft aus den Arzt-Sprechstunden auf MS Connect.

Aus Gründen des Datenschutzes wurden Kürzungen vorgenommen.

 

Frage: Hallo, ich habe eine PPMS seit über 20 Jahren. Therapie alle drei Monate 3x1000 mg Cortison. Bis 08/2016 10x Mitoxantron 15 mg. Die Therapie wurde wegen einer Lymphopenie abgebrochen. Lymphopenie besteht bis heute (Lymphozyten 11,8 % ). Die nächste Therapie mit Corporation und Volon-A steht in vier Wochen wieder an. Muss bei einer Impfung gegen COVID-19 etwas berücksichtigt werden. Vielen Dank für die Informationen.

Antwort: Hallo, bei Ihnen ist sicherlich mit einer verminderten Impfreaktion zu rechnen, wenn Sie knapp 12% Lymphozyten im Vergleich zum Durchschnitt der Bevölkerung haben. Wenn Sie über 60 Jahre alt sind, können Sie sich auch mit dem Astrazeneca-Vakzin impfen lassen. Der Abstand zwischen Cortison und Impfung sollte mindestens 4 Wochen betragen, damit Sie überhaupt eine nachweisbare Impfreaktion und dann nach der zweiten Impfung einen Schutz haben.

 

Frage: Ich habe die Diagnose RRMS im vergangenen Jahr bekommen und mache seit einigen Monaten das "Coimbra Protokoll" - Ultrahochdosen Vitamin D, aber ich nehme an, der Begriff ist Ihnen ohnehin bekannt. (Ich möchte hier mitlesende Mitglieder ganz klar warnen, das Ganze ohne ärztliche Begleitung zu machen!) Inwiefern glauben Sie, hat Vitamin D (speziell für TH1 und TH17 Reaktion) Einfluss auf die Immunreaktion bei Viren wie beispielsweise SARS cov 2?

Antwort: Keine Ahnung, vermutlich keine. Wobei Coimbra grundsätzlich eine gefährliche Sache ist und ohne jede Evidenz


Frage: Ich habe mich vor zwei Jahren einer Stammzelltransplantation bei MS unterzogen. Gibt es ein erhöhtes Infektionsrisiko nach HSCT? Muss ich irgendetwas besonders beachten, abgesehen von den sowieso geltenden Regeln wie das Einhalten des Abstands zu anderen Personen etc.?

Antwort: Nach 2 Jahren würde ich davon ausgehen, dass ihr Immunsystem wieder voll am Start ist. Keine Extraregeln. 

Arzt-Sprechstunde 12.02.2021
Frage: Ich habe neben MS (inzwischen SPMS) auch Progressive Systemische Sklerose und kollagene Kolitis. Für die MS bekomme ich keine Dauertherapie mehr, für die anderen beiden Erkrankungen Budesonid (Kolitis) und Bosentan/Clopidogrel (PSS) wegen digitaler Ulzera. Ist damit das Risiko eines schweren Corona-Verlaufs für mich höher, als wenn ich nur MS hätte - obwohl ich erst 35 Jahre alt bin?

Antwort: Das ist eine schwierige Frage, weil man natürlich derzeit noch relativ wenig Daten hat, um auch so spezielle Fragen gut zu beantworten. Ich kann daher derzeit nur sagen, aktuell werden als Risikofaktoren hohes Alter, Diabetes, Herzkreislaufschwäche, Hypertonus identifiziert. Über Autoimmunerkrankungen im Speziellen habe ich noch nichts gehört.

Frage: Ich bin seit 15 Jahren unter Avonex und stabil, arbeite in der Pflege und wurde am 25.01.21 das 2. Mal gegen COVID-19 geimpft, habe alles gut vertragen, lediglich nach der 2. Impfung hatte ich an der Einstichstelle einen Druckschmerz. 10 Tage danach hatte ich einen herkömmlichen AK Test machen lassen, mit dem Ergebnis 0,03 also komplett negativ, ich denke, das ist wohl nur eine humorale Immunantwort und es müsste die zelluläre Immunantwort gespiegelt werden, um nicht einem Trugschluss aufzusetzen.
Meine Frage: Gibt es bereits ein Verfahren, um diesen Nachweis sozusagen den Titer zu bestimmen und ist dies eine kassenärztliche Leistung?
Des Weiteren kann ich in der Regel davon ausgehen, dass die Impfung angeschlagen hat bzgl. meiner immunsuppressiven Behandlung, ich möchte mich nicht in falscher Sicherheit wägen.

Antwort: Ein wesentlicher Teil der Impfwirkung gegen das Corona-Virus läuft bei den mRNA-Impfstoffen über die zelluläre Immunität. Somit sollte man dem Antikörpertiter allein keine große Bedeutung beimessen. Bislang wird dieser Effekt in der Routine nicht geprüft und ist Gegenstand aktueller Studien. Die volle Wirkung der Impfung wird wohl ca. zwei Wochen nach der zweiten Spritze erreicht. Man wird weitere Untersuchungen abwarten müssen, um die Bedeutung der Antikörpertestung einordnen zu können.
Da Sie mit Avonex keine immunsuppressive, sondern eine immunmodulatorische Therapie erhalten, die die Immunantwort nicht beeinträchtigt, ist Ihre Sorge diesbezüglich unbegründet.

Arzt-Sprechstunde 12.02.2021
Frage: Ich bin seit 1997 an MS erkrankt und nehme seit Juli 2020 Mayzent. Gehöre ich somit zur Risikogruppe? Sollte meine Neurologin mir das bescheinigen, an wen muss ich mich mit dieser Bescheinigung wenden, um eine Einlandung zur COVID Impfung zu bekommen?
Wer entscheidet generell darüber ob Menschen mit chronischen Erkrankungen vorzeitig geimpft werden? Und woher bekommt diese Stelle seine Informationen bzw. Krankendaten?

Nach der gerade aktualisierten Impfverordnung vom 08.02.2021 gehören Sie, auch wenn Sie unter 60 Jahre alt sind, zu der Gruppe mit erhöhter Priorität (§4, Abs. 1 Nr. 2, Buchstabe b). Dies kann Ihnen die Arztpraxis bescheinigen. Das Ausmaß der körperlichen Einschränkungen, sofern mit der Gefahr eines schweren Verlaufs einer Corona-Infektion einhergehend, könnte ebenfalls zur Priorisierung beitragen. Schwieriger ist es sicher mit dem Termin. Es empfiehlt sich, dass Sie sich selbst bei der Gesundheitsbehörde Ihres Landes erkundigen.

Letzte Aktualisierung: 04.08.2021 16:41