DMSG - Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.

1868

1868

MS ist eine eigene Krankheit

Jean Martin Charcot

Mit dem Namen Jean Martin Charcot ist der Durchbruch in der Geschichte der MS verbunden. Er erkennt MS als eigenständige Krankheit und stellt den Zusammenhang her zwischen den pathologischen Befunden, die bei Obduktionen gefunden
wurden, und den rätselhaften Symptomen, unter denen die Patienten leiden.

Jean Martin Charcot (1825-1893) verfasste die erste umfassende Beschreibung der MS. 1868 veröffentlichte er seine Erkennntnisse unter dem Titel "Histologie de la Sclérose en plaques". Zu Charcots Beitrag zum Verständnis der MS gehören

  • die Aufstellung diagnostischer Kriterien – Nystagmus/Diplopie (das Sehen von Doppelbildern), Ataxie (Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen) und Dysarthrie (undeutliches Sprechen),
  • die erste vollständige Beschreibung von MS-Läsionen mit der Zerstörung von Myelin und der Vermehrung von Gewebe und Zellkernen, sowie
  • die Abgrenzung der MS gegenüber Morbus Parkinson.
    Charcot vermutete, dass die Ursache der MS in einer akuten Infektion liegen könnte, und Kälte ebenso wie emotionale Faktoren – Schock, Trauma – eine Rolle spielen.

Das Gemälde von Pierre Brouillet zeigt Charcot bei einer seiner
berühmten klinischen Vorlesungen am Salpêtrière-Krankenhaus in Paris. Der junge Arzt Joseph Babinski hält die ohnmächtige Patientin Blanche Wittmann in den Armen. Babinski (1857-1932) beschrieb 1885, dass Entzündung und Myelin-Abbau einhergehen mit einer Ansammlung von Fresszellen – ein erster Hinweis, dass MS eine Autoimmunkrankheit ist.

Der Schüler Sigmund Freud

Charcot widmete sich in späteren Jahren zunehmend der Erforschung und Therapie der Hysterie. Zu seinen Schülern gehörten Georges Gilles de la Tourette und Sigmund Freud, der von ihm beeinfl usst wurde. Freuds "Studien über Hysterie", 1895 veröffentlicht, gelten als Ursprung der Psychoanalyse.

Letzte Aktualisierung: 14.11.2017 18:10