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DMSG ExpertenforenMultiple Sklerose und Schwerbehinderung · Auswirkung Schwerbehindertenausweis im Rentenverfahren Erwerbsminderung



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Verfasser Beitrag
(GdB50_MzG) 14.01.2009, 07:52
Guten Morgen Frau Moldenhauer,

wie wirkt sich ein Schwerbehindertenaus​weis allgemein im Rentenverfahren um Erwerbsminderungsren​te aus?


Vielen Dank im voraus.
Experte Marianne Moldenhauer, RAin 14.01.2009, 10:28
Hallo, liebe(r) Unbekannte(r),

Ihre Frage wird mir öfter gestellt und es gibt eine klare Antwort darauf:

Im Grunde gar nicht!

Bestehende gesundheitliche Beschwerden und daraus resultierende Funktionssbeeinträch​tigungen sagen für sich genommen noch nichts darüber aus, ob das Leistungsvermögen der Person dadurch dergestalt eingeschänkt ist, dass eine Rente zuzbilligen wäre.
Es gibt nicht nur prominente behinderte Menschen (z. B. W. Schäuble), die zeigen, dass man mit einer gravierenden Behinderung durchaus noch beruflich tätig sein kann. In unserer Gesellschaft gibt es viele anerkannt schwerbehinderte Menschen, die imstande sind noch voll erwerbstätig zu sein.

ofern Sie einen Antrag (Reha oder Rente) gestellt haben, stellt ein Arzt im Auftrag des Rentenversicherers Ihr Leistungsvermögen fest und bemisst es in täglichen Arbeitsstunden, die Sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt noch leisten können.

Herzliche Grüße

Marianne Moldenhauer, RAin
(Thomas) 14.01.2009, 15:46
Moin,
da ich gerade auf Reha war, würde mich interessieren wie der Arzt das Leistungsvermögen fest stellen kann. Mir wurde nämlich nur KG verordnet. An eine Leistungsprüfung, oder ähnliches kan ich mich nicht erinnern.
Oder wird das ganze nach Aktenlage entschieden?
Mit freundlichen Grüßen
Thomas
Experte Marianne Moldenhauer, RAin 14.01.2009, 19:02
Hallo, lieber Thomas,

es wird ein sozial-medizisches Gutachten existieren, dass eine diesbezügliche Einschätzung enthält.

Mit freundlichen Grüßen

Marianne Moldenhauer, RAin
(Thomas) 14.01.2009, 20:56
Hallo Frau Moldenhauer,

auf der Reha soll die Notwendigkeit der Teilhabe am Arbeitsleben geprüft werden.

Wer erstellt denn so ein Gutachten ?

Mit freundlichen Grüßen

Thomas
Experte Marianne Moldenhauer, RAin 14.01.2009, 21:21
Hallo, lieber Thomas,

ich denke, die Reha liegt bereits hinter Ihnen. Das Gutachten dürfte somit ärztlicherseits bereits im Rahmen der Reha erstellt worden sein.

Es wird doch auch schon einen Abschlussbericht geben, der evtl. Ihrem behandelnden Arzt vorliegt.

Herzlichst

Marianne Moldenhauer, RAin
(Thomas) 14.01.2009, 21:42
Hallo Frau Moldenhauer,

dann wird das Gutachten also doch nach Aktenlage erstellt.
Vom Arzt bin ich nur bei det Eingangsuntersuchung​ ( 5 Min. ) und Abschlussuntersuchun​g ( 5 Min. ) untersucht worden.
Vielen Dank für Ihre Mühe, ich werde dann mal den Abschlußbericht abwarten.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas
Experte Marianne Moldenhauer, RAin 14.01.2009, 22:17
Hallo Thomas,

erneut eine kurze Rückmeldung:

Nein, das Gutachten wird nicht nach Aktenlage erstellt. Vielmehr wird sich darin das gesamte Reha-Verfahren wiederspiegeln.

Sie sollten sich in der Tat um Einsichtnahme bemühen.

Gruß und gute Nacht!

Marianne Moldenhauer, RAin
(Karla) 14.01.2009, 22:21
Hallo Thomas,
ich hatte auch eine Reha,genau wie Du mit Kurzuntersuchung und kaum Anwendungen. Wenn Du mit dieser Reha unzufrieden warst,was ich vermute,setze Dich hin und schreibe an die DRV.Schildere die Missstände, und mache Deinem Unmut richtig Luft. Die werden dann wahrscheinlich die Klinik anschreiben,aber Die Antwort derer kannst Du Dir sicher schon denken.
Lass Dich nicht abwimmeln und bleibe hartnäckig.
Wo warst Du denn zur Reha ?
Viel Glück
Karla
Experte Marianne Moldenhauer, RAin 14.01.2009, 22:30
Hallo Karla,
hallo Thomas,

den Weg kann man sich eigentlich zumeist sparen.

Es ist oftmals schade um die Zeit, die Betroffene in derartige Briefe stecken.

Sie sollten sich vielmehr auf das Wesentliche konzentrieren und dass heisst zunächst einmal, dass Sie, Thomas, sich einen Überblick verschaffen müssen und den Sachverhalt mit dem behandelnden (Fach-)Arzt erörtern sollten.

Ist tatsächlich Kritik angebracht und leiten sich aus der gutachterlichen Berichterstattung negative Folgen ab, kontaktieren Sie eine Person, die Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.

Tschüß und viel Glück wünscht Ihnen

Marianne Moldenhauer, RAin
(troi) 15.01.2009, 14:59
Lieber Thomas,

ich habe eine ähnliche Reha hinter mir ...

Zwar keine rein neurologische, sondern hauptsächlich psychosomatisch u. neuropsychologische.​ Und ich hatte keinen Rentenantrag beabsichtigt, halte mich grundsätzlich noch für arbeitsfähig. Aber unter keinen Umständen mehr in meiner bisherigen Tätigkeit. In der Reha fand, wie bei dir, nichts statt, was meine verminderte Arbeitsfähigkeit überprüft hätte (nur Mo-Fr tägl. 1,5 Std. Krankengymnastik, sonst nichts, keine Psychotherapie, keine Gruppentherapie, ncihts). Trotzdem haben die Ärzte im Entlassungsbericht geschrieben, ich sei in der bisherigen Tätigkeit vollschichtig arbeitsfähig und ich hätte "am Therapieprogramm aktiv teilgenommen" (ha ha ha! inwiefern sind denn 1,5 Std. KG vergleichbar mit einem stressigen Arbeitstag, wo man nebenbei auch noch Haushalt, Einkäufe und alles erledigen muss, was ja in einer Rehaklinik alles nicht anfällt).

Zurzeit nehme ich an einer IRENA-Gruppentherapi​e (IRENA = Intensivierte Reha Nachsorge = einmal pro Woche Gruppentherapie) teil und dort haben mir die Therapeuten sehr nachdrücklich geraten, auf jeden Fall eine Stellungnahme an die Rentenversicherung zu schicken! Ich fühle mich dem eigentlich nicht gewachsen. Weil ich es auch nicht für aussichtsreich halte – wem wird man wohl mehr glauben, einer Patientin, die mit einer "gemischten Persönlichkeitsstöru​ng" entlassen wurde oder den studierten, "qualitätszertifizie​rten" Ärzten einer von der Rentenversicherung anerkannten Klinik!? (das ist vermutlich der Punkt, den Frau Moldenhauer meint).

Trotzdem meinten die IRENA-Therapeuten, ich solle das auf jeden Fall machen, weil die Rentenversicherung könne ja nichts verbessern, wenn sie nie erfahren, was in den Kliniken so alles falsch läuft. (z.B. wurden bei mir viele therapeutische Leistungen im Entlassungsbericht aufgeführt, die definitiv nicht stattgefunden haben! hatte mir eine Kopie des Therapieplans gemacht ...).

Ich weiß, dass es den meisten Kliniken schlecht geht und dass Klinikärzte, insbesondere in den Anfangsjahren, ein unakzeptables Gehalt bekommen, und dass gerade Rehakliniken zu rudern haben, weil sie keinen vernünftigen "Investitionszuschus​s" bekommen (weiß nicht, ob das das richtige Wort ist, ich meine die Gelder für Ausstattung, Renovierung und Modernisierung, die sind meines Wissens vollkommen unterdimensioniert.)​ Aber in der Klinik wo ich war, war es wirklich so, wie man es sich vorurteilsbelastet aus den 80igern Jahren noch vorstellt: die Klinikärzte fahren morgens mit ihren dicken Mercedes-Autos ein, wohnen in dicken Häusern im schönen Umland, in der Klinik wird gespart wo es nur geht und alle Patienten werden per se als faule lästige Simulanten betrachtet.

Wie gesagt, ob ich es schaffe, mich gegen dieses System zu wehren weiß ich noch nicht. Aber ich denke, jeder der ein wenig Energie dazu hat, sollte es unbedingt tun!! Nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch damit dieses System mal hinterfragt wird! ich verstehe z.B. nicht, weshalb die Rentenversicherung nicht von vornherein eine Befragung der Patienten mit einplant. Die betroffenen Patienten werden überhaupt nicht gefragt oder ernst genommen, das finde ich unmöglich!

In der IRENA-Gruppe sind viele Patienten, die es in ihren Reha-Kliniken anders erfahren durften. Aber da wo ich war, war der Patient wirklich nur eine Geldmelkmaschine. Es macht mich nicht mal mehr "wütend", es zeigt mir nur wie wertlos mein Leben ist, und dass ich besser meine Selbstmordpläne umsetze als mich gegen diese Hydra zu wehren. Aber ich freue mich über jeden, der sich das nicht gefallen lässt und es wenigstens dem Kostenträger mitteilt!

Ich finde es geht nicht nur um "die Zeit, die man sich selbst sparen kann", sondern auch um die Kosten, die man vollkommen sinnlos der Allgemeinheit verursacht. Die Kosten meiner Reha waren jedenfalls vollkommen sinnlos; das bisschen KG und Pseudogespräche hätte ich für ein Hundertstel der Kosten und für mich wesentlich stressfreier auch ambulant absolvieren können.

Liebe Grüße!
troi
(troi) 15.01.2009, 15:04
Liebe Karla,

ich sehe es genauso wie du, d.h.: "die Antwort kann man sich denken, aber trotzdem sollte man die Missstände nicht unkommentiert lassen".

Ich war übrigens in der psychosomatischen Diana-Klinik in Bad Bevensen, von der ich unbedingt jedem abraten muss! denn dort herrscht die Devise "Simulanten haben bei uns keine Chance, wir beobachten Sie genau!!". Als Patient mit MS und Depression, dessen Symptome überwiegend unsichtbar sind, wird man dort also vollkommen fallengelassen. Ob ICH hartnäckig bleiben kann, weiß ich noch nicht, aber trotzdem möchte ich es jedem raten, weil sonst wird sich nie etwas ändern!

Liebe Grüße
troi
Experte Marianne Moldenhauer, RAin 15.01.2009, 16:41
Hallo, liebe Karla,
hallo, lieber Thomas,
hallo, liebe(r) Troi,

Ihre negativen Schildungen in Bezug auf Ihre Rehaverfahren nehme ich sehr ernst. Ich gehe davon aus, dass Sie die Sie vor Ort behandelnden (Fach-)Ärzte bereits kontaktiert haben bzw. informieren werden.

Für einen Patienten ist tatsächlich sehr schwer, während der Begutachtung Einfluß zu nehmen. Sollte der Gutachter nicht kompetent gewesen bzw. das Gutachten nicht brauchbar sein, wäre es allerdings am besten, wenn die Kritik an dem Gutachten wiederum von ärztlicher Seite kommt. Im Falle eines ungünstigen Gutachtens sollte man also einen Arzt seines Vertrauens bitten, dieses Gutachten zu kritisieren.

Anmerkung: Das eigentliche Problem sind vielfach die Ziele der Rehabilitation, die da sein können:

- der Erhalt und die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit im Sinne "Reha vor Rente" bei der GRV (Gesetzliche Rentenversicherung)

- die Verbesserung des Gesundheitszustandes​ im Sinne "Reha vor Pflege" bei der GKV (Gesetzliche Krankenversicherung)​

- die Schadensbewältigung nach Unfällen bei der GUV (Gesetzliche Unfallversicherung)

Liebe Grüße

Marianne Moldenhauer, RAin
(Karla) 15.01.2009, 21:29
Hallo zusammen,
ich muss jetzt noch einmal meinen Senf dazu geben. Nachdem ich meine Schreiben im Mai und Juni an die DRV geschickt habe, tat sich monatelang nichts. Ende November bekam ich dann einen unbefristeten Rentenbescheid!
Mir hat hier zu Hause kein Arzt weiter geholfen. Alle einschliesslich Gutachter hileten mich für arbeitsfähig und mir wurde lediglich ein Burn Out bescheinigt. Alle waren der Meinung, meine MS sei ja nicht so schlimm !! Die paar Wehwechen: Fatigue, kognitive Probleme,Schmerzen in den Beinen,Gangunsicherh​eit etc. waren keine Zeichen der MS. Das hake ich jetzt unter dem Kapitel Lebenserfahrung ab und geniesse meine Rente.
Wer sicht nicht wehrt, lebt verkehrt
Euch allen viel Glück und liebe Grüsse
Karla