DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

DMSG ExpertenforenMultiple Sklerose und Schwerbehinderung · Stufen der zu erhaltenden Schwerbehinderungsgrade



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Verfasser Beitrag
(Löwenzahn) 15.01.2009, 23:15
Sehr geehrte Frau Moldenhauer,

kann man eigentlich bestimmte - hmhm - Krankheitssymptome/A​usfälle mit Prozenten gleichsetzen? Also gibts da sowas wie diese Behinderungsstufen?

Ich hatte z. B. jahrelang mit null Ausfällen 30 Prozent, dann ging das hoch von dieser Stufe 1 auf 5, ich hatte das erste Mal Probleme mit der Gehfähigkeit und habe dann nur die Aufstockung auf 30 Prozent bekommen. Widerspruchsverfahre​n läuft. Nun bekomme ich eine Reha und ich laufe auch wieder, meldet sich doch sofort der Sachbearbeiter vom Versorgungsamt, dass er von der Rehaabsicht gehört hat und will gleich Schriftliches anfordern noch bevor ich überhaupt die Bewilligung zugesandt bekommen habe. Wie sieht es denn aus, ich freue mich sehr, dass ich wieder laufe und hoffe auch, dass das so bleibt, aber ich fühle mich echt verar...., denn ich kenne Leute, die erheblich mehr Prozente bekommen haben und denen es nicht so dreckig ging wie mir. Auf was kann man sich denn da stützen?
Vielen Dank für Ihre Antwort und ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute bei Ihrer MS

Löwenzahn
(Löwenzahn) 15.01.2009, 23:16
Entschuldigung, natürlich Aufstockung auf 40 Prozent
Experte Marianne Moldenhauer, RAin 16.01.2009, 16:46
Hallo, liebe(r) Frau/Herr Löwenzahl,

der Name gefällt mir, bohrt der Löwenzahn sich doch sogar durch Beton oder zumindest festen Boden. Außerdem lässt er sich nicht so schnell verdrängen und macht dabei noch eine gute Figur, sowohl optisch als auch in Sachen Genuss.

Weiter so, ich wünsche Ihnen schon jetzt viel Kraft.

Jetzt zu Ihre Frage:

Nein, es gibt keine feste Skala bzw. Tabelle von Behinderungsgraden für bestimmte MS-bedingte Krankheitsausfälle.

In den so genannte Anhaltspunkten für die ärztliche Gutachtertätigkeit im sozialen Entschädigungsrecht und nach dem Schwerbehindertenrec​ht (Teil 2 SGB IX) 2008 (kurz: AHP) (ab 1. Janaur 2009 Versorgungsmedizin-V​erordnung) heisst es diesbezüglich vielmehr:

"Der Grad der Behinderung richtet sich bei der MS vor allem nach den zerebralen und spinalen Ausfallerscheinungen​. Zusätzlich ist die aus dem klinischen Verlauf sich ergebende Krankheitsaktivität zu berücksichtigen."

Das ist natürlich sehr schwammig formuliert.

Bis 2004 war es da noch sehr viel einfacher. Da sahen die "AHP" bei gesicherter Diagnose einer MS im akuten Stadium und für zwei Jahre danach noch einen GdB von 50 vor.

Der EDSS-Score (nach Kurtzke), bei dem aus mehreren Funktionssystemen eine Maßzahl abgeleitet wird, liefert allerdings durchaus wertvolle Argumentationshilfen​, wenn es um die Beurteilung des Grades der Behinderung geht.

Er lässt sich auch gut für die Bewertung der Gehfähigkeit heranziehen.

Machen Sie am besten jetzt eines:

Suchen Sie Ihren behandelnden Arzt auf und weisen Sie ihn unbedingt sowohl auf alle bei Ihnen bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen (z. B. imperativer Harndrang, Koordinations- und Gleichgewichtsstörun​gen, Kraftminderung in den Extremitäten, Gefühlsstörungen, Kribbelmissempfindun​gen, Fatigue, Sehstörungen, Schwindel, Fußhebeschwäche usw.) und auf das laufende Widerspruchsverfahre​n in Ihrer Schwerbehindertenang​elegenheit hin.

Eine Reha wird Ihren derzeitigen Gesundheitszustand hoffentlich verbessern können, aber sie wird aus Ihnen keinen gesunden Menschen machen. Arbeiten Sie also deutlich heraus, worin ihre Behinderungen bestehen.

Sollte Ihr Widerspruch abschlägig beschieden werden, besteht die Möglichkeit der Klageerhebung vor dem Sozialgericht.

Ich wünsche Ihnen zunächst viel Glück und ein gutes Jahr 2009.

Mit herzlichen Grüßen

Marianne Moldenhauer, RAin
(Löwenzahn) 17.01.2009, 00:39
Herzlichen Dank, auch für Ihre Ansicht zum Löwenzahn. Ich empfand mich bislang als heilsames Unkraut :-)

"Eine Reha wird Ihren derzeitigen Gesundheitszustand hoffentlich verbessern können, aber sie wird aus Ihnen keinen gesunden Menschen machen. Arbeiten Sie also deutlich heraus, worin ihre Behinderungen bestehen. "

Äh, ich habe keine Behinderungen mehr, Beeinträchtigungen eher.....ich weiß nicht so recht, wie viel ich wieder/noch leisten kann, denn bei Überanstrengen oder ungünstiger Wetterlage oder Wetterumschwung meldet sich Vieles vorübergehend wieder samt Schwindel und sowas. Ich sehe es wie Sie, die Rückbildung dieses schweren Schubes, bei dem die Gehfähigkeit bis runter auf paar Meter ging, macht aus mir keinen gesunden Menschen.

Ihnen auch ein sehr gutes Jahr 2009 und herzliche Grüße

Löwenzahn
Experte Marianne Moldenhauer, RAin 17.01.2009, 09:39
Hallo, lieber Löwenzahn,

in der Hoffnung, dass Sie hier vielleicht noch einmal 'reinschauen, schnell noch eine kurze Anmerkung meinerseits.

Auch vorübergehende Störungen - wie Schwindel - und ein erkrankungsbedingter​ Leistungsabfall im Tagesverlauf oder witterungsbedingte abtretende Störungen bei Hitze usw. sind Dinge, die wichtig sind, wenn es um die Bemessung des Grades der Schwerbehinderung geht.

Sprechen Sie Ihre Beschwerden beim Arztbesuch an.

Ob eine (Schwer-)Behinderung​ vorliegt, kann nur unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalles beurteilt werden.
(Löwenzahn) 17.01.2009, 21:36
Vielen Dank, Frau Moldenhauer,

deswegen wollte ich diese Reha haben, weil diese Beschwerden so schlecht fass- und messbar sind. Jedenfalls habe ich den medizinischen Dienst bislang (nicht wegen Versorgungsamt) nicht heimsuchen wollen, weil ich nicht wüsste, wie das in einer Einmaluntersuchung erkennbar sein könnte. Aber ich werde die Ärzte in der Reha und vorher noch meinen Neurologen drauf ansprechen.

Mit herzlichen Grüßen

Frau Löwenzahn :-)