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Update der Empfehlungen für Multiple Sklerose Erkrankte

Die Corona-Pandemie stellt auch Multiple Sklerose-Erkrankte vor viele Fragen. Die regelmäßig überprüften Empfehlungen der MS-Experten Prof. Dr. med. Ralf Gold und Prof. Dr. med. Judith Haas aus dem Vorstand des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. bieten eine verlässliche Orientierung auf Grundlage der aktuellen Datenlage. 

Die seit Dezember 2020 begonnenen Impfungen zum Schutz vor einer Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus sind grundsätzlich auch für MS-Erkrankte zu empfehlen.

Die folgendenden Einschätzungen beruhen auf vereinzelten, internationalen Berichten zu Covid-19-Impfstoffen bei MS-Erkrankten, dem Wissen über die Wirkmechanismen der MS-Therapien sowie die Wirksamkeit von Covid-19 unabhängigen Impfstoffen bei MS.

Nach derzeitigem Wissensstand besteht kein primär erhöhtes Infektionsrisiko aufgrund der MS. MS-Erkrankte, die keine immunmodulierende Therapie erhalten oder eine immunmodulierende Therapie mit Interferon beta (Avonex, Extavia, Betaferon, Plegridy, Rebif) oder Glatirameracetat (Copaxone, Clift) erhalten, sind grundsätzlich nicht stärker infektionsgefährdet als gleichartige gesunde Personen [Luna G et al].

  • Informationen zu weiteren Wirkstoffen finden Sie weiter unten, unter der Frage "Erhöhtes Risiko durch verlaufsmodifizierende Therapien?"

Besteht allerdings eine stärkere Behinderung (Notwendigkeit von Gehhilfen, Beeinträchtigung der Lungenfunktion durch mangelnde Bewegung oder Beteiligung der Atemmuskulatur, Schluck- und Sprechstörungen) ist das Risiko generell, unabhängig von der Grunderkrankung, für Atemwegsinfektionen erhöht, da die Belüftung der Lunge weniger gut ist. Das bedeutet zwar nicht zwangsläufig, dass das Infektionsrisiko höher ist als bei Gesunden, aber das Risiko, bei einer Infektion mit SARS-CoV2 einen schweren Verlauf zu erleiden, ist höher. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass unabhängig von der Multiplen Sklerose eine Zugehörigkeit zu den bekannten Risikogruppen vermehrt zu schweren Krankheitsverläufen führen kann.

MS-Erkrankte, die aufgrund einer immunsuppressiven Therapie, auch wenn diese länger zurückliegt, noch einen Immundefekt haben, könnten theoretisch ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben. Erkenntnisse hierzu liegen nur vereinzelt vor, die als vorläufige Hinweise einzustufen sind. (Siehe „Erhöhtes Risiko durch verlaufsmodifizierende Therapien"). Es laufen weltweite Erhebungen zu dieser Frage, an denen auch die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) beteiligt ist. Darüber hinaus laden wir Sie zu einer Online-Umfrage zur Verträglichkeit der Impfung bei MS-Erkrankten auf unserer Website ein (mehr dazu).

Ansonsten gelten auch für MS-Erkrankte dieselben Begleiterkrankungen als erhöhtes Risiko für einen ungünstigen Verlauf, wie sie auch für die Normalbevölkerung gelten (Siehe RKI - Informationen und Hilfestellungen für Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf). Für MS-Erkrankte mit starker Behinderung (Rollstuhl, Bettlägerigkeit) ist das Risiko generell für Atemwegsinfektionen erhöht, da die Belüftung der Lunge weniger gut ist. Das bedeutet, dass das Risiko eines schwereren Verlaufes einer Covid-19 Infektion höher ist. Einige Berufe, besonders mit berufsbedingten körpernahen Kontakten, gehen mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. MS-Erkrankte sollten ganz besonders auf Arbeitsschutzmaßnahmen bezüglich der aktuellen Pandemie achten und diese vom Arbeitgeber auch einfordern. Dies gilt verstärkt insbesondere für MS-Erkrankte unter einer immunsuppressiven Therapie. Der individuelle Infektionsschutz für diese Personengruppe sollte durch eine FFP2/3 Maske erfolgen. Bitte berücksichtigen: a) „Welche Funktion bzw. Einsatzbereiche haben FFP2-Masken außerhalb des Arbeitsschutzes?“ und b) „Empfehlungen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte“

Bisher sind Atemschutzmasken, wie FFP2/FFP3-Masken, nicht grundsätzlich über die Krankenkasse für den Patienten abrechenbar, da sie ursprünglich aus dem Arbeitsschutz kommen. Wir raten Ihnen, sich mit Ihrer Krankenkasse in Verbindung zu setzen. Für MS-Erkrankte mit einem Pflegegrad ist es möglich, FFP2-Masken über die Pauschale für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel (40 Abs. 1 S. 1 SGB XI) abzurechnen, da sie dem Schutz des Pflegebedürftigen und der ehrenamtlichen Pflegekraft gelten. Professionelle Pflegefachkräfte erhalten diese durch ihren Arbeitgeber.

Eine Übersicht zu rechtlichen Fragen, die sich aus der Pandemie-Situation ergeben, finden Sie hier und unter www.dmsg.de/corona-virus-und-ms.

Es ist bekannt, dass nach Virus-Infekten ein leicht erhöhtes Schubrisiko besteht. Bei der Grippe (Influenza) wurde ein erhöhtes Schubrisiko in mehreren Studien beobachtet. Das Schubrisiko ist aber auch sicher davon beeinflusst, ob eine wirksame Immuntherapie der MS erfolgt. Ob auch nach Covid-19-Erkrankungen ein erhöhtes Schubrisiko besteht, können wir noch nicht beantworten. Falls aufgrund einer Covid-19-Erkrankung eine Immuntherapie beendet würde, könnte allein dies auch zu einem erhöhten Schubrisiko Anlass geben.

Eine aktuelle Untersuchung aus den USA an mehr als 400 MS Erkrankten mit einer Covid-19-Infektion ergab bei 10% eine Verschlechterung im Sinne eines Pseudoschubes, aber nur in 2 Fällen wurde ein echter Schub in zeitlichem Zusammenhang mit der Infektion beobachtet [Klineova et al 2021].

Eine Cortison-Pulstherapie erhöht allgemein das Infektionsrisiko. Bzgl. Covid-19 gibt es Hinweise, dass MS-Erkrankte über vier Wochen nach einer vorangegangenen Cortison-Pulstherapie ein bis zu vierfach höheres Infektionsrisiko für SARS-CoV2 aufzeigen [Sormani, t]. Bei einem Schub ist daher sorgfältig die Notwendigkeit des Cortisonpulses abzuwägen und es sollte besprochen werden, wie sich der MS-Erkrankte nach der Therapie vor einer möglichen Infektion schützen kann. Hilfreich und sinnvoll ist sicher, bei Berufstätigkeit gegebenenfalls eine begrenzte Arbeitsunfähigkeit in Anspruch zu nehmen. Von einer Cortison-Pulstherapie bei Schüben mit leichten Symptomen ist je nach aktuellem Infektionsgeschehen eher abzuraten. Bei der Durchführung der Infusionen sollte ganz besonders auf die Vermeidung möglicher Kontakt-Risiken geachtet werden. Corona Antigen-Schnelltests sollten diese vor Beginn der Cortison-Pulstherapie angewandt werden (siehe „Soll eine prophylaktische Testung erfolgen?"). Dies gilt auch für die regelmäßig in Intervallen verabreichten Cortison-Therapien unabhängig von Schüben, die in der aktuellen Pandemie-Situation sorgfältig überdacht werden sollten.

Zum Einsatz von Cortison-Therapien in zeitnahem Zusammenhang nach erfolgter Corona-Schutzimpfung: Wenn möglich, sollte mit einer Cortison-Therapie ein zwei- bis vierwöchiger Abstand zur Impfung eingehalten werden.

Nach den heutigen Erkenntnissen wird das Corona-Virus durch Tröpfchen und Aerosole übertragen. Tröpfchen entstehen durch Husten und Niesen, auch beim lauten Rufen, lebhaftem Sprechen und insbesondere beim Singen. Auch eine Übertragung durch Händedruck und Berühren von Gegenständen, die Kontakt mit einem Virus-Infizierten hatten, auch ohne dass dieser bereits Symptome gezeigt hat, ist zu beachten. Die Kenntnisse über Aerosole (Mikrotröpfchen), die über viele Stunden im Raum schweben und Viruspartikel enthalten, wenn ein infektiöser Mensch im Raum war, gewinnen zunehmend an Bedeutung für das Infektionsrisiko. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, Räume zur Senkung des Gefährdungspotentials mit Durchzug regelmäßig zu belüften. Kontakte im Freien mit ausreichendem Sicherheitsabstand und Schutzmasken sind nach derzeitiger Erkenntnis hingegen risikoarm.

Die derzeit bekannten Virusvarianten (Alpha/Delta) werden als zwei- bis fünfmal infektiöser beschrieben. Für die vorherrschend beschriebenen Varianten werden teilweise verringerte Immunantworten und/oder erhöhter Fallsterblichkeitsrate diskutiert (siehe Epidemiologischer Steckbrief zu SARS-CoV-2 und COVID-19 und weitere Informationen des RKI). 
Bei einer Infektion mit diesen Varianten sind bisher keine Hinweise zu vermehrt schweren Covid-19-Verläufen bei einer MS-Erkrankung berichtet.

Stellen verlaufsmodifizierenden Therapien möglicherweise ein erhöhtes Risiko einer Infektion bzw. eines schweren Verlaufes mit dem Corona-Virus dar?

Eine französische Kohortenstudie mit 347 MS-Patienten zeigte, dass Behinderungsgrad, Alter und Übergewicht wesentliche Risikofaktoren für einen schweren Covid-19-Verlauf waren. Dahingegen wurde keine eindeutige Assoziation zwischen den MS-Therapien und der Covid-19 Verlaufsschwere gefunden [Louapre C. Collonques N. Stankoff B. er al. und Möhn N, et al].

  • Natalizumab/Tysabri: Die Behandlung kann – nach bisherigen Einschätzungen – uneingeschränkt weiter fortgeführt werden, da kein erhöhtes Risiko für Atemwegsinfektionen besteht. Aufgrund des Wirkmechanismus ist nicht anzunehmen, dass es zu besonders schweren Covid-19-Verläufen kommt. Das erhöhte Risiko einer PML-Infektion unter Natalizumab leitet viele MS-Erkrankte zu der Frage des Risikos einer direkten Hirninfektion mit SARS-CoV2. Zur Einschätzung dieses Risikos liegen zum jetzigen Zeitpunkt keine Daten vor, aber die Erhöhung der zirkulierenden Immunzellen in den Blutgefäßen sollte eher Schutz vor Erregern wie Corona bieten.
  • Dimethylfumarat/Tecfidera: Bei normalen Lymphocytenzahlen kann davon ausgegangen werden, dass weder das Infektionsrisiko noch das Risiko der Covid-19-Verlaufsschwere erhöht sind.
  • Teriflunomide/Aubagio: Bei den Dosierungen in der MS-Therapie gibt es bisher keine Hinweise auf ein erhöhtes Infektionsrisiko oder Covid-19-Verlaufsrisikos. Eine antivirale Wirkung der Substanz wird diskutiert.
  • Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor Modulatoren (Fingolimod/Gilenya, Ozanimod/Zeposia, Ponesimod/Ponvry und Siponimod/Mayzent): Unter diesen Therapien kann ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehen, insbesondere von Atemwegserkrankungen. MS-Erkrankte, die auf diese Therapien eingestellt sind, sollten sie trotzdem fortführen, da bei Absetzen das Risiko einer Krankheitsaktivierung besteht. Auch therapeutische Neueinstellungen sollten nun in Anbetracht der Dauer der Corona-Pandemie und der Behandlungsnotwendigkeit der MS nicht weiter hinausgeschoben werden. Zum Risiko der Covid-19-Verlaufsschwere liegen derzeit keine Daten vor. 
  • Sogenannte depletierende Immuntherapien (Ocrelizumab/Ocrevus, Ofatumumab/Kesimpta, off-label Rituximab/Mabthera, Cladribin/Mavenclad, Alemtuzumab/Lemtrada, Mitoxantron): Diese Immuntherapien erhöhen grundsätzlich wirkungsbedingt das Infektionsrisiko, insbesondere in den ersten Wochen unmittelbar nach der Behandlung (oral, parenteral). Besondere hygienische Maßnahmen, auch bezüglich der Außenkontakte, sollten eingehalten werden. FFP2/3-Masken zum Schutz vor einer Infektion sind insbesondere gegebenenfalls während der Gabe und in der kritischen Phase und auch danach zu empfehlen. 


Ocrelizumab, Ofatumumab und Rituximab sind B-Zell depletierende Intervalltherapien und gehen mit einer dadurch erworbenen Immunschwäche einher, sodass erhöhte Infektionsraten, sehr wahrscheinlich auch mit dem SarsCoV2-Virus, auftreten [Gonzales Caldito et al]. Je länger die Therapie durchgeführt wird, umso häufiger entwickelt sich meist allerdings erst nach mehreren Jahren bei einigen der Behandelten ein Mangel an Immunglobulinen, der dann ggf. ersetzt werden muss.Die Daten bzgl. eines erhöhten Risikos eines schweren Covid-19 Verlaufes sind derzeit widersprüchlich. Da ein Teil der Ocrelizumab behandelten Patienten eher älter und schwerer betroffen ist, spielen diese Faktoren möglicherweise für die Schwere des Verlaufes mit eine Rolle.

Die therapeutische Wirkung von Cladribin beruht auf einer erwünschten Verminderung der weißen Blutzellen. Dieser Effekt ist unmittelbar nach der jährlichen Gabe (jeweils zwei Behandlungswochen im Abstand von vier Wochen) in Jahr Eins und Jahr Zwei am stärksten (ca. zwei bis drei Monate) und geht auch mit einem erhöhten Infektions-Risiko einher. Die Effekte auf die weißen Blutkörperchen können allerdings individuell unterschiedlich lange anhalten, damit ist auch das Infektionsrisiko von MS-Erkrankten mit einer Cladribin-Therapie individuell einzuschätzen. MS-Erkrankte, bei denen der zweite Therapie-Zyklus nach einem Jahr ansteht, sollten Vorkehrungen treffen, um die Infektionsgefahr herabzusetzen. Das Infektionsrisiko ist in den ersten vier Wochen nach der letzten Gabe am höchsten. 

Dies gilt in ähnlicher Weise auch für Alemtuzumab. Auch bei dieser Immuntherapie kommt es bei der jährlichen Gabe (in der Regel Jahr 1 und Jahr 2) zu einer langanhaltenden erwünschten Veränderung der weißen Blutzellen, wodurch ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht. Auch hier ist eine Wiederholung der Therapie sorgfältig zu prüfen. Neueinstellungen sind zum jetzigen Zeitpunkt unter Berücksichtigung der Zulassungsänderung nur bei hochaktiver MS und dem Fehlen anderer therapeutischer Möglichkeiten zu erwägen. Belastbare Daten zur Schwere des Verlaufs einer Covid-19 Erkrankung liegen derzeit nicht vor.

Da derzeit davon auszugehen ist, dass alle Maßnahmen zur Verringerung der Ansteckungsgefahr mit SARS-CoV-2 noch über einen längeren Zeitraum beibehalten bzw. noch verschärft werden, sollten MS-Erkrankte, die sich mit ihrem Neurologen zunächst für ein verlängertes Intervall entschieden hatten, ihre Therapie fortsetzen, unter Berücksichtigung der hier erwähnten und verlinkten Sicherheitsbedingungen. Für MS-Erkrankte, die aufgrund ihres beruflichen und sozialen Umfeldes ein erhöhtes Risiko haben, mit Covid-19-Infizierten in Kontakt zu kommen, könnte das Vorliegen eines zeitnahen PC-R-Abstrichs auf SARS-CoV-2 am Tage der geplanten Intervall-Therapie sinnvoll sein. Auch Neueinstellungen sollten nicht weiter aufgeschoben werden.

Unter Einhaltung der RKI-Vorgaben zur Basishygiene und der erweiterten Hygienemaßnahmen im Rahmen der Covid-19-Pandemie sollten Facharztbesuche nicht ausgesetzt werden. Hier ist wichtig zu berücksichtigen, dass je nach individuellem Krankheitsverlauf und der entsprechenden Therapiesituation notwendige Kontrolluntersuchungen anstehen können. Diese herauszuschieben, ist nicht ratsam, kann sogar gefährlich werden, da sie beispielsweise Auswirkungen auf die Einschätzung zur Therapiewirksamkeit und -sicherheit haben können. Vorgeschriebene Laborkontrollen dürfen auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Da nicht nur Patienten, sondern auch das Personal vor einer Covid-19-Infektion geschützt werden sollen, werden im überwiegenden Teil der Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme oder am Vortag Patienten weiterhin mit einem Abstrich auf das SARS-CoV2 untersucht (siehe RKI, „Hinweise zur Testung von Patienten auf Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus SARS-CoV-2“ und „Optionen zur getrennten Versorgung von Covid-19-Fällen, Verdachtsfällen und anderen Patienten im stationären Bereich“).

Antigen-Schnelltests und Selbsttests haben Probleme bei der Detektion niedriger Viruslast, daher ist aus unserer Sicht ausschließlich der PCR-Test vor Krankenhausaufenthalt zu empfehlen. Ein Anspruch auf PCR-Testung besteht generell nach einem positiven Antigen-Schnelltest. Bei kurzfristigen Besuchen von Angehörigen z.B. in Alten- und Pflegeeinrichtungen sollte ein hochwertiger Schnelltest zum Einsatz kommen. Näheres zum Verstehen der Corona-Schnelltest-Ergebnisse finden Sie hier.

Wir raten, notwendige therapeutische, operative und diagnostische Eingriffe nicht aufzuschieben, da dies langfristige negative gesundheitliche Folgen haben kann. Nehmen Sie daher diese Termine, sobald es möglich ist, wahr. Erkundigen Sie sich, wenn Sie Sorge um ihre Sicherheit haben, nach dem Hygienekonzept des entsprechenden Krankenhauses. Aktuell werden von vielen Kliniken in Anbetracht der steigenden Covid-19-Erkrankungen planbare Eingriffe ohnehin verschoben.

  • Neben der Corona-Schutzimpfung ist die Einhaltung der empfohlenen Hygiene-Maßnahmen (A-H-A-L) eine wirksame Möglichkeit, sich selbst vor einer Infektion und ggf. einem ungünstigen Covid-19-Verlauf zu schützen. Darüber hinaus sind Kontakte in geschlossenen Räumen ohne Maske auch bei einem Abstand von anderthalb bis zwei Metern risikobehaftet. Dies hängt auch von der Größe des Raumes und dessen Belüftung ab. Tröpfcheninfektionen sind ein wichtiger Übertragungsweg. Die Gefahr dafür ist insbesondere dann gegeben, wenn sich mehrere Menschen ohne Masken treffen oder die Masken abnehmen, z.B. für ein gemeinsames Essen. Treffen von Selbsthilfegruppen sollten derzeit nicht erfolgen. Bitte fragen Sie hierzu Ihren Landesverband an, er wird Sie umfassend darüber informieren. Bedenken Sie immer, dass der Mund-Nasen-Schutz Sie nicht schützt, dies ist nur durch FFP 2/3-Masken gewährleistet.
  • Impfungen: Grundsätzlich empfehlen wir eine Impfung gegen das neuartige SARS-CoV-2-Virus. 
  • Eine ausführliche Empfehlung zum Thema Impfen bei MS und über Impfungen gegen das Corona-Virus finden sie über diesen Link.

Informationen zur Vermeidung von Infektionen finden Sie auf der Website des Robert Koch-Institutes (RKI).

Die Empfehlungen zu den Infektionsschutz-Maßnahmen sind hier ebenfalls zu finden:

Hinweise zur Verwendung von Masken (MNS, FFP-Masken sowie Mund-Nasen-Bedeckung):

Der Mund-Nasen-Schutz schützt kaum den Träger der Maske, sondern schützt die Umgebung vor einem potentiellen Infektions-Risiko. Nur FFP 2/3-Masken schützen auch den Träger vor einer Infektion. Wichtig ist, dass diese so getragen werden, dass möglichst keine Atemluft seitlich ausgetauscht werden kann. Sogenannte Visiere stellen keinerlei Schutz dar, da die Atemluft nach unten ausweicht.

Viel Aufenthalt an der frischen Luft schützt die Schleimhäute vor Austrocknung und macht sie widerstandsfähiger gegen Viren. Je mehr Menschen sich in einem geschlossenen Raum aufhalten, desto höher ist das Risiko, sich nicht nur durch Tröpfcheninfektionen und Aerosole anzustecken. Schlecht oder unbelüftete Räume stellen ein höheres Risiko für Infektionen dar als ungeheizte. Auch voll besetzte öffentliche Verkehrsmittel und öffentliche Großveranstaltungen, insbesondere in geschlossenen Räumen, zählen zu den Orten mit erhöhten Infektions-Risiken.

Eine prophylaktische Testung auf das SARS-CoV2-Virus mittels Abstrich (Nachweis von Virus-RNA oder Virus-Antigen) erachten wir im Rahmen der Pandemie-Eindämmung als sinnvoll und hilfreich.

Seit dem 13. November kann sich jeder mindestens einmal wöchentlich kostenlos testen lassen, d. h. auch häufiger.

Abstrich-Test mittels PCR zum Nachweis von Virus-RNA sind sensitiver als Antigen-Schnell- und Selbsttests, haben aber den Nachteil der nicht kurzfristigen Verfügbarkeit. Leider dauert es meist mehr als zwölf bis 24 Stunden bis die PCR-Ergebnisse vorliegen. Bei kurzfristigen Besuchen, z.B. bei Bewohnern, die das Pflegeheim nicht verlassen können, kann ein Antigen-Schnelltest des Besuchers zumindest anzeigen, dass er keine hohe, im Schnelltest nachweisbare Viruslast trägt. Dies kann man in der Regel für sechs Stunden nach erfolgter Testung voraussetzen. Wenn sich der Besuchte mit einer FFP-2 Maske schützt, ist dieser Kontakt sehr risikoarm. Dies entspricht den Hygienekonzepten für Alten- und Pflegeheime. Das RKI empfielt seit dem 24. November 2021 aufgrund der dynamischen Lage, dass sich auch Genese und vollständig Geimpfte vor Betreten des Alten- und Pflegeheimes testen lassen. Wir halten dies ebenfalls für eine wichtige Schutzmaßnahme der älteren und anfälligeren Bevölkerung in Einrichtungen. Bitte beachten Sie auch dei für Sie geltenden landesspezifischen Regelungen (Link weiter unten).

Auch bei erlaubten Besuchen im privaten Bereich gibt ein Schnelltest Besucher und Besuchten mehr Sicherheit.

Das Robert-Koch-Institut führt inzwischen Felduntersuchungen auf das Vorliegen von Corona-Antikörpern durch. Diese sind nur mit Einschränkungen auf ganz Deutschland übertragbar. Nicht alle Menschen entwickeln nach einer Covid-19-Infektion nachweisbare Antikörper. Dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass sie keinen Schutz vor einer Neuinfektion haben.

Unsere Empfehlung, dass Treffen der Selbsthilfegruppen bis auf weiteres ausgesetzt werden, halten wir weiter aufrecht. Bitte setzen Sie sich bei Fragen hierzu mit Ihrem Landesverband in Verbindung.

Wir raten weiterhin zu telefonischen Kontakten oder Treffen in digitaler Form oder über die Austauschplattform MS Connect. Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass wir virtuelle Gruppentreffen als hilfreich und in Bezug auf die Zusammengehörigkeit als sehr wichtig ansehen, um in Kontakt zu bleiben. Bitte fragen Sie bei Ihrem Landesverband an, wenn Sie Unterstützung benötigen. Werden Sie selbst aktiv und rufen Sie andere Gruppenmitglieder an und erkundigen sich nach ihrem Wohlergehen.

Für MS-Betroffene, die nicht über die notwendigen technischen Möglichkeiten für virtuelle Treffen verfügen, können regelmäßige telefonische Kontakte mit den Gruppenmitgliedern hilfreich sein. Bitte beachten Sie bei allen Aktivtäten auch die für Sie geltenden Landesverordnungen. Aktuell besteht für noch nicht vollständig Geimpfte weiterhin ein sehr hohes Risiko, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren.

Auch Beratungen in den Beratungsstellen der DMSG-Landesverbände können Sie digital oder per Telefon erreichen. Funktionstraining kann ebenso wie Reha-Sport in digitaler Form bis vorläufig Mitte März 2022 fortgeführt werden. Einzelheiten zum Funktionstraining können Sie auf unserer speziellen Website nachlesen. Schnuppertrainingsangebote finden Sie ebenfalls auf unserer Website.

Seminare, Workshops oder Fortbildungen der DMSG werden weiterhin online angeboten. Eine Übersicht finden Sie hier auf der Website des DMSG-Bundesverbandes. An vielen unserer Angebote können Sie bundesweit teilnhemen.

Es gibt sicher viele Fragen zum Corona-Virus. Der DMSG-Bundesverband informiert Sie auf einer Sonderseite rund um das Thema Corona und Multiple Sklerose und bietet Ihnen mit den Arzt-Sprechstunden auf MS-Connect eine Plattform, auf der Experten Ihre Fragen beantworten.

Die konkrete Ausgestaltung der derzeitigen Regeln, Einschränkungen und Lockerungen über das gültige Infektionsschutzgesetz hinaus erfolgt durch die Bundesländer. Laut der bundesweiten Empfehlungen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) sollte im öffentlichen Raum weiter aufeinander geachtet werden: d.h. mindestens anderthalb, besser zwei Meter Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Alltagsmasken tragen – die sogenannte „A-H-A-L-Formel“. Unter Berücksichtigung der oben erwähnten allgemeinen Hinweise und speziellen Risiken von stärker behinderten MS-Erkrankten und solchen mit verlaufsmodifizierenden Therapien, die ein erhöhtes Infektionsrisiko in sich bergen, raten wir zur Einhaltung dieser etablierten Hygieneregeln und zur Nutzung der Corona-Warn-App.

Die aktuellen Fallzahlen entnehmen Sie bitte der Website des Robert Koch-Instituts (RKI). Das RKI erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen, gibt Empfehlungen und schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland ein (Risiko-Bewertung des RKI).

Auf der RKI-Website finden Sie auch Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Corona-Virus.

Auf der Website des Bundesgesundheitsministeriums erhalten Sie grundlegende Informationen zur Corona-Pandemie, sowie grundlegende Informationen zum Infektionsschutz vor dem Corona-Virus, zu Verdachtsfällen und vieles mehr. Im SARS-CoV-2 Steckbrief zur Corona-Virus-Krankheit-2019 (Covid-19) des RKI finden Sie, basierend auf der laufenden Sichtung der wissenschaftlichen Literatur, weitere Informationen zum Corona-Virus. 

Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Krausenstr. 50
30171 Hannover
0511 / 9 68 34 0
Fax: 0511 / 9 68 34 50
dmsg(at)dmsg.de
www.dmsg.de

Die regelmäßig überprüften Empfehlungen der MS-Experten Prof. Dr. med. Ralf Gold und Prof. Dr. med. Judith Haas aus dem Vorstand des Ärztlichen Beirates der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e.V. bieten eine verlässliche Orientierung auf Grundlage der aktuellen Datenlage. Wir bedanken uns herzlich für diese fachkundige Unterstützung.

 

Hannover, den 06. März 2020 (aktualisiert am 14.01.2022)

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