DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Neue Medikamente / Neue Ansätze

Nanotechnologie in der Therapie der Multiplen Sklerose?

Medikamente, eingekapselt in nano-kleine Trägerstrukturen, könnten eines Tages dazu beitragen, auch neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose zu behandeln.

© © XtravaganT - Fotolia.com

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in der Zeitschrift PloS One untersuchte im Tierversuch, ob und wie Strukturen wie Liposomen eine MS-Modellerkrankung bei Mäusen beeinflussen können. Liposomen sind winzig kleine Bläschen mit einer Größe von 50 bis 1000 Nanometer (nm), deren Umhüllung der Zellmembran ähnelt. Ihre Außenhaut ist fettlöslich; im Inneren können sie einen wasserlöslichen Stoff einschließen. Das kann auch ein Medikament sein (das in diesem Zusammenhang als Nano-Medikament bezeichnet wird). In der modernen Medizin verwendet man Liposomen, um Arzneimittel an bestimmte Stellen des Körpers zu transportieren; hier sollen sie, zum Beispiel in der Tumortherapie, ihre heilende Wirkung entfalten.

Bei den konventionellen Medikamenten ist es ein häufiges Problem, dass sie zu schnell vom Körper abgebaut werden, oder dass sie nicht oder nicht in ausreichender Menge, dort ankommen, wo die Erkrankung eigentlich behandelt werden müsste. Liposomale Nano-Medikamente könnten bei der Lösung dieses Problems insofern helfen, als diese Strukturen sich wesentlich langsamer auflösen und so besser ihr "Zielgebiet", z.B. das Gehirn, erreichen.

Zielgenauere Wirkung der MS-Medikamente

Für die Behandlung neurologischer Erkrankungen wie der MS ist es von besonderer Bedeutung, dass Liposomen, aufgrund ihrer fettlöslichen Oberfläche, die Blut-Hirn-Schranke passieren können. Ein Medikament könnte also zielgenauer arbeiten. Möglicherweise könnte man auch mit geringeren Konzentrationen der Wirkstoffe auskommen und hätte so vermutlich auch weniger Nebenwirkungen.

In der Studie verwendeten israelische Forscher Liposomen-basierte Nano-Medikamente, um deren anti-entzündliche Wirkung auf die MS-Modellerkrankung EAE (experimentelle autoimmune Enzephalomyelitis) bei Mäusen zu untersuchen. Zwei Wirkstoffe wurden verwendet: Methylprednisolon (‚Kortison‘) und Tempamin (TMN), ein Stoff, dem bereits in vorangegangenen EAE-Versuchen antioxidative und neuroprotektive Wirkungen nachgesagt wurden. Originalstudie

Gute anti-entzündliche Effekte

In ihrer Veröffentlichung beschreiben die Wissenschaftler, dass diese Nano-Medikamente die klinischen Anzeichen der EAE bei den Versuchstieren mildern konnten. Schädigungen im Gehirn wären weniger aufgetreten, Probleme bei der Fortbewegung geringer. Die Medikamente waren auch länger im Blut nachweisbar, bevor Abbauvorgänge die Konzentration beeinträchtigten.

Die Autoren betonen eine gute anti-entzündliche Wirkung der beiden Stoffe und weisen darauf hin, dass es sehr wichtig wäre, die Entwicklung von Liposomalen Nano-Medikamenten weiter voranzubringen, die möglicherweise diverse ältere Medikationen ablösen könnten. Bis dahin seien jedoch weitere Untersuchungen notwendig, die auch den Schritt vom Tierversuch zur klinischen Studie am Menschen beinhalten.
Trotz aller Hoffnung auf schnelle Hilfe: Es werden nicht alle erst gestern von der Forschung hervorgebrachten Therapieansätze mit Nano-Materialien schon morgen als Medikament verfügbar sein. Jeder Wirkstoff muss in der neuen Anwendungsform ausreichend getestet werden. Das dient dem Schutz des Patienten. Es wird also noch eine gute Weile dauern bis "Nano" allgemein anwendbar wäre.

Quelle: multiplesclerosisnewstoday.com - 14. Juli 2015
Originalstudie journals.plos.org

- 17.07.2015