FAQ

Sie haben Fragen? Hier finden Sie alles rund um "Plan Baby bei MS", Elternschaft, Schwangerschaft, Therapien und vieles mehr.

Auch wenn die Schubrate während der Schwangerschaft abnimmt, kommt es bei rund einem Viertel der Patientinnen während der Schwangerschaft doch zu einem Schub. Üblicherweise wird dieser auch während der Schwangerschaft mit einem Kortisonstoß behandelt. Vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel müssen Nutzen und Risiken dabei sorgfältig gegeneinander abgewogen werden.

Frauen mit MS sollten über einen möglichen Schubanstieg nach einer Hormontherapie wegen Kinderwunsch informiert sein. Studien gaben Hinweise, dass nach einer Kinderwunschbehandlung das Schubrisiko in den ersten 3-4 Monaten erhöht ist. Generell muss von einer reproduktionsmedizinischen Behandlung bei MS jedoch nicht abgeraten werden, da hierbei auch andere Faktoren (z.B. Stress) eine Rolle spielen können. Eine Kinderwunsch-Behandlung sollte im Vorfeld immer mit dem behandelnden Neurologen und Gynäkologen besprochen werden.

Grundsätzlich sollten Sie nach der Entbindung sobald wie möglich wieder mit ihrer Therapie beginnen. Da sich die Einnahme der Medikamente und das Stillen in den meisten Fällen ausschließen, müssen Sie hier abwägen. Bedenken Sie, dass ausschließliches (!) Stillen einen günstigen Effekt auf die Aktivität der MS hat und die Schubrate reduziert. Insgesamt ist die Entscheidung, wann die Therapie wieder aufgenommen werden sollte, nur in Zusammenarbeit mit Ihrem Neurologen und Ihnen zu treffen, da hier unter anderem die Aktivität der MS und das Ausmaß bestehender Behinderungen zu berücksichtigen sind.

Stillen hat viele Vorteile für Mutter und Kind – auch bei MS. Aktuelle Studienergebnisse zeigen eine deutliche Reduktion der Schubrate, wenn Mütter ihre Babys für mindestens 2 Monate ausschließlich stillen . In der Regel spricht nichts gegen die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlene Stilldauer von ca. 4–6 Monaten. Auch in der Stillzeit empfehlen Ärzte, die medikamentöse Therapie auszusetzen.

Nach dem Abstillen sollte die prophylaktische Therapie der MS wieder aufgenommen werden. Frauen, die nicht stillen möchten, sollten baldmöglichst nach der Entbindung wieder mit der Behandlung starten. Lediglich bei sehr aktiven Verläufen und einer hohen Krankheitsaktivität in oder vor der Schwangerschaft wird empfohlen, die MS-Therapie in der ersten Woche nach der Geburt wieder aufzunehmen. In der Regel ist Stillen dann nicht möglich, da sich die Einnahme der Medikamente und das Stillen in den meisten Fällen ausschließen.

Durch die MS-Erkrankung ergeben sich keine Einschränkungen für die Geburt und die Entbindung, das heißt, es ist „kein Kaiserschnitt nur wegen MS“ notwendig. Der Schubanstieg nach der Schwangerschaft ist unabhängig von der Entbindungsart. Auch die Gabe einer Periduralanästhesie (PDA) steht nicht mit dem Schubanstieg nach der Geburt oder Behinderungen in Verbindung, wie Studien nachwiesen. Somit müssen Frauen, die an einer MS erkrankt sind, nicht auf eine PDA verzichten.

Schwangerschaften wirken sich nicht negativ auf die Entwicklung der MS aus. Manche Studien, unter anderem eine große europäische Studie an mehr als 250 Frauen mit MS, geht sogar vom Gegenteil aus und lieferte Hinweise darauf, dass es nach einer Schwangerschaft seltener zu einem Fortschreiten der Erkrankung kommt als bei kinderlosen Frauen. Fest steht: Während der Schwangerschaft nimmt die Schubrate mit bis zu 80 Prozent im letzten Drittel kontinuierlich ab. Medikamente sind in dieser Zeit in der Regel nicht notwendig. In den ersten Monaten nach der Entbindung kann es vorübergehend zu einer Erhöhung der Schubrate kommen. Bei etwa 30 Prozent der Frauen wird in dieser Zeit unabhängig von der Entbindungsart ein Schubanstieg beobachtet. Studien haben gezeigt, dass das ausschließliche Stillen dabei einen positiven Einfluss hat: Hier lag der Anteil der Frauen, die innerhalb der ersten 6 Monate nach der Geburt einen Schub erlitten, bei knapp 25 Prozent. Gar nicht zu stillen oder aber Stillen mit regelmäßiger Beikost führte dagegen bei knapp 40 Prozent der Frauen zu einem Schub innerhalb von 6 Monaten.

Es gibt keine speziellen Risiken für eine Schwangerschaft bei MS. Schwangerschaften von Frauen mit MS verlaufen ähnlich wie die von gesunden Frauen. Besondere Schwangerschafts- oder Geburtskomplikationen sind nicht zu erwarten. Weder die Fehlgeburtenrate noch das Auftreten von Fehlbildungen oder Frühgeburten ist durch die MS negativ beeinflusst.

Als einziger signifikanter Unterschied zu einer Schwangerschaft gesunder Frauen wurde lediglich ein leicht geringeres Geburtsgewicht (ca. 100-150 Gramm) der Neugeborenen von Müttern mit MS festgestellt, dass jedoch zu keinem schlechteren Befinden bei Müttern und Kindern führt. Insgesamt kann als Fazit ein äußerst geringer Einfluss der Erkrankung und eine relative Sicherheit bei Schwangerschaft und Geburt festgestellt werden.

Eine Schwangerschaft mit MS ist keine Risikoschwangerschaft. Trotzdem steht natürlich die Sorge im Raum, ob alles gut verläuft und ob die eigene Gesundheit den zusätzlichen Belastungen in der Schwangerschaft und mit einem Kind standhält.

Eine intensive ärztliche Betreuung sollte für Frauen mit MS selbstverständlich sein. Nehmen Sie unbedingt alle Vorsorgetermine wahr. Ihr Neurologe sollte die Schwangerschaft ebenfalls begleiten.

Organisieren Sie sich frühzeitig Entlastung und Unterstützung durch ein persönliches Netzwerk. Dies können Familienangehörige, Freunde und Nachbarn sein, aber auch eine Familienhebamme oder Familienhelferin oder eine MS Schwester. Auch von staatlicher Seite gibt es Unterstützungsmöglichkeiten. Zum Beispiel bieten viele Krankenkassen in einer Krankheitssituation (z. B. einem Schub) eine Haushaltshilfe an.

Nicht zuletzt können Sie durch einen gesunden Lebensstil und eine positive Lebenseinstellung Ihre Gesundheit und die Ihres Kindes fördern: Planen Sie regelmäßige körperliche Bewegung sowie genügend Entspannungszeiten ein und achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung.

Ungeplante Schwangerschaften während der MS-Therapie stellen in den überwiegenden Fällen keinen Grund zur Besorgnis oder gar für einen Schwangerschaftsabbruch dar. Sie sollten jedoch unverzüglich Ihren behandelnden Arzt aufsuchen und mit ihm das weitere Vorgehen für die kommenden neun Monate besprechen. Zu Ihrer Sicherheit und der Ihres Kindes raten Experten zu einer intensiven Ultraschallvorsorge in der 13. und 20. Woche.

Je nach Medikament und Fortschritt der Schwangerschaft können mögliche Risiken für das sich entwickelnde Kind in der Frühschwangerschaft nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden. Einige Substanzen gelten als sicher, bei anderen wird eine fruchtschädigende Wirkung vermutet oder die Zahl der unter diesen Substanzen beobachteten Schwangerschaften ist bisher zu klein, um hier Sicherheit zu garantieren. Ihre individuelle Situation sollten Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt besprechen.

Die Fruchtbarkeit bei Frauen mit MS oder die Zeugungsfähigkeit bei Männern mit MS ist grundsätzlich nicht eingeschränkt . Sie können also jederzeit schwanger werden. Dennoch ist es vorteilhaft, die Schwangerschaft gut zu planen. Es hat sich gezeigt, dass ein stabiler Krankheitsverlauf vor der Schwangerschaft maßgeblich für die Schubrate nach der Entbindung ist. Der letzte Schub sollte deshalb einige Zeit zurückliegen, bevor Sie schwanger werden. Eine gute medikamentöse Einstellung zur Schubprophylaxe ist dabei in den meisten Fällen wichtig. Wenn die Schubaktivität seit einiger Zeit zur Ruhe gekommen ist, kann ein Absetzversuch der Medikation gestartet werden. Einige Medikamente sollten bereits bis zu 6 Monate vor der Schwangerschaft, andere spätestens bei nachgewiesener Schwangerschaft abgesetzt werden. Beziehen Sie Ihren Frauenarzt und Ihren Neurologen deshalb frühzeitig in Ihre Familienplanung mit ein.

1: Unter Interferon (IFN)-Therapie können Unregelmäßigkeiten oder Veränderungen der Menstruationsblutung auftreten, scheinbar jedoch ohne Einfluss auf die Ovulationsfähigkeit und somit auf die Fruchtbarkeit. Lediglich unter Mitoxantron weiß man, dass 35 Prozent der Frauen, die älter als 35 Jahre sind, keine Menstruation mehr bekommen.

Multiple Sklerose wird selten an die Kinder vererbt. 87,3% der im MS-Register dokumentierten MS-Patienten haben keine weiteren MS-Erkrankten in der Familie Das Risiko für ein Kind, dessen Vater oder Mutter an MS erkrankt ist, ebenfalls an MS zu erkranken, ist nur etwas höher als der statistische Durchschnitt: Das MS-Risiko in der Gesamtbevölkerung liegt bei etwa 0,2 Prozent. Die Erkrankung wird jedoch wahrscheinlicher, je mehr das Erbgut dem eines MS-Betroffenen gleicht. Wenn beide Eltern an MS erkrankt sind, steigt das Risiko für das Kind deutlich an. Das heißt aber wiederum nicht, dass jeder, der die Veranlagung hat, auch wirklich MS bekommt. Dafür spielen weitere Umweltfaktoren eine Rolle. Die genauen Wechselbeziehungen zwischen ererbter Anlage und Umwelt sind noch nicht genau aufgeklärt.

Viele der gängigen Medikamente zur MS-Therapie sollten in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden und sind nur eingeschränkt zugelassen. Deshalb wird in der Regel eine Unterbrechung der Therapie meist schon vor einer geplanten Schwangerschaft, spätestens bei Eintritt der Schwangerschaft, empfohlen. Ob und wann ein Medikament abgesetzt werden sollte, muss frühzeitig mit dem behandelnden Neurologen besprochen werden. Die ärztlichen Empfehlungen sind abhängig vom Medikament: Einige sollten bereits bis zu 6 Monate vor Eintritt der Schwangerschaft abgesetzt werden, andere spätestens bei nachgewiesener Schwangerschaft. Im Einzelfall können bestimmte Medikamente auch noch in der Schwangerschaft verabreicht werden. Während der Schwangerschaft gibt es einen natürlichen Schutz für Mutter und Kind: Die meisten Frauen brauchen in dieser Zeit keine Medikamente.

Wichtig ist, vor einer geplanten Schwangerschaft das Gespräch mit dem Neurologen zu suchen. Er wird mit Ihnen gemeinsam entscheiden, ob und wann das Medikament abgesetzt wird. Unter anderem hängt das auch von der Krankheitsaktivität ab.

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ÜBRIGENS

FAQ Allgemein - Alles rund um die MS

Hier können Sie sich auf der allgemeinen Website der DMSG über Grundlagen, Symptome, Verlauf und Diagnose von Multipler Sklerose informieren.