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Update der Empfehlungen für Multiple-Sklerose-Erkrankte inklusive Update der Empfehlungen zur Corona-Schutzimpfung

Die Corona-Pandemie stellt auch Multiple Sklerose-Erkrankte vor viele Fragen. Die regelmäßig überprüften Empfehlungen der MS-Experten Prof. Dr. med. Ralf Gold und Prof. Dr. med. Judith Haas aus dem Vorstand des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. bieten eine verlässliche Orientierung auf Grundlage der aktuellen Datenlage. 

Die folgendenden Einschätzungen beruhen auf vereinzelten, internationalen Berichten zu Covid-19-Impfstoffen bei MS-Erkrankten, dem Wissen über die Wirkmechanismen der MS-Therapien sowie die Wirksamkeit von Covid-19 unabhängigen Impfstoffen bei MS.

Über Jahrzehnte haben Ärzte MS Erkrankte vor Impfungen gewarnt. Militante Impfgegner schüren auch die Vorbehalte gegen die Covid-19 Impfung und verunsichern durch Falschinformationen. Bitte achten Sie daher auf verlässliche Quellen, aus denen Sie ihre Informationen beziehen.

Zu Impfungen mit Tot-Impfstoffen bei MS-Erkrankten wurden in den letzten Jahren viele Daten veröffentlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Impfung mit Tot-Impfstoff einen Schub auslösen könnte, ist demnach extrem gering (Zettl, Beiträge in der DMSG-Verbandszeitschrift aktiv!, Ausgaben 03 und 04/2020). Auch das Auftreten einer MS oder einer anderen chronischen Autoimmunerkrankung nach einer Impfung konnte durch eine umfangreiche Untersuchung nicht bestätigt werden. Impfungen mit Lebendvirus-Impfstoffen werden etwas kritischer beurteilt, da sie eine stärkere Immunreaktion hervorrufen. Dennoch besteht auch hier keine absolute Gegenanzeige. Im Einzelfall muss immer abgeschätzt werden, welches Risiko die Krankheit in sich birgt, vor der die Impfung schützen soll und welches regionale Risiko die Impfung mit sich bringt. Patienten, die in der Vergangenheit nach einer Impfung einen Schub hatten oder eine Erstmaifestation der MS, sollten vor einer Impfung ihre Titer bestimmen lassen. Im Allgemeinen sind nach Impfungen jedoch keine richtungsweisenden Verschlechterungen zu erwarten.

Wir wissen, dass nach Infekten das Schubrisiko erhöht ist. Im Vergleich dazu ist das Schubrisiko nach einer Impfung, wenn es dieses überhaupt gibt, sehr gering. Jede Impfung ist eine Abwägung zwischen der Angst vor der Impfung und der Angst vor der Infektionskrankheit und ihren Folgen, die damit aber mit hoher Wahrscheinlichkeit verhindert wird.

Da die Covid-19-Infektion in knapp über zehn Prozent der Fälle in Abhängigkeit vom Alter und anderen Risikofaktoren einen schweren Verlauf für Ungeimpfte nimmt, empfehlen wir MS-Erkrankten nach heutigem Stand, sich und andere durch die Impfung zu schützen. Zudem können auch nach einer mild verlaufenden Infektion langanhaltende Symptome (Long-Covid) auftreten, wie Geschmacksstörungen und, für MS-Erkrankte besonders beeinträchtigend, chronische Müdigkeit, Fatigue und Depressionen (vgl. Robert-Koch-Institut).

Wenn ein Krankheitserreger - in diesem Fall das SARS-CoV-2-Virus - in den Körper eindringt, sucht er sich eine Wirtszelle, in der er sich vermehren kann. Hierzu benutzen alle Viren ihr Erbgut (bestehend aus RNA oder DNA), das heißt bei jedem Virusinfekt ist fremde RNA/DNA in der Zelle. Nur so kann sich das Virus vermehren. Der Körper versucht dann, das Virus durch sein Immunsystem zu eliminieren und benutzt dazu Abwehrzellen und die Bildung von Antikörpern. Nach einer abgelaufenen Infektion lassen sich in der Regel diese virusspezifischen Antikörper (B-Zell Aktivität) nachweisen und bieten zusammen mit der Immunität auf zellulärer Ebene (T-Zell Aktivität) einen Schutz vor einer erneuten Infektion. Bezüglich Covid-19 gibt es Hinweise, dass der von einer Infektion Genesene weiterhin Viren ausscheidet könnte und daher über die Erkrankungsphase hinaus eine Infektionsquelle sein kann.

Daher gelten auch für Covid-19-Genesene zunächst weiterhin die Hygienemaßnahmen, wenngleich eine noch nachweisbare geringe Viruslast wahrscheinlich kein Infektionsrisiko für andere darstellt. Demnächst wird es hierzu neue bundesweite Regelungen geben (siehe „Multiple Sklerose und Corona-Schutzimpfung“). Nach einer durchgemachten Covid-19-Erkrankung sollte man sich im Abstand von mindestens drei Monaten (siehe: RKI-Empfehlung für alle aber dem 12. Lebensjahr) einmal zur Auffrischung impfen lassen, um durch diesen "Boost" anhaltend höhere Abwehrtiter gegen Corona zu erzielen.

Eine Impfung soll den Körper vor Erkrankungen schützen, obwohl dieser noch nie mit dem Erreger der Erkrankung konfrontiert wurde. Sie ist somit eine klassische Präventionsmaßnahme. Dabei wird mechanistisch das körpereigene, adaptive Immunsystem mit einem nicht mehr krankmachenden Erreger oder eines seiner Bestandteile stimuliert. Als Folge wird ein sogenanntes Immungedächtnis aufgebaut, so dass bei einer Konfrontation mit dem eigentlichen, echten Erreger, der Körper bereits über die Werkzeuge für eine spezifische und schnelle Immunabwehr verfügt. Eine Erkrankung wird damit verhindert oder deutlich in ihrer Schwere abgeschwächt. Für SARS-CoV2 gibt es Hinweise, dass geimpfte Personen in geringerem Maße zur Verbreitung des Virus beitragen im Vergleich zu nicht geimpften Personen. Man nimmt an, dass die Virusübertragung (Transmission) aufgrund geringerer Virusmengen und/oder weniger langer Besiedelung des Nasen-Rachen-Raums reduziert ist.

Eine MS stellt grundsätzlich keine Kontraindikation (Gegenanzeige) für Impfungen dar. Impfungen lösen keine MS aus und eine Auswirkung auf die Krankheitsaktivität ist eher unwahrscheinlich. Durch Impfungen vermeidbare Infektionen können einerseits schwerwiegende Erkrankungen verursachen, andererseits bei MS-Erkrankten darüber hinaus Schübe auslösen und zur Krankheitsverschlechterung beitragen. Dieses Risiko ist grundsätzlich höher einzuschätzen als potenzielle Risiken durch Impfungen. MS-Erkrankte sollten daher entsprechend den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des RKI empfohlenen Impfungen im Erwachsenenalter geimpft werden. Grundsätzlich sollte man sich nur impfen lassen, wenn man sich selbst wohl fühlt, keine Anzeichen eines Schubes verspürt und auch nicht erste Symptome einer Erkältung bemerkt.

Für Impfungen unter MS-Therapien sind allerdings einige Hinweise zu berücksichtigen. Bei einigen Immuntherapien gibt es Hinweise auf ein vermindertes Ansprechen (siehe „MS-Medikamente und Corona-Schutzimpfung“). Die Datenlage hierzu ist begrenzt. Grundsätzlich sind Impfungen mit Tot-Impfstoffen auch unter Therapien, die Immunzellen aus dem Körper entfernen („Zell-depletierende Therapien“) oder auf andere Art immunsuppressiv wirken möglich, das Ansprechen auf die Impfung kann unter solchen Therapien allerdings vermindert sein. Bei Lebend-Impfstoffen (wie Gelbfieber, Masern, Mumps, Röteln, Varizellen) können selten verstärkte Impfreaktionen auftreten. Die Indikation sollte bei MS-Erkrankten und insbesondere unter MS-Therapien streng gestellt werden. Lebend-Impfungen unter Ocrelizumab, Alemtuzumab, Cladribin, Fingolimod, Siponimod, Ozanimod, Natalizumab oder Mitoxantron sind kontraindiziert. Die meisten der von der STIKO im Erwachsenenalter und für Ältere empfohlenen Impfungen sind Tot-Impfstoffe und können auch für MS-Erkrankte uneingeschränkt empfohlen werden.

Vor Beginn einer MS-Therapie sollte immer der Impfstatus kontrolliert und ggf. fehlende Impfungen mit Lebend-Impfstoffen nachgeholt werden, wenn die MS-Therapie entsprechend verschiebbar ist.

Etablierte Konzepte (sog. Tot-Impfstoffe und Lebend-Impfstoffe):

  • Tot-Impfstoffe bestehen aus nicht mehr reproduktionsfähigen Krankheitserregern bzw. deren Bestandteilen: Sie lösen eine schwächere Immunantwort als Impfstoffe mit reproduktionsfähigen Krankheitserregen aus und enthalten verschiedene Zusatzstoffe (Adjuvanzien) als Hilfsstoffe (Beispiel Tetanus). Um die spezifische Immunreaktion auf den Impfstoffen zu steigern, werden in der Regel nach einem bestimmten Schema Auffrischungsimpfungen mehrmals verabreicht. Die erreichte Immunität hält meist nur über einen beschränkten Zeitraum an. (Vero von Sinopharm, CoronaVac von Sinovac).Als Totimpfstoff bezeichnet wird auch der seit Ende Februar 2022 verfügbare Impfstoff der Firma Novavax (Nuvaxovid ®), der ein rekombinantes Protein enthält, das von der Eiweißstruktur den Spikes gleicht. Ein inaktivierter Ganzvirusimpfstoff der Firma Valneva steht ebenfalls vor der Zulassung.
  • Lebendimpfstoffe bestehen aus einer geringen Menge abgeschwächter (attenuierter), aber lebendiger, d.h. vermehrungsfähiger Krankheitserreger (Beispiel Masern) lösen eine stärkere Immunantwort aus und die erreichte Immunität hält meist lebenslang an. Selten können vorübergehend ähnliche Beschwerden wie bei der Krankheit selbst auftreten.

Neue Konzepte:

  • Vektorbasierte Impfstoffe (Nukleinsäure basiert): Mit einer sog. Fähre (in der Regel ein nicht vermehrungsfähiges und für Menschen harmloses Virus) werden definierte Erbinformationen von Virusbestandteilen in den Körper gebracht. Diese Impfstoffe sind gegenwärtig noch aufwendig zu produzieren. (Vaxzevria von AstraZeneca von AstraZeneca basiert auf einem Schimpansen-Adenovirus; Sputnik V des Gamaleya Research Institute basiert auf zwei humanen Adenoviren, Serotyp5 und 26; Ad5-nCoV von CanSino Biologics, COVID-19 Vaccine Janssen von Johnson & Johnson basiert auf dem humanen Adenovirus-Serotyp 26)
  • Ad26.COV2.S von Johnson & Johnson basiert auf dem humanen Adenovirus-Serotyp 26). Vektorimpfstoffe wurden schon für Ebola und Dengue Fieber entwickelt.
  • Impfstoffe auf der Basis nachgebauter Erregerbestandteile: Einfach herzustellen, hohe Sicherheit, benötigen aber oft mehrere Zusatzstoffe.
  • DNA-Impfstoffe (Nukleinsäure basiert, entspricht keinem Lebendimpfstoff): Injizierte Gene simulieren die entsprechende Infektion. Diese Impfstoffe sind relativ einfach und günstig herzustellen. Das Nebenwirkungsspektrum ist aktuell noch nicht zu bewerten.
  • RNA-Impfstoffe (Nukleinsäure basiert, entspricht keinem Lebendimpfstoff): Teile der Bauanleitung (RNA) des Erregers werden beispielweise in Micro-Fetttröpfchen verpackt und in den Körper injiziert. Die RNA gibt die Information an die Zelle und wird dann schnell abgebaut. Die Zelle produziert dann Teile des Erregers, die die für eine Immunität notwendigen Abwehrreaktionen auslösen. Es erfolgt keine Veränderung des Erbguts beim Geimpften! (Comirnaty von BioNTech, COVID19 Vaccine von Moderna, CVnCoV von CureVac)
  • Impfungen mit virusähnlichen Partikeln: Proteine der Erregerhülle werden biotechnologisch hergestellt und lösen bei der geimpften Person eine Immunantwort aus. Der Impfstoff enthält keine genetische Information und hat eine hohe Sicherheit. (NVX-CoV2373 von Novavax CZ AS)

Nach § 2 der Coronavirus-Impfverordnung vom 30.08.2021 (zuletzt geändert am 23.05.2022) besteht auch ein Anspruch auf Folge- und Auffrischimpfungen. Sind Abweichungen vom Impfschema der STIKO-Empfehlung aus wichtigem Grund erfolgt, soll das Impfschema der STIKO danach weiter fortgesetzt werden.

Sprechen Sie Ihren Hausarzt wegen eines Impftermins, auch für die Booster-Impfung aktiv an. Beachten Sie auch, welcher Impfstoff zur Verfügung steht, da dies aktuell in den Bundesländern unterschiedlich ist.

Impfungen: Auf der Website www.zusammengegencorona.de finden Sie Angaben über Impfzentren zu Ihrem Bundesland.

Aktuell sind weitere Impfstoffe gegen SARS-CoV-2 bzw. die aktuelle Omikron-Variante in der Entwicklung. Sie erhalten verlässliche Kurzinformationen zu ausgewählten Impfstoffen, zu denen in Europa ein Zulassungsantrag gestellt ist und ausreichende Daten veröffentlicht sind, auf der Website des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG).

Wir empfehlen Ihnen auch das aktuelle Faktenblatt zu den Covid-19-Impfungen des RKI.

Zusätzlich können Sie sich auch über die offiziellen Dokumente der Behörden beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und der Europäischen Arzneimittel Agentur (EMA) informieren. Hier sind auch die in Form von sogenannten Roten Handbriefen seltenen, nach Zulassung beobachteten Nebenwirkungen der verschiedenen Impfstoffe nachzulesen. (LinkDas PEI dokumentiert in seinen Sicherheitsberichten auch alle gemeldeten Nebenwirkungen und Impfkomplikationen der Impfung, jedoch keine MS-spezifische Auswertung. 

Die Impfung und Auffrischungsimpfung (Booster) gegen das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) ist weiterhin dringend zu empfehlen. Es ist derzeit darauf hinzuweisen, dass zu einem möglichen Einsatz der Covid-19-Impfstoffe bei Personen mit Autoimmunerkrankungen und/oder immunmodulierenden/-supprimierenden Therapien keine Daten/Erkenntnisse aus den Zulassungsstudien vorliegen und die genannten Einschätzungen auf vereinzelten, internationalen Berichten zu Covid-19 Impfstoffen bei MS-Erkrankten, dem Wissen über die Wirkmechanismen der MS-Therapien sowie die Wirksamkeit von Covid-19 unabhängigen Impfstoffen bei MS beruhen.

Die bislang verfügbaren Daten sprechen dafür, dass das Risiko einer Infektion und damit einhergehende mögliche Verschlechterung bei weitem schwerer wiegt als eine Impfung mit den bisher in der EU zugelassenen Impfstoffen und den bekannten Nebenwirkungen.

Es gilt, dass für eine Impfung eine MS-Therapie nicht unterbrochen werden sollte, da die Auswirkungen der Unterbrechung auf die MS als problematischer einzuschätzen sind als eine geminderte Immunantwort durch die MS-Therapie (siehe auch MS-Medikamente und Corona-Schutzimpfung).

Erfahrungen aus Israel mit mehr als 500 MS-Patienten, die den mRNA-Impfstoff von BioNtech erhalten haben, größtenteils auch schon die dritte Impfung, haben bisher keine unerwarteten Nebenwirkungen oder Aktivierung der MS gezeigt (Achiron A.). Erfahrungen aus England von über 300 MS-Erkrankten, geimpft mit Impfstoff von AstraZeneca, zeigen keine besonderen Auffälligkeiten in Bezug auf die Verträglichkeit (Schmierer K., Queen Mary University of London, persönliche Mitteilung). Auswertungen der laufenden Impfbeobachtungsstudie des MS-Registers der DMSG zeigen keine Auffälligkeiten bei der Verträglichkeit und insbesondere keine erhöhte Schubwahrscheinlichkeit.

Wir empfehlen die Corona-Schutzimpfung für MS-Erkrankte mit allen in der EU zugelassenen Covid-19-Impfstoffen unter Einhaltung der nationalen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO). Stehen verschiedene Impfstoffe am Impftermin zur Verfügung, raten wir derzeit in Übereinstimmung mit der STIKO, die mRNA-basierten Impfstoffe bei allen MS-Erkrankten zu favorisieren.In Übereinstimmung mit der aktualisierten Empfehlung der STIKO sollten unter 30-Jährige und Schwangere nur mit dem mRNA Comirnaty-Impfstoff (BioNTech/Pfizer) geimpft werden.

Im Folgenden führen wir Informationen, bzw. Aspekte auf, die bei der individuellen Risiko-Nutzen-Abwägung der Corona-Schutzimpfung berücksichtigt werden sollten.

Eine Impfantwort bei einer MS-Erkrankung wird bei:

  • den mRNA-basierten Corona-Impfstoffen (BioNTech und Moderna) als ausreichend eingeschätzt,
  • den vektorbasierten Impfstoffen (Vaxzevria®/AstraZeneca) als etwas reduziert, aber ausreichend, eingeschätzt. Für die Covid-19 Vaccine Janssen (Jcovden®) wird eine Impfung zur Optimierung der Grundimmunisierung mit einem mRNA-Impfstoff bereits vier Wochen nach der Erstimpfung empfohlen. Eine Auffrischungsimpfung ("Boosterung") wird im Abstand von mindestens drei Monaten nach der zweiten Impfung empfohlen.

Weiterführende Infos sind weiter unten unter MS-Medikamente und Corona-Schutzimpfung zu finden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Corona-Schutzimpfung einen Schub auslöst oder sich auf die Progression auswirkt, wird nach Erfahrungen mit anderen Impfstoffen als extrem gering eingeschätzt (siehe auch unsere allgemeine Einschätzung weiter oben).

Ein mögliches Schubrisiko oder eine Auswirkung auf die MS-Krankheitsaktivität wird unter:

  • den mRNA-basierten Corona-Impfstoffen (BioNTech und Moderna) als gering eingeschätzt.
  • den vektorbasierten Impfstoffen von (AstraZeneca und Janssen) als gering eingeschätzt. 

Das Schubrisiko unter dem neu zugelassenen Impfstoff Nuvaxovid® kann derzeit noch nicht eingeschätzt werden. Erste Impfungen zeigen ähnliche, leichte Nebenwirkungen, wie bei den anderen Impfstoffen.

Alle Impfungen können in extrem seltenen Fällen Autoimmunreaktionen hervorrufen, die auch das Nervensystem betreffen – akute Polyneuritis, Querschnittsmyelitis, akute Enzephalitis. Solche Fälle werden inzwischen auch bei den Impfungen gegen Covid-19 berichtet (siehe Link). Im Einzelfall ist es schwierig zu entscheiden, ob es sich hier um ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen mit der Impfung handelt.

Wenn Sie im zeitlichen Zusammenhang (innerhalb von sechs Wochen) mit der Impfung gegen Covid-19 einen Schub erlitten haben, kann das ein Zufall sein. In der israelischen Studie (Achiron et al) wurde ein Schubrisiko von ca. zwei Prozent nach der Impfung mit dem Impfstoff Comirnaty (BioNTech) beobachtet, was aber der erwarteten Schubhäufigkeit in diesem Zeitraum entsprach. Erste Ergebnisse der Impfbeobachtungsstudie des MS-Registers unterstreichen diesen Wert. Im Einzelfall sollten Sie mit Ihrem Neurologen besprechen, wie er den Schub in Zusammenhang mit der Impfung in Bezug auf Ihren bisherigen Verlauf einschätzt.

Nach Angaben des Robert-Koch-Institutes ist das Risiko einer Virusübertragung von vollständig geimpften und mit einer Auffrischungsimpfung versehenen Personen stark vermindert, aber von dem Zeitintervall nach der Impfung abhängig. Auf die Corona-Pandemie bezogen erscheint durch die Impfung das Risiko einer Virusübertragung in dem Maß reduziert, dass vollständig Geimpfte und Geboosterte bei der Epidemiologie der Erkrankung eine geringere Rolle im Vergleich zu Ungeimpften spielen. Dies kann aber insbesondere auf MS-Erkrankte, die aufgrund einer immunsuppressiven Behandlung keinen ausreichenden Impfschutz entwickelt haben, nicht zutreffen.

Bei sehr selten vorkommenden MS-Schüben in engem zeitlichen Zusammenhang nach einer SARS-CoV-2-Impfung empfehlen wir die Zweit- und Drittimpfung möglichst lange (mindestens vier bis sechs Wochen) über die empfohlenen zeitlichen Abstände hinaus aufzuschieben (Intervalle lt. STIKO-Empfehlung) bzw. in Absprache mit dem behandelnden Facharzt (Neurologen) in Erwägung zu ziehen, vorerst keine Zweit- bzw. Drittimpfung wahrzunehmen. Sofern Sie keine immunsupprimierenden oder depletierenden Therapien anwenden, kann eine Antikörpertiterbestimmung nach der ersten Impfung Auskunft darüber geben, ob Sie bereits durch die erste Impfung zunächst ausreichend geschützt sind. Aber auch in dieser Sitruation ist zu beachten, dass die gemessenen Titer mit der Zeit abfallen und der Impfschutz damit nachlässt. Näheres zu den Immuntherapien und Schüben bzw. der Impfung erfahren Sie weiter unten. Ihr behandelnder Arzt kann bei Vorliegen einer sogenannten Impfunfähigkeit ein ärztliches Attest ausstellen.

Hinweis:

Vor der Immuntherapie:

Vor Beginn einer MS-Therapie sollte immer der Impfstatus kontrolliert und ggf. fehlende Impfungen nachgeholt werden. Zeitlich sollten die Impfungen. ca. zwei bis vier Wochen vor Beginn einer langfristigen Immuntherapie abgeschlossen sein, wenn die MS-Therapie entsprechend verschiebbar ist. Je nach Krankheitsaktivität kann individuell eine frühere Einleitung der MS-Therapie erwogen werden. Ein Herauszögern des Beginns einer MS-Therapie aufgrund einer (anstehenden) Covid-19-Impfung oder aktuell der Boosterung ist je nach Wirkstoff der MS-Therapie, der Schwere der MS-Erkrankung bzw. der MS-Krankheitsaktivität und der individuellen Risikoabschätzung einer Infektion mit SARS-CoV-2 abzuwägen.

Während der Immuntherapie:

Es liegen aktuell vereinzelt erste Daten zu Impfantworten auf die Corona-Impfung unter den verschiedenen Immuntherapien vor (s.u.). Allerdings lässt die Datenbasis derzeit nur eine erste Abschätzung weniger hochaktiver Therapien zu. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann dennoch der Impferfolg, aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit anderen Impfstoffen (z.B. der Grippeimpfstoffe), auf die Corona-Impfstoffe übertragen werden. Sollte die Impfantwort als möglicherweise vermindert eingeschätzt werden, kann eine Antikörperbestimmung nach der vollständig durchgeführten Impfung erfolgen. Deren Aussagekraft ist allerdings vorsichtig zu interpretieren, da auch milde Covid-19-Verläufe bei Personen ohne entsprechende Antikörpertiter berichtet wurden. Die STIKO hat eine Empfehlung abgegeben, bei welcher Personengruppe mit Multipler Sklerose Antikörpertests durchgeführt werden sollen. Diese können Sie der nachfolgenden Übersicht entnehmen.

Schubaktivität vor geplanter Impfung:

Ein Schub sollte, mit und ohne hochdosierte Schubtherapie, mindestens sechs Wochen zurückliegen bevor eine Impfung gegen Covid-19 erfolgt. Dies gilt auch, wenn in einer MRT-Kontrolle, auch ohne neue Symptome, Kontrastmittel aufnehmende Herde nachgewiesen wurden.

Nachfolgend sind alle den Verlauf beeinflussenden MS-Therapien mit den bereits vorliegenden Erfahrungen und Erkenntnissen in Bezug auf Impfungen aufgeführt, am Ende der Auflistung finden Sie eine Tabelle, die in Anlehnung an die aktuelle STIKO-Empfehlung zur Corona-Schutzimpfung vom 17.02.2022 erstellt und ergänzt worden ist:

  • Alemtuzumab (Lemtrada): In den ersten sechs Monaten nach einem Therapiezyklus der Therapie erfolgen noch abgeschwächte Impfantworten, von daher sollte der Abstand mindestens sechs Monate betragen.
  • Azathioprin (Imurek): Abgeschwächte Immunantworten in Abhängigkeit von der Dosierung (siehe auch nachfolgende Übersicht).
  • B-Zell depletierende Therapien (Ocrelizumab/Ocrevus, Ofatumumab/Kesimpta, Rituximab/Mabthera usw.: Erste Antikörperbestimmungen nach erfolgter Corona-Schutzimpfung bei MS-Erkrankten, die mit B-Zell-depletierende Therapien behandelt wurden, zeigen, dass nach Impfungen mit dem BioNTech-Impfstoff, geimpft vier bis sechs Monate nach der letzten Infusion, nur ein zwanzigprozentiges Ansprechen bezüglich des Impftiters erfolgt (Achiron A.)). Wieweit der weitere Schutzmechanismus einer Impfung, die T-Lymphozyten vermittelte, ausreichend zelluläre Immunität besteht, wird aus ersten Berichten verschiedener Forschungslabore als überraschend gut eingeschätzt. Inzwischen liegen aus zwei Studien Daten zur Impfantwort unter Ocrelizumab vor, die zeigen, dass ein Teil der Behandelten keine ausreichenden Antikörper gegen das Spike-Protein bilden, aber die zelluläre Abwehr der unbehandelten Vergleichsgruppe weitgehend entspricht (Apostolidis et al/Brill et al). Für die neue Variante Omikron soll die zelluläre Abwehr ganz besonders wichtig sein.
  • Empfohlen werden kann eine Impfung am besten vier Monate nach der letzten Infusion. Sollten keine ausreichenden Titer festgestellt werden, wird eine dritte Impfung empfohlen.
  • Cladribin (Mavenclad): Bisherige Daten zeigen ein Impfansprechen auf den Corona-Impfstoff von BioNTech, ca. drei bis vier Monate nach der letzten Tabletteneinnahme (Achiron A.). Die Impfung erfolgt am günstigsten dann, wenn sich die Lymphozytenzahl weitgehend normalisiert hat, in der Regel drei Monate nach der letzten Tablettengabe. Erste Berichte an kleinen Patientenkollektiven haben Impferfolge bereits ein bis zwei Wochen nach letzter Tabletteneinnahme gezeigt – dies bedarf noch der Bestätigung durch andere Gruppen.
  • Cortison-Therapie: Die übliche Schubtherapie beeinflusst Impfantworten. Impfungen sollten frühestens zwei Wochen, besser vier Wochen nach einer Hochdosistherapie erfolgen.
  • Dimethylfumarat (Tecfidera): Keine Hinweise auf verminderten Impfschutz.
  • Glatirameracetat: (Copaxone 20 und 40, Clift): Impfreaktion gegen Grippe etwas geringer, aber ausreichend; gegen Corona ähnlich erwartet.
  • Immunglobuline: Immunglobuline sind körpereigene Immunfaktoren und enthalten viele Antikörper. Sie bieten daher einen gewissen Schutz gegen verschiedene Virusinfekte. Es ist aktuell bereits anzunehmen, dass die in Deutschland verwendeten Immunglobuline schon relevante Antikörper gegen SARS-CoV-2 enthalten. Im Allgemeinen dürften diese Antikörper jedoch niedrigtitrig sein und den Impferfolg nicht verschleiern. Weiterhin werden bereits aus dem Blutplasma von Covid-19-Genesenden SARS-CoV-2-Antikörper gewonnen und therapeutisch eingesetzt.
  • Interferon-beta (Avonex, Betaferon, Extavia, Plegridy, Rebif 22 und 44): Impfungen gegen Grippeviren zeigten eine gegenüber nicht Interferon-beta Behandelten vergleichbare Impfantwort. Bezüglich der Covid-19-Impfungen gibt es vereinzelt Hinweise, dass eine Therapie mit Interferon-Präparaten keinen Einfluss auf die Impfantwort hat. Ein Therapiebeginn mit Interferonen-Präparaten sollte nicht aufgrund einer noch ausstehenden Covid-19-Impfung verschoben werden. Während der Therapie ist, wenn möglich, die Impfung zeitlich jeweils an einem anderen Tag als die Interferon-Applikation zu legen.
  • Mitoxantron (Novantron, Ralenova): Aufgrund des Wirkungsmechanismus ist während der Therapiezyklen eine verminderte Impfantwort zu erwarten, die auch nach Beendigung des letzten Zyklus, der langfristige Blutbildveränderungen mit sich bringt. Es sollte mindestens ein Abstand von sechs Monaten nach der letzten Gabe zur Durchführung eine Corona-Schutzimpfung eingehalten werden.
  • Natalizumab (Tysabri): Impfantworten gegen Grippeviren waren etwas vermindert, aber ausreichend. Bzgl. der Covid-19-Impfungen gibt es vereinzelt Hinweise, dass eine Therapie mit Natalizumab keinen Einfluss auf die Impfantwort hat, sodass die regelmäßigen Infusionen mit der Corona-Schutzimpfung auch zeitnah einhergehen können.
  • Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor Modulatoren (Fingolimod/Gilenya, Ozanimod/Zeposia, Siponimod/Mayzent und Ponesimod/Ponvory): Unter der Therapie mit Fingolimod ist ein reduzierter Impferfolg zu berücksichtigen. Erste Antikörperbestimmungen nach erfolgter Corona-Schutzimpfung bei MS-Erkrankten, die mit Fingolimod behandelt werden, zeigen, dass nach Impfungen mit dem BioNTech-Impfstoff nur selten Antikörperentwicklung nachweisbar war (Achiron A.). Dies berechtigt zu der Annahme, dass diese Aussagen möglicherweise auch für die anderen Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor Modulatoren (Siponimod, Ozanimod, Ponesimod) übertragbar sind. Man sollte sich hier vergegenwärtigen, dass die Patienten hiermit maximal 17 Monate behandelt sind und keine Langzeit-Beeinflussung des Immunsystems vorliegt. Eine Unterbrechung einer Therapie mit Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulatoren zur Durchführung der Corona-Schutzimpfung ist aufgrund der bekannten, ungünstigen „Rebound-Effekte“ aus unserer Sicht nicht zu empfehlen.
  • Autologe Knochenmarkstransplantation (sog. Stammzelltherapie): Es sind mindestens sechs Monate Abstand zwischen Stammzelltransplantation und Impfung zu empfehlen, um eine ausreichende Impfantwort zu erreichen.
  • Teriflunomide (Aubagio): Unter Aubagio kann der Impferfolg bei üblichen Impfungen reduziert sein, wird aber im Allgemeinen als ausreichend angesehen. Die Impfantworten können auch noch nach Absetzen der Therapie für einige Monate vermindert sein. Für die Covid-19-Schutzimpfung liegen derzeit noch keine Hinweise vor.

Die folgende Tabelle ist in Anlehnung an die aktuelle STIKO-Empfehlung zur Corona-Schutzimpfung vom 17.02.2022 erstellt und ergänzt worden.

Der Einsatz von neutralisierenden monoklonalen Antikörpern (nMAB) in der Frühphase (innerhalb von fünf Tagen nach Auftreten) einer Erkrankung mit dem SARS-CoV2-Virus bei Menschen mit Immundefizienz (auch immunsupprimierte MS-Erkrankte) kann einen schweren Verlauf verhindern. Für Infizierte mit hohem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf – auch solchen mit fehlender oder unvollständiger Immunisierung – ist eine frühzeitige Gabe von nMAB möglich. Eine unvollständige Immunisierung kann insbesondere bei immunsupprimierten Patienten trotz adäquat durchgeführtem Impfschema vorliegen, oder wenn die Grundimmunisierung mehr als sechs Monate zurückliegt und keine Boosterung durchgeführt worden ist. 

Wir empfehlen Ihnen, bei Eintreten einer SARS-CoV-2-Infektion und vorhandener Immundefizienz (u.a. immunsupprimierte MS-Erkrankte) sich umgehend mit Ihrem behandelnden Neurologen in Verbindung zu setzen.  Die Behandlung muss schnell begonnen werden. Die aktuell umlaufenden Omikron-Varianten zeigen bereits eine Resistenz gegen bestimmte nMAB.

Die Anzahl der Antikörper, die nach einer Impfung festgestellt werden, kann Auskunft über den Impfschutz geben (Antikörpertiterbestimmung). Die Höhe hängt von der individuellen Immunreaktion ab und kann stark variieren. Sie ist zudem altersabhängig und kann unter einer immunsuppressiven Behandlung ganz ausbleiben.

Das Ausmaß der akuten Impfreaktion, d. h. ob Nebenwirkungen nach der Impfung aufgetreten sind oder nicht, sagt nichts über den tatsächlichen Impfschutz aus.

Während es für die seit vielen Jahren gebräuchlichen Impfungen gesicherte Daten gibt, ob die Höhe der nachgewiesenen Antikörper für einen ausreichenden Schutz zum Beispiel gegen Masern, Polio oder Windpocken sprechen, ist dies für das SARS-CoV-2-Virus noch nicht genauer bekannt. Darüber hinaus hängt die Menge der Antikörper davon ab, zu welchem Zeitpunkt sie gemessen werden, da sie zunächst bis ca. sechs Wochen nach der Impfung ansteigen und dann wieder abfallen. Der Abfall der Antikörper geht aber wohl mit nachlassendem Schutz einher und erfordert deshalb eine Booster- oder Auffrischungsimpfung.

Selbst bei einer niedrigen Antikörperkonzentration kann der Schutz ausreichen, da über Gedächtniszellen nach erneutem Kontakt mit dem Erreger die Antikörper wieder verstärkt gebildet werden.

Die Antikörpertests werden von verschiedenen Herstellern angeboten und die Ergebnisse sind nicht direkt vergleichbar. Es wird das Verhältnis der vorliegenden Probe zu einer den Grenzwert darstellenden Referenzprobe angegeben.

Die zelluläre Abwehrkraft mittels T-Zell-Tests zu untersuchen, wird kommerziell angeboten, aber auch hier kann man heute noch nicht von dem Ausmaß der Reaktion der T-Zellen auf den Schutz des Einzelnen vor einer Covid-19-Infektion Rückschlüsse ziehen. Auch in diesem Fall muss eine Kostenübernahme im Vorfeld mit der Krankenkasse geklärt werden.

Nach derzeitigem Wissensstand besteht kein primär erhöhtes Infektionsrisiko aufgrund der MS. MS-Erkrankte, die keine immunmodulierende Therapie erhalten oder eine immunmodulierende Therapie mit Interferon beta (Avonex, Extavia, Betaferon, Plegridy, Rebif) oder Glatirameracetat (Copaxone, Clift) erhalten, sind grundsätzlich nicht stärker infektionsgefährdet als gleichartige gesunde Personen [Luna G et al].

  • Informationen zu weiteren Wirkstoffen finden Sie weiter unten, unter der Frage "Erhöhtes Risiko durch verlaufsmodifizierende Therapien?"

Unabhängig von der Multiplen Sklerose kann eine Zugehörigkeit zu den bekannten Risikogruppen vermehrt zu schweren Krankheitsverläufen führen, siehe auch nächstes Kapitel.

 

MS-Erkrankte, die aufgrund einer immunsuppressiven Therapie, auch wenn diese länger zurückliegt, noch einen Immundefekt haben, könnten theoretisch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben. Erkenntnisse hierzu liegen vor, die als vorläufige Hinweise einzustufen sind. (Siehe „Erhöhtes Risiko durch verlaufsmodifizierende Therapien"). Es laufen weltweite Erhebungen zu dieser Frage, an denen auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) beteiligt ist.

Ansonsten gelten auch für MS-Erkrankte dieselben Begleiterkrankungen als erhöhtes Risiko für einen ungünstigen Verlauf, wie sie auch für die Normalbevölkerung gelten (Siehe RKI - Informationen und Hilfestellungen für Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf). Für MS-Erkrankte mit starker Behinderung (Rollstuhl, Bettlägerigkeit) ist das Risiko generell für Atemwegsinfektionen erhöht, da die Belüftung der Lunge weniger gut ist. Das bedeutet, dass das Risiko eines schwereren Verlaufes einer Covid-19 Infektion höher ist. Einige Berufe, besonders mit berufsbedingten körpernahen Kontakten, gehen mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. MS-Erkrankte sollten ganz besonders auf Arbeitsschutzmaßnahmen bezüglich der aktuellen Pandemie achten und diese vom Arbeitgeber auch einfordern. Dies gilt verstärkt insbesondere für MS-Erkrankte unter einer immunsuppressiven Therapie. Der individuelle Infektionsschutz für diese Personengruppe sollte durch eine FFP2/3 Maske erfolgen. Bitte berücksichtigen: a) „Welche Funktion bzw. Einsatzbereiche haben FFP2-Masken außerhalb des Arbeitsschutzes?“ und b) „Empfehlungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte“

Bisher sind Atemschutzmasken, wie FFP2/FFP3-Masken, nicht grundsätzlich über die Krankenkasse für den Patienten abrechenbar, da sie ursprünglich aus dem Arbeitsschutz kommen. Wir raten Ihnen, sich mit Ihrer Krankenkasse in Verbindung zu setzen. Für MS-Erkrankte mit einem Pflegegrad ist es möglich, FFP2-Masken über die Pauschale für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel (40 Abs. 1 S. 1 SGB XI) abzurechnen, da sie dem Schutz des Pflegebedürftigen und der ehrenamtlichen Pflegekraft gelten. Professionelle Pflegefachkräfte erhalten diese durch ihren Arbeitgeber.

Es ist bekannt, dass nach Virusinfekten ein leicht erhöhtes Schubrisiko besteht. Bei der Grippe (Influenza) wurde ein erhöhtes Schubrisiko in mehreren Studien beobachtet. Das Schubrisiko ist aber auch sicher davon beeinflusst, ob eine wirksame Immuntherapie der MS erfolgt. Ob auch nach Covid-19-Erkrankungen ein erhöhtes Schubrisiko besteht, können wir noch nicht beantworten. Falls aufgrund einer Covid-19-Erkrankung eine Immuntherapie beendet würde, könnte allein dies auch zu einem erhöhten Schubrisiko Anlass geben.

Eine aktuelle Untersuchung aus den USA an mehr als 400 MS-Erkrankten mit einer Covid-19-Infektion ergab bei zehn Prozent eine Verschlechterung im Sinne eines Pseudoschubes, aber nur in zwei Fällen wurde ein echter Schub in zeitlichem Zusammenhang mit der Infektion beobachtet [Klineova et al 2021].

Eine Cortison-Pulstherapie erhöht allgemein das Infektionsrisiko. Bzgl. Covid-19 gibt es Hinweise, dass MS-Erkrankte über vier Wochen nach einer vorangegangenen Cortison-Pulstherapie ein bis zu vierfach höheres Infektionsrisiko für SARS-CoV-2 aufzeigen [Sormani, t]. Bei einem Schub ist daher sorgfältig die Notwendigkeit des Cortisonpulses abzuwägen und es sollte besprochen werden, wie sich der MS-Erkrankte nach der Therapie vor einer möglichen Infektion schützen kann. Hilfreich und sinnvoll ist sicher, bei Berufstätigkeit gegebenenfalls eine begrenzte Arbeitsunfähigkeit in Anspruch zu nehmen. Von einer Cortison-Pulstherapie bei Schüben mit leichten Symptomen ist je nach aktuellem Infektionsgeschehen eher abzuraten. Bei der Durchführung der Infusionen sollte ganz besonders auf die Vermeidung möglicher Kontakt-Risiken geachtet werden. Corona Antigen-Schnelltests sollten diese vor Beginn der Cortison-Pulstherapie angewandt werden (siehe auch „Soll eine prophylaktische Testung erfolgen?"). Dies gilt auch für die regelmäßig in Intervallen verabreichten Cortison-Therapien unabhängig von Schüben, die in der aktuellen Pandemie-Situation sorgfältig überdacht werden sollten.

Zum Einsatz von Cortison-Therapien in zeitnahem Zusammenhang nach erfolgter Corona-Schutzimpfung: Wenn möglich, sollte mit einer Cortison-Therapie ein zwei- bis vierwöchiger Abstand zur Impfung eingehalten werden.

Nach den heutigen Erkenntnissen wird das Coronavirus durch Tröpfchen und Aerosole übertragen. Tröpfchen entstehen durch Husten und Niesen, auch beim lauten Rufen, lebhaftem Sprechen und insbesondere beim Singen. Auch eine Übertragung durch Händedruck und Berühren von Gegenständen, die Kontakt mit einem Virus-Infizierten hatten, auch ohne dass dieser bereits Symptome gezeigt hat, ist zu beachten. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, Räume zur Senkung des Gefährdungspotentials mit Durchzug regelmäßig zu belüften. Kontakte im Freien mit ausreichendem Sicherheitsabstand und Schutzmasken sind nach derzeitiger Erkenntnis hingegen risikoarm.

Für die Omikron-Variante wird noch einmal eine Steigerung um das dreifache gegenüber der Alpha- und Delta-Variante angenommen. Die Fallsterblichkeitsrate wird für Omikron als geringer eingeschätzt.

Bei einer Infektion mit diesen Varianten sind bisher keine Hinweise zu vermehrt schweren Covid-19-Verläufen bei einer MS-Erkrankung berichtet.

Unter Einhaltung der RKI-Vorgaben zur Basishygiene und der erweiterten Hygienemaßnahmen im Rahmen der Covid-19-Pandemie sollten Facharztbesuche nicht ausgesetzt werden. Hier ist wichtig zu berücksichtigen, dass je nach individuellem Krankheitsverlauf und der entsprechenden Therapiesituation notwendige Kontrolluntersuchungen anstehen können. Diese herauszuschieben, ist nicht ratsam, kann sogar gefährlich werden, da sie beispielsweise Auswirkungen auf die Einschätzung zur Therapiewirksamkeit und -sicherheit haben können. Vorgeschriebene Laborkontrollen dürfen auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Da nicht nur Patienten, sondern auch das Personal vor einer Covid-19-Infektion geschützt werden sollen, werden im überwiegenden Teil der Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme oder am Vortag Patienten weiterhin mit einem Abstrich auf das SARS-CoV-2 untersucht (siehe RKI, „Hinweise zur Testung von Patienten auf Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus SARS-CoV-2“ und „Optionen zur getrennten Versorgung von Covid-19-Fällen, Verdachtsfällen und anderen Patienten im stationären Bereich“).

Antigen-Schnelltests und Selbsttests haben Probleme bei der Detektion niedriger Viruslast, daher ist aus unserer Sicht ausschließlich der PCR-Test vor Krankenhausaufenthalt zu empfehlen. Bei kurzfristigen Besuchen von Angehörigen z.B. in Alten- und Pflegeeinrichtungen sollte ein hochwertiger Schnelltest zum Einsatz kommen. Näheres zum Verstehen der Corona-Schnelltest-Ergebnisse finden Sie hier.

Wir raten, notwendige therapeutische, operative und diagnostische Eingriffe nicht aufzuschieben, da dies langfristige negative gesundheitliche Folgen haben kann. Nehmen Sie daher diese Termine, sobald es möglich ist, wahr. Erkundigen Sie sich, wenn Sie Sorge um ihre Sicherheit haben, nach dem Hygienekonzept des entsprechenden Krankenhauses oder Ihres niedergelassenen Arztes.

Stellen verlaufsmodifizierenden Therapien möglicherweise ein erhöhtes Risiko einer Infektion bzw. eines schweren Verlaufes mit dem Corona-Virus dar?

Eine französische Kohortenstudie mit 347 MS-Patienten zeigte, dass Behinderungsgrad, Alter und Übergewicht wesentliche Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf waren. Dahingegen wurde keine eindeutige Assoziation zwischen den MS-Therapien und der Covid-19 Verlaufsschwere gefunden [Louapre C. Collonques N. Stankoff B. er al. und Möhn N, et al].

  • Natalizumab/Tysabri: Die Behandlung kann – nach bisherigen Einschätzungen – uneingeschränkt weiter fortgeführt werden, da kein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen besteht. Aufgrund des Wirkmechanismus ist nicht anzunehmen, dass es zu besonders schweren Covid-19-Verläufen kommt. Das erhöhte Risiko einer PML-Infektion unter Natalizumab leitet viele MS-Erkrankte zu der Frage des Risikos einer direkten Hirninfektion mit SARS-CoV-2. Zur Einschätzung dieses Risikos liegen zum jetzigen Zeitpunkt keine Daten vor, aber die Erhöhung der zirkulierenden Immunzellen in den Blutgefäßen sollte eher Schutz vor Erregern wie Corona bieten.
  • Dimethylfumarat/Tecfidera: Bei normalen Lymphocytenzahlen kann davon ausgegangen werden, dass weder das Infektionsrisiko noch das Risiko der Covid-19-Verlaufsschwere erhöht sind.
  • Teriflunomide/Aubagio: Bei den Dosierungen in der MS-Therapie gibt es bisher keine Hinweise auf ein erhöhtes Infektionsrisiko oder Covid-19-Verlaufsrisikos. Eine antivirale Wirkung der Substanz wird diskutiert.
  • Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor Modulatoren (Fingolimod/Gilenya, Ozanimod/Zeposia, Ponesimod/Ponvry und Siponimod/Mayzent): Unter diesen Therapien kann ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehen, insbesondere von Atemwegserkrankungen. MS-Erkrankte, die auf diese Therapien eingestellt sind, sollten sie trotzdem fortführen, da bei Absetzen das Risiko einer Krankheitsaktivierung besteht. Auch therapeutische Neueinstellungen sollten nun in Anbetracht der Dauer der Corona-Pandemie und der Behandlungsnotwendigkeit der MS nicht weiter hinausgeschoben werden. Zum Risiko der Covid-19-Verlaufsschwere liegen derzeit keine Daten vor. 
  • Sogenannte depletierende Immuntherapien (Ocrelizumab/Ocrevus, Ofatumumab/Kesimpta, off-label Rituximab/Mabthera, Cladribin/Mavenclad, Alemtuzumab/Lemtrada, Mitoxantron): Diese Immuntherapien erhöhen grundsätzlich wirkungsbedingt das Infektionsrisiko, insbesondere in den ersten Wochen unmittelbar nach der Behandlung (oral, parenteral). Besondere hygienische Maßnahmen, auch bezüglich der Außenkontakte, sollten eingehalten werden. FFP2/3-Masken zum Schutz vor einer Infektion sind insbesondere gegebenenfalls während der Gabe und in der kritischen Phase und auch danach zu empfehlen. 


Ocrelizumab, Ofatumumab und Rituximab sind B-Zell depletierende Intervalltherapien und gehen mit einer dadurch erworbenen Immunschwäche einher, sodass erhöhte Infektionsraten, sehr wahrscheinlich auch mit dem Sars-CoV-2-Virus, auftreten [Gonzales Caldito et al]. Je länger die Therapie durchgeführt wird, umso häufiger entwickelt sich meist allerdings erst nach mehreren Jahren bei einigen der Behandelten ein Mangel an Immunglobulinen, der dann ggf. ersetzt werden muss.Die Daten bzgl. eines erhöhten Risikos eines schweren Covid-19-Verlaufes sind derzeit widersprüchlich. Da ein Teil der Ocrelizumab behandelten Patienten eher älter und schwerer betroffen ist, spielen diese Faktoren möglicherweise für die Schwere des Verlaufes mit eine Rolle.

Die therapeutische Wirkung von Cladribin beruht auf einer erwünschten Verminderung der weißen Blutzellen. Dieser Effekt ist unmittelbar nach der jährlichen Gabe (jeweils zwei Behandlungswochen im Abstand von vier Wochen) in Jahr Eins und Jahr Zwei am stärksten (ca. zwei bis drei Monate) und geht auch mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. Die Effekte auf die weißen Blutkörperchen können allerdings individuell unterschiedlich lange anhalten, damit ist auch das Infektionsrisiko von MS-Erkrankten mit einer Cladribin-Therapie individuell einzuschätzen. MS-Erkrankte, bei denen der zweite Therapie-Zyklus nach einem Jahr ansteht, sollten Vorkehrungen treffen, um die Infektionsgefahr herabzusetzen. Das Infektionsrisiko ist in den ersten vier Wochen nach der letzten Gabe am höchsten. 

Dies gilt in ähnlicher Weise auch für Alemtuzumab. Auch bei dieser Immuntherapie kommt es bei der jährlichen Gabe (in der Regel Jahr Eins und Jahr Zwei) zu einer langanhaltenden erwünschten Veränderung der weißen Blutzellen, wodurch ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Auch hier ist eine Wiederholung der Therapie sorgfältig zu prüfen. Neueinstellungen sind zum jetzigen Zeitpunkt unter Berücksichtigung der Zulassungsänderung nur bei hochaktiver MS und dem Fehlen anderer therapeutischer Möglichkeiten zu erwägen. Belastbare Daten zur Schwere des Verlaufs einer Covid-19-Erkrankung liegen derzeit nicht vor.

Da derzeit davon auszugehen ist, dass Maßnahmen zur Verringerung der Ansteckungsgefahr mit SARS-CoV-2 noch beibehalten werden, sollten MS-Erkrankte, die sich mit ihrem Neurologen zunächst für ein verlängertes Intervall entschieden hatten, ihre Therapie fortsetzen, unter Berücksichtigung der hier erwähnten und verlinkten Sicherheitsbedingungen. Für MS-Erkrankte, die aufgrund ihres beruflichen und sozialen Umfeldes ein erhöhtes Risiko haben, mit Covid-19-Infizierten in Kontakt zu kommen, könnte das Vorliegen eines zeitnahen PC-R-Abstrichs auf SARS-CoV-2 am Tage der geplanten Intervall-Therapie sinnvoll sein. Auch Neueinstellungen sollten nicht weiter aufgeschoben werden.

Informationen zur Vermeidung von Infektionen finden Sie auf der Website des Robert Koch-Institutes (RKI).

Die Empfehlungen zu den Infektionsschutz-Maßnahmen sind hier ebenfalls zu finden:

Hinweise zur Verwendung von Masken (MNS, FFP-Masken sowie Mund-Nasen-Bedeckung):

Der Mund-Nasen-Schutz schützt kaum den Träger der Maske, sondern schützt die Umgebung vor einem potentiellen Infektions-Risiko. Nur FFP 2/3-Masken schützen auch den Träger vor einer Infektion. Wichtig ist, dass diese so getragen werden, dass möglichst keine Atemluft seitlich ausgetauscht werden kann. Sogenannte Visiere stellen keinerlei Schutz dar, da die Atemluft nach unten ausweicht.

Viel Aufenthalt an der frischen Luft schützt die Schleimhäute vor Austrocknung und macht sie widerstandsfähiger gegen Viren. Je mehr Menschen sich in einem geschlossenen Raum aufhalten, desto höher ist das Risiko, sich nicht nur durch Tröpfcheninfektionen und Aerosole anzustecken. Schlecht oder unbelüftete Räume stellen ein höheres Risiko für Infektionen dar als ungeheizte. Auch voll besetzte öffentliche Verkehrsmittel und öffentliche Großveranstaltungen, insbesondere in geschlossenen Räumen, zählen zu den Orten mit erhöhten Infektions-Risiken.

Eine prophylaktische Testung auf das SARS-CoV2-Virus mittels Abstrich (Nachweis von Virus-RNA oder Virus-Antigen) erachten wir im Rahmen der Pandemie-Eindämmung als sinnvoll und hilfreich.

Seit dem 13. November kann sich jeder mindestens einmal wöchentlich kostenlos testen lassen, d. h. auch häufiger. Ob die kostenlosen Tests über den 30. Juni hinaus bestehen bleiben, wird derzeit beraten. Bitte achten Sie auf unsere aktuelle Berichterstattung.

Abstrich-Test mittels PCR zum Nachweis von Virus-RNA sind sensitiver als Antigen-Schnell- und Selbsttests, haben aber den Nachteil der nicht kurzfristigen Verfügbarkeit. Leider dauert es meist mehr als zwölf bis 24 Stunden bis die PCR-Ergebnisse vorliegen. Bei kurzfristigen Besuchen, z.B. bei Bewohnern, die das Pflegeheim nicht verlassen können, kann ein Antigen-Schnelltest des Besuchers zumindest anzeigen, dass er keine hohe, im Schnelltest nachweisbare Viruslast trägt. Dies kann man in der Regel für sechs Stunden nach erfolgter Testung voraussetzen. Wenn sich der Besuchte mit einer FFP2-Maske schützt, ist dieser Kontakt sehr risikoarm. Dies entspricht den Hygienekonzepten für Alten- und Pflegeheime. Das RKI empfielt seit dem 24. November 2021 aufgrund der dynamischen Lage, dass sich auch Genese und vollständig Geimpfte vor Betreten des Alten- und Pflegeheimes testen lassen. Wir halten dies ebenfalls für eine wichtige Schutzmaßnahme der älteren und anfälligeren Bevölkerung in Einrichtungen. Bitte beachten Sie auch dei für Sie geltenden landesspezifischen Regelungen (Link weiter unten).

Auch bei erlaubten Besuchen im privaten Bereich gibt ein Schnelltest Besucher und Besuchten mehr Sicherheit.

Das Robert-Koch-Institut führt inzwischen Felduntersuchungen auf das Vorliegen von Corona-Antikörpern durch. Diese sind nur mit Einschränkungen auf ganz Deutschland übertragbar. Nicht alle Menschen entwickeln nach einer Covid-19-Infektion nachweisbare Antikörper. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass sie keinen Schutz vor einer Neuinfektion haben.

Treffen im Freien stellen eine gute Alternative dar, wenn Treffen in Innenräumen noch nicht möglich sind (z.B. in Einrichtungen des Gesundheitswesens). Wer sich noch nicht sicher ist, der sollte sich nicht gedrängt fühlen, sich mit oder in einer Selbsthilfegruppe zu treffen. Gemeinsam mit den DMSG-Landesverbänden empfehlen wir Hygienemaßnahme bei Ihren Treffen zu berücksichtigen („Corona-Ampel“). Diese können Sie bei Ihrem Landesverband erfragen.

Wir raten weiterhin zu telefonischen Kontakten oder Treffen in digitaler Form oder über die Austauschplattform MS Connect. Bitte fragen Sie bei Ihrem Landesverband an, wenn Sie Unterstützung benötigen. Werden Sie selbst aktiv und rufen Sie andere Gruppenmitglieder an und erkundigen sich nach deren Wohlergehen.

Für MS-Betroffene, die nicht über die notwendigen technischen Möglichkeiten für virtuelle Treffen verfügen, können regelmäßige telefonische Kontakte mit den Gruppenmitgliedern hilfreich sein. Bitte beachten Sie bei allen Aktivtäten auch die für Sie geltenden Landesverordnungen. Aktuell besteht für noch nicht vollständig Geimpfte weiterhin ein sehr hohes Risiko, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren.

Auch Beratungen in den Beratungsstellen der DMSG-Landesverbände können Sie digital oder per Telefon erreichen. Funktionstraining kann nur noch bis zum 30. Juni in digitaler Form durchgeführt werden. Einzelheiten zum Funktionstraining können Sie auf unserer speziellen Website nachlesen. Schnuppertrainingsangebote finden Sie ebenfalls auf unserer Website.

Seminare, Workshops oder Fortbildungen der DMSG werden weiterhin auch online angeboten. Eine Übersicht finden Sie hier auf der Website des DMSG-Bundesverbandes. An vielen unserer Angebote können Sie bundesweit teilnehmen.

Die konkrete Ausgestaltung der derzeitigen Regeln, Einschränkungen und Lockerungen über das gültige Infektionsschutzgesetz hinaus erfolgt durch die Bundesländer (sogenannte Hotspot-Regelungen).

Der bundesweit gültige Basisschutz sieht vor allem den Schutz vulnerabler Gruppen vor. Schutzmaßnahmen sind die Maskenpflicht in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und weiteren Einrichtungen des Gesundheitswesens, in bestimmten Gemeinschaftsunterkünften sowie im Öffentlichen Personennahverkehr, im Fern- und Flugverkehr. Der Basisschutz umfasst auch Testpflichten in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und anderen ähnlichen Einrichtungen.

Die aktuellen Fallzahlen entnehmen Sie bitte der Website des Robert Koch-Instituts (RKI). Das RKI erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen, gibt Empfehlungen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein (Risiko-Bewertung des RKI).

Auf der RKI-Website finden Sie auch Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Corona-Virus.

Auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums erhalten Sie grundlegende Informationen zur Corona-Pandemie, sowie grundlegende Informationen zum Infektionsschutz vor dem Corona-Virus, zu Verdachtsfällen und vieles mehr. Im SARS-CoV-2 Steckbrief zur Corona-Virus-Krankheit-2019 (COVID-19) des RKI finden Sie, basierend auf der laufenden Sichtung der wissenschaftlichen Literatur, weitere Informationen zum Corona-Virus. 

Es gibt sicher viele Fragen zum Corona-Virus. Der DMSG-Bundesverband informiert Sie auf einer Sonderseite rund um das Thema Corona und Multiple Sklerose und bietet Ihnen mit den Arzt-Sprechstunden auf MS-Connect eine Plattform, auf der Experten Ihre Fragen beantworten.

  • Randomized trial of vaccination in fingolimod-treated patients with multiple sclerosis. Kappos L, Mehling M, Arroyo R, Izquierdo G, Selmaj K, Curovic-Perisic V, Keil A, Bijarnia M, Singh A, von Rosenstiel P., Neurology, 2015 Mar 3;84(9):872-9. doi: 10.1212/WNL.0000000000001302
  • Impfungen bei Immundefekten/Immunsuppression – Expertenstatement und Empfehlungen, Wiedemann et al, Wien Klein Wochenschr, 25. Mai 2016, DOI 10.1007/s00508-016-1033-6
  • Infection Risks Among Patients With Multiple Sclerosis Treated With Fingolimod, Natalizumab, Rituximab, and Injectable Therapies. Luna G et al, Jama Neurol 2019 epub 2019.3365
  • A large case-control study on vaccination as risk factor of multiple sclerosis. Hapfelmeier A, Gasperi C, Donnachie E and Hemmer B, Neurology, 2019 July 30, DOI: 10.1212/WNL.0000000000008012.
  • Infection fatality rate of COVID-19 inferred from seroprevalence data, John P A Ioannidis, Bulletin of the World Health Organization; Type: Research Article ID: BLT.20.265892
  • Neurological immunotherapy in the era of COVID-19 — looking for consensus in the literature: Korsukewitz C, Reddel SW, Bar-Or A, Wiendl H, Nat Rev Neurol, 2020 16, 493–505. https://doi.org/10.1038/s41582-020-0385-8
  • An Italian programme for COVID-19 infection in multiple sclerosis, Sormani, Lancet Neurol 2020, epub doi.org/10.1016/S1474-4422(20)30147-2
  • Experience in Multiple Sclerosis Patients with COVID-19 and Disease-Modifying Therapies: A Review of 873 Published Cases, Möhn N, et al., J. Clin. Med. 2020, 9(12), 4067; doi.org/10.3390/jcm9124067
  • Dexamethasone reduces death in hospitalised patients with severe respiratory complications of COVID-19, University of Oxford, News published 16.6.2020
  • Veklury, Remdesivir, Summary Opinion, Europen Medicines Agency, 25.06.2020. Link: https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/summaries-opinion/veklury
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  • Welchen Stellenwert hat die Behandlung mit Covid-19-Rekonvaleszenten-Plasma?, Stand 24.08.2020, Link: https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/6953.2/COVID-19-Rekonvaleszenten-Plasma.pdf?sequence=1&isAllowed=y
  • Association between Administration of Systemic Corticosteroids and Mortality Among Critically Ill Patients With COVID-19: A Meta-analysis, The WHO Rapid Evidence Appraisal for COVID-19 Therapies (REACT) Working Group, JAMA. Published online September 02, 2020. doi:10.1001/jama.2020.17023
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  • PM des KKNMS zu Impfungen bei Multipler Sklerose, Dezember 2020
  • Safety and efficacy of the ChAdOx1 nCoV-19 vaccine (AZD1222) against SARS-CoV-2: an interim analysis of four randomised controlled trials in Brazil, South Africa and the UK, Voysey M, Clemens SA, Madhi SA et al, Lancet 2021; 397: 99–111
  • Humoral immune reponse to COVID-19 mRNA vaccine in patinets with multiple sclerosis treated with high-efficacy disease-modifying therapies. Anat Achiron, Mathilda Mandel, Sapir Dreyer-Alster, Gil Harari, David Magalashvili, Polina Sonis, Mark Dolev, Shay Menascu, Shlomo Flechter, Rina Falb and Michael Gurevich, Therapeutic Advances in Neurological Disorders, 2021, Vol. 14: 1–8, https://doi.org/10.1177/17562864211012835 PMID: 34035836; PMCID: PMC8072850.
  • COVID-19 vaccination in patients with multiple sclerosis: What we have learnt by February 2021, Achiron A, Dolev M, Menascu S, Zohar DN, Dreyer-Alster S, Miron S, Shirbint E, Magalashvili D, Flechter S, Givon U, Guber D, Stern Y, Polliack M, Falb R, Gurevich M. Mult Scler. 2021 May;27(6):864-870. doi: 10.1177/13524585211003476. Epub 2021 Apr 15. PMID: 33856242; PMCID: PMC8114441.
  • Apostolidis, S.A., Kakara, M., Painter, M.M. et al. Cellular and humoral immune responses following SARS-CoV-2 mRNA vaccination in patients with multiple sclerosis on anti-CD20 therapy. Nat Med (2021). doi.org/10.1038/s41591-021-01507-2
  • Humoral and T-Cell Response to SARS-CoV-2 Vaccination in Patients With Multiple Sclerosis Treated With Ocrelizumab: Livnat Brill; Ariel Rechtman; Omri Zveik; Nitzan Haham; Esther Oiknine-Djian; Dana G. Wolf; Netta Levin, Catarina Raposo; Adi Vaknin-Dembinsky.JAMA Neurol. Published online September 23, 2021. doi:10.1001/jamaneurol.2021.3599

Quelle: DMSG-Bundesverband - 30.04.2021 (aktualisiert am 16.06.2022)

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