DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Neue Medikamente / Neue Ansätze

Welche Aussichten eröffnet der Wirkstoff Daclizumab für die Therapie der Multiplen Sklerose?

Nachgefragt bei Prof. Dr. med. Heinz Wiendl, Vorstandsmitglied im Ärztlichen Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Bundesverband e.V.

© Winfried Gerharz

Prof. Dr. med. Heinz Wiendl,
Universitätsklinikum Münster

Gestern hat der DMSG-Bundesverband über einen möglichen Meilenstein in der Therapie der Multiplen Sklerose berichtet. Im Interview verrät uns der Projektleiter der Studie Prof. Dr. Heinz Wiendl heute mehr über das Potential des neuen Wirkstoffes: 

  • DMSG-Bundesverband: Liegen Ihnen nähere Informationen vor, wann der Wirkstoff (Daclizumab) zugelassen werden könnte?
  • Prof. Dr. med. Wiendl: Nach meinen Informationen ist frühestens im September des Jahres 2016 mit einer Zulassung des Wirkstoffes des monoklonalen Antikörpers Daclizumab (Handelsname Zinbryta) zu rechnen.

  • DMSG-Bundesverband: Planen Sie, Ihre Untersuchungen zur Ursache der Mechanismen auch auf Menschen mit der progredienten MS-Verlaufsform auszudehnen?
  • Prof. Dr. med. Wiendl: Wir haben bei unseren Untersuchungsansätzen keinen speziellen Hinweis darauf, dass dies ein spezifisch alleinstellender Mechanismus für die Progression ist. Aufgrund der Ergebnisse der Phase III-Studie zu Daclizumab (DECIDE) glaube ich eher nicht, dass die Firma diese Substanz für progrediente Formen testen oder weiterentwickeln wird.

  • DMSG-Bundesverband: Sehen Sie durch Ihre Forschungen weitere Ansatzpunkte für neue mögliche Arzneistoffe?
  • Prof. Dr. med. Wiendl: Unsere Arbeit eröffnet den Schritt in das Feld der Modulation angeborener Immunkomponenten, z. B. sogenannte angeborenen Lymphoidzellen (ILC), zu denen auch die natürlichen Killerzellen gehören, als potentielle Therapiestrategie der Multiplen Sklerose. Des Weiteren eröffnet die Arbeit vor allem den Denkansatz, dass Immuntherapeutika nicht notwendigerweise immer etwas eliminieren, blockieren oder entfernen müssen, sondern dass über die Verstärkung endogener Mechanismen ebenfalls eine Krankheitskontrolle zu erreichen ist. Die Verstärkung endogener Mechanismen der Immunregulation wäre damit der Ausblick und die weitere Entwicklungsmöglichkeit.

Mehr über die Studie lesen Sie im Bericht: "Multiple Sklerose: Forscher entdecken neue Ursache für die verringerte Schutzfunktion des Immunsystems."

 

 

- 18.05.2016