Malina

Das bin ich

  • Malina Hindenburg
  • 32 Jahre, verheiratet
  • 1 Kind: Baby Thor Hagen, geb. 13.09.2017
  • seit August 2017 volle Erwerbsminderungsrente
  • gelernte Physiotherapeutin
  • Schwerbehinderung mit G

Ich und MS

  • Diagnose im August 2014, schubförmig
  • motorische Einschränkungen: Gehstrecke vermindert, Spastik in Füßen, verminderte Kraft in Händen und Beinen, Sensibilitätsstörungen in den Händen, Fatigue
  • Medikamente: mit positivem Schwangerschaftstest keine, davor Tysabri
  • Alternative Therapien: Physiotherapie und Osteopathie, Meditation/ Entspannungstechniken, Yoga, Fußreflexzonenmassage gegen Spastik der Füße und Unterschenkel, Ernährungsumstellung

Malina im Interview: "Der Kleine hat mich geschützt während der Schwangerschaft!"

Malina ist glücklich: Vor wenigen Monaten ist ihr Wunschkind Thor zur Welt gekommen. Seit drei Jahren lebt die 32-Jährige mit Multipler Sklerose (MS). Doch die Physiotherapeutin hat sich bei der DMSG und ihren behandelnden Ärzten informiert: Ihre Erkrankung schließt eine Schwangerschaft nicht aus. Sie will auch anderen MS-Erkrankten Mut machen: „Nehmt Hilfe an!“

Redaktion: In welcher Lebenssituation haben Sie die Diagnose MS erhalten?
Malina: In meiner Partnerschaft lebend und berufstätig als Physiotherapeutin. Mein Mann hat alles von Anfang an mitbekommen. Wir haben uns vor zehn Jahren im Praktikum kennengelernt. Als ich 2014 meine Diagnose bekommen habe, war er geschockt. Durch unseren Beruf wussten wir aber beide, was MS ist und bewältigen seitdem gemeinsam alle Herausforderungen im Leben mit der Erkrankung. Im Juni 2017 haben wir im kleinen Kreis geheiratet.

Redaktion: Was hat die Diagnose für Ihre Familienplanung bedeutet?
Malina: Die Diagnose hat die Familienplanung beschleunigt. Ich wollte noch so mobil und kraftvoll wie möglich Kinder bekommen und meinem Freund einen mobileren, gesunden Teil von mir schenken. 

Redaktion: Sie haben sich trotz MS dafür entschieden, Mama zu werden. War die Entscheidung immer leicht? Gibt es etwas, das Ihnen bei Ihrer Entscheidung geholfen hat?
Malina: Ich hatte zuerst wegen der Medikamente Bedenken. Als diese geklärt waren, konnte ich mich auf den kleinen Zwerg freuen. Auch musste ich mir vorher der Unterstützung von Familie, Staat und sozialen Netzwerken sicher sein. Dazu habe ich mich bei der DMSG informiert und auf der Website recherchiert.

Redaktion: Wie ging es Ihnen in der Schwangerschaft und danach? 
Malina: Es ging mir supergut. Die Schwangerschaft reduzierte die Symptome sehr stark bis fast zum Stopp :-) Das beste "Medikament" bisher. Leider hatte ich weiterhin mit der Fatigue zu kämpfen, nur deutlich weniger und auch eher wie die meisten anderen Schwangeren auch (nur wird es dann Müdigkeit genannt). Auch mit dem Stillen komme ich gut zurecht, ich habe eine Still-Beratung in Anspruch genommen. Vor der Geburt habe ich noch eine Reha gemacht und bei der Ernährung einiges ausprobiert, zum Beispiel keinen Weizen mehr gegessen. Im Moment versuche ich, an vielen Schrauben zu drehen: bei Sport, Ernährung und Medikamenten. Dabei ist eine fachkundige Begleitung wichtig.

Redaktion: Wie beeinträchtigt Sie die MS heute im alltäglichen Leben? 
Malina: Seit der Geburt ist die MS ruhig, aber ich muss mehr Pausen machen. Die Tage plane ich genauer - eine Aktivität am Tag. Das hilft mir, Ruhephasen einzuhalten und dem neuen Erdenbürger, hier anzukommen.

Redaktion: Gibt es Sorgen mit Blick auf die Zukunft?
Malina: Ja, falls ich nicht so viel laufen kann: Wie soll ich Thor dann zum Kindergarten bringen? Oder wenn ich nicht so viel rumtoben kann. Das finde ich schade, dass ich Thor vielleicht keine uneingeschränkte Kindheit bieten kann.

Redaktion: Was hilft Ihnen im Alltag? Gibt es Personen, Gruppen, Netzwerke, die Ihnen unterstützend zur Seite stehen? 
Malina: Mir hilft die Familie, meine Schwester und meine Schwiegereltern. Wenn ich anrufe, fahren mich meine Schwiegereltern zum Beispiel zur Physiotherapie oder zum Babyschwimmen. Hilfreich ist auch der Kontakt zu Freunden und anderen schwangeren Frauen.

Redaktion: Können Sie sich vorstellen, weitere Kinder zu bekommen?
Malina: Ja! Es ist schön, Mutter zu sein. Thor ist ein Sonnenschein.

Redaktion: Was würden Sie Frauen mit MS raten, die sich ein Kind wünschen oder schwanger sind? 
Malina: Bildet Netzwerke, nehmt Hilfen an. Besprecht den Kinderwunsch mit den Ärzten, macht eine Kur für Schwangere. Das Baby fordert viel Aufmerksamkeit und die regelmäßigen Stillzeiten (auch nachts, bei mir derzeit alle 1,5 - 2 Stunden) beeinträchtigen meinen geliebten Mittagsschlaf und lassen allgemein weniger Ruhezeiten zu. Ruhen, wenn das Kind schläft, ist eine gute Möglichkeit. Im Haushalt sollte die Mutter Hilfe annehmen und auch darum bitten. Ich werde immer besser darin, den kleinen Zwerg in andere Hände zu geben und selbst eine Pause zu machen oder Arbeiten abzugeben. Bei uns in der DMSG Potsdam wird seit dem letzten Jahr eine Gruppe für junge MS-Erkrankte aufgebaut.

  • Informationen und Kontakte für alle Fragen rund um MS und Kinderwunsch findet Ihr auf Plan Baby bei MS

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