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Verfasser Beitrag
(Petra) 20.01.2009, 17:24
Guten Tag Frau Moldenhauer

1996 wurde bei mir MS diagnostiziert. Heute bin ich 100% schwerbehindert,bezi​ehe Rente
wegen Erwerbsunfähigkeit und erhalte Pflegegeld.

Nun zu meinem Problem. Seit 5 Jahren benutzte ich u.a. als Hilfsmittel einen Peronäusstimula-
tor. Reparaturen wurden ohne Nachfrage ( natürlich mit Rezept des Neurologen ) von der
Krankenkasse übernommen.
Anlässlich einer Ersatzbeschaffung im Dezember 2008 teilte mir eine Mitarbeiterin der KK
telefonisch mit, daß sie bei erneutem Bedarf meinerseits keine Kostenübernahme genehmigen
würde. Sie verwies auf mehr ( 2x wöchentlich erhalte ich regelmässig ) Krankengymnastik .
Einen Grund für diese Aussage,bzw. eine rechtliche Grundlage nannte sie nicht.

Ist das rechtens? Wie beurteilen Sie diesen Fall? Habe ich trotzt der Aussage der Angestelltenn weiterhin Anspruch auf das oben genannte Hilfsmittel?

Vielen Dank für Ihre Unterstützung
Experte Marianne Moldenhauer, RAin 20.01.2009, 18:11
Hallo liebe Petra,

ich zunächst einmal davon aus, dass Sie mit MS-bedingten Paresen (unvollkommenen Lähmungen) zu kämpfen haben. Oft leidet dadurch die Fähigkeit, den Fuß anzuheben.
Durch Aktivierung (elektrische Stimulierung) der gelähmten Muskeln an der Außen- bzw. Vorderseite des Wadenbeins mit dem Peronäusstimulator soll das Gehverhalten verbessert und einem Muskelschwund (Atrophie) entgegengewirkt werden, was Ihnen wiederum zu höherer Mobilität und Lebensqualität verhilft. Vielleicht haben Sie auch mit Spasmen zu tun. Die Stimulation hat hier oft einen hemmenden Effekt. Ziel der Behandlung ist es vermutlich (Vorsicht: bin kein Mediziner), die Nerven des paretischen Fuß zu aktivieren.

Vor diesem Hintergrund sollten Sie sich mit der Aussage der Sachbearbeiterin der Krankenkasse m. E. nicht zufrieden geben.

Die krankengymnastischen​ Übungen ersetzen nicht den Einsatz des Peronäusstimulators.​ Sie dürften - unterstelle ich einmal - sehr, sehr viel weiter gehen (Stichworte: Rumpfstabilisierung,​ Verbesserung von Kraft- und Koordination, Gleichgewichtstraini​ng usw.). Hierauf sollten Sie die Krankenkasse bereits frühzeitig hinweisen. Vielleicht steht Ihnen dabei der verordnende (Fach-)Arzt insofern zur Seite als er in einem Befundbericht niederlegt, warum er den Einsatz des Stimulators bei Ihnen neben der weitergehenden physiontherapeutisch​en Behandlung für notwendig erachtet.

Sollte die Krankenkasse die Leistung tatsächlich versagen wollen, dürften die Aussichten für ein erfolgreiches Widerspruchs-/Klagev​erfahren nach vorsichtiger Schätzung aus der Ferne (das gebe ich zu bedenken!) gut sein.