Jugend und Multiple Sklerose (MS)

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Carolin K.

26.09.2013, 19:19

Hallo,...ich heiße Carolin K. und mit 18Jahren fing alles an. Es war ein verregneter Morgen auf einem Open-Air Gelände und es war ein sehr spaßiges Wochenende. Doch am diesem Tag veränderte sich alles. Mein linkes Auge schien irgendwie...?! hmm, war da etwa was im Auge?!..Ich konnte es nicht ganz deuten. Es war auf jeden Fall etwas in meiner Sicht. Ein grauer Punkt störte meinen Blick. Das störte mich zwar, aber hey...ich bin 18! das geht wieder weg.(dachte ich). Der Tag wurde auch nicht besser. Ich war müde!...und zwar so richtig müde. Zuhause angekommen viel ich förmlich in einen \"Dörnröschenschlaf\". Als ich nun den ganzen Tag verschlafen hatte und wach wurde, merkte ich das der graue Punkt immer noch im Auge war. Er war größer geworden. Wieder dachte ich mir nichts. Am nächsten morgen ging es wie gewohnt zur Arbeit. Auf der fahrt merkte ich schon wie unkonzentriert ich war. Und wieder diese extreme Müdigkeit. Nicht mein Tag heute ...war mein Gedanke. Auf Arbeit lief dann auch nichts gut. Mittlerweile konnte ich fast nichts mehr sehen auf meinem linken Auge und eine einfache Zahlenreihe in den PC ein zu tippen erschien fast unmöglich. Ich entschied mich zum Arzt zu fahren. Mir schlich das mulmige Gefühl ein, dass etwas nicht stimmte. Dort angekommen wunderte sich die Ärztin. Sie konnte rein gar nichts sehen, glaubte mir aber und überwies mich zur Augenärztin. Auch diese Ärztin konnte mit Ihren Geräten nichts feststellen, aber der Sehtest fiel so extrem schlecht aus, dass sie mich sofort in die Augenklinik überwies. Nachdem ich also nun zum dritten Arzt rannte, dachte ich eigentlich, da wird nicht mehr viel kommen. Falsch gedacht. Es kam alles anders. Er stellte eine 3-fache Sehnerventzündung fest. Ja mein Sehnerv war tatsächlich an drei verschiedenen Stellen entzündet. Also ab ins Krankenhaus, bzw. ich durfte dann gleich dort bleiben. Ich bekam eine Woche Kortison und viele Fragen gestellt. Haben Sie ein Kribbeln im Körper wenn Sie Ihren Kopf nach vorne Beugen?...Ja! Sind Sie momentan viel müde?..Ja! Haben Sie zur Zeit viel Stress?..Ja!...Und meine Frage die ich mir dabei innerlich stellte war....\"Wozu die ganzen doofen Fragen,...ist doch alles in Ordnung\". Es folgten viele weitere Untersuchungen. Mrt, LP, Strom, Schachbrett,..das volle Programm. Und immer noch stand ich da und hatte nichts geahnt. Selbst als ich in der MS-Ambulanz sahs, wo dies auch fett auf der Tür stand, ahnte ich immer noch nichts. Und alle ließen mich auch in diesem Glauben, dass ja alles in Ordnung wäre. Heute bin ich erstaunt darüber,wie sehr einem der Kopf etwas \"nicht sehen lässt\" wenn man es nicht sehen will. Die Antwort lag genau vor meinen Füßen, und ich war der festen Überzeugung es ist doch alles gut...nur Routine! Als ich entlassen wurde bekam ich einen dicken Ordner mit Diagnosen mit. Meine Eltern verhielten sich mittlerweile auch seltsam. Ich merkte das etwas nicht stimmte. Vielleicht ist mein Onkel verstorben. Der ist doch so schwer erkrankt an MS...war mein Gedanke. Ich bin ja wieder gesund! Als meine Schwester dann nicht in diesen Ordner gucken durfte wurde ich zum ersten mal stutzig. Wieso darf Sie nicht lesen was dort drinnen steht??!!....und wieso habe ich eigentlich einen Termin zur Diagnoseabsprache bekommen???...Erst jetzt schoss mir der Gedanke ein, das vielleicht etwas mit mir nicht stimmte. Ich nahm also einen Abend heimlich den Ordner und belas mich. Da ich nun aus dem pharmazeutischen Bereich komme, konnte ich mit den Latein auch viel anfangen. Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Die ganzen \"doofe\" Fragen, die endlosen Untersuchungen, die besorgten Ärzte, die Eltern die so traurig wirkten...und die MS-Ambulanz. Es war so eindeutig, wie aus einem Bilderbuch...Ich habe MS!!!ich war doch erst 19!....mir riss es den Boden unter den Füßen weg. Es war schrecklich. Diesen Moment werde ich nie vergessen!!!. Zum Tag der Diagnosestellung erhoffte ich mir zwar immer noch, dass alles gut wird, doch so war es nicht. Die Therapie wurde sofort eingeleitet. Betaferon bekam ich. Das ging dann 3Monate, bis ich von den ständigen Nebenwirkungen und den Spritzen so blau am Körper war, dass ich auf Copaxone umgestellt wurde. Copaxone habe ich gut vertragen. Trotz noch 3 folgenden starken Schüben in den Beinen kann ich mittlerweile sagen das ich mich \"gesund\" fühle. Ich bin es mit Sicherheit nicht, aber ich bin schon lange beschwerdefrei und fühle mich gut. Ich habe gelernt mit der MS zu leben. Aber ich habe auch viele Tränen vergossen. Gerade die Anfangszeit war sehr schwer für mich. Alles erschien weit weg für mich zu sein. Doch ich kann von mir behaupten das ich stärker geworden bin. Das Leben hat für mich einen anderen Blickwinkel angenommen. Ich lebe viel intensiver und genieße. Was für mich früher schlimm war, ist heute nicht mehr der Rede wert, denn wenn man erstmal weiß was es heißt Krank zu sein...und ich rede nicht von einer Erkältung, dann weiß man, was es heißt zu leben!
Mit freundlichen Grüßen
Carolin K.
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