DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

DMSG ExpertenforenMultiple Sklerose und Schwerbehinderung · Rolltator + Kostenübernahme + Merkzeichen "G"



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Verfasser Beitrag
(Petra) 18.01.2009, 17:21
Sehr geehrte Frau Moldenhauer,

ich habe kürzlich meinen SBA mit dem Merkzeichen "G" erhalten. Jetzt benötige ich einen Rollator, wegen zunehmender Gangschwierigkeiten.​

Im Sanitätshaus wurde mir gesagt, dass die Krankenkasse nur einen Festbetrag von ca. 90 € dazu zahlt, den Rest müsse ich selber tragen. Die von der KK finanzierten Modelle sind aber sehr schwer und haben keine Ankipphilfe (um über Bordsteine zu kommen), das hilft mir wenig weiter, weil ich den nicht heben kann.

Gibt es eine Möglichkeit, dass die Krankenkasse die tatsächlich anfallenden Kosten zahlt? Was muss der Arzt auf das Rezept schreiben? Macht es einen Unterschied, ob ich mit dem SBA das "G" bescheinigt habe? Wenn ich den geünschten Rollator im Internet bestelle (preisgünstiger), leistet die Krankenkasse dann auch Zuzahlungen?

Vorab schonmal vielen Dank für die Information,

Petra
Experte Marianne Moldenhauer, RAin 18.01.2009, 19:52
Hallo, liebe Petra,

der Schwerbehindertenaus​weis oder die Gewährung eines Merkzeichens (hier: G) haben keinerlei Auswirkungen auf die Hilfsmittelgewährung​.

Es soll niemand gezwungen sein, einen bestimmten Behinderungsgrad oder das Vorliegen eines Merkzeichens nachweisen zu müssen, um ein Hilfsmittel zu erhalten.

RICHTIG IST: Die gesetzlichen Krankenkassen genehmigen eine Verordnung über einen Rollator (Versorungspauschale​). Den Betrag abzüglich der von Ihnen zu tragenden Zuzahlung zahlen sie direkt an die Lieferfirma.

Nun die gute Nachricht:

Es besteht für Sie durchaus die Möglichkeit, eine Versorgung mit einem Leichtgewicht-Rollat​or über die gesetzliche Krankenkasse zu erhalten.

WICHTIG: Der behandelnde Arzt muss dies entsprechend verordnen, d. h. auf der Verordnung muss "Leichtgewicht-Rolla​tor" stehen und es sollte sodann eine "Modellbezeichnung" folgen.
Ein Besuch im Sanitätshaus, der Austausch mit anderen Betroffenen und der Blick in das Hilfsmittelverzeichn​is (siehe hierzu: www.rehadat.de) helfen bei der Auswahl eines geeigneten Hilfsmittels. Es gibt durchaus "Leichtgewichte", die bewilligt werden.

Dabei möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass es bestimmte Leichtgewichts-Rolla​toren gibt, die nicht im Hilfsmittelverzeichn​is stehen. Zuschüsse in Höhe der Versorgungspauschale​ sind allerdings auch hier möglich.

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Marianne Moldenhauer, RAin
(Petra) 19.01.2009, 22:59
Sehr geehrte Frau Moldenhauer,

ganz herzlichen Dank für Ihre schnelle Antwort! Ein kurze Frage habe ich allerdings noch, nachdem ich mir das Hilfsmittelverzeichn​is über Rehadat angeschaut habe und da tatsächlich den Rollator gefunden habe, den ich sowieso haben wollte.

Wenn der Arzt auf das Rezept Leichtgewichtrollato​r und die genaue Bezeichnung sowie die Hilfsmittelnummer schreibt: muss die Krankenkasse dann den genehmigen? Oder können die immer noch sagen, es gibt nur einen "baugleichen"?

Wäre echt nett, wenn Sie auch dazu kurz etwas schreiben könnten. Vielen Dank schonmal,

Petra
Experte Marianne Moldenhauer, RAin 20.01.2009, 09:03
Hallo, liebe Petra,

die Beantwortung Ihrer Frage möchte ich zunächst mit einem Blick in das 5. Sozialgesetzbuch beginnen:

Versicherte haben nach § 33 Abs 1 Satz 1 SGB V Anspruch auf Versorgung mit Seh- und Hörhilfen, Körperersatzstücken,​ orthopädischen und anderen Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen, soweit die Hilfsmittel nicht als allgemeine Gebrauchsgegenstände​ des täglichen Lebens anzusehen oder nach § 34 Abs. 4 SGB V ausgeschlossen sind.

Wie in allen anderen Bereichen der Leistungsgewährung der gesetzlichen Krankenversicherung auch, müssen die Leistungen nach § 33 SGB V
- ausreichend,
- zweckmäßig und
- wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten.
Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkasse nicht bewilligen (§ 12 Abs 1 SGB V).

Bei der Versorgung mit einem Rollator muss also Ihrem Anspruch auf den erforderlichen und nach dem Stand der Medizintechnik möglichen Behinderungsausgleic​h (vgl. § 2 Abs 1 Satz 3 SGB V) Rechnung getragen, aber zugleich auch auf die Wirtschaftlichkeit geachtet werden.

Im Ergebnis kann das schon zu Differenzen mit dem Krankenversicherer führen.

Sie sollten es allerdings doch zunächst einmal versuchen, nach dem Motto: "Wer nicht kämpft, hat schon verloren."

Ferner sollten Sie sich schon jetzt überlegen, wo für Sie die Gebrauchsvorteile für das angedachte Modell liegen.

Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

Herzliche Grüße

Marianne Moldenhauer, RAin