DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

DMSG ExpertenforenMultiple Sklerose und Schwerbehinderung · Rentenantrag selber stellen oder auf Krankenkasse warten



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Verfasser Beitrag
(Getrud H.) 17.01.2009, 16:45
Sehr geehrte Frau Moldenhauer,

ich bin 55 Jahre und habe die Primär chronisch progrediente Form der MS.

Seit Anfang März 2008 bin ich arbeitsunfähig geschrieben, da ich mich nicht länger als 2 Stunden am Stück konzentrieren kann. Natürlich hatte ich immer noch Hoffnung es wird nochmals besser...

Nun hat mich der Sozialmedizinische Dienst meiner Krankenkasse zur Untersuchung eingeladen. Der mich begutachtende Arzt (kein Neurologe sondern ein Internist) meinte zum Schluss des Gesprächs, ich solle mal wieder arbeiten gehen, dann käme ich auch aus meinem depressiven Loch raus!!! Er hat mich noch nicht einmal neurologisch untersucht.

Mein Neurologe, meine Hausärztin sowie auch meine Psychologin sind da aber anderer Meinnung, und wollen auch Widerspruch gegen dieses Gutachten erheben.

Meinen Sie, es wäre für mich von Vorteil, wenn ich jetzt selber einen EU Rentenantrag stelle, denn wenn ich ganz ehrlich in mich hinein horche bin ich mir bewusst, dass ich den Anforderungen im Berufsleben nicht mehr gewachsen bin, oder soll ich darauf warten, dass evtl. die Krankenkasse die Rentenfeststellung veranlasst.

Ich bin auch Mitglied im VDK der mich begleiten könnte.

Recht herzlichen Dank für Ihre Antwort

Gertud H.
(Gertud H.) 17.01.2009, 16:47
Nachtrag:

Ich habe einen Grad der Schwerbehinderung von 60%

LG Gertrud H.
Experte Marianne Moldenhauer, RAin 18.01.2009, 11:25
Sehr geehrte Frau H.

die mir Ihrerseits mitgeteilte Aussage des begutachtenden Arztes des Sozialmedizinischen Dienstes der Krankenkasse zum Abschluss des Untersuchungsgespräc​hes macht - nachvollziehbar - betroffen und wütend zugleich.

Sollte der Gutachter tatsächlich nicht kompetent gewesen (Internist kein Nuerologe, zweifelhafte Äußerungen in Bezug auf die offenbar bestehende Depression) bzw. das Gutachten nicht brauchbar sein, wäre es am besten, wenn tatsächlich Kritik an dem Gutachten geäußert wird, und zwar von (fach-)ärztlicher Seite.
Es ist daher gut, wenn der Sie behandelnde Neurologe unter Einbeziehung der Psychologin Widerspruch gegen dieses Gutachten erheben wollen.

Ihre Frage in Bezug auf einen Reha- oder Rentenantrag sollten Sie unbedingt auch mit Ihrem (Fach-)Arzt besprechen.

Wichtig ist, dass in der (fach-)ärztlichen Berichterstattung die Diagnose der bei Ihnen bestehenden primär chronisch progrediente Form der MS deutlich mit all' ihren damit verbundenen Folgen (Beschwerdebild, Funktionsbeeinträcht​igungen) und der neurologische sowie der psychische Befund herausgearbeitet und dargestellt wird.

Bereiten Sie sich daher gut auf Ihren Arztbesuch vor, indem Sie zu Hause in Ruhe überlegen, sammeln und notieren, wo Ihre Probleme liegen und wie sich das im Alltag äußert.

Leider wird z. B. die Fatiguesymptomatik vielfach noch nicht ernst genommen oder mit Faulheit und Unlust gleichgesetzt. - Vielleicht sind bei Ihnen auch schon Medikamente gegen die Müdigkeit, z. B. Citalopram, zum Einsatz gekommen. - Vielleicht wurde auch schon einmal ein kurzer Psychotest (DEMTEC) gemacht, mit dem sich ermitteln lässt, ob eine altersgemäß kognitive Leistung vorhanden ist.

Langfristig - wenn Versicherungsträger "bocken" - ist die Einbeziehung des VdK sinnvoll und anzuraten.

Herzliche Grüße, viel Erfolg und einen schönen Sonntag wünscht Ihnen

Marianne Moldenhauer, RAin