Jugend und Multiple Sklerose (MS)

Inhaltsbereich

Kim: Ich lebe mit MS – nicht die MS mit mir!

Wer die Diagnose Multiple Sklerose erhält, ist geschockt und fragt sich, wie es weitergeht. Höchste Zeit, mit Vorurteilen aufzuräumen. MS lässt sich heute gut behandeln, wenn auch noch nicht heilen. Mit dieser Website will die DMSG Dir helfen, Wege zum Umgang mit der Krankheit zu finden und stellt Beispiele vor, wie das gelingen kann. Kim erfuhr als Achtjährige, dass sie - wie ihre Mutter - MS hat. Sie fing an zu kämpfen und macht sich auch für andere MS-Erkrankte stark: "Alle haben immer Angst anders zu sein – doch heißt anders denn wirklich immer gleich schlecht? Ich liebe es anders zu sein, das macht mich aus!"

Warum ich? Auch Kim kennt diese Frage, hat sie sich oft selbst gestellt:

Kim
©lichtbildbylukasbecker

"Ich war 8 Jahre alt als ich MS bekam. Meine Mutter (43) hat seit 22 Jahren selbst MS und sitzt leider im Rollstuhl. Sie war durch die Krankheit schon blind und gelähmt, was sich aber mit Kortison behandeln ließ.
Ob ich Angst habe, wenn ich meine Mama so sehe? Naja, Angst würde ich es nicht nennen. Da ich weiß, ich darf mich nicht mit ihr vergleichen. Jeder MS-Patient ist anders! Und ich weiß, ich bin verdammt stark und mein Wille ist groß. Es macht mich eher traurig und verletzt mich, sie so zu sehen." Früh hat Kim auch Verantwortung für ihren drei Jahre jüngeren Bruder übernommen.


Kim und ihr kleiner Bruder
©kim

Kim (rechts) und ihr kleiner Bruder sind ein eingespieltes Team.

Im Laufe der Zeit sei es mit den Problemen im Alltag immer schlimmer geworden, erinnert sich die heute Achtzehnjährige: "Es ging mit Mobbing und Diskriminierung in der Schule los, was für ein 13/14 Jahre altes Mädchen nicht einfach ist. Ich fragte mich "warum mag man mich nicht, nur weil ich anders bin?"

Das sieht heute anders aus. Kim hat gelernt, stark zu sein - für sich und ihre Familie

Kim und ihr Vater feiern mit Freunden
©kim

Kim (unten) kann sich auf die Unterstützung von ihrem Vater immer verlassen.

"Wer meine Probleme löste? Das war ich!", erklärt Kim. Sie habe irgendwann erkannt: "Ich musste stark sein, für mich und vor allem für Mama. Ich begriff früh, dass ich, auch wenn ich anders bin, etwas bewirken will!

Wie ich meine Probleme löste?
Indem ich Freunde, Bekannte und Familie genau über die MS aufklärte. Aber erstmal musste ich die Krankheit selbst verstehen! Ich habe mich einen ganzen Sommer schlau gelesen und eine Homepage für Kinder und Jugendliche mit MS aufgezogen! Ich wollte allen zeigen "Hey, eigentlich bin ich wie ihr! Eure Probleme habe ich auch! Ich bin nichts Schlimmes!!!"

Was sich dadurch verändert hat?
"Mein ganzes Leben! Ich wäre ohne die Krankheit nicht so, wie ich heute bin! Ich habe mich mit ihr abgefunden, ich komme mit ihr zurecht. Auch wenn wir uns das ein oder andere Mal in den Haaren haben, ist mein Wille einfach viel stärker als ihre Kontrollsucht! Ich lebe mit MS - nicht die MS mit mir!"

Ob ich Angst vor meiner Zukunft habe?
"Eine Zeitlang, ja! Aber ich hab für mich meine Antworten gefunden. Egal was kommt, wie schlimm die Krankheit wird: Ich bin stark und ich liebe mein Leben! Ich will und werde kämpfen! Mir wurden für meine 18 Jahre schon so viele Steine in den Weg gelegt, wie manch 50-Jährigen nicht. Ich will etwas in dieser Welt bewegen und nicht einfach nur zusehen. Ich will, dass sich etwas ändert und dafür möchte ich kämpfen, ich möchte für jeden einzelnen MS’ler (und natürlich auch andere Menschen) da sein, ihnen helfen, in jeder Hinsicht. Ich will mich für die Rechte von Schwerbehinderten einsetzen. Ich habe eine soziale Ader, engagiere mich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde." Kim möchte Sozialpädagogik oder Psychologie studieren. Ihr Traum ist es, dass zukünftig in jedem Krankenhaus nach der MS-Diagnose jemand wie sie für die Erkrankten da ist: "Was ich kann, dann ist es Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Egal, wie groß der Stein ist, der mir in den Weg gelegt wird, irgendwie und ja, auch wenn es Jahre dauert, werde ich ihn schon brechen!" Mehr

Wieso ich mit meiner Krankheit in die Öffentlichkeit gehe?
Ich mag zwar noch sehr jung sein im Vergleich zu anderen MS’lern, aber ich habe für mich eine Riesenstärke entwickelt und gehe meinen Weg mit der MS. Meine Krankheit ist ein Teil von mir und auch wenn das für manche "krass" klingt, ich will sie auch nicht loswerden, ohne sie wäre ich nicht so wie ich heute bin! Ich will anderen helfen, das Leben zu lieben, aus aussichtslosen Winkeln hinauszufinden und ihnen zu zeigen: HEY! Du kannst leben auch mit der MS, du bist trotzdem wundervoll. Mein persönlicher Spruch lautet: "Ich bin anders, doch heißt anders gleich schlecht?". Ich will einfach etwas in der Welt bewegen und nein, ich will mich nicht nur auf Kinder und Jugendliche spezialisieren, ich will Jung und Alt helfen!

HEY! Du kannst leben auch mit der MS, du bist trotzdem wundervoll
Schon im letzten Jahr hat Kim gemerkt, wie viele Menschen erreicht werden durch den Welt MS Tag! "Mein Leben mit MS wäre einfacher, wenn..." lautete das vom DMSG-Bundesverband ausgegebene Motto. "...wenn ich wüsste, dass alle den Mut haben dagegen anzukämpfen" druckte Kim ihre Antwort auf ein T-Shirt. Die Resonanz auf ihre Beteilígung an der DMSG-Kampagne zum Welt MS Tag hat Kim überwältigt und zugleich ermutigt. "Da wusste ich, das ist mein Ding und mein Kampf anderen zu helfen! Seitdem ist Kim eine gefragte Ansprechpartnerin für den Austausch zum Thema MS. "Ich finde es toll, wenn Jugendliche und junge Erwachsene mit MS mich anschreiben. Ich weiß, im Alltag wünscht man sich jemanden, der einen versteht. Einfach zuhören, das ist viel wert."


Kim mit PicBadgeMach mit! Setze ein kleines Zeichen für ein großes Ziel:
Gemeinsam sind wir stärker als MS!

Hier kannst Du Dir kostenlos den PicBadge zum Welt MS Tag auf Dein Profilbild downloaden.


In jedem von uns steckt ein Kämpfer!
"Wie schon am Welt MS Tag mein Spruch war, " Mein Leben mit MS wäre leichter wenn…. Ich wüsste das alle den Mut hätten, dagegen anzukämpfen", will ich in jedem von euch den Kämpfer wecken!", lädt Kim zum Mitmachen ein. "Ich selbst hatte oft das Gefühl, wenn ich Antworten gesucht habe, ich fand sie zwar…aber nicht so, wie ich wollte. Ich wollte von "Gleichgesinnten" Erfahrungen, Meinungen und Tipps hören. Gerade weil ich noch so jung bin." 

Mitmachen beim Welt MS Tag

MS reißt Löcher in den Alltag Das Motto lautet 2015:
"MS reißt Löcher in den Alltag."
 Mehr 

Auch Deine Erfahrungen sind gefragt - egal, ob Du selbst an MS erkrankt bist, jemand in Deiner Familie oder aus Deinem Freundeskreis. Welche schwarzen Löcher hat MS in Deinem Leben hinterlassen, vor welchen Lücken im Alltag hast Du Angst?

Schicke uns Deine Geschichte - z.B. in Form eines Textes, in einem Bild oder poste einen selbstgedrehten Film auf der Facebook-Seite des DMSG-Bundesverbandes.
Kontakt: dmsg@dmsg.de


Mehr zu Kim gibt es hier: www.facebook.com/KimDeniseHansmann

Weitere Neuigkeiten

  • Warum ich? Daniel lässt sich von Multiple Sklerose nicht ausbremsen

    01.04.2015 - Wer die Diagnose MS erhält, ist erst einmal geschockt und fragt sich, wie es weitergeht. Höchste Zeit, mit Vorurteilen aufzuräumen. MS lässt sich heute gut behandeln, wenn auch nicht heilen. Mit dieser Website will die DMSG Dir helfen, Wege zum Umgang mit der Krankheit zu finden und stellt Beispiele vor, wie das gelingen kann. Mit seinem Motto "Die MS hat's nicht leicht mit mir!" motiviert Daniel im selbstgeschriebenen Song und in einer von ihm gegründeten MS-Gruppe im Internet nicht nur hunderte Mitstreiter, sondern fand auch seine Freundin Imke.

  • Warum ich?

    11.02.2013 - Wer die Diagnose MS erhält, ist erst einmal geschockt und fragt sich, wie es weitergeht. Höchste Zeit, mit Vorurteilen aufzuräumen. MS lässt sich heute gut behandeln, wenn auch nicht heilen. Mit dieser Website will die DMSG Dir helfen, Wege zum Umgang mit der Krankheit zu finden und stellt Beispiele vor, wie das gelingen kann. Den Anfang macht Marianne, die mit elf Jahren erfuhr, dass sie MS hat. Mit viel Power schaffte sie es, neuen Mut zu fassen und mit ihrer Gruppe Deutscher Meister im Videoclip/Hip Hop zu werden.

  • Rocken trotz MS: Mit der DMSG backstage bei Billy Talent

    04.02.2013 - "Musik ist meine Medizin", verrät der an MS erkrankte Drummer Aaron im Interview mit der DMSG

Alle Artikel

  • Sommer, Sonne, Ferien im Camp für junge Multiple-Sklerose-Erkrankte

    01.23.2013 - Abenteuer Kanada: Neues erleben, Ängste überwinden, Selbstbewusstsein tanken, Erfahrungen austauschen und Kontakte knüpfen zu jungen MS-Erkrankten aus anderen Teilen der Welt - das alles ist für die 21-jährige Ann-Katrin aus Nordthüringen Wirklichkeit geworden. Sie gewann die Reise, die der Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der kanadischen MS-Gesellschaft verlost hat.

  • 1000 Gesichter und zwei Buchstaben, die das Leben verändern: MS.

    01.23.2013 - Was verbindet Ohood aus Palästina mit Cowgirl Bree aus Australien, Lisa aus Afghanistan und Mandy aus Deutschland? MS ist nicht unsichtbar, genauso wenig wie die Menschen, die sie haben: Am Welt MS Tag berichteten im Rahmen der Kampagne "1000 Gesichter der MS" von MSIF und DMSG-Bundesverband Menschen aus aller Welt, wie sie mit der unheilbaren Krankheit Multiple Sklerose leben.

W3 WERK Internetagentur Stuttgart © 2017 Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Bundesverband e. V. Impressum