DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

1395

1395

Lidvina von Schiedam – der erste MS-Fall?

Seit wann Multiple Sklerose auftritt, ist unbekannt. Bis zum Mittelalter gibt es in medizinischen Texten keine Beschreibungen, die aus heutiger Sicht auf diese auffällige Erkrankung hindeuten. Die Leidensgeschichte der Heiligen Lidwina von Schiedam ist der früheste Fall, der sich als MS interpretieren lässt – einen Beweis gibt es allerdings nicht.

 

Am 2. Februar 1395 stürzte die 15jährige Lidwina beim Eislaufen und zog sich mehrere Rippenbrüche zu, die nur schlecht verheilten. In den folgenden 37 Jahren zeigten sich – mit schubförmigen Verschlechterungen und Besserungen – Symptome, die einer Erkrankung des Zentralen Nervensystems zugeschrieben werden können. So litt sie an Lähmungen beider Beine, des rechten Arms und des Gesichts. Sie erblindete auf einem Auge, hatte Sensibilitätsstörungen und Schluckprobleme.
Lidwina glaubte, Gott habe ihr die Krankheit auferlegt, damit sie stellvertretend für die Sünden ihrer Mitmenschen leide. In ihren Visionen besuchte sie Himmel und Hölle. Bald entstand um die niederländische Nonne ein Kult: Zahlreiche kranke Menschen pilgerten auf der Suche nach Heilung zu ihr.