Jugend und Multiple Sklerose (MS)

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Nina

18.02.2013, 22:05

Hallo,
ich gehöre hier vielleicht nicht mehr ganz so dazu, bin 32, fühl mich aber als eine der "Jungen" unter den Menschen mit MS und will ein bisschen was von mir erzählen.
Im Frühjahr 2008 fing es an, dass ich insgesamt körperlich einfach abbaute, ich war schlapper als schlapp und konnte manchmal nach dem Aufstehen nichts weiter tun als wieder ins Bett zu gehen. Das war auch die Zeit, als es begann, in meinem linken Arm zu kribbeln. Irgendwie fühlte er sich immer kalt an. Und irgendwann bemerkte ich, dass ich Schwierigkeiten habe, an der linken Hand kalt und warm zu unterscheiden. Natürlich bin ich zum Arzt - der tippte mal ganz sicher auf Verspannungen im Nackenbereich. Ja. Ich hab das ganze dann weiter beobachtet und einfach nicht davon abgelassen. Mein Gefühl war: da ist was anderes. Kurz vorm Sommer bemerkte ich ein komisches Gefühl - immer wenn ich mit dem Kopf nach unten blickte.
Ich hab dann im Internet ein bisschen recherchiert, weil es mir einfach keine Ruhe gelassen hat und weil ich mit den Nerven schon am Ende war. Also hab ich selbst veranlasst, dass man bitte ein MR von meinem Kopf macht. Die Neurologen fanden das zwar heftig übertrieben, aber nach dem MR war klar: das muss weiter abgeklärt werden. Binnen weiterer drei Tage auf der neurologischen Station wurde die Diagnose bestätigt. Der erste Moment war: Hab ich doch Recht gehabt, da is was! Also fast ein erleichternder Moment nach einer langen Zeit der Ratlosigkeit und Unruhe. Ja und dann? Dann geht man erstmal nach Hause und ja, macht weiter. So war das bei mir. Schon auch mal geweint, mich ein bisschen informiert, mich für eine Therapie entschieden (Avonex) und so. Aber sonst?? hmm nix irgendwie. Ging alles irgendwie normal weiter. 2 Jahre später dann mein richtiger erster Schub: Sehnerventzündung am linken Auge, Cortsion (gut vertragen). Und dann dachte ich, ich kann nach einer Woche wieder arbeiten gehen. Allerdings ist man unter Cortison extrem anfällig für andere Infektionen - da hab ich mir gleich mal noch eine Herpesinfektion geholt und dann kam auch schon die Sehnerventzündung am zweiten Auge. Ups, das waren dann doch 10 Tage Krankenhaus inklusive erneute Lumbalpunktion (ahhhh ich hasse sie). So. Diese Schubphase hat mich letztlich in eine Krise gebracht. Ich hatte das Gefühl, ich muss das jetzt in die Hand nehmen, und zwar alles alleine. Meine fast 10Jahre dauernde Beziehung hab ich beendet, großer Umzug, neue Stadt, neue Arbeit, alles neu. Irgendwie aber auch eine große Flucht. Nach und nach stellte sich eine Angststörung ein, die sich letztlich in Panikattacken äußerte. Dann gabs nur noch eins: Ab zum Therapeuten und reden. Nämlich darüber, wovor ich Angst habe. Und das ist eben manchmal auch die MS. Sie macht mich unsicher, dann wieder mal stark, dann wieder besorgt. Mir tut das Reden gut, immer wieder. Ich kann darüber sprechen, worüber ich mir Sorgen mache und es ist wichtig, das auch mal laut zu sagen. Und dann? Hier in aller Kürze: Ich mache ALLES. Alles, wozu ich Lust habe. Ich mag mich total gerne bewegen und ich liebe Wasser und schwimmen. Ich arbeite Vollzeit als Kindergärtnerin. Ich liebe auch meinen Partner, dem ich von Beginn an gesagt habe, dass ich MS habe. Es hat mir sehr sehr geholfen, dass ich mich selbst für eine Therapie entscheiden konnte, denn es ist wichtig, dass man sich möglichst lange mit einer Variante befreundet, irgendwie funktioniert das dann besser und man hat nicht so einen Widerwillen. Ich gehe regelmäßig zu den Kontrollen und habe mir eine Neurologin auf der Ambulanz gesucht, der ich gut vertrauen kann -das ist viel wert. Ich bin total gerne unterwegs, trinke gerne einen guten Wein und hab ziemlich viel Spaß in meinem Leben mit MS. Alles Gute allen!
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