DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

Teriflunomid

Teriflunomid (Aubagio)

Nachfolgend finden Sie Fragen und Antworten zum Thema "Teriflunomid (Aubagio)" der beteiligten Mitglieder des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft aus den Arzt-Sprechstunden auf MS Connect.

Aus Gründen des Datenschutzes wurden Kürzungen vorgenommen.


Frage: Ich nehme seit einem Jahr Aubagio, Lymphozytenzahlen sind meistens im unteren Grenzbereich, manchmal etwas darunter (1300 im Durchschnitt. Auf eine normale Lymphozytenzahl bei Aubagio wurde im DMSG-Artikel nicht hingewiesen im Bezug auf Covid-19.) Meine Neurologin sieht eine 8-wöchige Differenzialblutbildkontrolle für ausreichend. Sehen Sie das auch so? Im Falle einer mögichen Infektion mit ersten Zeichen müsste sofort eine Blutbildkontroll stattfinden?

Antwort: Die Kontrollen sind ausreichend. Sie können sich trotzdem wie jeder andere auch infizieren. Sicher wird man dann auch das Blutbild kontrollieren. Bei 1300 liegt nur eine leichte Reduktion der Lymphozyten vor. 


Frage: Wir haben in unserer Kita eine Notbetreuung für Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen. Darf ich problemlos die Kinder betreuen? Muss ich, außer der üblichen Hygiene irgendetwas beachten. Ich nehme seit 3 Jahren Aubagio.

Antwort: Sicherlich sind Sie wie jeder Mitarbeiter dort einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Unter Aubagio gehen wir aber nicht von einem grundsätzlich erhöhten Risiko aus. 


Frage: Da man mit MS eine schwerwiegende Vorerkrankung hat und zur Risikogruppe gehört, soll man dann auf jegliche Kontakte (Einkaufen, nicht dringende Arztbesuche) verzichten? Und soll man sich krankschreiben lassen, wenn man mit Home Office nicht weiter arbeiten kann? (Ich – 10 Jahre MS, nacheinander: Interferon, Tysabri, seit einem Jahr Teriflunomid). 

Antwort: Unter Teriflunomid ist ein erhöhtes Risiko für eine Corona-Infektion eher nicht anzunehmen. Wir empfehlen, auch bei einer Corona-Infektion die Therapie unter engmaschiger (evtl. auch telefonischer) Absprache mit dem behandelnden Neurologen oder MS-Zentrum weiterzuführen. Die generelle Empfehlung zur Vermeidung von Infektionen gilt natürlich auch für MS Betroffene, besonders wenn eine Immuntherapie durchgeführt wird.

Arzt-Sprechstunde 12.02.2021
Frage: Seit 1996 habe ich MS und bin seit 11/20 auf Aubagio/Teriflunomid eingestellt. Ich möchte mich auf alle Fälle gegen COVID-19 impfen lassen und habe Fragen zur besseren Wirksamkeit der Impfung unter Aubagio und dem Vorliegen einer Allergie.
1) Da ich mit einer Autoimmunerkrankung zur Risikogruppe 3 zähle, jedoch im 11/21 erst 60 Jahre alt werde, vermute ich, mit dem Serum von AstraZeneca geimpft zu werden. Diesem wird eine geringere Wirksamkeit als den Seren von Biontech/Pfizer und Moderna nachgesagt.
Hinzu kommt, dass unter Aubagio die Wirksamkeit von Impfungen herabgesetzt ist.
Ich benötige eine ärztliche Einschätzung zu meiner folgenden Idee: 
In der Patienten Info des Kompetenznetz MS zu Aubagio, S. 19 steht, dass das Medikament mit Aktivkohle innerhalb 11 Tagen auswaschbar ist.
Ich frage mich nun, ob ich mit dieser Methode ein optimales Impfergebnis (egal welches Serum) erreichen könnte, um dann die Therapie 2 Wochen nach der 2. Impfung erneut fortzusetzen.
2) Ich habe eine Kontaktallergie gegen das Konservierungsmittel Thiomersal, welches häufig in Impfseren verwendet wird. In der Vergangenheit konnte meine Hausärztin das Pro/Kontra vor den Impfungen abklären.
Da ich vermutlich in einem Impfzentrum geimpft werde, ist mir unklar, wer im Vorfeld das Risiko (Thiomersal darf auf keinen Fall gespritzt werden) abklären kann.
Für eine ärztliche Beurteilung meiner Fragen bin ich sehr dankbar.

Antwort: Am 08.02.21 ist eine aktualisierte Corona-Virus-Impfverordnung veröffentlicht worden (www.bundesanzeiger.de). Danach gehören Sie in die Gruppe mit erhöhter Priorität. Für die Terminvergabe benötigen Sie ein ärztliches Zeugnis über das Vorliegen der in §4 Abs. 1 Nr. 2, Buchstabe b der Verordnung genannten Erkrankung. Arztpraxen sind zur Ausstellung berechtigt.
Unter Aubagio kann der Impferfolg bei üblichen Impfungen reduziert sein, wird aber im Allgemeinen als ausreichend angesehen.
Ein "Auswaschen" kann man nicht empfehlen, da damit das Risiko einer Aktivierung der MS bestehen würde.
Hinsichtlich Ihrer Allergie muss die Entscheidung vom Schweregrad abhängig gemacht werden. Lediglich eine Kontaktallergie gegen einen Stoff stellt kein Problem dar. Bei Neigung zur Anaphylaxie gäbe es ein Problem. Zu den Zusatzstoffen der jeweiligen Impfstoffe (und weitere werden ja vermutlich demnächst zugelassen) müssten Sie ggf. in der STIKO nachfragen. (siehe auch andere Antworten)

Letzte Aktualisierung: 04.08.2021 16:41